Lebensdaten
1877 bis 1962
Geburtsort
Calw (Württemberg)
Sterbeort
Montagnola bei Lugano
Beruf/Funktion
Dichter ; Schriftsteller
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 11855042X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Chese, Cherman
  • Esse, Cherman
  • Esse, Erman
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Zitierweise

Hesse, Hermann, Indexeintrag in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd11855042X.html [29.09.2016].

CC0

Hesse, Hermann

Dichter, * 2.7.1877 Calw (Württemberg), 9.8.1962 Montagnola bei Lugano, S. Abbondio. (evangelisch)

  • Genealogie

    V Johannes (1847–1916), 1865 Missionarsgehilfe d. Baseler Missionsges. in d. Blauen Bergen in Indien, seit 1873 Sekr. v. Hermann Gundert in C., 1881-86 in Basel als Hrsg. d. Missionsmgz. u. Lehrer d. dt. Lit. a. d. Missionsanstalt, dann Nachf. Gunderts als Leiter d. Calwer Verlagsver., ging nach Erblindung 1905 zur schwäb. Brüdergemeinde nach Korntal (s. L), S d. Hermann (1802–96), Dr. med., Kreisarzt, russ. Staatsrat, Pietist, Gründer d. Waisenhauses in Weißenstein/Estland, u. d. Jeanette Laß; M Marie (1842–1902), Wwe d. Missionars Charles Isenberg ( 1870, S d. Missionars Karl Wilh. Isenberg, 1864, s. ADB 14), T d. Missionars Herm. Gundert ( 1893, s. NDB VII); Ur-Gvv Barthold Joachim (1765–1819), aus Lübeck, Kaufm., Ältermann d. Brauerkompanie u. Kantor d. dt. Gemeinde in Dorpat; 1) Basel 1904 ( 1923) Marie, Photographie T d. Historikers August Bernoulli ( 1921, s. NDB II*) u. d. Joh. Maria Burckhardt, 2) ebd. 1924 ( 1927) Ruth, T d. Fabr. Theo Wenger u. d. Schriftstellerin Lisa Wenger, geb. Ruutz (1858–1941, s. Kosch, Lit.-Lex.), 3) Montagnola 1931 Ninon Dolbin (1895–1966), Kunslhistorikerin, T d. Dr. jur. Jak. Ausländer, aus Gutspächterfam. i. d. Bukowina, u. d. Gisela Israeli; 3 S aus 1).

  • Leben

    H. war ein feinnerviges, dazu höchst kurzsichtiges Kind, das in einem vielsprachigen, von orientalischen Erinnerungen erfüllten Elternhaus fast zuviel Anregungen empfing. Die streng pietistische Erziehung durch den Vater verstärkte seinen trotzigen Eigensinn. Dagegen wirkte die Musikpflege und Naturverbundenheit der Mutter beruhigend. Er geriet frühzeitig mit den autoritären Schullehrern der Zeit in Konflikt. Kurze Zeit nach der Aufnahme in das Maulbronner Seminar kam es zur offenen Revolte bis zu Selbstmorddrohungen; auch das Cannstatter Gymnasium verließ er kurz nach dem Bestehen des Einjährigen-Examens (1893), ohne das Abitur zu machen. Schwierig war auch die Berufswahl. Nach mannigfachen Ansätzen, zuletzt als Volontär in einer Turmuhrenfabrik, trat H. schließlich im Herbst 1895 in das Heckenhauersche Geschäft in Tübingen ein und erhielt dort eine gründliche Ausbildung als Buchhändler; nach Beendigung der Lehrzeit blieb er noch ein Jahr als Verkäufer. Schon vorher war er sich über seinen eigentlichen Beruf als Dichter klar geworden, auf den er sich durch umfassende Lektüre vorbereitete; seine ersten Verse entstanden unter dem leuchtenden Eindruck Hölderlins. In Tübingen wandte er sich von frühen Zwelfeln ab und huldigte nun im „Petit cénacle“, dem unter anderem Ludwig Finckh angehörte, einer romantischen Gefühlsreligion. 1899 erschienen die ersten Buchveröffentlichungen des jungen Autors. Aber erst der 1904 bei S. Fischer verlegte Entwicklungsroman „Peter Camenzind“ erwarb ihm die Gunst der Lesermassen und der literarischen Preisrichter. Er konnte nun heiraten und sich als freier Schriftsteller in Gaienhofen am Bodensee niederlassen, wo er 1904-12 lebte.

    Gaienhofen war für H. und seinen Freundeskreis ein zweites Worpswede, wo man naturverbunden, obwohl nicht weltfremd, ein franziskanisches Menschentum suchte. H.s Erzählungen fanden in den Kreisen der eben aufblühenden Jugendbewegung ihre begeistertsten Leser. Sie stellen wie „Knulp“ (1915) das freie Leben ewiger Tippelbrüder zwar einfühlsam, aber ohne falsche Sentimentalität dar, sie behandeln die Entwicklungsnöte junger Handwerker und einzelgängerischer Lateinschüler in farbenreicher, an Gottfried Keller geschulter Sprache. Die bedeutendste dieser Erzählungen ist „Unterm Rad“ (1906), die Schilderung einer zum Selbstmord führenden Pubertätskrise. Wie zahlreiche andere Dichter und Erzieher kämpfte H. hier gegen die in einer pluralistischen Gesellschaft nicht mehr zeitgemäße autoritäre Pädagogik. Bei aller romantischen Absoitigkeit suchte er doch nach einer positiven Einstellung zur Gegenwart. Er schrieb für die „Neue Rundschau“, die „Jugend“ und den „Simplizissimus“ und verband sich 1907-12 mit Albert Langen, Ludwig Thoma und anderen in der Herausgabe der politischen Zeitschrift „März“, die später von Theodor Heuss übernommen wurde.

    Die starken Eindrücke aus der Welt des Großvaters und Vaters legten H. schon früh den Gedanken nahe, das Vorbild für eine erneuerte Geisteshaltung im Orient zu suchen. 1911 reiste er mit dem Maler Hans Sturzenegger nach Ceylon, Singapur und Sumatra. Doch wirkte die Berührung mit der orientalischen Wirklichkeit enttäuschend und ernüchternd. Zum Teil war diese Reise auch eine Flucht vor den Problemen der eigenen Ehe, die durch depressive Gemütszustände seiner Frau in wachsendem Maße zerrüttet wurde; von diesen Problemen spricht verhüllt der Roman „Roßhalde“ (1914).

    Der Versuch, durch eine Übersiedlung in eine neue Umgebung, nach Bern (1912), eine Lösung zu finden, schlug fehl. Und überdies zerstörte bald der Schock des 1. Weltkrieges alle romantischen Träume von einer inneren Wandlung Deutschlands oder gar Europas.|H. ließ sich zuerst von der Hochflut der Begeisterung mitreißen, wurde aber sehr bald ernüchtert. Er ging nun in der „Neuen Zürcher Zeitung“ vom 3.11.1914 mit der patriotischen Kriegsdichtung unbarmherzig ins Gericht und forderte eine Rückbesinnung auf humanistische Werte. Zwar fand er bei Romain Rolland, bei den Schweizer Intellektuellen und auch bei besonnenen Deutschen wie Theodor Heuss und Conrad Haußmann Verständnis, wurde aber von rechtsstehenden Publizisten entrüstet zum Verräter gestempelt. Daß seine Haltung nicht Verrat war, bewies H. durch seine hingebungsvolle Arbeit (1915–19 sogar als Beamtenstellvertreter) in der geistigen Betreuung der deutschen Kriegsgefangenen.

    Der Druck der Kriegszeit lastete auf H.s Gemüt, dem die Auflösung seiner Ehe und seines Hausstandes schwer zusetzte. Er bekämpfte die innere Verstörung Anfang 1916 mit Erfolg durch eine psychoanalytische Behandlung. Sein Arzt Dr. Josef Bernhard Lang, ein Schüler C. G. Jungs, ermutigte ihn zu einer positiveren Einstellung zum Leben, die den Schlüssel zur Erneuerung der deutschen und europäischen Kultur im „Weg nach Innen“ fand. Der Zusammenbruch von 1918 bestätigte H.s schlimmste Befürchtungen. Die Flugschrift „Zarathustras Wiederkehr“ (1919, zuerst anonym) rief denn auch die deutsche Jugend zur Einkehr und Umkehr auf. Ihre äußere Form und einzelne Gedanken erinnern an Nietzsche, von dessen Amoralismus jedoch nichts zu spüren ist. Auch lehnte H. den bolschewistischen Umsturz aller bürgerlichen Werte als einer der ersten europäischen Intellektuellen sehr früh ab (Die Brüder Karamasoff oder der Untergang Europas, 1920). Die erste dichterische Frucht von H.s Kriegsjahren war der Roman „Demian“ (1919, geschrieben 1916-17 in Bern), der zuerst unter dem Pseudonym „Emil Sinclair“ erschien; denn H. empfand ihn als einen schriftstellerischen Neubeginn. In der Tat verwandte er hier zum ersten Mal einen unrealistischen Stil, um Sinclairs Überwindung seiner moralischen Schizophrenie und seine Hinwendung zur tätigen (und damit immer schuldhaften) Teilnahme am Leben zu versinnbildlichen. Kein künftiger Held H.s versucht mehr eine romantische Weltflucht wie Peter Camenzind.

    H.s äußeres Leben nach dem 1. Weltkrieg wurde zum Teil durch die häusliche Krise, zum Teil durch die Verminderung seiner Einnahmen durch die deutsche Inflation bestimmt. 1919 verließ er Bern, um in der Casa Camuzzi in Montagnola bei Lugano ein erstes Refugium zu finden. Die Heilkraft der südlichen Landschaft wurde durch ausgedehnte malerische Versuche unterstützt, zu denen ihn zuerst die psychoanalytische Behandlung ermutigt hatte. Es kam sogar zu selbst illustrierten Schriften, die den Dichter als einen nicht unbegabten Freund der Dresdener „Brücke“-Maler zeigten. „Klingsors letzter Sommer“ (1920) versuchte, den malerischen Stil mit einem gewissen Erfolg auch auf die Prosa zu übertragen, und näherte sich damit expressionistischen Stilexperimenten; doch blieb der Dichter auch weiterhin literarischen Gruppen fern.

    Die politische Entwicklung unter der Weimarer Verfassung verfolgte H. mit großer Anteilnahme, die zu wachsender Sorge wurde. Als seine Söhne für die Schweizer Armee angemustert wurden, entschloß er sich, 1923 wieder die Schweizer Staatsangehörigkeit seiner Kindheit anzunehmen; die deutsche (das heißt zunächst württembergische) hatte er 1891 für die Aufnahme in das Maulbronner Seminar erworben, was bei der pietistischen Unterbewertung der „Welt“ kein besonders wichtiger Schritt gewesen war. Im Januar 1924 versuchte H. vergeblich wieder einen Hausstand zu gründen. 1927 endlich fand er in der österreichischen Kunsthistorikerin Ninon Dolbin eine zu ihm passende neue Lebensgefährtin, die er 1931 ehelichte. Gleichzeitig zog das Ehepaar in H.s neue Villa in Montagnola ein, die sein Mäzen Hans C. Bodmer für ihn gebaut hatte und die dem Dichter endlich völlige Ruhe für sein Schaffen gewährte.

    Die neue Einstellung zur Welt, um die in „Demian“ und „Klingsors letzter Sommer“ noch gerungen wurde, wurde in „Siddhartha“ (1922) zum ersten Male umfassend dargestellt. Das Buch ist ein Höhepunkt in der zuerst von der Romantik angestrebten Annäherung des deutschen Geistes an den indischen, der Bergpredigt an die Bhagavadgita, und wird auch in Indien als eine geglückte Synthese empfunden. In einfacher, rhythmisch gebundener Sprache und mit wenigen, aber eindrucksvollen Bildern wird hier der Weg eines Menschen zu demutsvoller Hingabe an das ewige Werden und zum Dienst am Nächsten dargestellt. Obwohl H. wesentliche Teile des christlichen Dogmas ablehnte, bejaht das Buch durchaus die christliche Ethik. Seine nächsten Romane galten der Auseinandersetzung mit dem modernen europäischen Leben. Sie erreichte im „Steppenwolf“ (1927) ihren ersten Höhepunkt. In sonatenähnlicher Struktur wird hier die existentielle Gefährdung des Menschen bis in die letzten Tiefen des Unterbewußtseins schonungslos ausgelotet, seine schizoide Gespaltenheit in edle und animalische Triebe|aller Art. Den „Steppenwolf“ in all unserem Tun und Trachten leugnen zu wollen, ist sinnlos; möglich ist nur seine Bejahung durch Sublimierung des Trieblebens. Aber natürlich ist dies eine unendliche, nie vollkommen zu lösende Aufgabe.

    H.s Einstellung wird häufig als hoffnungslose Schizophrenie oder als zerstörerischer Nihilismus mißverstanden. „Der Steppenwolf“ entfremdete H. viele Leser, und „Narziß und Goldmund“ (1930) trug ihm gar den Vorwurf der Immoralität ein. In diesem historischen Roman geht es aber um das Problem der künstlerischen Existenz, und die geschilderten Lebensläufe sind nicht etwa vorbildlich, sondern höchstens repräsentativ für zwei mögliche, aber nicht für sich vollkommene Lebenshaltungen. Narziß lebt als Abt ein Leben der Askese und des Geistes, während Goldmund aus dem Kloster flieht, von Frauen geliebt wird und Menschen töten muß. Erst spät lernt er, mit seinein wilden Leben durch künstlerische Gestaltung fertig zu werden, und erst in seiner Sterbestunde sieht er ein, daß er den reinen Geist als Leitstern braucht, genauso wie der reine Geist der Kunst als sichtbarer Sprache bedarf. Beide Wege führen zur Gottheit, die hier, wie so oft bei H., als weibliches Glied einer Mandala erscheint. „Narziß und Goldmund“, H.s spannungs- und farbenreichster Roman, ist auch dem naiven Leser ohne weiteres zugänglich. Schwieriger ist „Die Morgenlandfahrt“ (1932), deren Thema der Weg zur Unio mystica ist; bei der Abfassung des Romans stand der von H. über alles geliebte Novalis Pate.

    Für einen Individualisten wie H., dessen Romane größtenteils in der Ichform geschrieben sind, war als Lösung des sozialen Problems nur eine pluralistische Gesellschaft möglich, wie sie sein letzter utopischer Roman „Das Glasperlenspiel“ (1943, erste Pläne 1931) zu umreißen sucht. Neben abendländischen werden hier auch chinesische und indische Wege zur Weisheit, neben den Lebensformen des Künstlers und des Gelehrten auch diejenigen des Kaufmanns, des Politikers und des Technikers als berechtigt anerkannt. Die Einheit des Lebens wird als mystische „coineidentia oppositorum“ durch die Akademie der Glasperlenspieler periodisch zelebriert. Freilich droht diese während der Lebenszeit des Helden Josef Knecht dem ästhetischen Bildungshochmut zu verfallen und sich alexandrinisch vom Leben abzukehren. Knecht leitet neue Beziehungen zu den Mächten der Außenwelt ein und zwingt die Akademie durch seinen schockierenden Rüdetritt von allen Ämtern zur Besinnung auf ihre Lebensverbundenheit; wäre dies nicht so, dann würde man nie seinen Lebenslauf beispielhaft beschrieben haben. Bildung wurzelt einerseits in Religion und verpflichtet anderseits zur Umwandlung des praktischen Lebens. Knechts eigene Wendung gipfelt in seinem selbstvergessenen Einsatz für den geliebten Zögling, bei dem er den Tod erleidet. Dieser Tod ist aber auch wie der des Empedokles ein Eingehen in das Unendliche, dem gegenüber sogar das vorbildliche Leben von begrenztem Wert ist. Dieser mystische Unterton macht das Ende des Romans zu einem Rätsel, über dessen Auflösung sich keine kritische Einmütigkeit hat erzielen lassen. H.s „Glasperlenspiel“ versucht eine ganzheitliche Schau der Kultur, bei der Goethes „Wanderjahre“ und das konfuzianische „I Ging“, Jacob Burckhardt, Nikolaus von Kues und der heilige Benedikt Pate gestanden haben. Das Ergebnis ist ein gleichsam christlicher Humanismus. H.s Kritikern erscheint seine Vision zu unverbindlich, sein parodistischer Chronikstil zu maniriert; die Avantgarde lehnt ihn in den Punkten ab, in denen ihre Antwort auf die nationalsozialistische Gleichschaltung eine linksdemokratische oder sozialistische ist, doch wird er in der DDR als Vertreter des bürgerlichen „kritischen Realismus“ geschätzt.

    H. hielt in den Wirren des nationalsozialistischen Jahrzehnts wie der Nachkriegszeit konsequent am Recht zu freier Meinungsäußerung und persönlicher Lebensgestaltung fest. Obwohl er keine politischen Aufrufe unterzeichnete, ließ er in Privatbriefen und literarischen Kritiken keinen Zweifel an seiner Ablehnung der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und sorgte menschlich in großzügiger Weise für politische Flüchtlinge. Seine eigentliche Antwort auf die rigorose Gleichschaltung alles Menschlichen durch die modernen totalitären Systeme war „Das Glasperlenspiel“.

    Unter den mannigfachen Ehrungen, die dieser Roman H. eintrug, war der Nobelpreis des Jahres 1946 die wichtigste. H. war schon vorher durch zahlreiche Übersetzungen in europäische und orientalische Sprachen eine führende Erscheinung der Weltliteratur geworden. Den erstaunlichsten Widerhall fand er in Indien und Japan.

    Nach der Beendigung des „Glasperlenspiels“ zog sich H. aus dem literarischen Leben zurück. Er blieb jedoch ein überaus fleißiger Briefschreiber und wies vielen jungen Leuten, die sich an ihn wandten, Wege zu|freier Selbstentfaltung. Literarische Kritiken, die seit den Gaienhofer Jahren einen großen Teil seiner schriftstellerischen Tätigkeit ausgemacht hatten, lieferte er nur noch gelegentlich. Auch auf die Herausgabe von Schriften anderer, die zahlreiche Nummern seiner frühen Bibliographie füllt, verzichtete er in seinem Alter. Dagegen sammelte er nun sein dichterisches Lebenswerk und überarbeitete Teile desselben. Unter ihm nehmen H.s lyrische Gedichte einen starken Band ein. Nur wenige Gedichte haben sich allgemein durchgesetzt, und der Reichtum seiner Lyrik ist noch kaum erschlossen. H. liebte es im Alter, den versponnenen Magier zu spielen, und fand in gärtnerischer Arbeit den ersehnten Einklang mit den Kräften des Alls. Sein letztes Gedicht entstand bei einem morgendlichen Spaziergang vor seinem Hinscheiden und war dem absterbenden Ast einer Robinie gewidmet.

  • Werke

    Weitere W Romant. Lieder, 1899;  Eine Stunde hinter Mitternacht, 1899;  Hinterlassene Schrr. u. Gedichte v. H Lauscher, 1901;  Diesseits, 1907;  Nachbarn, 1908;  Gertrud, 1910;  Umwege, 1912;  Aus Indien, 1913;  Märchen, 1919;  Klein u. Wagner, 1919 f.;  Kurgast, 1925;  Bilderbuch, 1926;  Die Nürnberger Reise, 1927;  Fabulierbuch, 1935;  Stunden im Garten, 1936;  Der lahme Knabe, 1937;  Krieg u. Frieden, 1946;  Piktors Verwandlungen, Faks.druck 1954;  Ges. Schrr., 7 Bde., 1957;  Prosa a. d. Nachlaß, hrsg. v. Ninon Hesse (Ehefrau) 1965;  Briefe, erweiterte Ausg., 1964. – Neue dt. Bücher, Lit.berr. f. Bonniers Litterära Magasin, 1935 f., hrsg. v. B. Zeller, 1965;  Kindheit u. Jugend vor 1900, H. H. in Briefen u. Selbstzeugnissen 1877–95, ausgew. u. hrsg. v. Ninon Hesse, 1966;  H. H. u. Thomas Mann, Briefwechsel. 1968;  H. H. u. Peter Suhrkamp, Briefwechsel 1949–59, 1969.

  • Literatur

    H. Waibler, H. H., Eine Bibliogr., 1962;  O. Bareiß, H. H., Eine Bibliogr., 2 Bde., 1962-64;  J. Mileck, H. H. and His Critics, = Univ. of North Carolina Studies in Germanic Languages and Literatures 21, 1958;  H. Ball, H. H., s. Leben u. s. Werk, 1927, Neue Ausg. mit Anh. v. A. Carlson u. O. Basler, 1947;  M. Schmid, H. H., 1947;  W. Kohlschmidt, in: ders., Die entzweite Welt, 1953, S. 127-54;  G. Mayer, Die Begegnung d. Christentums mit d. asiat. Religionen im Werk H. H.s, 1956;  E. Rose, Faith from the Abyss, H. H.s Way from Romanticism to Modernity, 1965;  Th. Ziolkowski, The Novels of H. H., 1965;  M. Boulby, H. H., His Mind and Art, 1967;  R. C. Norton, Variant Endings of H.s „Glasperlenspiel“, in: Monatshefte (Univ. of Wisconsin) 60, 1968;  KunischEppelsheimer I-X. -  H.-Archiv im Schiller-Nat.mus., Marbach. -  Zu V Johannes: Herm. u. A. Hesse, Zum Gedächtnis unseres Vaters, 1930 (P)Württ. Nekr. f. d. J. 1916, 1920;  DBJ I (Tl.).

  • Portraits

    in: B. Zeller, H. H., eine Chronik in Bildern, 1960.

  • Autor

    Ernst Rose
  • Empfohlene Zitierweise

    Rose, Ernst, "Hesse, Hermann" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 17-20 [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd11855042X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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