Lebensdaten
1891 bis 1959
Geburtsort
Kirchhatten (Oldenburg)
Sterbeort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Verleger ; Schriftsteller
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118619977 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Suhrkamp, Johann Heinrich (eigentlich)
  • Suhrkamp, Peter
  • Suhrkamp, Johann Heinrich (eigentlich)
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Suhrkamp, Peter, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118619977.html [17.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus seit d. 16. Jh. im Oldenburgischen nachweisbarer Fam.;
    V Johann Friedrich (1855–1932, Landwirt, Tischler in K.;
    M Elise Katharina Lange (1868–1959;
    3 B, 2 Schw;
    1) 1913 1918 Ida Plöger († 1918), Lehrerin in Wilhelmshaven, 2) 1919 1923 Irmgard Karoline Lehmann (* 1889), 3) 1923 1924 Fanny Cleve (1893–1971, aus Ybbs/Donau, Opernsängerin (s. Gr. Sängerlex.), T d. Adolf Löwy, Rabbiner, u. d. Theresa Freund, 4) 1935 Annemarie (Mirl) (1895–1959, 1] Anthony van Hoboken, 1887–1983, aus Rotterdam, Musikaliensammler u. Musikbibliograph, 1927 Gründer d. Archivs f. Photogramme musikal. Meister-Hss. b. d. Österr. Nat.bibl., seit 1938 in d. Schweiz, s. Schweizer Lex.; Hist. Lex. Wien), T d. Hermann Seidel (1855–95 Freitod), aus sächs. Pfarrerfam., Dr. med., 1886–95 Inh. e. chirurg. Privatklinik in Braunschweig, seit 1892 Leiter d. hzgl. Krankenhauses ebd., 1894 Prof. (s. Pagel; Braunschweig. Biogr. Lex.), u. d. Emmy Loesevitz (1861–1945;
    1 T aus 1) Ursula (1914–36, 1 S aus 2) Klaus Peter (* 1920); Schwagerin Ina (Johanna Mathilde) Seidel (1885–1974, Schriftst. (s. NDB 24).

  • Leben

    Als Ältester von sechs Geschwistern sollte S. nach dem Willen des Vaters den elterlichen Bauernhof in Kirchhatten übernehmen; als er dies verweigerte, mußte er 1905 den Hof verlassen. Er zog eine Lehramtsausbildung vor, besuchte das Oldenburger Lehrerseminar 1905–11 und nahm schon vor Ende der Ausbildung Lehrerstellen in Augustfehn und Idafehn an. 1914 legte er in Bremerhaven das Staatsexamen als Volksschullehrer ab und holte im selben Jahr sein Abitur als Externer am Realgymnasium in Bremen nach. Seinen Plan, anschließend|Germanistik in Berlin zu studieren, konnte S. aufgrund des Kriegsausbruchs nicht verwirklichen. Bis zum Beginn des 1. Weltkriegs unterrichtete er an der Goethe-Schule in Bremerhaven. 1914 meldete er sich als Kriegsfreiwilliger und kam als Offizier an die Westfront; seit Jan. 1918 hielt er sich wegen psychischer Probleme in einem Sanatorium in Königstein (Ts.) auf.

    1919 arbeitete S. an der Odenwaldschule in Heppenheim, 1920 und 1921 an der Freien Schulgemeinde Wickersdorf, 1925–29 war er deren pädagogischer Leiter. Aufgrund immer wieder auftretender gesundheitlicher Einschränkungen übte er den Lehrerberuf jedoch nicht kontinuierlich aus und wurde 1919 Sekretär bei Rudolf G. Binding (1867–1938) in Buchschlag bei Frankfurt/M. Daneben begann er schriftstellerisch tätig zu werden, publizierte Essays und Dramen in Zeitschriften. Im Winter 1919 begegnete er auch erstmals Bertolt Brecht (1898–1956), mit dem sich eine lange Freundschaft entwickelte. Bis Mitte der 1920er Jahre folgten Arbeiten als Regisseur und Dramaturg am Darmstädter Theater.

    1929 übersiedelte S. nach Berlin und gab den Lehrerberuf endgültig auf. Zunächst verdiente er seinen Lebensunterhalt mit Kritiken für das „Berliner Tageblatt“, danach bis 1932 im Ullstein-Verlag als Redakteur sowie Literaturkritiker beim überaus populären Monatsmagazin „Uhu“, für das u. a. auch Erich Kästner, Hermann Hesse, Kurt Tucholsky und Robert Musil Beiträge lieferten.

    Mit seinem Eintritt in den Berliner „S. Fischer Verlag“ am 1. 1. 1933 begann die Verlagstätigkeit S.s. Zunächst leitete er als Chefredakteur die Kulturzeitschrift „Die neue Rundschau“, für die er auch selbst viele Beiträge verfaßte. Im Herbst 1933 wurde er Vorstandsmitglied des S. Fischer Verlags. Die Zusammenarbeit mit dem großen Kulturverleger Samuel Fischer (1859–1934) hat S. in seinem verlegerischen Schaffen geprägt: Die anhaltende Förderung zeitgenössischer Autoren und freundschaftliche Verbundenheit mit ihnen pflegte er auch später in seinem eigenen Verlag. Als Fischer 1934 starb, führte S. den Verlag zusammen mit Fischers Schwiegersohn Gottfried Bermann Fischer (1897–1995) weiter, der 1936 mit einem Teil der Verlagsproduktion ins Exil ging. Den in Berlin verbliebenen Verlagsteil leitete S. fortan treuhänderisch während des „Dritten Reichs“ bis 1949. 1936 traf er erstmals auch den Fischer-Autor Hermann Hesse (1877–1962), der ihm später ein enger Freund und Berater wurde. Mit den Lektoren Oskar Loerke (1884–1941) und Hermann Kasack (1896–1966) gestaltete S. das Verlagsprogramm und versuchte, es im Sinne S. Fischers fortzusetzen. 1942 wurde unter politischem Druck verfügt, den Verlag in „Suhrkamp Verlag, vorm. S. Fischer“ umzubenennen. Im April 1944 wurde S. wegen Landes- und Hochverrats verhaftet und schließlich im Jan. 1945 ins KZ Sachsenhausen überstellt, wo er lebensgefährlich erkrankte. Schwer gezeichnet, wurde er im Febr. 1945 entlassen.

    Im Okt. 1945 erhielt S. als erster Verleger in Berlin eine Lizenz für die brit. Besatzungszone; ein Jahr später folgte eine Lizenz für die amerik. Zone, mit der er im Herbst 1947 den Verlag in Frankfurt/M. eröffnen konnte. Kontroverse Vorstellungen von der Verlagsarbeit, in der Folge auch juristische Auseinandersetzungen mit Bermann Fischer, der noch im Exil lebte, über die zukünftige Ausrichtung der Programms führten 1950 zur Trennung S.s vom Verlag. 48 Autoren wurde es freigestellt, mit wem sie zukünftig zusammenarbeiten wollten. 33 entschieden sich für S., unter ihnen Brecht und Hesse.

    Am 1. 7. 1950 wurde der „Suhrkamp Verlag“ ins Handelsregister Frankfurt/M. eingetragen. Finanziell beteiligt war die Schweizer Unternehmerfamilie Reinhart aus Winterthur. Der „Suhrkamp Verlag“ avancierte in den 1950er Jahren zu einem der wichtigsten literarischen Verlage der jungen Bundesrepublik, nach S.s Worten mit „Büchern für eine Leser-Elite“, was seinen Ausdruck in der 1951 gegründeten Reihe „Bibliothek Suhrkamp“ fand. Insbesondere galt das Verlegerinteresse den Gegenwartsautoren. Als erster Band der Reihe erschien Hesses „Morgenlandfahrt“. Als weitere Autoren konnte S. u. a. Max Frisch, Paul Valéry, T. S. Eliot, Samuel Beckett, George Bernard Shaw, Hans Erich Nossack, Halldór Laxness, Günther Eich, Martin Walser, Hans Magnus Enzensberger, aber auch Wissenschaftler wie Theodor W. Adorno an seinen Verlag binden. Auch die Veröffentlichung der Werke Walter Benjamins und damit dessen eigentliche Entdeckung gehen auf S. zurück. Werkausgaben von Marcel Proust, Brecht und Hesse flankierten die Einzelausgaben der wichtigsten zeitgenössischen nationalen und internationalen Schriftsteller. Die Weltliteratur der Moderne fand bei Suhrkamp ihre Heimstatt in dt. Originalausgaben und Übersetzungen. S., dem es weniger um den schnellen Bestsellererfolg als vielmehr um den kontinuierlichen Aufbau eines Autors und seine Durchsetzung auf dem Buchmarkt ging, versuchte stets, möglichst das Gesamtwerk eines Autors in seinem Verlag zu veröffentlichen.

    1952 trat Siegfried Unseld (1924–2002) in den Verlag ein, zunächst als Werbefachmann, dann als Lektor. Als S. 1959 an den Spätfolgen seiner KZ-Internierung starb, übernahm Unseld das Unternehmen und führte es als hochangesehenen Literaturverlag mit renommiertem Autorenstamm weiter. Seit seinem Tod leitet seine Witwe, die Schriftstellerin Ulla Unseld-Berkéwicz (* 1948) den Verlag, den sie 2010 wieder nach Berlin übersiedelte. Sie verkaufte das komplette Verlagsarchiv mit Dokumenten, Manuskripten und Briefen an das Deutsche Literaturarchiv in Marbach/Neckar, wo sich nun auch das Archiv der Peter Suhrkamp Stiftung mit dem Nachlaß des Verlegers befindet.

  • Auszeichnungen

    A Dr. phil. h. c. (Frankfurt/M. 1951); BVK 1. Kl. (1956); Ehrenmitgl. d. Ak. f. Sprache u. Dichtung Darmstadt (1957).

  • Werke

    Munderloh, Fünf Erzz., 1957, 1973, 1979;
    Der Leser, Reden u. Aufsätze, hg. v. H. Kasack, 1960;
    – Briefe an d. Autoren, P. S. z. Gedächtnis seines 70. Geb.tages (85), hg. v. S. Unseld, Privatdr. 1961, 1963, 1964;
    H. Hesse – P. S., Briefwechsel 1945–1959, hg. v. S. Unseld, 1969;
    „So müßte ich ein Engel u. kein Autor sein“, Adorno u. seine Frankfurter Verleger, Der Briefwechsel mit P. S. u. Siegfried Unseld, hg. v. W. Schopf, 2003;
    Briefe an Mirl, hg. v. W. Schopf, 2009;
    W-Verz.:
    H. Ritzerfeld, Bibliogr. d. Schrr. v. P. S., in: S. Unseld, P. S., Eine Biogr., 2004, S. 283–89.

  • Literatur

    In Memoriam P. S., hg. v. S. Unseld, 1959 (Privatdr. f. d. Freunde d. Verlags;
    P);
    S. Unseld, P. S., Zur Biogr. e. Verlegers in Daten, Dokumenten u. Bildern, 1975, überarb. u. erw. 1991, 2004 (P);
    P. S. (1891–1959, Vom Bauernsohn aus Kirchhatten z. Frankfurter Verleger, Eine Ausst. z. 100. Geb.tag (85), hg. v. D. Grathoff, Red. E. Schreiber, 1991 (P);
    Die Gesch. d. Suhrkamp Verlages, 1. Juli 1950 bis 30. Juni 2000, 2000 (P);
    F. Voit, Der Verleger P. S. u. seine Autoren, Seine Zus.arb. mit Hermann Hesse, Rudolf Alexander Schröder, Ernst Penzoldt u. Bertolt Brecht, 1975;
    C. M. Müller, Ein bed. Stück Verlagsgesch., Die Trennung d. Verlage S. u. S. Fischer im J. 1950, 1989;
    Munzinger;
    Killy;
    Kosch, Lit.Lex. 3;
    Kosch, Theater-Lex.;
    LGB2 .

  • Portraits

    Aquarell u. Tuschzeichnung v. G. Böhmer (Suhrkamp Verlag).

  • Autor/in

    Ute Schneider
  • Empfohlene Zitierweise

    Schneider, Ute, "Suhrkamp, Peter" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 692-694 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118619977.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA