Lebensdaten
1866 bis 1960
Geburtsort
Pforzheim
Sterbeort
Freiburg (Breisgau)
Beruf/Funktion
Schriftsteller
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118755846 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Strauß, Emil Josef
  • Strauß, Emil
  • Strauß, Emil Josef

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Zitierweise

Strauß, Emil, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118755846.html [21.04.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Carl Ludwig (1835–1923), Kaufm., Schmuckwarenfabr. in P., Vers.insp. in Köln, S d. Joseph Carl (1793–1866), aus Brünn, Geiger, Komp., Dirigent, 1824–63 Hofkapellmeister in Karlsruhe (s. Kosch, Theater-Lex.; Lex. bed. Brünner Deutscher, 2000; Kleines Biogr. Lex. d. Violinisten, 2009; ÖBL);
    M Emilie Karolina (1836–1920), aus pfälz. Pfarrerfam., T d. Christian Karl Hepp (1801–85) u. d. Emma Karoline Dittler (1813–78);
    Köln 1901 Elisabeth (Lisbeth) (1867–1947), Lehrerin in England, dann in Rahden (Mindener Land), T d. Gottfried (Fritz) Marschalk (1833–90), Kaufm. in Berlin, später in Amerika, u. d. Laura Marschalk (1834–98, Cousine d. Gottfried, s. o.), Sängerin;
    1 S Konrad (1905–95), Maler, Graphiker in München (s. L), 1 T Elisabeth (Hutta) Charlotte (1902–85, 1] 1923–34 Wilhelm Frhr. v. Racknitz, 1895–1971, auf Heinsheim u. Zimmerhof, 2] 1935–61 Franz Beyer, * 1908,Dipl.-Ing., Architekt in Frankfurt/M.); Schwager Max Marschalk (1863–1940), Komp., Musikkritiker (s. Riemann), Schwägerinnen Gertrud Marschalk (1872–1951, 1] 1894–1900 Ernst Leistikow, 1867–1933, Kaufm., Likörfabr. in Bromberg, Kunstsammler, 2] 1901 Moritz Heimann, 1868–1925, Schriftst., Lektor d. S. Fischer-Verl. in Berlin, s. NDB VIII), Photographin in Berlin, Margarete (Grete) Marschalk (1874–1957, Gerhart Hauptmann, 1862–1946, Schriftst., s. NDB VIII), Photographin, Geigerin in Berlin, zuletzt in München;
    N Fritz Leistikow (später Marschalk, Heimann) (* 1901), Leiter d. Graph. Kunstanstalt Thieme in München.

  • Leben

    S. besuchte die Grundschule in Pforzheim und Gymnasien in Mannheim, Karlsruhe und Köln. Nach dem Abitur 1886 begann er in Freiburg (Br.), wo er sich mit dem Schriftsteller Emil Gött (1864–1908) befreundete, ein Studium der Philosophie, Philologie, Nationalökonomie und Kunstgeschichte, das er in Lausanne und Berlin fortsetzte. Dort kam S. nach Abbruch des Studiums 1889/90 mit dem Vegetarismus und der Lebensreformbewegung in Berührung, lernte im Friedrichshagener Dichterkreis die naturalistischen Schriftsteller Heinrich (1855–1906) und Julius Hart (1859–1930), Richard Dehmel (1863–1920), Max Halbe (1865–1944) und Gerhart Hauptmann kennen und beschloß, selbst Schriftsteller zu werden. 1891/92 versuchte er zusammen mit Gött, bei Konstanz und im Breisgau nach Vorstellungen der Lebensreformbewegung als landwirtschaftlicher Siedler und Selbstversorger zu leben. Dieses Experiment setzte er 1892 als Kolonist in Blumenau (Brasilien) fort und leitete dann ein Jahr lang ein Knabeninternat in São Paulo. Nach der Rückkehr 1894 lebte er 1896–1901 bei Ludwigshafen am Bodensee, wiederum als Selbstversorger, in äußerst bescheidenen Verhältnissen und hielt sich danach an häufig wechselnden Orten in Südwestdeutschland und der Schweiz auf, auch in Suna (heute Verbania) am Lago Maggiore (Italien),|1910 in der Oasenstadt Biskra (Algerien) und 1911–15 in der Dresdner Künstlerkolonie Hellerau. 1925 ließ er sich nach dem wirtschaftlichen Scheitern als Landwirt (seit 1919 im Hegau) in Freiburg nieder. Nach 1945 in Badenweiler ansässig, kehrte er 1955 nach Freiburg zurück.

    S., der auch Lyrik und drei Dramen schrieb, veröffentlichte seit 1891 in literarischen Zeitschriften erste Prosa, die unter Hauptmanns Einfluß stand. In seinem bekanntesten Werk, dem tragisch endenden Schülerroman „Freund Hein“ (1902, 361925, 411941, 1950, 1982, Tb. 1987, 2006, japan. 1957), griff er ein Thema auf, das nach ihm u. a. Hermann Hesse und Robert Musil literarisch verarbeiteten. Große Beachtung fanden auch seine Novellen „Der Engelwirt“ (1901, 631922, 781940, 1950, 1960, 1987 [P], schwed. 1940), „Der Laufen“ (zuerst in: Hans u. Grete, 1909) und „Der Schleier“ (1920, 1958, als Novellenslg. 1930, 1960). S.s teils realistische, teils neuromantisch beeinflußte klare Prosa schätzten u. a. Hesse, der S. „für eine der größten Begabungen der neuern deutschen Erzählerkunst“ hielt, sowie Hugo v. Hofmannsthal, Arnold Zweig, Peter Suhrkamp und Jean Améry. Seine lebensreformerischen Versuche thematisierte er in „Kreuzungen“ (1904, 621925, 721942) und in dem groß angelegten Roman „Das Riesenspielzeug“ (1935, 31935, entstanden seit 1924).

    S., dessen frühes Werk bis in die 1950er Jahre stark rezipiert wurde, wandte sich nach 1918 unter dem Eindruck des verlorenen Krieges, der gesellschaftlichen Veränderungen und des Mißerfolgs seiner neuen Veröffentlichungen zunehmend völkischen und rassistischen Ansichten zu, die auch in sein Spätwerk einflossen (Lebenstanz, 1940, 1954), und trat 1930 der NSDAP bei. Die propagandistische Vereinnahmung und zahlreiche Ehrungen in der NS-Zeit akzeptierte er ohne Bedenken. Nach der ihm 1949 in der franz. Besatzungszone ausgestellten „Säuberungsbescheinigung“ konnten seine Werke wieder verlegt werden.

  • Auszeichnungen

    A Dichterpension d. Landes Baden (1922, v. S. abgelehnt); Dichterpreis d. Verbandes d. Kunstfreunde in d. Ländern am Rhein (1925); Dr. phil. h. c. (Freiburg 1926); Reichskultursenator (1936); Goethe-Medaille f. Kunst u. Wiss. (1936); Erwin-v.Steinbach-Preis (1936); Ehrenbürger v. Freiburg (1936, 1946 aberkannt) u. Pforzheim (1937); Johann-Peter-Hebel-Preis (1941); Franz-Grillparzer-Preis (1942); Prof.titel d. Landes Baden-Württ. (1956); Mitgl. d. Sektion f. Dichtkunst d. Preuß. Ak. d. Künste (1926, 1931 zus. mit E. G. Kolbenheyer u. W. Schäfer ausgetreten) u. d. Dt. Ak. d. Dichtung (1933–45); – E.-S.-Str., Pforzheim (seit 1933, auf Umbenennung 2011 v. Gde.rat abgelehnt); E. S.-Schule, Freiburg (1941–45).

  • Werke

    Weitere W Menschenwege, 1899, 51941, Neuausg.1978, 21992;
    Don Pedro, Tragödie, 1899, Neufassung 1914, 21941, Neuausg. 1957;
    Hochzeit, Drama, 1908, Neuausg. 1957 (UA Berlin 1908, Regie: M. Reinhardt);
    Der Nackte Mann, 1912, Neuausg. 1951, rumän. 1943;
    Lorenz Lammerdien, Erstes Kap. e. unvollendeten Romans, 1917 (mit d. Untertitel „Eine angefangene Erzählung“, 1932, 71942);
    Der Spiegel, 1919, Neuausg. 1951;
    Vaterland, 1923, umgearb. 1936 (UA Karlsruhe 1924, Aufführungsverbot 1924);
    Dreiklang, 1949;
    Gartenäre, 1952;
    Ludens, Erinnerungen, 1955;
    Erzz., 1966;
    Hg.:
    L. Eichrodt, Gesammelte Dichtungen, 1890;
    J. v. Eichendorff, Gedichte, 1902;
    Der Lindenbaum, Dt. Volkslieder, ausgew. v. H. Hesse, M. Lang u. E. S., 1910, 31924;
    J. P. Hebel, Poet. Werke, 1911, Neuausg. 1968, mit e. Einl. v. E. S.;
    F. Hölderlin, Gedichte, 1914, mit e. Einl. v. E. S.;
    Jacob Burckhardt, Briefe an seinen Freund Friedrich v. Preen 1864–1893, 1922, mit e. Einl. v. E. S.;
    Briefe
    in: E. Gött, O Academia, hg. v. V. Schupp, 2003;
    Bibliogr.:
    Wilpert-Gühring;
    W. Frels, in: Die schöne Lit. 27, 1926, S. 7 f., erg. v. E. Metelmann, ebd. 28, 1927, S. 203–05;
    U. Sans, E. S. 1866–1960, eine Personalbibliogr., 1963;
    Teilnachlaß:
    Bad. Landesbibl. Karlsruhe;
    DLA Marbach/Neckar;
    Jürgen Schweier (Kirchheim unter Teck).

  • Werke

    1924; J. P. Hebel, Poet. Werke, 1911, Neuausg. 1968, mit e. Einl. v. E. S.;
    F. Hölderlin, Gedichte, 1914, mit e. Einl. v. E. S.;
    Jacob Burckhardt, Briefe an seinen Freund Friedrich v. Preen 1864–1893, 1922, mit e. Einl. v. E. S.;
    Briefe
    in: E. Gött, O Academia, hg. v. V. Schupp, 2003;
    Bibliogr.:
    Wilpert-Gühring;
    W. Frels, in: Die schöne Lit. 27, 1926, S. 7 f., erg. v. E. Metelmann, ebd. 28, 1927, S. 203–05;
    U. Sans, E. S. 1866–1960, eine Personalbibliogr., 1963;
    Teilnachlaß:
    Bad. Landesbibl. Karlsruhe;
    DLA Marbach/Neckar;
    Jürgen Schweier (Kirchheim unter Teck).

  • Literatur

    A. Zweig, Verweis auf E. S., in: Die Weltbühne 1929, H. 5, S. 184 f.;
    J. Hofmiller, E. S., in: ders., Letzte Versuche, 1934, 41952, S. 127–62;
    F. Endres, E. S., 1936, 21943;
    B. v. Wiese, in: Zs. f. dt. Geisteswiss. 3, 1940/41, S. 36–49;
    S. Weigert, Dichtungsform u. Lebensform in d. Werken v. E. S., 1950;
    L. Fischer, Das Menschenbild in d. Romanen u. Novellen v. E. S., 1951;
    B. Rudin, „Wahr sein kann man“, Eine Dok. zu Leben u. Werk v. E. S., Ausst.kat. unter Mitarb. v. J. Schweier, 1987, 21990 (P);
    dies. (Hg.), „Wahr sein kann man“, Zu Leben u. Werk v. E. S. (1866–1960), Symposion d. Stadt Pforzheim, 1990 (P);
    dies., Marginalien zu E. S., in: Bad. Heimat 71, 1991, S. 735–39;
    Konrad Strauß, Erinnerungen an meinen Vater E. S., 1990 (P);
    J. Bohley, Die Heimat- u. Identitätsmodelle b. E. S., in: Dichtung im Dritten Reich? Zur Lit. in Dtld. 1933–1945, hg. v. C. Caemmerer u. W. Delabar, 1996, S. 231–44;
    V. Schupp, Die Erneuerungsbewegung in Freiburg während d. frühen Lebensreform, Emil Gött u. sein Freundeskreis, Lit. u. Leben, in: ZGORh NF 110, 2001, S. 393–421;
    P. Sprengel, „Andreas Heinrich Lindner“, Auch Siegfried Kracauer las E. S., in: Horizonte verschmelzen, Zur Hermeneutik d. Vermittlung, H. Eggert z. 70. Geb.tag, hg. v. H. R. Brittnacher u. a., 2007, S. 35–38;
    Killy;
    Kosch, Lit.-Lex.3 (W, L);
    Kindler Neues Lit. Lex.;
    Biogr. Lex. Drittes Reich;
    Bad. Biogrr. NF III;
    Kulturlex. Drittes Reich;
    Lit. in Nazi-Dtld. (P);
    Munzinger;
    zur Fam.:
    O. Leistikow, Der Maler Walter Leistikow, seine Fam. u. seine Ahnen, in: Genealogie 14, 1965, S. 732–34.

  • Portraits

    Büste v. K. M. Würtenberger, 1890er Jahre (Mus. Ronegg, Kreuzlingen), Abb. in: Y. Istas, Künstlerbrüder Würtenberger, Karl Maximilian (1872–1933) u. Ernst (1868–1934), Ausst.kat. mit e. Btr. v. S. Sander, 2010, Abb. 6, S. 23;
    Öl/Karton v. E.|Würtenberger, 1895 (Städt. Wessenberg-Gal. Konstanz);
    Öl/Holz v. dems., 1898 (Privatbes. Würtenberger), Abb. in: Istas (s. o.), Abb. 51, S. 64;
    Lith. v. dems., 1901, in: Alemann. Bildnisse, Zeichnungen, 1901;
    Öl-Tempera/Holz v. dems., um 1905 (Stadtmus. Stockach), Abb. in: Istas (s. o.), Abb. 52, S. 65;
    Holzschnitt v. dems., 1926 (Privatbes. Würtenberger), Abb. in: F. Würtenberger, Das graph. Werk v. Ernst Würtenberger, 1938, S. 22;
    Gipsplastik d. Kopfes v. H. Schrott-Fiechtl, um 1940 (DLA Marbach/Neckar);
    Totenmaske v. A. Bollin, 1960 (DLA Marbach/Neckar), Abb. in: Archiv d. Gesichter, S. 367, Nr. 175;
    Züge v. S. in d. Titelfigur v. G. Hauptmann, Der arme Heinrich, Eine dt. Sage, 1902, sowie im Frontispiz d. Ausg. v. H. Vogeler;
    Mitt.
    v. Simone Sander, Freiburg (Br.).

  • Autor/in

    Thomas Diecks
  • Empfohlene Zitierweise

    Diecks, Thomas, "Strauß, Emil" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 505-507 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118755846.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA