Lebensdaten
1919 – 2005
Geburtsort
Huttwil (Kanton Bern)
Sterbeort
Zürich
Beruf/Funktion
Redakteur ; Literaturkritiker
Konfession
reformiert
Namensvarianten
  • Weber, Werner

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Zitierweise

Weber, Werner, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz139407.html [29.02.2024].

CC0

  • Genealogie

    Aus Handwerker- u. Bauernfam.;
    V Kaspar (1888–1942), aus Sulz b. Laufenburg (Kt. Aargau), Werkmeister in d. Strickerei „Achtnich“ (Sawaco) in Winterthur;
    M Maria (1897–1982), T d. Friedrich Kurz, aus Bietigheim (Württ.), Schmied in Pfungen (Kt. Zürich);
    1 Schw Ruth (* 1925, Ulrich Eduard Sommer, 1916–98, Dr. iur., Verw.ger.schreiber u. -richter), Atemtherapeutin;
    Elsau (Kt. Zürich) 1946 Marie Louise (1923–2010), T d. Franz Bachem (1884–1932), Kaufm., u. d. Helene Schurter (1893–1946);
    3 K u. a. Beat Kaspar (* 1948, Susanne Bollnow, * 1950, ref. Pfarrerin in St. Gallen, T d. Otto Friedrich Bollnow, 1903–91, aus Stettin, 1938–43 Prof. d. Philos. u. Päd. in Gießen, 1945–53 in Kiel, Gießen u. Mainz, 1953–70 in Tübingen, 1964–67 Vors. d. Dt. Ges. f. Erziehungswiss.), ref. Pfarrer in St. Gallen.

  • Biographie

    W. besuchte die Kantonsschule (Gymnasium) in Winterthur und studierte nach der Maturität Typus A (Latein) 1938 Germanistik, Geschichte und Kunstgeschichte an der Univ. Zürich, unterbrochen durch Militärdienst (Ausbildungsdienste bis zum Leutnant und Aktivdienst) und durch Stellvertretungen als Lehrer. 1941 erwarben die Eltern den landwirtschaftlichen Kleinbetrieb „Auf Krähbühl“ in Schottikon b. Winterthur, bei dessen Bewirtschaftung W. seine Mutter nach dem Tod des Vaters unterstützte. W. verfaßte Gedichte, die er an Hermann Hesse sandte und die ihm die Freundschaft des NZZ-Feuilletonchefs Eduard Korrodi (1885–1955) eintrugen. 1945 wurde er an der Univ. Zürich bei dem Sprachwissenschaftler Rudolf Hotzenköcherle (1903–76) mit der Arbeit „Die Terminologie des Weinbaus im Kanton Zürich, in der Nordostschweiz und im Bündner Rheintal“ zum Dr. phil. promoviert. Nach kurzer Lehrtätigkeit an der Kantonsschule Winterthur zog er 1946 nach Zürich, wo er Redakteur im Ressort „Literatur, Kunst, Wissenschaft“ der NZZ wurde und 1951 die Nachfolge von Korrodi als Ressortleiter antrat.

    W. schuf sich rasch ein Netzwerk, das führende Persönlichkeiten und Institutionen des kulturellen Lebens umfaßte und von der gehobenen Zürcher Gesellschaft mit Zunft und Rotary-Club bis weit über die Schweizer Landesgrenzen hinaus in die dt. Feuilletons, Verlage und Akademien reichte. Zu einem Schwerpunkt von W.s literaturkritischer Tätigkeit wurde die Schweizer Gegenwartsliteratur, die er nachdrücklich förderte, zumal er nahezu allen Gremien angehörte, die in der Schweiz die wichtigen literarischen Preise vergaben. Bei der außerhalb der Schweiz entstehenden Literatur konzentrierte sich W. auf ausgewählte Autoren. Während er etwa Hein-|rich Böll und Günter Grass nur marginal beachtete, setzte er sich intensiv mit Nelly Sachs und Paul Celan auseinander, denen er freundschaftlich verbunden war. Zu einem Wendepunkt für W. wurde der „Zürcher Literaturstreit“, den der Zürcher Germanist Emil Staiger (1908–87) am 17. 12. 1966 in seiner Rede „Literatur und Öffentlichkeit“ auslöste.

    Ohne Namen zu nennen, prangerte Staiger die seiner Ansicht nach große Anzahl von Autoren an, deren Lebensberuf es sei, im Scheußlichen und Gemeinen zu wühlen. Die städtische Literaturkommission unter W.s Präsidentschaft zeichnete Staiger mit dem Zürcher Literaturpreis aus, wodurch sie in den Mittelpunkt der öffentlichen Polemik um Staiger geriet. W. verglich später den „Zürcher Literaturstreit“ mit dem Streit zwischen den „Alten“ und den „Neuen“ im Frankreich des 17. Jh., wobei er sich selbst zwischen beiden Positionen verortete.

    1973 wurde W. auf den eigens für ihn geschaffenen Lehrstuhl für Literaturkritik an der Univ. Zürich berufen (em. 1987). Die Maßstäbe seiner Kritik fand W. v. a. bei Shakespeare, Friedrich Schlegel, Goethe, Fontane und Thomas Mann. Als Verwaltungsratspräsident des Schauspielhauses Zürich (1980–92) setzte er sich 1989 unter Androhung seines Rücktritts für die umstrittene Uraufführung von Max Frischs letztem Theaterstück „Jonas und sein Veteran“ (Theaterfassung v. „Schweiz ohne Armee? Ein Palaver“) ein.

    W.s letzte Lebensjahre standen im Zeichen einer intensiven Auseinandersetzung mit dem schweizer.-franz. Maler und Schriftsteller Félix Vallotton (1865–1925) (Eden u. Elend, Félix Vallotton, Maler, Dichter, Kritiker, 1998).

    W. war über mehr als zwei Jahrzehnte der führende Kritiker und Vermittler v. a. der dt.schweizer. Literatur, anerkannt und geachtet auch in Deutschland. Er setzte lagerübergreifend Maßstäbe für die Literaturkritik. Häufig machte er als erster auf die Qualitäten eines neuen Autors aufmerksam, indem er dessen Texte publizierte, noch bevor ein Buch von ihm erschienen war. Wie ein Lektor arbeitete W. eng mit vielen, ihm wichtigen Autoren zusammen, überarbeitete ihre Manuskripte mit und half, diese zur Publikationsreife und zur Preiswürde zu bringen.

  • Auszeichnungen

    |Ehrengabe d. Kt. Zürich (1943);
    Auszeichnung d. Schweizer. Schillerstiftung (1945);
    C. F. Meyer-Preis (1956);
    Ehrengabe d. Stadt Zürich (1957);
    Btr. d. Kt. Zürich (1960);
    Auszeichnung d. Kt. Zürich (1966 u. 1970);
    Johann-Heinrich-Merck-Preis f. lit. Kritik (1967);
    Carl-Heinrich-Ernst-Kunstpreis (1969);
    Anerkennungsgabe d. Stadt Winterthur (1975);
    Goethepreis f. Kunst u. Wiss. (1980);
    Preis d. Schweizer Buchhandels (1986);
    Johann-Jakob-Bodmer-Medaille (1989);
    Goldene Nadel d. Schauspielhauses Zürich (1990);
    Ehrengabe d. Martin-Bodmer-Stiftung (1999);
    Mitgl. d. PEN-Club Zürich (1948), d. Jury d. Charles-Veillon-Preis f. d. dt.sprachigen Roman (1954–73), d. Kuratoriums d. Martin-Bodmer-Stiftung f. e. Gottfried-Keller-Preis (1955–99), d. Stiftungsrats d. Schweizer. Schillerstiftung (1956–73), d. Dt. Ak. f. Sprache u. Dichtung, Darmstadt (1960), d. Stiftungsrats d. Steo-Stiftung (1964–97), d. Ak. d. Wiss. u. Lit., Mainz (1964), d. Bayer. Ak. d. Schönen Künste, München (1967), d. Schweizer. akad. Ges. f. Germanistik (1968), d. Schweizer. Schriftst.-Ver. (1968), d. Kuratoriums d. Hans. Goethepreises Hamburg (1973) u. d. Kuratoriums d. Thomas-Mann-Archivs d. ETH Zürich (1976);
    Präs. d. Lit.komm. d. Stadt Zürich (1966–78) u. d. Jury d. Zürcher Journalistenpreises (1990–95).

  • Werke

    Weitere W Unter Dach u. Himmel (Gedichte), 1942;
    Im Hof d. Herbstes (Gedichte), 1944;
    Figuren u. Fahrten, Aufss. z. gegenwärtigen Lit., 1956;
    Zeit ohne Zeit, Aufss. z. Lit., 1959;
    Tageb. e. Lesers, Bemm. u. Aufss. z. Lit., 1965;
    Th. Fontane, Schrr. u. Glossen z. europ. Lit., ausgew. v. W. W., 2 Bde., 1965 / 67;
    Forderungen, Bemm. u. Aufss. z. Lit., 1970;
    Belege, Gedichte aus d. dt.sprachigen Schweiz seit 1900, 1978 (Hg.);
    Helvet. Steckbriefe, 47 Schriftst. aus d. dt. Schweiz seit 1800, 1981 (Hg.);
    Kleinigkeiten f. Rebekka, 1997;
    Sieh, das nennen wir e. Schwänchen, 1999;
    Félix Vallotton, Das mörder. Leben, 2004 (Übers.);
    Th. Feitknecht (Hg.), W. W., Briefwechsel d. Lit.kritikers aus sechs J.zehnten, 2009 (mit Biogr. u. Bibliogr., P);
    Nachlaß: Schweiz. Lit.archiv in d. Schweizer. Nat.bibl., Bern(P).

  • Literatur

    |Verlust u. Ursprung, FS f. W. W., hg. v. A. Maass u. B. Heinser, 1989;
    C. Staub Steiner, „Alt“ u. „neu“, Zur Grundlage v. W. W.s Lit.kritik, 1993 (Bibliogr. 194192);
    Th. Feitknecht, Im Bann v. W. W., Der NZZ-Feuilletonchef prägte d. Lit.kritik u. Lit.förderung, in: Treibhaus, Jb. f. d. Lit. d. fünfziger J. 7, 2011, S. 271–92;
    HLS.

  • Autor/in

    Thomas Feitknecht †
  • Zitierweise

    Feitknecht, Thomas, "Weber, Werner" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 510-511 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz139407.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA