Lebensdaten
1870 bis 1921
Geburtsort
Rohrdorf bei Nagold
Sterbeort
Stuttgart
Beruf/Funktion
Literaturhistoriker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116197048 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Klaiber, Theodor

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Zitierweise

Klaiber, Theodor, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116197048.html [19.02.2019].

CC0

  • Genealogie

    V August (1832–99), Pfarrverweser in R., seit 1877 Pfarrer in Gräfenhausen b. Neuenbürg, S d. Zollbeamten Jakob in Hausen u. d. Elisabeth Wormser;
    M Wilhelmine (1843–1902), T d. Oberlehrers Johs. Kopp in Calw u. d. Rosine Rentschler;
    B Hans (1877–1947), Gymnasialprof., Kunsthistoriker, Mithrsg. d. „Kunstwanderungen in Württemberg u. Hohenzollern“;
    - Stuttgart 1902 Helene, T d. Kaufm. Carl Friedrich Barth u. d. Amalie Spindler;
    2 S, u. a. Manfred (* 1903), Staatssekr. u. Botschafter a. D.

  • Leben

    Nach Privatunterricht bei seinem Vater und dem Besuch des Eberhard-Ludwig-Gymnasiums in Stuttgart bestand K. 1887 die Aufnahmeprüfung in das Tübinger Stift und begann im Spätjahr 1888 das Studium der protestantischen Theologie. Die Theologie A. Ritschls (Göttingen) übte nachhaltigen Einfluß auf K. aus, der sich ansonsten besonders für Geschichte interessierte; er hörte bei Dietrich Schäfer und Carl Weizsäcker. Mit einer Preisaufgabe über die „Kaiserkrönung von Otto I. bis Karl IV. und die dabei geleisteten Eide“ wurde er 1893 zum Dr. phil. promoviert. Schon während des Studiums zeigte K. weniger Interesse für Theorien als für die sie tragenden Persönlichkeiten. Nach dem 1. theologischen Examen im Frühjahr 1893 wurde er Vikar seines Vaters in Gräfenhausen. 1900-02 wirkte er als Pfarrverweser in verschiedenen Gemeinden, bevor er Ende 1902 Pfarrer in Grafenberg bei Nürtingen wurde. Im Frühjahr 1907 gab er den Pfarrerberuf auf und wurde Schriftleiter am „Staatsanzeiger für Württemberg“ (1915 Pensionierung). Damit zog er die Konsequenz aus einer Entwicklung, die während seiner Repetententätigkeit in Urach (1896–1900) begonnen hatte, als er deutsche Literaturgeschichte dozierte.

    K. beschäftigte sich zunächst mit der Entwicklung des deutschen Romans, dann des Briefes. Nachdem G. Steinhausen unter kulturhistorischen Gesichtspunkten eine Geschichte des deutschen Briefes (2 Bände, 1889/91) veröffentlicht hatte, wollte K. die literarische Eigenart bedeutender deutscher Briefschreiber beleuchten. Zusammen mit Otto Lyon gab er 1900 den Band „Die Meister des deutschen Briefs“ heraus. K. knüpfte literarische Beziehungen zu Hermann Hesse, der ihn nach Abschluß seines „Camenzind“ besuchte, entwickelte eine rege Vortragstätigkeit und veröffentlichte Artikel in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften. Mit seiner Schrift über Adalbert Stifter (1905) gehört er zu den Wiederentdeckern dieses Dichters. Als profunder Kenner schwäbischer Literatur erweist sich K. in seinen Werken „Die Schwaben in der Literatur der Gegenwart“ (1905) sowie „Gottfried Keller und die Schwaben“ (1919). Am Beispiel Friedrich Theodor Vischers, dem er 1920 eine Monographie widmete, versucht er, das Wesen des Schwabentums zu deuten. Unter den „Dichtenden Frauen in der Gegenwart“ (1907) erfahren besonders Malwida von Meysenbug, Marie von Ebner-Eschenbach, Ricarda Huch, Isolde Kurz, Helene Böhlau, Selma Lagerlöf, Amalie Skram, Clara Viebig und Helene Voigt-Diederichs eine Würdigung. In seiner als Denkwürdigkeiten aus 3 Jahrhunderten bezeichneten Schrift „Bei großen Männern“ (1910) schildert K. charakteristische Begebenheiten im Leben von 17 bedeutenden Deutschen, beginnend mit Luther und endend mit dem Afrikaforscher Hermann von Wißmann. Seine Kunst treffender Charakterisierung zeigt K. vollends in seinem bedeutendsten Werk: „Die deutsche Selbstbiographie“, mit dem Untertitel: „Beschreibungen des eigenen Lebens, Memoiren, Tagebücher“ (1921).

  • Werke

    Weitere W Lebenserinnerungen e. Fünfzehnjährigen, davon veröff.: „Im Stuttgarter Obergymnasium“ u. „Neckartübingen“ in: Bes. Beil. d. Staatsanz. f. Württemberg, Dez. 1922 bzw. Juli 1924, d. übrigen T. d. Lebenserinnerungen u. d. gesamte schriftl. Nachlaß (darunter e. Abh. üb. d. Aphorismus) im 2. Weltkrieg verbrannt. Frauenbriefe aus 3 Jhh., 1910;
    Presse u. Lit. in Schwaben, in: Erinnerungsbuch z. 25j. Regierungsjubiläum d. Kg. Wilhelm II., 1916.

  • Literatur

    Schwäb. Chronik, Nr. 23 v. 17.1.1921;
    Staatsanz. f. Württemberg v. 17.1.1921;
    R. Denzel, in: Württ. Nekr. f. d. J. 1921, 1928;
    H. Hermelink, in: Lb. Schwaben VI, 1957, S. 457-86 (P).

  • Autor/in

    Franz Menges
  • Empfohlene Zitierweise

    Menges, Franz, "Klaiber, Theodor" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 702 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116197048.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA