Lebensdaten
1864 – 1920
Geburtsort
Erfurt
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Soziologe ; Nationalökonom ; Jurist
Konfession
evangelisch?
Normdaten
GND: 118629743 | OGND | VIAF: 100180950
Namensvarianten
  • Weber, Maximilian
  • Weber, Carl Emil Maximilian
  • Weber, Max
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Zitierweise

Weber, Max, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118629743.html [01.03.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Max sen. W.(-Coburg) (1836–97), aus Bielefeld, Dr. iur., Red. d. „Preuß. Wbl.“, Kommunalbeamter, 1862–69 Stadtrat in E., 1869–93 in Berlin, Publ., Pol., Vf. v. pol. u. statist. Schrr., 1868–82 u. 1884–97 preuß. LT-Abg., nat.lib. RT-Abg. 1872–77 f. d. Wahlkr. Sachsen-Coburg, 1879–81 f. d. Wahlkr. Magdeburg u. 1881–84 f. d. Wahlkr. Braunschweig (s. RT-Abg. Liberale; NDB 18*), S d. Karl August (1796–1872), Leinenhändler, Inh. d. Fa. Weber, Laer & Niemann in Bielefeld, u. d. Marie Lucie Wilmans (1804–82);
    M Helene (1844–1919), T d. Georg Friedrich Fallenstein (1785 / 90–1853, 1] Elisabeth Benecke, 1831), Dr. phil., 1816 preuß. Reg.sekr. in Düsseldorf, 1832 Reg.rat in Koblenz, 1842– 45 Geh. Finanzrat in Berlin, Publ. (s. Westfäl. Autorenlex.), u. d. Emilie Souchay (1805–81);
    Urur-Gvm Jean Daniel Souchay (de la Duboissière) (1736–1811), Prediger d. franz.-ref. Gde. in Frankfurt/M.;
    Ur-Gvv David Christian (1760–1836), Leinenfabr. in Bielefeld (s. Gen. 1), Ur-Gvm Carl Cornelius Souchay (1768–1838), Bankier, Kaufm., Tuchgroßhändler in Frankfurt/M.;
    Ov Carl David (1824–1907), Textilfabr. (s. Gen. 3), Tante-m Ida Fallenstein (1837–99, Hermann Baumgarten, 1825–93, Hist., o. Prof. an d. TH Karlsruhe u. in Straßburg, s. NDB I), Henriette Fallenstein (1840–95, Adolf Hausrath, 1837–1909, luth. Theol., o. Prof. d. KGesch. u. neutestamentl. Exegese in Heidelberg, s. NDB VIII; Drüll, Heidelberger Gel.lex. I), Emilie Fallenstein (1846–1922, Ernst Wilhelm Benecke, 1838–1917, Prof. d. Geol. in Straßburg, s. NDB II), 3 B Alfred (s. 3), Karl (1870–1915 ⚔), Architekt, Schüler v. Karl Schäfer (s. u.), Reg.baumeister in d. Kirchenbauabt. d. preuß. Min. d. öff. Bauten, Prof. 1907 an d. TH Danzig, 1913 an d. TH Hannover, preuß. Hptm. d. Res. (s. Hann. Professoren), Arthur (1877–1952, 1] 1903–24 Valborg Jahn, 1879– 1959, 2] 1924 Helene Weinstein, * 1892), 4 Schw (2 früh †) Klara (1875–1953, Ernst Mommsen, 1863–1930, Dr. med., Arzt in Berlin, Sanitätsrat, S d. Theodor Mommsen, 1817–1903, Hist., s. NDB 18), Lili (1880–1920, Hermann Schäfer, 1871–1914, Architekt, S d. Karl Schäfer, 1844–1908, Architekt, Prof. f. ma. Baukunst an d. TH Karlsruhe, Oberbaurat, s. Lb. Kurhessen I, 1939);
    Oerlinghausen 1893 Marianne Schnitger (s. 2; W, L);
    Vt Otto Baumgarten (1858–1934, Emily Fallenstein, 1850–83, T d. Otto Fallenstein, Kaufm. in Liverpool), o. Prof. f. prakt. Theol. in Kiel, Univ.prediger ebd., Dr. h. c., Hamburg 1929, s. NDB I; Kieler Gel.verz.);
    N Clara Schäfer, seit 1928 W.-Schäfer (1902–89, Hans-Hermann Brandt, 1902–89, Pastor am Diakonissenhaus Friedenshort b. Wittstock), Albert Schäfer, seit 1928 W.-Schäfer (1905–73, Lotte Wolff, 1906–92), Ing. in e. Pumpenfabrik in Frankenthal (Pfalz), Max Schäfer, seit 1928 W.-Schäfer (1908–98, Gisela Nitsche, * 1910), Dr.-Ing., Ing. in Hannover, später b. d. Telefunken GmbH in Konstanz, Hermann Schäfer, seit 1928 W.-Schäfer (1911–29);
    Verwandter Eduard (s. 1).

  • Biographie

    W. wuchs in der Welt des dt. kulturprotestantischen Bildungsbürgertums und in einer kosmopolitischen Großfamilie auf. Er besuchte bis zum Abitur 1882 das Ksn.-Augusta-Gymnasium in Charlottenburg. Anschließend nahm er das Studium der Rechtswissenschaft, daneben auch der Geschichte, Philosophie und Nationalökonomie auf. 1882–84 studierte er in Heidelberg (1882 Mitgl. d. Burschenschaft Allemannia, Austritt 1918), u. a. bei Ernst Immanuel Bekker (1827–1916), Bernhard Erdmannsdörffer (1833–1901), Kuno Fischer (1824–1907) und Karl Knies (1821–98). 1883 / 84 leistete er Einjährig-Freiwilligen Militärdienst in Straßburg, wo er auch an der Universität Seminare bei seinem Onkel Hermann Baumgarten besuchte. 1884 / 85 studierte W. in Berlin, u. a. bei Georg Beseler (1809–88), Rudolf v. Gneist (1816–95), auch bei Theodor Mommsen (1817–1903) und Heinrich v. Treitschke (1834–96), 1885 / 86 in Göttingen, u. a. bei Ferdinand Frensdorff (1833–1931). Während seines Studiums las er mit seinem Cousin Otto Baumgarten zentrale Texte des dt. Kulturprotestantismus (etwa F. Schleiermacher, Über d. Rel., Reden an d. Gebildeten unter ihren Verächtern, 1799, oder D. F. Strauß, Das Leben Jesu, krit. bearb., 2 Bde., 1835 / 36). 1886 absolvierte W. das 1. jur. Staatsexamen in Celle. Während des Referendariats 1886–|90, zuletzt am Berliner Kammergericht, wurde er 1889 bei Levin Goldschmidt (1829–97) zum Dr. iur. promoviert mit der Arbeit „Entwickelung des Solidarhaftprinzips und des Sondervermögens der offenen Handelsgesellschaft aus den Haushalts- und Gewerbegemeinschaften in den ital. Städten“, die als drittes Kapitel der Studie „Zur Geschichte der Handelsgesellschaften im Mittelalter“ (1889, MWG I / 1) publiziert wurde. Nach einer vergeblichen Bewerbung als Syndikus bei der Handelskammer Bremen 1890 und dem Assessorexamen im selben Jahr folgte 1891 in Berlin bei August Meitzen (1822–1910) die Habilitation für Röm., Dt. und Handelsrecht (Die röm. Agrargesch. in ihrer Bedeutung f. d. Staats- u. Privatrecht, 1891, MWG I / 2). 1892 wurde er in Berlin zum Privatdozenten mit Lehrbefugnis für Handelsrecht und Röm. Recht ernannt und vertrat seinen Lehrer Goldschmidt.

    1890 arbeitete W. mit an der Enquete über die Verhältnisse der Landarbeiter des „Vereins für Socialpolitik“, dessen Mitglied er seit 1888 war (Die Lage d. Landarb. im ostelb. Dtld., 1892, MWG I / 3). Im selben Jahr nahm er am ersten Ev.-sozialen Kongreß teil, dessen jährliche Versammlungen er bis 1897 besuchte.

    Er schloß enge Freundschaft mit den Theologen Friedrich Naumann (1860–1919) und Paul Göhre (1864–1928), Generalsekretär des Ev.-sozialen Kongresses, mit dem er 1892 eine zweite Enquete über die Landarbeiter verfaßte (MWG I / 4); seit 1892 schrieb er für „Die christliche Welt“ Martin Rades (1857–1940). Die Möglichkeiten einer christlich inspirierten Sozialreform beurteilte er zunehmend skeptischer.

    1893 wurde W. ao. Professor in Berlin, 1894 wechselte er auf den Lehrstuhl für Nationalökonomie und Finanzwissenschaft in Freiburg (Br.) als Nachfolger Eugen v. Philippovichs (1858–1917). Geprägt von seinem Lehrer Goldschmidt wurden Arbeiten zum modernen Börsenwesen, speziell zur „deutschen Börsenenquete“ (MWG 1 / 5), für seine Deutung kapitalistischer Rationalität entscheidend. Seit 1893 Mitglied des „Allgemeinen Deutschen Verbands“ (seit 1894 Alldt. Verband), aus dem er 1899 wegen dessen seiner Meinung nach zu wenig rigorosen Position in der „Polenfrage“ wieder austrat, forderte W. in der am 13. 5. 1895 gehaltenen Freiburger Antrittsvorlesung „Die Nationalität in der Volkswirtschaft“ (gedr. 1895 u. d. T.: Der Nat.staat u. d. Volkswirtsch.pol., MWG I / 4) in sozialdarwinistischen Begriffen eine imperialistische dt. Weltpolitik von Macht und Stärke. Liberale Kulturwerte, Hoffnungen auf ein selbstbewußtes Bürgertum und die Forderung nach schneller kapitalistischer Industrialisierung führten W. zur Fundamentalkritik an den preuß. Junkern und dem luth. Sozialpatriarchalismus, den er für alle politischen Schwächen der Gesellschaft des Kaiserreichs verantwortlich machte.

    1897 wechselte W. als Nachfolger Knies’ auf den Lehrstuhl für Nationalökonomie und Finanzwissenschaft der Univ. Heidelberg. Hier schloß er eine „Fachmenschenfreundschaft“ mit dem Systematischen Theologen Ernst Troeltsch (1865–1923), die im ersten Kriegsherbst an moralisch-politischen Gegensätzen zerbrach. 1903 wurde W. aufgrund einer schweren psychischen Erkrankung auf eigenen Antrag hin pensioniert, zugleich zum Honorarprofessor ernannt; fortan lebte er von Vermögenseinkünften.

    Trotz seiner Erkrankung, die mehrere Sanatoriumsaufenthalte und längere Arbeitspausen nötig machte, schuf W., der nach seiner Pensionierung zahlreiche Reisen als Privatgelehrter unternahm und als „Gelehrtenpolitiker“ in diverse wissenschafts- und hochschulpolitische Konflikte intervenierte (MWG I / 13), ein thematisch weites, disziplinäre Grenzen überschreitendes kulturwissenschaftliches Œuvre. In dessen Zentrum steht die Frage nach dem Schicksal freien „Menschentums“ unter den Bedingungen des „modernen okzidentalen Betriebskapitalismus“ und dessen „Zweckrationalität“. Noch vor der Reise in die USA und zum „World Congress for Arts and Sciences“ in St. Louis 1904 begann W. mit der Niederschrift des ersten Aufsatzes „Die protestantische Ethik und der ‚Geist‘ des Kapitalismus (in: Archiv f. Soz.wiss. u. Soz.pol., Bd. 20, 1904, S. 1–54, MWG I / 9), der mit dem zweiten, ebenfalls im „Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik“ (Bd. 21, 1905, S. 1–110, MWG I / 9) erschienenen gleichnamigen Aufsatz und dem Essay „‚Kirchen‘ und ‚Sekten‘ in Nordamerika“ (in: Frankfurter Ztg., 50. Jg., Nr. 102 v. 13. 4. 1906, 4. Morgenbl., S. 1., ebd., Nr. 104 v. 15. 4. 1906, S. 1, MWG I / 9) eine heftige Kontroverse über die „Kulturbedeutung“ des „asketischen Protestantismus“ provozierte (MWG I / 9). Nach Übernahme der Herausgeberschaft des „Archivs“ 1904 mit Edgar Jaffé (1866–1921) und Werner Sombart (1863 1941) publizierte W. hier den programmatischen Aufsatz „Die ‚Objektivität‘ sozialwissenschaftlicher und sozialpolitischer Erkenntnis“ (in: Archiv f. Soz.wiss. u. Soz.pol., Bd. 19, 1904, S. 22–78, MWG I / 7), in dem er Grundlinien einer moralische Normen und Ethosformen zwar begrifflich analysierenden, aber|nicht mit überindividuellen Geltungsansprüchen begründenden, insoweit „wertfreien“ Kulturwissenschaft entfaltete. Nach Studien zur russ. Revolution von 1905 (MWG I / 10) und über „Agrarverhältnisse im Altertum“ (in: Hdwb. d. Staatswiss., 1897, ³1909; MWG I / 6) gab W. seit 1909 auf Bitte Paul Siebecks (1855–1920) das „Handbuch der politischen Ökonomie“ (1882, ⁴1996 / 98), seit 1914 unter dem Titel „Grundriß der Sozialökonomik“, neu heraus. Sein hierfür verfaßter Text „Die Wirtschaft und die gesellschaftlichen Ordnungen und Mächte“ erschien postum unter dem Titel „Wirtschaft und Gesellschaft“ (nun kritisch in: MWG I / 22 – I / 25).

    1909 wurde W. auf der Gründungsversammlung der „Deutschen Gesellschaft für Soziologie“ (DGS) in Abwesenheit in deren Hauptausschuß und kurz darauf zu dessen Sprecher gewählt. Er engagierte sich für die Ausrichtung der DGS als einer rein wissenschaftlich orientierten Vereinigung und initiierte hierfür eine Presse- und eine Vereinsenquete (MWG I / 13). Sein Postulat der „Werturteilsfreiheit“ (MWG I / 12) rief heftige Kritik hervor, infolge dieser Auseinandersetzungen legte W. 1910 / 11 seine Ämter in der DGS nieder, 1914 trat er aus.

    Nach bahnbrechenden, das Fach überhaupt erst begründenden Studien zur Musiksoziologie (verfaßt 1911 / 12, publ. u. d. T. Die rationalen u. soziol. Grundlagen d. Musik, m. e. Einl. v. Th. Kroyer hg. v. Marianne Weber, 1921, MWG I / 14) begann W. um 1911 mit vergleichenden Analysen der „Wirtschaftsethik der Weltreligionen“, im Interesse, die Besonderheiten der allein im Okzident beobachtbaren „Entzauberung der Welt“ trennscharf zu erfassen. Seine Untersuchungen von Konfuzianismus, Hinduismus, Buddhismus und antikem Judentum konnte W. vollenden, geplante Studien zum Islam und den röm.-kath. und orthodoxen Christentümern nicht.

    Im 1. Weltkrieg, an dem er nach der Einstufung als untauglich zum Frontdienst von Aug. 1914 bis Sept. 1915 als Offizier der Reserve-Lazarettkommission in Heidelberg teilnahm, trat er entschieden für dt. Weltmachtinteressen ein. Ebenso forderte er in vielbeachteten Artikeln in der „Frankfurter Zeitung“ und Friedrich Naumanns „Die Hilfe“ die Parlamentarisierung des Reiches und einen Verständigungsfrieden (Parl. u. Reg. im neugeordneten Dtld., 1918, MWG I / 15). W.s Hoffnung, von der linksliberalen „Deutschen Demokratischen Partei“, deren Gründungsmitglied er im Nov. 1918 war (Austritt April 1920) und für die er sich 1918 / 19 öffentlich engagierte, als Kandidat für die Wahl zur Nationalversammlung nominiert zu werden, blieb unerfüllt. Hugo Preuß (1860–1925) zog ihn als Berater zu den Verfassungsberatungen im Dez. 1918 hinzu, wo W.s Forderungen teilweise Eingang in die Weimarer Reichsverfassung (Art. 41 u. 43) fanden. W. selbst plädierte für eine parlamentarisch kontrollierte „plebiszitäre Führerdemokratie“. Im Mai 1919 war er Mitglied einer vom Reichsaußenministerium zu den Friedensverhandlungen in Versailles gesandten vierköpfigen Kommission, die erfolglos eine Denkschrift gegen die Anklage der alleinigen Kriegsschuld Deutschlands überreichte (MWG I / 16).

    Zum Sommersemester 1918 folgte W. einem Ruf nach Wien, im Juni 1919 dem Ruf nach München als Nachfolger Lujo Brentanos (1844–1931) auf den nach seinem Wunsch so benannten Lehrstuhl für Gesellschaftswissenschaft, Wirtschaftsgeschichte und Nationalökonomie. Seine in München gehaltenen Vorträge über „Wissenschaft als Beruf“ (7. 11. 1917, publ. 1919 mit e. Nachw. v. I. Birnbaum, ²1921, ³1930, MWG I / 17) und „Politik als Beruf“ (28. 1. 1919, publ. 1919, MWG I / 17) fanden auch wegen hier eingeführter Metaphern und Grundunterscheidungen weit über die Grenzen der akademischen Welt hinaus große Beachtung: Politik sei das „Bohren dicker Bretter mit Leidenschaft und Augenmaß“ und sollte nicht einer „Gesinnungs-“, sondern einer „Verantwortungsethik“ folgen (MWG I / 17).

    W. starb an den Folgen einer Lungenentzündung am 14. 6. 1920 in München. Erst die editorische Tätigkeit seiner Witwe sorgte dafür, daß das methodisch wie thematisch anspruchsvollste Œuvre der dt. Kultur- und Sozialwissenschaften um 1900 eine bis heute ungebrochene weltweite Wirksamkeit entfalten konnte. Auch wenn in den Sozialwissenschaften die Rede vom W.-Paradigma (M. R. Lepsius, W. Schluchter) umstritten bleibt, gewann W.s Grundlegung einer empirisch orientierten Soziologie als Theorie „sozialen Handelns“ weit über die Grenzen der Soziologie hinaus weltweit Beachtung. Naturalistische, evolutionistische und metaphysische Deutungsmuster verwarf er um eines strikten methodologischen Individualismus willen. In Analysen von Herrschaft, politischer Vergemeinschaftung, Recht und Religion wollte er soziales Handeln von Akteuren in der Wechselwirkung mit Strukturen der Handlungskoordination und den Wertideen erfassen, die Handeln jeweils motivieren.

  • Auszeichnungen

    A ao. Mitgl. d. Heidelberger Ak. d. Wiss. (1909);
    o. Mitgl. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (1919);
    Gedenktafel am Haus Seestr. 16, München (1976);
    M.-W.-Preis f. Wirtsch.ethik d. Inst. d. Dt. Wirtsch. (1992);
    M.-W.-Platz, München (1998);
    M. W.-Progr. d. Freistaates Bayern z. Hochbegabtenförderung (2005);
    M. W. Stiftung, Dt. Geisteswiss. Institute im Ausland (2012);
    Briefmarke d. Dt. Post z. 150. Geb.tag (2014).

  • Werke

    Weitere Wpostum erschienen: Grundriß d. Soz.ökonomik, Abt. 3, Wirtsch. u. Ges., hg. v. Marianne Weber, T. 1: Die Wirtsch. u. d. gesellschaftl. Ordnungen u. Mächte, 1921, T. 2: Typen d. Vergemeinschaftung u. Vergesellschaftung, T. 3: Typen d. Herrschaft, 1921 / 22, ²1925, ³1947, ⁴1956 hg. v. J. Winckelmann, ⁵1972, hg. v. dems., Nachdrr. 1976, 1980, 1985, 1990, 1995, 2002;
    Ges. pol. Schrr., hg. v. Marianne Weber, 1921, mit e. Geleitwort v. Th. Heuss, hg. v. J. Winckelmann, 1958, ⁵2016;
    Ges. Aufss. z. Wiss.lehre, hg. v. Marianne Weber, 1922, ²1951 hg. v. J. Winckelmann, ⁷1988;
    Wirtsch.-Gesch., Abriss d. universalen Soz.- u. Wirtsch.-Gesch., aus d. nachgelassenen Vorlesungen, hg. v. S. Hellmann u. M. Palyi, 1923;
    Ges. Aufss. z. Soziol. u. Soz.pol., hg. v. Marianne Weber, 1924;
    Ges. Aufss. z. Soz.- u. Wirtsch.gesch., mit e. Vorw. hg. v. Marianne Weber, 1924;
    Jugendbriefe, mit e. Einf. hg. v. Marianne Weber, 1936;
    Soziol., mit e. Einl. v. E. Baumgarten hg. v. J. Winckelmann,1956, ³1964;
    Staatssoziol., Mit e. Einf. u. Erl. hg. v. J. Winckelmann, 1956, ³2011;
    Rechtssoziol., hg. u. eingel. v. J. Winckelmann, 1960, ²1967;
    Die prot. Ethik, hg. v. J. Winckelmann, 2 Bde, 1965 / 68;
    Schrr. 1894–1922, ausgew. u. hg. v. D. Kaesler, 2002;
    Die Prot. Ethik u. d. „Geist“ d. Kapitalismus, hg. v. A. Maurer, 2017 (auch online)Gesamtausg.: M.-W.-Gesamtausg. (MWG), Im Auftrag d. Komm. f. Soz.- u. Wirtsch.gesch. d. Bayer. Ak. d. Wiss. hg. v. H. Baier u. a., Abt. I, 25 Bde.: Schrr. u. Reden, Abt. II, 11 Bde.: Briefe, Abt. III, 7 Bde.: Vorlesungen u. Vorl.nachschrr., 1984 ff.

  • Quellen

    Qu Nachlaß: Bayer. Staatsbibl. München; Geh. StA Preuß. Kulturbes., Berlin; Staatsbibl. Berlin, Mohr-Siebeck-Verlagsarchiv.

  • Literatur

    L Nachrufe: E. Troeltsch, M. W. als Gel., in: Dt. Allg. Ztg., 59. Jg., Nr. 290 v. 19. 6. 1920, Abendausg., S. 1;
    ders., in: Frankfurter Ztg. u. Handelsbl., 64. Jg., Nr. 447 v. 20. 6. 1920, S. 1–2;
    K. Jaspers, M. W., Rede b. d. v. d. Heidelberger Studentenschaft am 17. Juli 1920 veranstalteten Trauerfeier, 1921;
    H. Schumacher, in: DBJ II, S. 593–615 (L);
    Marianne Weber, M. W., Ein Lb., 1926, ³1984;
    D. Henrich, Die Einheit d. Wiss.lehre M. W.s, 1952;
    J. Winckelmann, Legitimität u. Legalität in M. W.s Herrschaftssoziol., 1952;
    ders., Ges. u. Staat in d. verstehenden Soziol. M. W.s, 1957;
    ders., M. W.s hinterlassenes Hauptwerk, Die Wirtsch. u. d. gesellschaftl. Ordnungen u. Mächte, 1986;
    ders. u. R. König (Hg.), M. W. z. Gedächtnis, Materialien u. Dok. z. Bewertung v. Werk u. Persönlichkeit, ²1985;
    W. J. Mommsen, M. W. u. d. dt. Pol. 1890–1920, 1959, ³2004;
    M. W., Werk u. Person, Dok., ausgew. u. komm. v. E. Baumgarten, 1964;
    K. Loewenstein, M. W.s staatspol. Auffassungen in d. Sicht unserer Zeit, 1965;
    G. Abramowski, Das Gesch.bild M. W.s, 1966;
    W. Hennis, M. W.s Fragestellung, 1987;
    ders., M. W.s Wiss. v. Menschen, Neue Stud. z. Biogr. d. Werks, 1996;
    ders., M. W. u. Thukydides, 2003;
    W. J. Mommsen u. W. Schwentker (Hg.), M. W. u. seine Zeitgenossen, 1988;
    W. Schluchter, Rel. u. Lebensführung, 1988;
    ders., Die Entzauberung d. Welt, 2009;
    ders., M. W.s späte Soziol., 2016;
    R. Bendix, M. W., An Intellectual Portrait, 1998;
    F. H. Tenbruck, Das Werk M. W.s, Ges. Aufss., 1999;
    Ho-Keun Choi, M. W. u. d. Historismus, 2000;
    G. Roth, M. W.s dt.-engl. Fam.gesch. 1800–1950 mit Briefen u. Dok., 2001;
    J. Radkau, M. W., Die Leidenschaft d. Denkens, 2005;
    F. W. Graf, in: RGG⁴, Sp. 1317–20;
    ders., Fachmenschenfreundschaft, Stud. zu Troeltsch u. W., 2014;
    J. Kaube, M. W., Ein Leben zw. d. Epochen, 2014;
    D. Kaesler, M. W., 2014 (Qu, W, L, P);
    ders., M. W., Eine Einf. in Leben, Werk u. Wirkung, ⁴2014;
    M.-W.-Hdb., Leben, Werk, Wirkung, hg. v. H.-P. Müller u. St. Sigmund, 2014 (W, L, P);
    P. Ghosh, M. W. and The Protestant Ethic, Twin Histories, 2014;
    ders., M. W. in Context, Essays in the Hist. of German Ideas c. 1870–1930, 2016;
    S. Weischenberg u. D. Kaesler (Hg.), M. W., China u. d. Medien, 2015;
    D. Lehnert (Hg.), M. W. 1864–1920, Pol., Theorie, Weggefährten, 2016;
    R. M. Lepsius, M. W. u. seine Kreise, 2016;
    DBJ II, Tl. (L);
    Drüll, Heidelberger Gel.lex. I;
    K. H. L. Welker, in: HRG;
    D. Kaesler, in: M. Stolleis (Hg.), Jur., 2001;
    Zs.: M. W. Studies, hg. v. S. Whimster, 2000 ff.;
    Film: M. W., Die Entzauberung d. Welt, Porträt v. A. Kolb, Bayer. Rundfunk 2014.

  • Porträts

    |Photogr. (Univ.archiv Heidelberg);
    Totenmaske (München, M.-W.-Arb.stelle d. Bayer. Ak. d. Wiss.);
    Bronzebüste v. A. Rickert, vermutl. 1920 / 21 (Bayer. Ak. d. Wiss., Leihgabe d. Erben);
    Bronzebüste v. B. Buschmann, 2012 (Oerlinghausen).

  • Zitierweise

    Graf, Friedrich Wilhelm, "Weber, Max" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 474-477 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118629743.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA