Lebensdaten
1875 – 1965
Geburtsort
Schlettstadt (Elsass, heute Sélestat, Frankreich)
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Journalist ; Zeitungswissenschaftler ; Medienwissenschaftler
Konfession
evangelisch-lutherisch
Normdaten
GND: 118698230 | OGND | VIAF: 18016698
Namensvarianten
  • Groth, Otto

Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Groth, Otto, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118698230.html [28.02.2024].

CC0

  • Neben seiner langjährigen Tätigkeit als Mitarbeiter der „Frankfurter Zeitung“ legte Groth bedeutende zeitungswissenschaftliche Arbeiten vor, mit denen er wesentliche begriffliche, ideengeschichtliche und theoretische Grundlagen für das Fach legte. Groths Hauptwerk ist das vierbändige Handbuch „Die Zeitung. Ein System der Zeitungskunde“ (1928–1930).

    Lebensdaten

    Geboren am 2. Juli 1875 in Schlettstadt (Elsass, heute Sélestat, Frankreich)
    Gestorben am 14. November 1965 in München
    Konfession evangelisch-lutherisch
  • Lebenslauf

    2. Juli 1875 - Schlettstadt (Elsass, heute Sélestat, Frankreich)

    ca. 1887 - ca. 1895 - München

    Schulbesuch (Abschluss: Abitur)

    Gymnasium (humanistisch)

    1895 - 1900 - München

    Studium der Volkswirtschaft und Rechtswissenschaften

    Universität

    1900 - 1902 - Stuttgart

    Redakteur

    Der Beobachter. Ein Volksblatt für Schwaben

    1902 - 1906 - Ulm

    Chefredakteur

    Ulmer Zeitung

    1906 - 1934 - Stuttgart; Frankfurt am Main; München

    Korrespondent; Redakteur

    Frankfurter Zeitung

    1913 - Tübingen

    Promotion (Dr. rer. pol.)

    Universität

    Januar 1934

    Berufsverbot aufgrund der jüdischen Herkunft der Mutter

    1946 - 1947 - München

    Begründer und Leiter

    Vorbildungskurse für Journalisten

    1946 - 1948 - München

    Herausgeber

    Münchner Schriften. Deutsche Zeit- und Streitfragen

    nach 1945 - München

    ehrenamtlicher Dozent für Zeitungswissenschaft; Privatforscher und -gelehrter

    Universität

    14. November 1965 - München
  • Genealogie

    Vater Paul Heinrich Ritter von Groth 23.6.1843–2.12.1927 aus Magdeburg; Kristallograf, Mineraloge; bayerischer Personaladel 1902
    Großvater väterlicherseits Philipp Heinrich August Groth geb. 1808 aus Cottbus; Porträtmaler und Zeichner in St. Petersburg, Dresden und Magdeburg
    Großmutter väterlicherseits Marie Groth, geb. Steffen geb. 1817 Tochter des Johann Heinrich Steffen, Kaufmann in Frankfurt an der Oder
    Mutter Rosalie Maria Groth, geb. Levy 1846–1925 jüdisch, später protestantisch
    Großvater mütterlicherseits Julius Levy (seit 1868 Julius Grothold) jüdisch, später protestantisch; Kaufmann in Werneuchen bei Berlin
    Großmutter mütterlicherseits Johanna Levy, geb. Kron
    Schwester Helene Groth 1870–1960 Diakonisse; vor 1914 Leiterin eines Krankenhauses in Tokio
    Bruder Alfred Groth 1876–1971 Impfarzt; Obermedizinalrat
    Geschwister drei weitere Brüder, fünf weitere Schwestern
    Heirat 1903
    Ehefrau Marie Groth, geb. Hörlin geb. 1881
    Sohn Hans Groth Diplom-Ingenieur
    Kinder zwei weitere Kinder
    Diese Grafik wurde automatisch erzeugt und bietet nur einen Ausschnitt der Angaben zur Genealogie.

    Groth, Otto (1875 – 1965)

    • Vater

      Paul Heinrich Ritter von Groth

      23.6.1843–2.12.1927

      aus Magdeburg; Kristallograf, Mineraloge; bayerischer Personaladel 1902

      • Großvater väterlicherseits

        Philipp Heinrich August Groth

        geb. 1808

        aus Cottbus; Porträtmaler und Zeichner in St. Petersburg, Dresden und Magdeburg

      • Großmutter väterlicherseits

        Marie Groth

        geb. 1817

        Tochter des Johann Heinrich Steffen, Kaufmann in Frankfurt an der Oder

    • Mutter

      Rosalie Groth

      1846–1925

      jüdisch, später protestantisch

      • Großvater mütterlicherseits

        Julius Levy

        jüdisch, später protestantisch; Kaufmann in Werneuchen bei Berlin

      • Großmutter mütterlicherseits

        Johanna Levy

    • Schwester

      Helene Groth

      1870–1960

      Diakonisse; vor 1914 Leiterin eines Krankenhauses in Tokio

    • Bruder

      Alfred Groth

      1876–1971

      Impfarzt; Obermedizinalrat

    • Heirat

      • Ehefrau

        Marie Groth

        geb. 1881

  • Biografie

    Nach dem Besuch eines humanistischen Gymnasiums in München studierte Groth hier von 1895 bis 1900 Volkswirtschaft und Rechtswissenschaften u. a. bei Lujo Brentano (1844–1931) und Max Weber (1864–1920). Anschließend als Journalist tätig, wurde er Redakteur beim Stuttgarter „Beobachter“, einem Blatt der liberal-demokratischen Fortschrittlichen Volkspartei, seit 1902 war er Chefredakteur der „Ulmer Zeitung“. 1906 wechselte er zur „Frankfurter Zeitung“, für die er bis zu seinem Berufsverbot 1934 auf Grundlage des nationalsozialistischen Schriftleitergesetzes als Korrespondent und Redakteur tätig war.

    Zugleich wissenschaftlich aktiv, trat Groth 1911 als Mitherausgeber des „Politisch-wirtschaftlichen Konversations-Lexikons“ hervor und wurde 1913 mit der in engem Austausch mit Weber entstandenen Studie „Die politische Presse Württembergs“ an der Universität Tübingen bei dem Wirtschaftswissenschaftler Robert Wilbrandt (1875–1954) zum Dr. rer. pol. promoviert. Groth griff in dieser Arbeit zentrale Fragestellungen einer empirischen Pressesoziologie auf, die Weber 1910 auf dem ersten deutschen Soziologentag vorgestellt hatte, und setzte als einer der Ersten eine systematische Analyse von Zeitungsinhalten um, indem er die Stoffverteilung und -zusammensetzung der „Frankfurter Zeitung“ und neun weiterer württembergischer Zeitungen untersuchte.

    Bekanntheit erlangte Groth v. a. durch sein akribisches Wirken als zeitungskundlicher Privatforscher. Beginnend im Ersten Weltkrieg, sammelte er über mehr als zwölf Jahre lang empirisches Material für das enzyklopädische Handbuch „Die Zeitung. Ein System der Zeitungskunde“ (4 Bde., 1928–1930), in dem er das bis dahin zerstreute Fachwissen methodisch zusammentrug und die Zeitungskunde als neu entstehendes Forschungsgebiet systematisierte. 1931 initiierten Karl d’Ester (1881–1960) und Walther Heide (geb. 1894), die Herausgeber der zentralen Fachzeitschrift „Zeitungswissenschaft“, eine Enquete unter Fachvertretern und Journalisten, um Groths Pionierleistung kritisch zu würdigen.

    Infolge des Verbots jeglicher journalistischer und publizistischer Tätigkeit zog sich Groth 1934 in die Innere Emigration zurück und war bis 1945 als Privatforscher tätig. Unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkriegs engagierte er sich in München für den Neuaufbau des Journalismus unter demokratischen Vorzeichen, u. a. als Herausgeber der „Münchner Schriften“ und als Organisator von Vorbildungskursen für Journalisten, zu deren Absolventen u. a. der spätere Sportreporter Harry Valérien (1923–2012) zählte. Darüber hinaus trat Groth 1946 als Gründer und erster Vorsitzender des Berufsverbands Bayerischer Journalisten hervor.

    1948 veröffentlichte Groth die Studie „Die Geschichte der deutschen Zeitungswissenschaft“, in der er als Erster die lange Fachtradition der theoretischen und methodischen Auseinandersetzung mit öffentlicher Meinung, Öffentlichkeit und Zeitung systematisch nachzeichnete. Diese Arbeit bildete die Grundlage zu seiner von 1960 bis 1972 in sieben Bänden publizierten Studie „Die unerkannte Kulturmacht. Grundlegung der Zeitungswissenschaft (Periodik)“. In diesem sprachlich und terminologisch eigenwilligen Werk, mit dem er sich von der zeitgenössischen Publizistikwissenschaft abgrenzte, konzipierte Groth Journalismus und Massenkommunikation als komplexen medialen und sozialen Prozess, den er als „Vermittlung“ bezeichnete. Medien verstand er als gesellschaftlich eingebettete soziokulturelle Institutionen mit je eigenen Logiken und Produktionsregeln. Seine Analysen konzentrierten sich dabei auf im Druck erscheinende Periodika; Fernsehen und Rundfunk spielen in Groths Werk kaum eine Rolle.

    Während Groths Theorie der Vermittlung in der deutschen Kommunikationswissenschaft nur wenig Resonanz fand, wird diese seit der 1966 veröffentlichten Studie „La ciencia periodística de Otto Groth“ von Ángel Faus Belau (1936–2020) in der lateinamerikanischen Kommunikationswissenschaft intensiv rezipiert.

  • Auszeichnungen

    1931 Ehrenmitglied der Zeitungswissenschaftlichen Vereinigung München (1932 Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats)
    1946 Initiator und 1. Vorsitzender des Berufsverbands Bayerischer Journalisten
    1952 Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
    1961 Bayerischer Verdienstorden
    1965 Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
    1964 Goldene Doktor-Urkunde, Universität Tübingen
    1965 Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Zeitungswissenschaft (heute Deutsche Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft)
  • Quellen

    Nachlass:

    nicht bekannt.

  • Werke

    Otto Groth/H. G. Bayer (Hg.), Politisch-wirtschaftliches Konversations-Lexikon, 1911.

    Die politische Presse Württembergs, 1915. (Diss. phil)

    Die Zeitung. Ein System der Zeitungskunde (Journalistik), 4 Bde., 1928–1930.

    Zur Historie der Zeitungswissenschaft, in: Zeitungswissenschaft 6 (1931), Nr. 6, S. 378–383.

    Die Geschichte der deutschen Zeitungswissenschaft. Probleme und Methoden, 1948.

    Die unerkannte Kulturmacht. Grundlegung der Zeitungswissenschaft (Periodik), 7 Bde., 1960–1972, portugies. Teilübers. 2011.

    Vermittelte Mitteilung. Ein journalistisches Modell der Massenkommunikation, hg. v. Wolfgang R. Langenbucher, 1998. (Auswahl aus „Die unerkannte Kulturmacht“)

    Bibliografie:

    Publizistik 10 (1965), Nr. 3, S. 275 f. (P)

  • Literatur

    Karl d’Ester, Zur Systematik der Zeitungswissenschaft, in: Zeitungswissenschaft 2 (1927), Nr. 10, S. 145.

    Karl d’Ester/Walther Heide (Hg.), „Die Zeitung“. Eine Enquete über das gleichnamige vierbändige Werk von Otto Groth, in: Zeitungswissenschaft 6 (1931), Nr. 2, S. 65–82.

    Ángel Faus Belau, La ciencia periodística de Otto Groth, 1966.

    Wolfgang R. Langenbucher (Hg.), Otto Groth. Vermittelte Mitteilung. Ein journalistisches Modell der Massenkommunikation, 1998.

    Antje Nutbohn, Journalistenausbildung zwischen Kapitulation und Währungsreform. Otto Groths „Vorbildungskurse für Journalisten in München“ 1946–1948, 1990.

    Hans Wagner, Otto Groth (1928–1930): Die Zeitung, in: Christina Holtz-Bacha/Arnulf Kutsch (Hg.), Schlüsselwerke für die Kommunikationswissenschaft, 2002, S. 167–170.

    Hans Bohrmann, Otto Groth (1948). Die Geschichte der deutschen Zeitungswissenschaft, in: ebd., S. 170–172.

    Wolfgang R. Langenbucher, Otto Groth (1960–1972). Die unerkannte Kulturmacht, in: ebd., S. 173–176.

    Karl-Ursus Marhenke, Die periodikalische Vermittlung von Wissen. Otto Groth und seine theoretische Forschung. Eine rationale Rekonstruktion, Diss. Universität Leipzig, 2008.

    Juan José García Posada, Otto Groth y el periodismo como ciencia, in: Comunicación (2015), Nr. 33, S. 73–82.

    Karl-Ursus Marhenke, Art. „Otto Groth“, in: Blexkom. Biografisches Lexikon der Kommunikationswissenschaft, 2015. (Onlineressource)

    Festschrift:

    Publizistik 10 (1965), Nr. 3.

  • Porträts

    Fotografie, ca. 1950, Abbildung in: Karl Ritter von Klimesch (Hg.), Köpfe der Politik, Wirtschaft, Kunst und Wissenschaft, 1953, S. 542.

    Fotografie, 1965, Abbildung in: Festschrift für Otto Groth, in: Publizistik 10 (1965), Nr. 3, Frontispiz.

  • Autor/in

    Erik Koenen (Bremen)

  • Zitierweise

    Koenen, Erik, „Groth, Otto“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.07.2023, URL: https://www.deutsche-biographie.de/118698230.html#dbocontent

    CC-BY-NC-SA