Zwiedineck-Südenhorst, Otto von

Lebensdaten
1871 – 1957
Geburtsort
Graz
Beruf/Funktion
Nationalökonom
Konfession
katholisch
Namensvarianten

  • Zwiedineck-Südenhorst, Otto
  • Zwiedineck von Südenhorst, Otto
  • Zwiedineck-Südenhorst, Otto Edler von
  • Zwiedineck-Südenhorst, Otto Hellmut Wilhelm Johann Edler von
  • Zwiedineck-Südenhorst, Otto von
  • Zwiedineck-Südenhorst, Otto
  • Zwiedineck von Südenhorst, Otto
  • Zwiedineck-Südenhorst, Otto Edler von
  • Zwiedineck-Südenhorst, Otto Hellmut Wilhelm Johann Edler von

Vernetzte Angebote

Verknüpfungen

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Zwiedineck-Südenhorst, Otto von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz143079.html [03.03.2026].

CC0

  • Zwiedineck-Südenhorst, Otto Hellmut Wilhelm Johann Edler von

    | Nationalökonom, * 24.2.1871 Graz, † 4.8.1957 Graz. (katholisch)

  • Genealogie

    V Hans Z. Edler v. S. (1845–1906), aus Frankfurt/M., Dr. phil., 1883 Landesbibl. in G., 1885 Prof. f. Gesch. an d. Univ. G. (s. L), S d. Ferdinand (1791–1872, österr. Edler mit Prädikat „v. Südenhorst“ 1854), österr. Artillerie-Oberstlt. (s. Wurzbach), u. d. Anna Francisca Brunner;
    M Anna (1847–1925), T d. Johann Dettelbach ( v. 1868), Eisengroßhändler in G., Rrkreuz d. Franz-Joseph-Ordens 1831);
    2 Schw;
    1) Rothenburg ob der Tauber 1903 1919 Emma (1869–1946), Malerin, Graphikerin, zuletzt in Dachau (s. Qu), T d. Ernst Cloeter ( 1913), zuletzt in Weißenburg (Mittelfranken), u. d. Alma Wirth (1839–1907), zuletzt in Pappenheim (Mittelfranken), 2) 1920 Hedwig Müller;
    T aus 2) Irmingard (1921–94).

  • Biographie

    Z. besuchte das Staatsgymnasium in Graz (Abitur 1889) und studierte anschließend hier, in Heidelberg und Leipzig Staatswissenschaften mit den Schwerpunkten Jura und Nationalökonomie. 1895 beendete er das Studium mit der Promotion zum Dr. rer. pol. bei Richard Hildebrand (1840–1918) in Graz. Anschließend arbeitete er in verschiedenen Institutionen der wirtschaftlichen Selbstverwaltung in Graz und Wien.

    Nach einem erfolglosen ersten Habilitationsversuch 1898 in Graz habilitierte sich Z. 1900 an der Univ. Wien mit einer Arbeit zur Frage des Minimallohns. 1902 wurde er ao., 1903 o. Professor für Volkswirtschaftslehre, Finanzwissenschaft und Sozialpolitik an der TH Karlsruhe (Rektor 1912/13). Seit Mai 1915 leistete er Kriegsdienst beim 3. Landsturm-Infanterie-Ersatz-Bataillon Mosbach, 1915/16 als Oberleutnant in der Presseverwaltung in Łódź. 1920 nahm er einen Ruf nach Breslau und 1921 – als Nachfolger Max Webers (1864–1920) – für Nationalökonomie an die Univ. München an, wo er bis zu seiner Emeritierung 1938 wirkte. Rufe an die Univ. Wien lehnte er 1925 und 1926 ab. Von 1945 bis zu seinem Lebensende setzte er seine Lehrtätigkeit in München fort.

    Z.s wissenschaftliche Themenfelder reichten von der Ur- und Frühgeschichte bis zu Fragen der Geld- und Preistheorie. Dabei vertrat er meist gegen die Grenznutzenlehre und die abstrakte neoklassische Theorie gerichtete Positionen, die stärker die soziale Bedingtheit wirtschaftlicher Handlungen betonten und dem zeitlichen Ablauf der Wirtschaftsakte besondere Bedeutung beimaß. Mit seinem ersten Hauptwerk „Sozialpolitik“ (1911), das zeitgenössisch allgemein als Standardwerk anerkannt war, wurde Z. neben Leopold v. Wiese (1876–1969) und Heinrich Herkner (1863–1932) zum Begründer der Sozialpolitik als eigenständiger wissenschaftlicher Disziplin. Dabei ging es Z. v. a. darum, Sozialpolitik nicht mehr als die Summe vereinzelter staatlicher Maßnahmen zur Besserstellung notleidender Teile der Bevölkerung, sondern als Gesellschaftspolitik aufzufassen. Der in seinem zweiten Hauptwerk, dem Lehrbuch „Allgemeine Volkswirtschaftslehre“ (1932), unternommene Versuch, eine allgemeine Begründung wirtschaftlicher Phänomene durch Vermittlung von historistischer und abstrakt-theoretischer Richtung zu erreichen, fand allerdings nur geringe Resonanz.

    Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit war Z. wissenschaftspolitisch aktiv. 1926–30 war er ständiger Sachverständiger im Reichs-Enqueteausschuß und 1934–42 Mitherausgeber der „Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik“. 1936 wurde er Vizepräsident der „Akademie zur Wissenschaftlichen Erforschung und Pflege des Deutschtums“ (Dt. Ak.). Diese Position gab er 1937 im Zuge von Auseinandersetzungen um den Präsidenten Karl Haushofer (1869–1946) auf. 1938 wurde er von seiner Lehrverpflichtung entbunden.

    Obwohl Z. sich nicht als Vertreter der nationalsozialistischen Ideologie exponierte, wurde er 1940 o. Mitglied der Bayer. Akademie der Wissenschaften und erhielt 1941 die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft. 1947 war W. an der Wiedergründung des „Vereins für Socialpolitik“ beteiligt, kurzzeitig war er auch Leiter der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie in München.

    Auch wenn sich Z. von der Historischen Schule Gustav Schmollers (1838–1917) zu distanzieren versuchte, wurde er im Fach aufgrund seiner Ausrichtung auf die Sozialpolitik und seines wirtschaftsgeschichtlichen Schwerpunkts in seiner Forschung als später Vertreter des Historismus in der Volkswirtschaftslehre wahrgenommen. Er entfaltete besonders im Münchner Umfeld eine starke öffentliche Ausstrahlungskraft und war lange Zeit ein einflußreicher Ökonom. Allerdings konnte sich Z. nicht mit der abstrakten Wirtschaftstheorie anfreunden. Das brachte seit den späten 1920er Jahren einen schleichenden Bedeutungsverlust mit sich.

  • Auszeichnungen

    |Dr. h. c. (TH Karlsruhe 1925 u. TH Nürnberg 1951);
    o. Mitgl. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (1940) u. d. Österr. u. Ungar. Ak. d. Wiss. (1940);
    Goethe-Medaille f. Kunst u. Wiss. (1941);
    Ehrenbürger d. Univ. München;
    Ehrenmitgl. d. Royal Statistical Soc., d. Internat. Statist. Inst. u. d. Ver. f. Socialpol.;
    Gr. BVK (1953);
    – Z.str., München (1963).

  • Werke

    |Arb.schutz u. Arb.vers., 1905;
    Macht oder ökonom. Gesetz, 1925;
    Die wirtsch. Bedeutung d. Gewerbehygiene, 1933;
    Gefühltes, Erstrebtes, Erkanntes, Sonderdr. aus: Mensch u. Wirtsch., Ausgew. Aufss., 1955.

  • Quellen

    Qu KIT-Archiv, Karlsruhe, 28002/530; GLA, Karlsruhe, 456 E/14854; Ideale u. Wirklichkeiten, Aspekte d. Geschlechtergesch., Briefwechsel zw. Hermine Cloeter, Emma Cloeter u. O. v. Z.-S., 1893–1957, hg. v. M. Friedrich, 1995.

  • Literatur

    L Nachrufe: O. Anderson, in: Revue de l’Inst. Internat. de Statistique 25, 1957, H. 1/3, S. 182–84;
    G. Albrecht, in: Jb. f. Nat.ök. u. Statistik 170, 1958, S. 5–42 (W-Verz.);
    W. Weber, in: Zs. f. Nat.ök. 17, 1958, H. 4, S. 389–92;
    F. Lütge, in: Jb. d. Bayer. Ak. d. Wiss. 1958, S. 158–62 (P);
    E. Michels, Von d. dt. Ak. z. Goethe-Inst., Sprach- u. ausw. Kulturpol. 1923–1960, 2005;
    Biogr. Lex. Demographie;
    zu Hans: Alm. d. Wiener Ak. d. Wiss. 1907, S. 351 f.;
    P. Bauer, Die Gesch.schreibung H. v. Z.-S.s im Verhältnis zu Treitschke, Diss. Wien, 1942;
    J. Tinks, H. v. Z.-S., Diss. Graz 1951;
    A. Mölzer, Hans v. Z.-S., Corpsstudent, Gel. u. Pol., 1981;
    Wurzbach;
    BJ XI, Tl.;
    Biogr. Lex. Gesch.wiss.

  • Autor/in

    Roman Köster
  • Zitierweise

    Köster, Roman, "Zwiedineck-Südenhorst, Otto Hellmut Wilhelm Johann Edler von" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 802-804 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz143079.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA