Lebensdaten
1894 bis 1982
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
London
Beruf/Funktion
Schriftstellerin ; Journalistin
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 11862136X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Reifenberg, Elise (eigentlich)
  • Hirschmann, Elise (geborene)
  • Thomasius, Christian (Pseudonym)
  • mehr

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Zitierweise

Tergit, Gabriele, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11862136X.html [04.07.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Siegfried Hirschmann (1863–1942), aus Ansbach, Fabr., Gründer d. „Dt. Kabelwerke AG“ in B., d. „DEKA Pneumatic“ u. d. „Union Cable Works“, Dagenham Docks b. L., Erfinder d. Dreiradautos „Cyclonette“ (s. Wenzel; Rhdb.), S d. S. H. (* 1830), aus Steppach b. Augsburg, Schlächter ebd., Kaufm., Oberhaupt (?) d. orthodoxen jüd. Gde. in Nürnberg;
    M Frieda (1873–1958), aus München, T d. Jacob Ullmann ( 1886), Posamentierer, Großkaufm., Brauereibes. in München;
    Ur-Gvm N. N., gründete d. Wäschegeschäft A. Raff in München; Gr-Tante-v Johanna Juedel ( Samson [Samuel] Raphael Hirsch, 1808–88, Rabbiner, Schriftst., s. NDB IX);
    B Ernst Hirschmann (* 1900);
    Berlin 1928 Heinrich (Heinz) Julius (1894–1968), Dipl.-Ing., Architekt, u. a. der New Jewish Liberal Synagogue (London, Belsize Square), emigrierte 1933 n. Prag, 1935 n. Palästina, 1938 n. Großbritannien, S d. N. N. Reifenberg u. d. Rosa Ginsberg (* 1870);
    1 S Ernst Robert Reifenberg (1928–64, Bergunfall), Math.; Schwägerin Adele Reifenberg (1893–1968), Malerin, u. a. im Atelier v. L. Corinth;
    Vt d. Ehemanns Benno Reifenberg (1892–1970), Journ. (s. NDB 21).

  • Leben

    Nach dem Abschluß des Lyzeums in Berlin besuchte T. dort etwa seit 1912/13 Alice Salomons „Soziale Frauenschule“, wo sie die Bekanntschaft von Hilde Walter, Gertrud Bäumer und weiteren führenden Vertreterinnen der Frauenbewegung machte. Zeitgleich arbeitete sie in Kinderhorten und in einer Lehrstellenvermittlung. Nach dem 1. Weltkrieg absolvierte T. ihr Abitur und studierte anschließend ab 1919 in Berlin, München, Heidelberg und Frankfurt/M. Philosophie, Geschichte und Soziologie, u. a. bei Friedrich Meinecke, Max Weber und Erich Marcks. 1925 wurde sie in Frankfurt bei Georg Küntzel (1870–1945) mit einer Arbeit über den Naturwissenschaftler und Paulskirchen-Parlamentarier Karl Vogt zum Dr. phil. promoviert.

    Bereits 1915 hatte T. ihren ersten Zeitungsartikel veröffentlicht. Seit 1920 schrieb sie für das Feuilleton verschiedener Zeitungen (u. a. Vossische Ztg., Berliner Tagebl.). Um diese Zeit formte sie während ihres Studiums in Heidelberg aus dem Wort „Gitter“ das Pseudonym „Tergit“, inspiriert durch eine Schauspielerin, die ihren Namen „Winter“ in den Künstlernamen „Terwin“ umgewandelt hatte. Sie veröffentlichte Gerichtsreportagen im „Berliner Börsen Courier“ und arbeitete in der Redaktion des „Berliner Tageblatts“. Für die „Weltbühne“ verfaßte sie seit 1928 Artikel, häufig unter dem Pseudonym Christian Thomasius. Durch ihre präzisen Beobachtungen, die sozialkritische Perspektive und ihren lebendigen Schreibstil wurde sie mitprägend für das Genre der Gerichtsreportage. Einblicke in das expandierende Pressewesen ihrer Zeit lieferte T.s erster Roman „Käsebier erobert den Kurfürstendamm“ (1931). Er zeichnet auf satirische Weise das turbulente Großstadtleben und die Untergangsstimmung Berlins am Ende der Weimarer Republik nach und wurde von der zeitgenössischen Kritik hochgelobt. Lange Zeit wenig beachtet, wurde das Werk in den 1970er Jahren wiederentdeckt, neu aufgelegt und wissenschaftlich rezipiert.

    Nachdem die SA im Frühjahr 1933 die Wohnung der Familie Reifenberg überfallen hatte, emigrierte T. in die Tschechoslowakei, wo sie u. a. beim „Prager Tageblatt“ und der „Dt. Zeitung Bohemia“ mitarbeitete. Mann und Sohn folgten ihr im Sommer 1933 nach Prag. 1935–38 lebte die Familie in Tel Aviv, wo T. für verschiedene Zeitungen arbeitete und an ihrem 1931 begonnenen Roman „Effingers“ (gedr. 1951) schrieb. 1938 übersiedelte die Familie nach London. Hier fungierte T. 1957–81 als Sekretärin des PEN-Zentrums dt.sprachiger Autoren und Autorinnen im Ausland.

    T. gehörte in der Weimarer Republik aufgrund ihrer justizkritischen Texte und couragierten Beschreibungen des schleichenden Verfalls der Demokratie zu den sozialpolitisch engagiertesten Journalistinnen Berlins.

    Ihre zahlreichen Reportagen, die in postumen Ausgaben zusammengefaßt erschienen, sowie ihr „Käsebier“-Roman sind bedeutungsvolle Zeitdokumente. T.s spätere Texte reflektieren zudem ihre intensive Auseinandersetzung mit der Sozialgeschichte und Kultur der dt. Juden.

  • Auszeichnungen

    A G.-T.-Promenade, Berlin (seit 1998).

  • Werke

    Weitere W Das Büchlein vom Bett, 1954;
    Kl. Gesch. d. Blumen, Kaiserkron u. Päonien rot, 1958;
    Das Tulpenbüchlein, 1965;
    Etwas Seltenes überhaupt, Erinnerungen, 1983;
    Atem e. anderen Welt, Berliner Reportagen, hg. v. J. Brüning, 1984;
    Im Schnellzug nach Haifa, hg. v. dems., 1996;
    Wer schießt aus Liebe?, Ger.reportagen, hg. v. dems., 1999;
    Der erste Zug n. Berlin, hg. v. dems., 2000;
    Frauen u. andere Ereignisse, Publizistik u. Erzz. v. 1915 bis 1970, hg. v. dems., 2001;
    Nachlaß: DLA Marbach;
    Dt. Exilarchiv 1933–1945.

  • Literatur

    L E. Larsen, Die Welt d. G. T., 1987 (P);
    E.-M. Mockel, Aspekte v. Macht u. Ohnmacht im lit. Werk G. T.s, Diss. Aachen 1995; I. Stephan, Stadt ohne Mythos, G. T.s Berlin-Roman „Käsebier erobert d. Kurfürstendamm“, in: Neue Sachlichkeit im Roman, Neue Interpretationen z. Roman d. Weimarer Rep., hg. v. S. Becker u. Ch. Weiß, 1995. S. 291–313; J. Horsley, in: Berühmte Frauen 2, 300 Porträts, hg. v. S. Gretter u. L. Pusch, 2001, S. 284 (P); L. Schüller, Vom Ernst d. Zerstreuung, Schreibende Frauen am Ende d. Weimarer Rep., Marieluise Fleißer, Irmgard Keun u. G. T., 2005; D. Wrobel, Mediensatire wider d. Entpolitisierung d. Ztg., Journalismuskritik in Romanen v. G. T. u. Erich Kästner, in: „Laboratorium Vielseitigkeit“, Zur Lit. d. Weimarer Rep., hg. v. P. Josting u. W. Fähnders, 2005, S. 267–86; ders., Vergessene Texte d. Moderne wiedergelesen, G. T., Käsebier erobert d. Kurfürstendamm, in: Lit. im Unterr., Texte d. Moderne u. Postmoderne in d. Schule 6, 2005, H. 2, S. 165–74; J. Jürß, Ein Gänseblümchen oder Mariannes Himmelspforte, in: Dünn ist d. Decke d. Zivilisation, Begegnungen zw. Schriftstellerinnen, hg. v. M. Stein, 2007, S. 65–70; S. Kirschnick, Republikanismus aus Alternativlosigkeit, Zum Demokratiedenken G. T.s, in: Vernunftrepublikanismus in d. Weimarer Rep., hg. v. M. Weipert u. A. Wirsching, 2008, S. 311–21; H. Wagener, G. T., Gestohlene Jahre, 2013; Lex. Schriftstellerinnen 1933–45 (P);
    Juden in Berlin;
    BHdE II; Mitteldt. Jb. 1, 1994, S. 268–70;
    Killy; Kosch, Lit.-Lex. 3 (W, L); Metzler Lex. dt.-jüd. Lit. (P)

  • Autor/in

    Liane Schüller
  • Empfohlene Zitierweise

    Schüller, Liane, "Tergit, Gabriele" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 34-35 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11862136X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA