Lebensdaten
1863 bis 1941
Geburtsort
Ermsleben (Harz)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Nationalökonom ; Soziologe
Konfession
-
Normdaten
GND: 118751433 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Sangbate, Weierna
  • Sombart, Werner Friedrich Wilhelm Carl
  • Wei er na Sang ba te
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Sombart, Werner, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118751433.html [24.09.2017].

CC0

  • Genealogie

    V Anton (s. 1); M Clementine Liebelt; 1) 1888 Felicitas Genzmer (1866–1920), 2) 1922 Corina Leon (1892–1971); 4 T aus 1) Clara (* 1891, Hans Gerhard Creutzfeldt, 1885–1964, o. Prof. d. Psychiatrie in Kiel, Ehrensenator d. Univ. Kiel, s. Fischer; Kürschner, Gel.-Kal. 1961), Gertrud (* 1893, Eberhard Röhricht, * 1888, seit 1927 Pfarrer in B.-Dahlem, s. M. Gailus, Protestantismus u. NS., 2001, bes. S. 315), Charlotte (* 1895, Bruno Poguntke, Sup.), Eva (* 1896, Hermann Darsen, 1892–1941, Dr. iur., Reg.präs. in Hohenzollern), 1 S aus 2) Nicolaus (1922–2008, Thamara Khoundadze), Dr. phil., Schriftst., Kultursoziol., 1947 mit A. Andersch u. W. Richter Hg. d. Zs. „Der Ruf“ u. Mitbegr. d. „Gruppe 47“, 1954–84 Beamter b. Europarat in Straßburg, 1977 Mitgl. d. dt. PEN, 1982/83 Fellow d. Wiss.kollegs in B., 1988 Dir. d'Étude am Maison des Sciences de l'Homme, 2003 Kommandeur d. franz. Ehrenlegion (s. W, L), 1 T aus 2) Ninetta (* 1925), Malerin, leitete 1962 e. Werbeabt. in Basel (s. L); E Werner Creutzfeldt (1924–2006, Cora Glees, Dr. med., Fachärztin f. Psychotherapie, Gruppenanalytikerin, Leiterin d. Lipid-Ambulanz in Göttingen), o. Prof. d. Inneren Med. in Göttingen, 1977 Präs. u. 1993 Ehrenmitgl. d. Dt. Diabetes-Ges., 1994 Ehrenmitgl. d. Dt. Ges. f. Innere Med., 1968 Vizepräs u. 1993 European Soc. for Clinical Investigation (s. Kürschner, Gel.-Kal. 2009; Wi. 1967–2000).

  • Leben

    S. besuchte das Wilhelms-Gymnasium in Berlin und später ein Internat in Schleusingen, wo er 1882 die Reifeprüfung ablegte. Anschließend studierte er in Pisa und Berlin, v. a. bei Adolph Wagner und Gustav Schmoller (1838–1917), bei dem er 1888 mit einer Arbeit über Pacht- und Lohnverhältnisse in der röm. Campagna promoviert wurde. Nach wenigen Jahren als Handelskammersyndikus in Bremen wurde er 1890 ao. Professor für|Staatswissenschaften in Breslau. Dort trat er als Kenner – für seine Kritiker als Sympathisant – des Marxismus und der sozialen Bewegung hervor, wie die Vortragssammlung „Sozialismus und soziale Bewegung im 19. Jh.“ belegt (1896, 71919, Nachdr. 1966). Als er 1906 an die wenig angesehene Berliner Handelshochschule wechselte, hatte er neben einer Reihe kleinerer Publikationen auch die erste Auflage seines Hauptwerkes „Der moderne Kapitalismus“ (2 Bde., 1902) vorgelegt. Hierin verband er die theoretische Begründung der Überlegenheit der kapitalistischen Wirtschaftsform über ältere Wirtschaftsformen wie Handwerk und Hausindustrie mit der historischen Frage nach der Genese des Kapitalismus. S. begriff diese Genese als Psychogenese, er fragte deshalb v. a. nach den Wurzeln einer neuen Wirtschaftsgesinnung. Diese Auffassung unterschied ihn von Marx, sie wurde wenig später von Max Weber in dessen Untersuchungen zur prot. Ethik und dem Geist des Kapitalismus aufgenommen. S.s vielbeachtetem Hauptwerk kommt daher eine Schlüsselstellung im Entstehungsprozeß der Soziologie in Deutschland zu.

    Als S. 1917 an die Univ. Berlin berufen wurde (em. 1931), hatte er bereits eine Reihe weiterer teilweise größerer Publikationen vorgelegt, darunter das Pamphlet „Händler und Helden“ (1915). Zu diesem Zeitpunkt lagen auch die ersten beiden Bände der Neuauflage des „Modernen Kapitalismus“ (3 Bde., 1916–27, Nachdr. 1987) vor, die nun – so der Untertitel – als „historisch-systematische Darstellung des gesamteuropäischen Wirtschaftslebens von seinen Anfängen bis zur Gegenwart“ angelegt war. Als solche war sie der Erstauflage überlegen und wird breit rezipiert. Damit hatte sie an historischer Aussagekraft gewonnen, jedoch, wie die jeweils einen Aspekt einseitig abhandelnden Vorstudien „Die Juden und das Wirtschaftsleben“ (1911), „Der Bourgeois“, „Krieg und Kapitalismus“ oder „Luxus und Kapitalismus“ (alle 1913) bereits andeuteten, an theoretischer Stringenz verloren. Erst der die Darstellung an die Gegenwart heranführende dritte Band (1927), der die Epoche des Hochkapitalismus als Prozeß fortschreitender Rationalisierung begriff, spiegelte wieder deutlicher S.s Grundanliegen, theoretische und historische Ansätze in der Wirtschaftswissenschaft zu versöhnen und läßt eine Wandlung S.s in seiner Haltung zum Kapitalismus erkennen: Handwerk und Landwirtschaft galten ihm nun als die letzten Refugien vor der Kapitalismus und Sozialismus gemeinsamen Rationalisierung und der damit einhergehenden Entfremdung. Das hatte in den 1920er Jahren politische Implikationen, die S. für die äußerste Rechte interessant machten und mit einigen Vertretern der NSDAP ins Gespräch brachten. Diese kurzzeitige Annäherung an den Nationalsozialismus und die in einer Reihe seiner Schriften anzutreffende Verbreitung antisemitischer Stereotypen standen einer angemessenen Würdigung seines Werkes nach 1945 lange im Weg. Die Soziologen verweigerten ihm einen Platz als Gründungsvater ihrer Disziplin, während ihn die inzwischen stärker theoretisch ausgerichteten Ökonomen längst vergessen hatten. Lediglich einige Historiker wie Fernand Braudel benutzten weiter das Werk S.s, der im ersten Drittel des 20. Jh. wohl der weltweit meistgelesene Sozialwissenschaftler war.

  • Auszeichnungen

    Dr. h. c. (Königsberg 1923; Bonn 1925; Berlin 1931); u. a. Vors. d. Ver. f. Socialpol. (bis z. Auflösung 1936); korr. Mitgl. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (1933); o. Mitgl. d. Preuß. Ak. d. Wiss. (1933); Mitgl. d. Ak. f. Dt. Recht (1933).

  • Werke

    Weitere W Die dt. Volkswirtsch. im neunzehnten Jh., 1903, 71927, Nachdr. 1954; Der proletar. Sozialismus („Marxismus“), 2 Bde., 1924; Dt. Sozialismus, 1934; Vom Menschen, Versuch e. geisteswiss. Anthropol., 1938, 21956, Nachdr. 2006; Noo-Soziol., 1956; Nat.ök. als Kapitalismustheorie, Ausgew. Schrr., hg. v. A. Ebner u. H. Peukert, 2002; – Qu umfangreicher Nachlaß im Geh. StA Preuß. Kulturbes. Berlin; – zu Nicolaus: Capriccio No. 1, 1947, Nachdr. 1995; Jugend in Berlin 1933–1943, 1984, zahlr. Nachdrr., franz., rumän., ungar. Überss. (Autobiogr.); Die dt. Männer u. ihre Feinde, Carl Schmitt, ein dt. Schicksal zw. Männerbund u. Matriarchatsmythos, 1991, Nachdr. 1997, franz. u. japan. Überss.; Pariser Lehrjahre, 1951–1954, Leçons de Sociologie, 1994, Nachdr. 1996 (Autobiogr.); Rendezvous mit d. Weltgeist, Heidelberger Reminiszenzen 1945–1951, 2000 (Autobiogr.).

  • Literatur

    L B. vom Brocke (Hg.), S.s „Moderner Kapitalismus“, Materialien z. Kritik u. Rezeption, 1987 (W-Verz.); F. Lenger, W. S. 1863–1941, Eine Biogr., 1994; ders., in: Schles. Lb. VIII, 2004, S. 219–30 (P); J. Backhaus (Hg.), W. S. (1863–1941), Klassiker d. Soz.wiss., 2000 (P); S. Takebayashi, Die Entstehung d. Kapitalismustheorie in d. Gründungsphase d. dt. Soziol., Von d. hist. Nat.ök. z. hist. Soziol. W. S.s u. Max Webers, 2003; Personenlex. Drittes Reich; – zu Nicolaus: Ph. Gürtler, in: Documents, Revue des Questions Allemandes, 1998, Nr. 4, S. 122–25; T. Krause, in: Die Welt v. 5. 7. 2008; FAZ v. 5. 7. 2008; L. Jäger, in: FAZ v. 9. 7. 2008; – zu Ninetta: V. Harlan, N. S., Leben u. Werk, 2004.

  • Portraits

    Ölgem. v. P. Modersohn Becker, 1906 (Bremen, Kunsthalle), Abb. in: Schles. Lb. VIII, 2004 (s. L), Abb. 19; Büste v. H. Lederer, 1932 (Privatbes.), Abb. in: A. Spiethoff (Hg.), Festgabe f. W. S., z. siebenzigsten Wiederkehr seines Geb.tages 19. Jänner 1933, Schmollers Jb. 56, H. 6, 1932, Frontispiz.

  • Autor

    Friedrich Lenger
  • Empfohlene Zitierweise

    Lenger, Friedrich, "Sombart, Werner" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 562-563 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118751433.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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