Lebensdaten
1893 bis 1973
Geburtsort
Leipzig
Sterbeort
Berlin (Ost)
Beruf/Funktion
SED-Politiker ; Staatsratsvorsitzender der DDR
Konfession
konfessionslos
Normdaten
GND: 118625179 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ulbricht, Walter Ernst Paul
  • Subkowiak, Stefan ((Deckname))
  • Ulbricht, Walter
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Zitierweise

Ulbricht, Walter, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118625179.html [22.02.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Ernst (1869–1943), Schneider in L.; M Pauline Rothe (1868–1926); B Erich (* 1900), wanderte 1928 in d. USA aus, Schw Hildegard (* 1901), lebte n. 1945 b. Hamburg; – 1) Leipzig 1920 1952 Martha Schmellinsky (1892–1975), Näherin in L., 2) 1953 Lotte (Charlotte) Kühn (1903–2002, 1] Erich Wendt, 1902–65, Buchhändler, KPD-Funktionär, 1941 n. Sibirien deportiert, 1947 Leiter d. Aufbau-Verl. in B., 1949–65 Mitgl. d. Präsidiums d. Kulturbunds d. DDR, 1958 dessen Vizepräs., 2] Charlotte Treuber, 1907–99, T d. Julius Treuber, 1880–1955, 1921–25 Leiter d. Lessing-Buchhandlung in B.-Charlottenburg, KPD-Funktionär, s. Dt. Kommunisten), seit 1921 Mitgl. d. KPD, Stenotypistin in d. Parteizentrale d. KPD in B., 1927–31 Angest. b. d. sowjet. Handelsvertretung ebd., 1931–45 in d. UdSSR, seit 1935 Lebensgefährtin v. U., 1941–45 Hauptreferentin b. Exekutivkomitees d. Kommunist. Internationale, kehrte 1945 mit U. n. Dtld. zurück, Leiterin d. Allg. Abt. d. ZK d. KPD, 1946/47 Redakteurin, bis 1954 persönl. Mitarb. v. U., bis 1972 Leiterin d. Arbeitsgruppe „Walter Ulbricht“ am Inst. f. Marxismus u. Leninismus in B. (s. W, L), T e. Hilfsarb. in Rixdorf b. B.; 1 T aus 1) Dorle (* 1920), 1 Adoptiv-T Beate (1944–91).

  • Leben

    U. machte seit 1907 eine Tischlerlehre, trat 1908 der Sozialistischen Jugend und 1910 dem Holzarbeiterverband bei und ging 1911 als Geselle auf Wanderschaft. Nach seiner Rückkehr 1912 wurde er in Leipzig Mitglied der SPD und nach Ausbruch des 1. Weltkriegs Anhänger der Gruppe Internationale. 1915 zur Infanterie eingezogen, desertierte er im Mai 1918, wurde gefaßt, aber auf Bewährung nach Belgien versetzt. Seit Nov. 1918 war er wieder in Leipzig, wurde Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrats des XIX. Armeekorps sowie des Spartakusbunds und wurde,|nachdem er 1917 der USPD beigetreten war, 1919 Mitglied der neugegründeten KPD, seit 1920 als hauptamtlicher Funktionär. U. stieg schrittweise in der Partei auf, war 1921 bereits Politischer Leiter in Thüringen und entwickelte sich zu einem typischen Vertreter des bürokratischen Parteiapparats. Es mangelte ihm an Rednergabe und schriftstellerischen Fähigkeiten, doch er besaß großes Organisationstalent; dabei schloß er sich der jeweils herrschenden Parteirichtung an. 1923 zählte er zu den „rechten“ Kommunisten um Heinrich Brandler (1881–1967) und wurde auf dem VIII. Parteitag erstmals in die Zentrale gewählt. Anfang 1924 wechselte er zur neuen Mehrheit, der „Mittelgruppe“, die damals von der Komintern unterstützt wurde, verteidigte auf dem IX. Parteitag im April 1924 die Politik dieser Gruppe und zugleich die Umstellung der Parteistrukturen auf „Zellen“. Da auf diesem Parteikongreß die Linken um Ruth Fischer, Arkadi Maslow und Ernst Thälmann die Macht übernahmen, wurde U. abgelöst und zur Komintern nach Moskau abgeschoben, die ihn unter dem Decknamen „Stefan Subkowiak“ als Instrukteur in Wien und Prag einsetzte. In Wien wurde er Ende 1924 wegen seiner Einreise unter falschem Namen zu zwei Monaten Kerker verurteilt und anschließend des Landes verwiesen.

    U. kehrte nach Deutschland zurück, als die linke KPD-Führung 1925 von der Komintern abgesetzt wurde. Er blieb treuer Anhänger der Komintern, arbeitete im ZK-Apparat der KPD und in der Gewerkschaftsabteilung. Sein Schwerpunkt blieb der Umbau der Partei nach dem stalinistischen Organisationsprinzip; in Parteikreisen wurde er spöttisch „Genosse Zelle“ genannt. Obwohl er kein Theoretiker war, brachte das ideologische Organ der KPD, „Die Internationale“, im Dez. 1925 einen Aufsatz U.s gegen „politische Abweichungen“ (Zur Frage d. demokrat. Zentralismus, in: Die Internationale 12, 1925, S. 754–59), im Juli 1926 erschien dort sein Artikel „Propagandaarbeit in den Zellen“ (ebd.13, S. 408–10), letzterer unter dem Pseudonym „Walter“, das er auch später benutzte. Der XI. Parteitag 1927 wählte ihn zum Mitglied des ZK. 1926–28 Abgeordneter des sächs. Landtags und 1928–33 des Reichstags, wurde er ein fanatischer Verfechter der Stalinisierung der Partei. 1929 trat er die Nachfolge Wilhelm Piecks (1876–1960) als Politischer Leiter des Bezirks Berlin-Brandenburg an. Zugleich zog er ins Polbüro der KPD ein und gehörte 1931 als Mitglied des Sekretariats zur obersten Spitze der KPD, was er durch eine charakteristische Mischung von starr-dogmatischer Haltung und flexibler Anpassung an Stalins Linie erreicht hatte.

    1933 zunächst im Widerstand in Deutschland aktiv, emigrierte U. im Okt. desselben Jahres nach Paris. In der Auslandsleitung der KPD trat er 1934 für eine Änderung der ultralinken Politik ein und wurde nach entsprechender neuer Strategie der Komintern zur führenden Person der KPD. Er sabotierte in Gegnerschaft zu Willi Münzenberg (1889–1940) die Bildung einer Volksfront der dt. Emigration, die trotz Einsatzes von Heinrich Mann (1871– 1950) nicht zustande kam. Die Zerschlagung der KPD-Leitung durch Hitler und Stalin beförderte seinen Aufstieg zum „starken Mann“ der Exil-KPD, auch wenn formal Pieck Parteivorsitzender blieb. Die blutigen Säuberungen in Moskau bis 1938 überstand U. unbeschadet. Während des 2. Weltkriegs verteidigte er vehement den Hitler-Stalin-Pakt, nach dem dt. Überfall auf die UdSSR war er sowohl am Aufbau des „Nationalkomitees Freies Deutschland“ als auch an Planungen für die kommunistische Politik in Nachkriegsdeutschland beteiligt.

    Seine „Gruppe Ulbricht“ flog am 30. 4. 1945 nach Deutschland, um hier mit Hilfe der Sowjetarmee staatliche Verwaltungen zu errichten und die Macht der KPD zu sichern. Bei der Zwangsvereinigung mit der SPD im April 1946 wurde er zunächst stellv. Parteivorsitzender der SED. Mit deren Stalinisierung 1947/48 stieg U. zum entscheidenden Parteiführer auf: 1950–53 Generalsekretär, dann Erster Sekretär des ZK der SED sowie nach der Gründung der DDR 1949 stellv. Ministerpräsident. Mit seiner Person ist die Umwandlung der frühen DDR nach dem Vorbild der UdSSR, v. a. die Installierung der Diktatur mit der Zentralisierung des gesamten Systems, am engsten verbunden. Er war ergebener Anhänger Stalins und verbreitete den Personenkult um den Diktator in der DDR, was nach Stalins Tod im März 1953 U.s Stellung in der SED kurzfristig stark schwächte; auch der Haß der breiten Massen richtete sich beim Aufstand am 17. 6. 1953 gegen U., der im Volksmund „Spitzbart“ genannt wurde. Nach der Entfernung von Oppositionellen aus der Führung (1949 Paul Merker, 1953 Wilhelm Zaisser, 1958 Karl Schirdewan) und dem Kurswechsel 1956, als er in die sowjet. Kritik an Stalin einstimmte, konnte U. mit sowjet. Hilfe seine Position wieder festigen und in der SED fast uneingeschränkt bestimmen. Er übernahm 1960 den Vorsitz des Staatsrats und des Nationalen Verteidigungsrats und beherrschte nunmehr Staat, Wirtschaft und Militär. U. nutzte auch Kulturpolitik, v. a. Architektur und Wissenschaft, für propagandistische Ziele; er behauptete, sein „dritter Beruf“ sei Historiker. Durch Legenden, Umschreibungen und Fälschungen sollte die Zeitgeschichte für die SED-Herrschaft instrumentalisiert und zugleich der Personenkult um U. gefestigt werden.

    1961 war U. führend bei der Initiative zur Errichtung der Berliner Mauer. Seitdem suchte er mit gesteigertem Machtbewußtsein, aber unterschiedlichem Erfolg die DDR durch Wirtschaftsreformen nach dem „Neuen ökonomischen System der Planung und Leitung“ und durch Bildungsreformen voranzubringen.

    U. propagierte seit Mitte der 1960er Jahre die DDR als Modell für die anderen sozialistischen Staaten und strebte ihre relative Unabhängigkeit von der Sowjetführung an. Zugleich verschärften sich die wirtschaftlichen Versorgungsprobleme in der DDR. U. geriet innenpolitisch im Politbüro unter Druck und verlor zunehmend die Unterstützung der Sowjetunion unter Breschnew. Seine Bereitschaft, mit der Bundesrepublik hinsichtlich der zuvor stets geforderten völkerrechtlichen Anerkennung der DDR Kompromisse einzugehen, um wirtschaftliche Unterstützung zu erhalten, stand gegen die Haltung der sowjet. Führung. Im Mai 1971 löste der von ihm protegierte Erich Honecker (1912–94) U. mit Duldung Moskaus in seinen Ämtern ab. Seine völlige Entmachtung sollte mit der Ernennung zum einflußlosen „Vorsitzenden“ der SED vertuscht, seine Rolle in der Entwicklung des dt. Kommunismus und der DDR verschleiert werden. Seit Mitte der 1980er Jahre wurden teilweise wieder positive Wertungen seiner Rolle vorgenommen.

  • Auszeichnungen

    A sämtl. Orden u. Ehrenzeichen d. DDR, u. a.: KarlMarx-Orden (1953); Held d. Arb. (1953, 1958, 1963); VVO (1954); Banner d. Arb. (1960); Dauermarkenserie d. Dt. Post in d. DDR (1961–71); ägypt. Nil-Orden; Held d. Sowjetunion.

  • Werke

    W zahlr. Broschüren, u. a. Die Legende v.dt. Sozialismus“, Ein Lehrb. f. d. schaffende Volk über d. Wesen d. dt. Faschismus, 1945, 21946;
    25 J. n. d. Einigung d. Arbeiterkl., Referat auf d. Sitzung d. Komm. z. Vorbereitung d. 25. J.tages d. SED am 17. Dez. 1970, 1970;
    Zur Gesch. d. dt. Arbeiterbewegung, Aus Reden u. Aufss., 10 Bde. u. 3 Zusatzbde., 1953–71;
    Ausgew. Reden u. Aufss. z. Gesch. d. dt. u. d. internat. Arbeiterbewegung, 1979 (P);
    zu Lotte: Eine unvergeßl. Reise, 1965;
    Reden u. Aufss. 1943–1967, 1968;
    Mein Leben, Selbstzeugnisse, Briefe u. Dok., hg. v. F. Schumann, 2003.

  • Literatur

    L W. Leonhard, Die Rev. entlässt ihre Kinder, 1955; J. R. Becher, W. U., 1958; C. Stern, U., Eine pol. Biogr., 1963; A. Abusch, W. U., 1963; L. Thoms u. H. Vieillard, Ein guter Deutscher, W. U., 1963; H. Weber, U. fälscht Gesch., 1964; E. Gniffke, J. mit U., 1966; H. Voßke, W. U., Biogr. Abriß, 1983; N. Podowin, W. U., Eine neue Biogr., 1995; M. Kaiser, Machtwechsel v. U. z. Honecker, 1997; M. Frank, W. U., Eine dt. Biogr., 2001; F. Schumann (Hg.), Lotte u. Walter, Die U.s in Selbstzeugnissen, 2003 (P); Dierk Hoffmann, Die DDR unter U., 2003; S. Lokatis, Der Rote Faden, Kommunist. Parteigesch. u. Zensur unter W. U., 2003; D. Kemper, Heinrich Mann u. W. U., Das Scheitern d. Volksfront, 2012; R. Wentzke, U.s Soldaten, Die NVA 1956–1971, 2013; BHdE I; Dt. Kommunisten (P); Wer war wer DDR (auch zu Lotte).

  • Portraits

    P Büste v. R. Hahne, 1963; Porträt, Öl/Lwd., v. W. Rudolph, 1966; Lith. v. A. Fleischer, 1970, Lith. „W. U. in e. Naziverslg.“, 1960 (alle Kunstarchiv Beeskow); zahlr. Photogrr. (BA, Bilddatenbank).

  • Autor/in

    Hermann Weber †
  • Empfohlene Zitierweise

    Weber, Hermann, "Ulbricht, Walter" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 557-559 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118625179.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA