Lebensdaten
1886 bis 1944
Geburtsort
Hamburg
Sterbeort
Konzentrationslager Buchenwald
Beruf/Funktion
kommunistischer Politiker
Konfession
-
Normdaten
GND: 118621505 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Thälmann, Ernst Johannes Fritz
  • Thälmann, Ernst
  • Thälmann, Ernst Johannes Fritz
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Zitierweise

Thälmann, Ernst, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118621505.html [01.12.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Johannes (Jan) (1857–1933), aus Weddern (Holstein), Knecht, Kutscher, Kneipenbes. in H.;
    M Maria Magdalena Kohpeiss (1857–1927), aus Kirchwerder (Vierlanden), beide 1892 wegen Hehlerei zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt, T e. Zimmermanns;
    Schw Frieda (1887–1967), in H.;
    Hamburg (?) 1915 Rosa Koch (1890–1962), aus Bargfeld (Kr. Storman), Hausangest., Arbeiterin, 1920 Mitgl. d. KPD, 1944 im KZ Ravensbrück, SEDSozialistische Einheitspartei Deutschlands-Funktionärin, 1950 Abg. d. Volkskammer d. DDR (s. Kosch, Biogr. Staatshdb.; Munzinger; Biogr. Hdb. SBZ/DDR);
    T e. Schuhmachers;
    T Irma (1919–2000, 1] 1940–54 Heinrich Vester, 2] 1955 Johannes Gabel, 1913–87), propagierte in d. SED d. Kult um T., Nachlaß im BA (s. L).

  • Leben

    T. war nach der Entlassung aus der Volksschule als ungelernter Arbeiter v. a. im Hamburger Hafen tätig. Seit 1903 war er Mitglied der SPD und hier auf dem linken Parteiflügel aktiv, 1904 trat er in den Zentralverband der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter ein. Im Jan. 1915 Soldat an der Westfront, desertierte er im Herbst 1918 und schloß sich als Arbeiter auf einer Abwrackwerft der USPD an. Sein Einfluß in der Partei wuchs rasch, 1919 wurde er für die USPD in die Hamburger Bürgerschaft gewählt, deren Mitglied er bis 1933 blieb; daneben war er weiter als Arbeiter beschäftigt. Bald populär, galt T. als einer der örtlichen Führer der linken USPD. 1920 trat er mit der großen Mehrheit der Hamburger USPD für den Anschluß an die Kommunistische Internationale ein und kam im selben Jahr zur KPD, wo er ebenfalls auf dem linken Parteiflügel stand. 1921 wurde er Vorsitzender der KPD-Ortsgruppe Hamburg, Mitglied der Bezirksleitung Wasserkante sowie hauptamtlicher Sekretär und Delegierter auf dem III. Weltkongreß der Komintern. Im selben Jahr wurde er auch Mitglied im Zentralausschuß der KPD und stieg 1922/23 neben Ruth Fischer (1895–1965) und Arkadi Maslow (1891–1941) zu einem Führer der linken Opposition in der Partei auf. T. war zwar mitverantwortlich für den Hamburger Aufstand im Okt. 1923, spielte dabei jedoch nicht die zentrale Rolle, die ihm später, v. a. in der DDR-Propaganda, zugeschrieben wurde. 1924 wurde T. auf dem IX. Parteitag in Frankfurt/M. in die Zentrale der KPD und dann auch in das Polbüro gewählt und im selben Jahr auf dem V. Weltkongreß der Komintern als Kandidat ins Exekutiv-Komitee der Komintern sowie in dessen Präsidium berufen; diese beiden Funktionen behielt er bis 1933. 1924–33 war er Reichstagsabgeordneter der KPD.

    Deutschlandweit bekannt wurde T. als Kandidat der KPD für die Reichspräsidentenwahl 1925. Im selben Jahr auch Vorsitzender des Roten Frontkämpferbundes, wuchs sein Einfluß in der KPD, wo er den ultralinken Kurs der Partei verkörperte; 1925 wurde er KPD-Vorsitzender. In den folgenden Jahren wurde T. zum Theoretiker des dt. Kommunismus stilisiert; er sollte wie Stalin in Rußland der große Parteiführer sein. Zwielichtige Freunde wie John Wittorf (1894–1981), der Parteigelder unterschlagen hatte, oder Willy Leow (1887–1937), gegen den Korruptionsvorwürfe erhoben wurden, brachten T. jedoch politisch fast zu Fall. Seine Absicht, Wittorfs Unterschlagungen zu vertuschen, führten im Sept. 1928 zu T.s Absetzung als Parteivorsitzender durch das ZK. Da Stalin ihn im Okt. 1928 aber wieder einsetzte, verstärkte sich T.s Ehrgeiz, als der bestimmende Parteichef zu gelten. Er war 1932 wieder Kandidat der KPD zur Reichspräsidentenwahl und blieb bis 1933 Parteivorsitzender. T. befolgte im Auftrag der Komintern Stalins verheerende ultralinke Politik: Die Kommunisten richteten den „Hauptstoß“ gegen die Sozialdemokraten und die Gewerkschaften, die sie als „Sozialfaschisten“ diskriminierten, gleichzeitig unterschätzten sie die NSDAP; unter T. wurde v. a. die Weimarer Republik bekämpft. Während der Weltwirtschaftskrise wuchs die Mitgliederzahl und der Wählerstimmenanteil der KPD stark an. T.s persönliche Tragödie war allerdings, daß ihn die Komintern in eine Funktion gehoben hatte, der er nicht gewachsen war, da er zum Radikalismus und zur Selbstüberschätzung neigte.

    T. wurde am 3. 3. 1933 inhaftiert. Nach dem Stalin-Hitler-Pakt 1939 hoffte er, nach Moskau ausgetauscht zu werden; er schrieb entsprechende Briefe an Stalin, der seinen treuen Anhänger jedoch nicht unterstützte. Nach über elf Jahren in Einzelhaft wurde T. auf Befehl Hitlers und Himmlers am 18. 8. 1944 im KZ Buchenwald ermordet.

    Die bereits in der Weimarer Republik begonnene und während seiner Inhaftierung fortgeführte Stilisierung T.s zum Symbol der kommunistischen Bewegung setzte sich in der DDR fort, wo er u. a. Gegenstand von politischen Publikationen und zweier Propagandafilme war.

  • Auszeichnungen

    A Pionierorganisation „Ernst Thälmann“ d. DDR (1949–90); zahlr. Straßen, Plätze u. Einrichtungen mit seinem Namen in d. DDR, u. a. Schwermaschinenbau-Kombinat „Ernst Thälmann“ (SKET); Gedenkstätte E. T., Hamburg (1969); E. T. Platz, Hamburg; – Denkmäler: Bronze/Marmor, v. L. Jefimowitsch Kerbel, 1981/86 (Berlin, E.-T.-Park); Bronze, v. W. Arnold, 1962 (Stralsund, ehem. E.-T.-Ufer, seit 1990 Sundpromenade).

  • Werke

    W zahlr. Broschüren, u. a. Kampfreden u. Aufss., o. J. (1932);
    Reden u. Aufss., 2 Bde., 1955–56;
    An Stalin, Briefe aus d. Zuchthaus 1939–41, hg. v. W. Adolphi u. J. Schütrumpf, 1996.

  • Literatur

    L P. Maslowski, T., 1932;
    I. Thälmann-Vester, E. T., Erinnerungen an meinen Vater, 1954, 8 1965, bulgar. 1956;
    H. Heer, E. T., 1975;
    E. T., Eine Biogr., hg. v. Inst. f. Marxismus-Leninismus b. ZK d. SED, 1979, 61986;
    G. Hortschansky u. W. Wimmer, E. T., Kleine Biogr., 1988;
    T. Gabelmann (d. i. Egon Grübel), T. ist niemals gefallen, Eine Legende stirbt, 1996;
    H. Weber u. B. Bayerlein, Der T.-Skandal, Geh. Korr. mit Stalin, 2003;
    R. Sassning, Rückblicke auf E. T., 2006;
    Biogr. Lex. Weimarer Rep.;
    Dt. Kommunisten (P);
    Hamburg. Biogr. VI (P);
    Filme: E. T., Sohn seiner Klasse, Regie K. Maetzig, 1954; E. T., Führer seiner Klasse, Regie ders., 1955.

  • Portraits

    P zahlr. Photogrr. (BA, Bilddatenbank).

  • Autor/in

    Hermann Weber †
  • Empfohlene Zitierweise

    Weber, Hermann, "Thälmann, Ernst" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 71-72 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118621505.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA