Ziller, Gerhart

Lebensdaten
1912 – 1957
Geburtsort
Dresden
Sterbeort
Berlin (-Ost)
Beruf/Funktion
SED-Politiker
Konfession
konfessionslos
Namensvarianten

  • Ziller, Gerhart Paul
  • Ziller, Gerhart
  • Ziller, Gerhart Paul

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Zitierweise

Ziller, Gerhart, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz143036.html [02.02.2026].

CC0

  • Ziller, Gerhart Paul

    | SED-Politiker, * 19.4.1912 Dresden, † (Suizid) 14.12.1957 Berlin (-Ost), ⚰ Zentralfriedhof Berlin-Friedrichsfelde. (konfessionslos)

  • Genealogie

    V Robert Franz (1891–1953, ev.), Maschinenschlossergehilfe in D., S d. Friedrich Hermann, Schlossermeistergehilfe in D., u. d. Bertha Auguste Großer;
    M Gertrud (* 1890), Munitionsarb., T d. Max Zieger, Steingutdreher in Frankfurt/Oder, u. d. Maria Schneider;
    Schw Elfriede (* 1920);
    1939 Ger|trud (Gerda) Neumann (1913–2001), aus D., Kunstgewerbelehrerin, Verkäuferin, Verw.angest., 1931 Mitgl. d. KPD;
    2 S Jochen (1939–2001), Dramaturg in Potsdam, Chemnitz, Zwickau u. 1980 am Berliner Ensemble, Verl., 1991 Leiter d. Drei-Masken-Verl., Frank (* 1946).

  • Biographie

    Nach dem Besuch der Volksschule absolvierte Z. eine Ausbildung zum Elektromonteur und Technischen Zeichner. Durch den Besuch von Abendkursen erlangte er den Abschluß eines Maschinenbauingenieurs. 1936–45 war er Betriebsingenieur bei den Vereinigten Windturbinenwerken Meißen und wurde offenbar aufgrund seiner beruflichen Tätigkeit nicht zum Kriegsdienst eingezogen.

    Seit 1927 im Metallarbeiterverband DMV und im kommunistischen Jugendverband KJVD organisiert, trat er 1930 in die KPD ein und war bis 1933 Redakteur der kommunistischen Parteizeitung „Arbeiterstimme“. Nach der NS-Machtübernahme 1933 arbeitete er als Technischer Zeichner und Maschinenbauingenieur. Wegen illegaler Tätigkeit für die verbotene KPD wurde Z. 1934/35 im Zuchthaus Waldheim, 1944/45 im KZ Sachsenhausen und anschließend im Gefängnis in Leipzig inhaftiert.

    Nach Ende des 2. Weltkriegs war Z. von Mai bis Juli 1945 Industriedezernent bei der Stadtverwaltung Meißen und engagierte sich dort in einem Antifa-Ausschuß. 1945 wurde er Mitglied der KPD und des FDGB, 1946 der SED. 1945/46 war er Ministerialrat und Leiter der Abteilung Kohle, Treibstoff und Energie in der sächs. Landesverwaltung. Hier machte er schnell Karriere: 1946–48 war er Ministerialdirigent und Hauptabteilungsleiter für Brennstoffenergie und Energiewirtschaft im sächs. Ministerium für Wirtschaft und Wirtschaftsplanung (Aug. 1948 Min. f. Ind. u. Verkehr). 1948 zum stellv. Minister und Leiter der Hauptabteilung Industrie ernannt, stieg er 1949 zum sächs. Minister für Industrie und Verkehr auf. Ab 1950 Mitglied der DDR-Regierung, war er 1950–53 Minister für Maschinenbau, 1954–57 für Schwermaschinenbau. Da die DDR-Fünfjahrpläne einem schwerindustriellen Paradigma folgten, kam dem von ihm geführten Ministerium – neben der Staatlichen Plankommission – eine herausgehobene Bedeutung bei der Allokation der begrenzt zur Verfügung stehenden Ressourcen zu. Seine politische Position im Wirtschaftsapparat der SED wurde dadurch untermauert, daß Z. seit Juli 1953 Mitglied und Sekretär für Wirtschaft des Zentralkomitees (ZK) der SED war; er trug den mit großem Aufwand betriebenen, forcierten Auf- und Ausbau der Schwerindustrie mit. Von 1953 bis zu seinem Tod Abgeordneter der Volkskammer, war er ab 1954 Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses.

    Nach Auseinandersetzungen in der SED-Führung um Machtfragen und um den wirtschaftspolitischen Kurs beging Z. Suizid. Er hatte mit den Wirtschaftsfunktionären Bruno Leuschner (1910–1965), Fritz Selbmann (1899–1975) und Margarete Wittkowski (1910–1974) die unerfüllbaren Kennziffern des zweiten Fünfjahrplanes kritisiert. Nach den Unruhen in Polen und Ungarn 1956 nutzte Walter Ulbricht (1893–1973) die sog. Revisionismuskampagne, um 1957/58 innerparteiliche Kritiker auszuschalten, wozu neben Z. noch Karl Schirdewan (1907–1998), Ernst Wollweber (1898–1967), Fred Oelßner (1903–1977), Selbmann und Wittkowski zählten. Ihnen wurde „Fraktionstätigkeit“ und „zersetzendes Verhalten“ vorgeworfen. 1958 wurde Erich Apel (1917–1965) als Leiter der Wirtschaftskommission des Politbüros eingesetzt.

  • Werke

    |Kohle, Treibstoff, Energie, Grundpfeiler d. Neuaufbaues d. Wirtsch., 1946;
    Die neuen Wirtsch.-Aufgaben z. Verbesserung d. Lebenslage d. Volkes, 3 Reden u. Entschließungen, 1951 (mit H. Rau);
    Fernunterr. d. Parteihochschule „Karl Marx“ d. Sozialist. Einheitspartei Dtld.s, Teil: Lehrstuhl Pol. Ök., Der 4. Parteitag d. SED über d. polit. u. ökonom. Grundlagen d. Wirtsch.pol. d. DDR, Stenogramm e. Lektion, 1955.

  • Literatur

    |H. Amos, Pol. u. Organisation d. SED-Zentrale 1949–1963, 2003;
    A. Steiner, Von Plan zu Plan, Eine Wirtsch.gesch. d. DDR, 2006;
    A. Malycha u. P. J. Winters, Die SED, Gesch. e. dt. Partei, 2009;
    S. Linzer, Ich möcht‘ nicht mehr weiter jetzt, G. Z., Susanne Kerckhoff, Wolf Kaiser, Drei biogr. Essays, 2011 (P);
    D. Hoffmann (Hg.), Die zentrale Wirtsch.verw. in d. SBZ/DDR, 2016;
    Biogr. Lex. Arbeiterbewegung;
    Kosch, Biogr. Staatshdb.;
    Biogr. Hdb. SBZ/DDR;
    Wer war wer DDR;
    Qu BA, SAPMO, Kaderakte Z.

  • Autor/in

    Dierk Hoffmann
  • Zitierweise

    Hoffmann, Dierk, "Ziller, Gerhart Paul" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 695-696 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz143036.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA