Winzer, Otto
- Lebensdaten
- 1902 – 1975
- Geburtsort
- Berlin-Reinickendorf
- Sterbeort
- Berlin(-Ost)
- Beruf/Funktion
- Politiker ; Außenminister der DDR
- Konfession
- -
- Namensvarianten
-
- Winzer, Otto Max
- Winzer, Otto
- Winzer, Otto Max
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Winzer, Otto Max
| Politiker, Außenminister der DDR, * 3.4.1902 Berlin-Reinickendorf, † 3.3.1975 Berlin(-Ost), ⚰ Berlin, Zentralfriedhof Friedrichsfelde.
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Genealogie
V Georg (* 1877, ev.), Arb. u. Droschkenkutscher (Fuhrherr), S d. Gottfried, Fuhrherr in B., u. d. Friederike Henriette Müller († v. 1899);
M Anna Marie Mathilde (* 1875, ev.), Maschinennäherin in B., T d. Carl Julius Hermann Sasse, Droschkenkutscher in B., u. d. Anna Maria Conradine Jaeckel;
Schw Ella (1907–2002, ⚭ 1] Rudolf Schwarz, 1904–34, v. d. Gestapo ermordet, KPD-Funktionär, Widerstandskämpfer, s. Dt. Kommunisten, 2] Willy Rumpf, 1903–82, 1946–81 Mitgl. d. Zentralkomitees d. DDR, 1955 Finanzmin., s. Biogr. Handbuch SBZ/DDR; Wer war wer DDR; Munzinger), Schneiderin, Stenotypistin im ZK d. KPD, Mitgl. d. Militärapparats d. KPD (M-Apparat), ab 1946 Mitgl. d. SED;
– ⚭ Berlin 1927 Erna (1904–75), Schw d. Willy Rumpf (s. o.) u. T d. Hermann Ferdinand Rumpf († n. 1951), Feuerwehrmann in B., u. d. Anna Maria Augusta Koch (1877–1951), aus Hohengüstow b. Angermünde (Uckermark);
kinderlos. -
Biographie
W. wurde nach dem Volksschulbesuch 1916 in Berlin zum Schriftsetzer ausgebildet und übte den Beruf bis 1922 aus. Während des 1. Weltkriegs bereitete er sich durch Abendkurse auf die Mittlere Reife vor, um im Anschluß daran Gewerbelehrer zu werden, setzte diesen Weg jedoch aufgrund seiner Parteikarriere nicht fort. In der Novemberrevolution in einen Arbeiterrat gewählt, trat er 1919 der Freien Sozialistischen Jugend (FSJ, 1920 Kommunist. Jugendverband Dtld.s, KJVD) und der KPD bei. 1922 leitete er die Ortsgruppe Pankow des KJVD. Seit 1922 im Verlag der Kommunistischen Jugendinternationale (KJI) in Berlin tätig, ging er 1924 an dessen Filiale in Wien. Wieder in Deutschland, übernahm er im Herbst 1924 die Führung des „Roten Jungsturms“. 1925 erneut nach Wien entsandt, leitete er dort die KJI-Verlagsfiliale, wurde KPÖ-Mitglied und beteiligte sich an der Wiener Julirevolte 1927, woraufhin er nach Berlin zurückkehren mußte. Hier leitete W. vorübergehend den KJI-Verlag, bevor er 1928 zum Exekutivkomitee (EK) der KJI nach Moskau ging, wo er der KPdSU(B) beitrat. 1930 wieder in Berlin, arbeitete er im westeurop. Büro des EK der KJI, unternahm Reisen in die Niederlande, nach Frankreich und Bulgarien und wurde endgültig mit der Leitung des KJI-Verlags betraut.
Nach dem 30.1.1933 in die Illegalität gedrängt, entkam W. nur knapp der Verhaftung, der Verlag wurde liquidiert. Trotz Verhören bei der Gestapo baute er die Revolutionäre Gewerkschafts-Organisation (RGO) „Graphik“ wieder auf und wurde Pol-Leiter der RGO Berlin-Brandenburg. Nach zeitweiligem Einsatz im Saargebiet 1934, bei dem er Erich Honecker (1912–1994) traf, war er für die KPD in Paris und in den Niederlanden tätig. 1935 nach Moskau beordert, arbeitete er in der Verlagsabteilung des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale (EKKI) mit. Aufgrund seiner Freundschaft mit dem 1936 verhafteten Erich Wendt (1902–1965) erhielt W. 1937 eine strenge Rüge und Verwarnung, schied aus der Verlagsabteilung aus und mußte als Übersetzer und Redakteur für den Verlag für fremdsprachige Literatur arbeiten. 1941 rehabilitiert, kam er zur Presseabteilung des EKKI für die Stockholmer Exilzeitschrift „Die Welt“ und übernahm die Leitung des illegalen Senders „Die Heimat ruft“. 1944 wurde W. als Mitglied des Nationalkomitees Freies Deutschland (NKFD) Lehrer und Seminarleiter an der Parteischule der KPD bei Moskau.
Am 30.4.1945 kehrte W. als Mitglied der Initiativgruppe Ulbricht nach Berlin zurück, wo er bis zu den Wahlen 1946 die Abteilung Volksbildung beim Magistrat leitete. Anfang 1947 setzte er seine Karriere als Leiter der Hauptabteilung Kultur und Erziehung des Zentralsekretariats (ZS) der SED, im Februar als Leiter der Presseabteilung im Parteiapparat fort, bevor er 1949 stellv. Chefredakteur des „Neuen Deutschland“ wurde. Unmittelbar nach der Gründung der DDR zum Leiter der Privatkanzlei von Präsident Wilhelm Pieck (1876–1960) berufen, wurde er zu dessen „Ghostwriter“ und engem Vertrauten. 1956 wurde W., der ab 1950 auch dem ZK und der Volkskammer angehörte, einer von drei stellv. Außenministern. Gefördert von Walter Ulbricht (1893–1973), wurde der ehrgeizige W. 1959 Staatssekretär im Außenministerium.
Wenngleich nicht im Politbüro, konnte er aufgrund seiner engen Beziehungen zu Ulbricht auf außenpolitische Entscheidungen Einfluß nehmen. Umgekehrt war es auf Ulbricht zurückzuführen, daß W. nach dem – wohl nicht gesundheitlich bedingten–Rücktritt von Lothar Bolz (1903–1986) 1965 Außenminister wurde. W., ein kenntnisreicher, der Partei treu ergebener Funktionär, leitete somit seit 1959 de facto das Ministerium, da sich Bolz (Nat.-Demokrat. Partei Dtld.s, NDPD) auf repräsentative Aufgaben beschränken mußte. W. arbeitete v. a. an der völkerrechtlichen Anerkennung der DDR, die dazu in den 1960er Jahren auch Beziehungen unterhalb der diplomatischen Ebene mit den Staaten|der „Dritten Welt“ knüpfte, insbesondere in Afrika. Mit der völkerrechtlichen Anerkennung der DDR durch fünf arab. Staaten und Kambodscha 1969 hatte W. ein wichtiges Zwischenziel erreicht. Die weltweite Anerkennung der DDR gelang aber erst infolge des Grundlagenvertrags mit der Bundesrepublik nach 1972. Seinen größten außenpolitischen Triumph feierte W. mit der Aufnahme der DDR in die Vereinten Nationen 1973 in New York. W. klammerte sich trotz eines Herzleidens an sein Amt, wurde aber 1975 in den Ruhestand versetzt, um dem Honecker-Vertrauten Oskar Fischer (1923–2020) Platz zu machen.
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Auszeichnungen
|VVO in Gold (1955), Ehrenspange (1969);
Medaille f. Kämpfer gegen d. Faschismus (1958);
Medaille f. Teilnahme an d. bewaffneten Kämpfen d. dt. Arb.kl. in d. J. 1918–1923 (1958);
Banner d. Arb. (1959);
Karl-Marx-Orden (1962 u. 1973);
Stern d. Völkerfreundschaft in Gold (1965, Gr. Stern 1975);
Held d. Arb. (1967);
Orden d. Weltrev. (1972);
– O.-W.-Str., Berlin-Marzahn (1978–92) u. Halle/Saale (bis 1991);
O.-W.-Offz.hochschule f. ausländ. Militärs in Prora/Rügen (1981–90), Gedenkstein (P). -
Werke
|Sozialist. Pol., Eine krit. Stellungnahme zu Reden u. Aufss. v. Dr. Kurt Schumacher, 1947;
Wohin führt d. Weg? Der Wirtsch.zerfall im Westen Dtld.s u. d. Zweizonensystem, 1947;
Der Marshallplan, 1948;
Der Vaterlandsverrat d. Dr. Konrad Adenauer, 1952;
Der Rapallo-Vertrag u. seine nat. Bedeutung f. Dtld., 1952;
Die Lehre Lenins v. d. Partei neuen Typus, 1953;
Die große Lüge v. d. „freien Wahlen“ in Westdtld., 1954;
Die Auseinandersetzung in d. SPD u. d. Aktionseinheit d. dt. Arb.kl., 1954;
Die heutige dt. Soz.demokratie u. d. Marxismus, 1954;
Zwölf J. Kampf gegen Faschismus u. Krieg, Ein Btr. z. Gesch. d. Kommunist. Partei Dtld.s 1933–1945, 1955;
Wilhelm Pieck, Kampfgefährte d. russ. Rev. u. Freund d. Sowjetunion, 1956;
Revolutionäre Traditionen d. Kampfes d. dt. Arb.bewegung gegen Militarismus u. Krieg, 1956;
Probleme d. friedl. Koexistenz in dt. Sicht, 1963;
Der Bankrott d. Pol. d. Stärke, 1959;
Der Freundschafts- u. Beistandsvertrag zw. DDR u. UdSSR, 1964;
Die Warschauer Tagung u. d. neue Lage in Dtld., 1965;
Über d. nat. Mission d. DDR in d. gegenwärtigen Situation, 1965;
Dt. Außenpol. d. Friedens u. d. Sozialismus, 1969;
– Qu Nachlaß: SAPMO Berlin, hier auch Kaderakte;
Archiv d. AA Berlin, hier auch Personalakte. -
Literatur
|K. Ostmann, in: SBZ-Archiv 6, 1955, S. 39;
L. Hornbogen, Der Arb.kl. u. d. Sozialismus treu ergeben, O. W., in: Btrr. z. Gesch. d. Arb.bewegung 26, 1984, S. 686–93;
H. Grunert, Für Honecker auf glattem Parkett, Erinnerungen e. DDR-Dipl., 1995, S. 132, 136 f. u. 180–82;
I. Muth, Die DDR-Außenpol. 1949–1972, Inhalte, Strukturen, Mechanismen, 2000, S. 57, 63, 128 u. 161;
Biogr. Hdb. SBZ/DDR;
Wer war wer DDR;
Munzinger. -
Porträts
|Photogrr. (BA, Bilddatenbank);
10 Pfennig-Briefmarke d. DDR (1982). -
Autor/in
Hermann Wentker -
Zitierweise
Wentker, Hermann, "Winzer, Otto Max" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 273-274 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz142901.html#ndbcontent