Wollenberg, Erich

Lebensdaten
1892 – 1973
Geburtsort
Königsberg (Preußen)
Beruf/Funktion
KPD-Funktionär
Konfession
-
Namensvarianten

  • Walter( Pseudonym)
  • Hardt, Eugen( Pseudonym)
  • Hart, Martin( Pseudonym)
  • Wollenberg, Erich
  • Walter( Pseudonym)
  • walter
  • Hardt, Eugen( Pseudonym)
  • hardt, eugen
  • Hart, Martin( Pseudonym)
  • hart, martin
  • Walther( Pseudonym)
  • walther

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Zitierweise

Wollenberg, Erich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz142963.html [30.01.2026].

CC0

  • Wollenberg, Erich (Pseudonym Walter, Eugen Hardt, Martin Hart)

    | KPD-Funktionär, Journalist, Publizist, * 15.8.1892 Königsberg (Preußen), † 6.11.1973 München.

  • Genealogie

    Aus ostpreuß. jüd. Fam.;
    V Adolph (1861–1919), Mil.arzt, Sanitätsrat, S d. Louis;
    M Bertha Eichelbaum (1869–1938);
    2 B Hans-Werner (1891–1964), Richard ( 1923), 1 Schw Paula Walton-W. (1897–1977), 1 Halb-Schw Erna Belsen, geb. Petrat.

  • Biographie

    Nach dem Abitur in Königsberg begann W. an der dortigen Universität 1911 ein Medizinstudium. Ab 1914 leistete er als Freiwilliger Kriegsdienst (1917 Lt.) und wurde fünfmal verwundet. Im Sept. 1918 wurde er Mitglied der SPD, zwei Monate später der USPD. Er nahm in Königsberg an der Revolution teil, war kurzzeitig Chef des Sicherheitsdienstes des Arbeiter- und Soldatenrats Ostpreußen und Führer der Matrosenvolkswehr, trat von diesen Posten jedoch Anfang 1919 zurück aus Protest gegen die Aufstellung von Freiwilligenverbänden, die im Baltikum gegen die sowjet. Revolution kämpften. Danach Mitglied der KPD, übersiedelte er nach München und setzte hier sein Studium an der Universität fort, ohne es abzuschließen. Im April 1919 militärischer Führer der bayer.|Roten Armee Dachau, wurde er nach der Niederschlagung der Räterepublik in München im Mai 1919 zu zwei Jahren Festungshaft verurteilt und war in Landsberg/Lech, Ansbach und Niederschönenfeld inhaftiert.

    Nach seiner Entlassung im März 1922 war W. in kurzer Folge Volontär der „Roten Fahne“ in Berlin, Chefredakteur der „Roten Fahne des Ostens“ in Königsberg und Redakteur der KPD in Bochum und Hamborn. Im Aug. 1923 wurde er unter dem Pseudonym „Walter“ zum Militär-Politischen Oberleiter Süd-West ernannt und wegen Vorbereitung eines bewaffneten Aufstands strafverfolgt. W. floh deshalb nach Moskau, wo er die Militärschule der Kommunistischen Internationale besuchte und zeitweilig der Roten Armee angehörte (Brigadegen.). 1927 illegal wieder in Deutschland, wo er die Saarbrücker Arbeiterzeitung leitete, ging er bald in die Sowjetunion zurück und arbeitete am Moskauer Marx-Engels-Institut, seit 1928 als Professor für Geschichte der Arbeiterbewegung des Westens an der Internationalen Leninschule.

    Nach der Herbstamnestie 1930 kehrte W. im April 1931 legal nach Deutschland zurück, wurde als Führungsmitglied des illegalen Roten Frontkämpferbundes (RFB) kurzzeitig verhaftet, war im März 1932 wieder Redakteur der Roten Fahne in Berlin und geriet in Gegensatz zur Politik der Parteiführung um Ernst Thälmann (1886–1944) und Walter Ulbricht (1893–1973), weshalb er eine Parteirüge erhielt und aus der Redaktion der Roten Fahne entlassen wurde. Nach kurzzeitiger Unterkunft bei Erich Mühsam (1878–1934) reiste er Ende 1932 wieder nach Moskau und arbeitete in einer Verlagsgenossenschaft. Am 5.3.1933 traf W. in der Moskauer Wohnung Hermann Taubenbergers (1892–1937) andere kommunistische Emigranten, die den Ausgang der Reichstagswahlen und die Niederlage der dt. Arbeiterklasse diskutierten und dabei scharfe Kritik an der dt. Parteiführung übten. Diese Zusammenkunft wurde denunziert und führte zu W.s Parteiausschluß im April 1933. 1934 reiste er nach Prag, wurde im März 1936 durch das NS-Regime ausgebürgert, ging nach London und arbeitete hier, verfolgt durch den Geheimapparat der KPD und die Gestapo, für antinazistische Zeitungen und Zeitschriften. Der Verhaftung durch die Gestapo entging er 1940 durch Flucht nach Marokko, wo er in Casablanca von der Vichy-Polizei verhaftet, nach achtmonatiger Untersuchungshaft vom franz. Kriegstribunal freigesprochen, aber von der franz. Zivilverwaltung in ein Straflager überführt wurde. Die Landung der Alliierten im Nov. 1942 verhinderte seine Auslieferung an die Gestapo. Er arbeitete für franz. Zeitungen und Zeitschriften in Marokko und Algier und publizierte Bücher; in seinen Publikationen warb er für die Schaffung einer Europ. Föderation unter Einschluß des demokratischen Deutschland.

    Im April 1946 nach Paris repatriiert, kam W. im Sommer 1946 nach Bayern. Er war bis 1951 Leiter der Außenpolitikredaktion der Zeitschrift „Echo der Woche“ und lebte anschließend als freier Journalist in Paris und München. W. war auch Berichterstatter für die Organisation Gehlen bzw. den BND. Seit 1951 war er Mitglied der SPD, seit 1952 der Gewerkschaft IG Druck und Papier. Er trat zeitweise publizistisch hervor als konsequenter Gegner des Stalinismus, der Sowjetunion und der DDR, was während des Kalten Kriegs den antikommunistischen Zeitgeist traf. Ende der 1960er Jahre vollzog er unter dem Eindruck der politischen und gesellschaftlichen Veränderungen in der Bundesrepublik eine öffentliche ideologische Rückbesinnung und wurde wieder bekennender Marxist.

  • Auszeichnungen

    |E. K. I. Kl. (1. Weltkrieg).

  • Werke

    |Als Rotarmist vor München, Reportage aus d. Münchener Räterep., hg. v. ZK d. KPD, 1929, Neudr. d. dt. Ausg. 1971, digitale Ausg. 2017, russ. Erstausg. mit e. Vorw. v. A. N. Stetzki, 1924, ²1931, ³1933, ⁴1934;
    Die Rote Armee, 1938, erw. Neuausg. 1940, Neudr. d. 1. Ausg. 1978, engl. 1938;
    Hitler, le militarisme allemand et la paix européene, 1944, ²1945, digitale Ausg. 2013;
    Brest-Litowsk, Ein hist. Rückblick auf d. dt.-russ. Sonderfrieden v. 5. März 1918, 1946 (Ms.), digitale Ausg. 2013;
    Nationalisierte Wirtsch. u. Private Wirtsch., Zum 25. J.tag d. Kronstädter Aufstandes u. d. Einf. d. N.E.P., 1946;
    Von d. Gestapo z. SSD“, [1950];
    Der Apparat, Stalins fünfte Kolonne, 1951, ³1952;
    „Er duzte sich mit Stalin“, Heitere Begegnungen, 1952;
    Das Netz d. kommunist. Frontorganisationen, in: Ost-Probleme 6, 1954, Nr. 41;
    Einl. zu A. Neuberg (Hans Kippenberger) u. a., Der bewaffnete Aufstand, Versuch e. theoret. Darst., 1971;
    Thälmann, Film u. Wirklichkeit, Nachdr. aus: Der Monat 7, 1954, 1972;
    Vorw. zu Victor Serge, Erinnerungen e. Revolutionärs 1901–1941, 1974.

  • Quellen

    Qu umfangr. Nachlaß: im Archiv d. soz. Demokratie, Bonn; Russ. Staatl. Mil.archiv Moskau; BA Berlin.

  • Literatur

    |H. A. Winkler, Der Schein d. Normalität, Arb. u. Arb.bewegung in d. Weimarer Rep. 1924 bis 1930, 1985, S. 881;
    R. Müller, Menschenfalle Moskau, Exil u. stalinist. Terror, 2001;
    M. Kubina, Von Utopie, Widerstand u. kaltem Krieg, Das unzeitgemässe Leben d. Berliner Rätekommunisten Alfred Weiland (1906–1978), 2001, S. 379;
    B. Kramer u. Ch. Ludszuweit (Hg.), Der Feuerstuhl u. d. Fährtensucher, Rolf Recknagel, Anna Seghers, E. W. auf d. Spuren B. Travens, 2002;
    S. Schneider, E. W. (1892–1973), Eine biogr. Skizze, Mag.arb. FU Berlin 2009;
    ders., Widerstand oppositioneller Kommunisten, E. W.,|verfolgt v. Hitler u. Stalin, in: H. Coppi u. St. Heinz (Hg.), Der vergessene Widerstand d. Arb., Gewerkschafter, Kommunisten, Soz.demokraten, Trotzkisten, Anarchisten u. Zwangsarb., 2012, S. 199–228;
    BHdE I;
    Dt. Kommunisten.

  • Autor/in

    Andreas Herbst
  • Zitierweise

    Herbst, Andreas, "Wollenberg, Erich (Pseudonym Walter, Eugen Hardt, Martin Hart)" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 482-484 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz142963.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA