Lebensdaten
1891 bis 1941
Geburtsort
Jelisawetgrad (später Sinowjewsk, seit 1939 Kirowograd)
Sterbeort
Havanna (Kuba)
Beruf/Funktion
kommunistischer Politiker
Konfession
-
Normdaten
GND: 118940244 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Maslov, Arkadij
  • Maslow, Arkadi
  • Tschemerinsky, Isaak (bis 1919)
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Zitierweise

Maslow, Arcadij, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118940244.html [19.06.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus südruss. jüd. Fam.;
    V Jefim Tschemerinsky;
    M Ljuba Maxim, aus wohlhabender Kaufm.fam.; Lebensgefährtin Ruth Fischer (1895–1961), kommunist. Politikerin (s. L).

  • Leben

    M.s Mutter ließ sich um die Jahrhundertwende scheiden und übersiedelte mit den Kindern nach Deutschland. M. besuchte seit 1899 die Kreuzschule in Dresden, ging anschließend auf das Konservatorium und trat, 20jährig, als Pianist auf. 1914-19 studierte M. in Berlin Physik und Mathematik. Während des Kriegs war er zunächst Zivilgefangener, dann arbeitete er als Dolmetscher. Im Februar 1919 ließ er seinen Namen amtlich in Maslow ändern. Er lernte in Berlin Paul Levi und seine spätere Lebensgefährtin Ruth Fischer kennen, die ihn für den Kommunismus gewannen. In der KPD wurde M. 1920 für die „russ. Sektion“ (ehemalige Kriegsgefangene) Mitglied des Zentralausschusses und war auch für das Westeurop. Büro der Komintern tätig. Seit 1921 leitete er zusammen mit Ruth Fischer die starke Berliner Organisation der KPD. M. wurde zum Theoretiker des linken Flügels der KPD; auf dem Parteitag in Leipzig 1923 trat er neben Ruth Fischer als der Wortführer der linken Opposition auf. Diese Gruppe übernahm im April 1924 die Parteiführung. M. wurde in die Zentrale und in das Politische Büro (Polbüro) der KPD gewählt und galt nun als führender Kopf der Partei. Am 20. Mai 1924 verhaftet, konnte er vom Gefängnis aus weiterhin die Politik der KPD beeinflussen. M. schrieb damals sein Buch über die zwei russ. Revolutionen von 1917. Der X. Parteitag der KPD im Juli 1925 wählte M. in Abwesenheit ins ZK und ins Polbüro, die marxistisch-leninistischen Zirkel der KPD machten ihn zum „Ehrenvorsitzenden“.

    Am 1.9.1925 begann der Prozeß gegen M. und andere führende Kommunisten. Am selben Tag veröffentlichte das KPD-Zentralorgan „Rote Fahne“ einen „offenen Brief“ der Komintern, der M. und Ruth Fischer wegen „ultralinker Abweichung“ scharf kritisierte. M. wurde zu vier Jahren Gefängnis verurteilt, im Juli 1926 aber wegen seines schlechten Gesundheitszustandes entlassen, die vom Gericht gegen ihn ausgesprochene Ausweisung aufgehoben. Die KPD schloß im August 1926 M. und Ruth Fischer aus der Partei aus, zugleich begann eine Rufmord-Kampagne, da er sich angeblich vor Gericht „unproletarisch“ verhalten habe. M. gehörte zu den Mitbegründern des linkskommunistischen „Leninbundes“, doch zog er sich vor den Wahlen vom Mai 1928 von dieser Organisation zurück. Bis 1933 trat er politisch wenig in Erscheinung und bestritt seinen Lebensunterhalt durch Übersetzungen (u. a. Pokrowskis „Geschichte der russ. Revolution“).

    Am 9.3.1933 flüchteten M. und Ruth Fischer aus Berlin über Prag nach Paris. Sie gründeten mit einigen Gesinnungsgenossen in der Emigration die deutsche antistalinistische „Gruppe Internationale“, die bis 1939 ein Mitteilungsblatt herausgab, in dem M. die wichtigsten Artikel schrieb. In den Moskauer Schauprozessen wurde M. als „Agent“ angegriffen. Er lebte von journalistischer Arbeit|und Nachhilfestunden in Mathematik. 1940 konnte er über Südfrankreich nach Kuba entkommen; da er kein Visum erhielt, konnte er nicht, wie Ruth Fischer, in die USA einreisen. M. kam 1941 in Havanna ums Leben, er wurde tot auf der Straße gefunden. Laut ärztlichem Befund erlag er einem Herzschlag, dagegen behauptete Ruth Fischer, Agenten Stalins hätten M. ermordet.

  • Werke

    Die zwei russ. Revolutionen d. J. 1917, Bd. 1, 1925.

  • Literatur

    P. Lübbe, Ruth Fischer, A. M., Abtrünnige wider Willen, Aus Briefen u. Manuskripten d. Exils, 1988;
    Gesch. d. dt. Arbeiterbewegung, Biogr. Lex., 1970;
    BHdE I (beide auch f. Ruth Fischer).

  • Autor/in

    Hermann Weber
  • Empfohlene Zitierweise

    Weber, Hermann, "Maslow, Arcadij" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 356-357 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118940244.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA