Lebensdaten
1867 bis 1938
Geburtsort
Basel
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Dichter
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118663291 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Binding, Rudolf Georg
  • Binding, Rudolf G.
  • Binding, Rudolf
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Zitierweise

Binding, Rudolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118663291.html [19.06.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Karl s. (1);
    1) Frankfurt 1907 Helene Wirsing (Cousine), geschieden 1919, 2) Bern 1922 Hedwig Blaser-Blanc, geschieden 1935;
    1 S aus 2).

  • Leben

    B., der in seiner Autobiographie „Erlebtes Leben“ (1928) über sich selbst und seine Zeit Aufschluß gibt, studierte u. a. in Tübingen und Heidelberg ohne innere Berufung Jura, später in Berlin Medizin; dann beendete er, auch hier keine Befriedigung findend, sein Studium. Die folgende Zeit bis 1907 ist gekennzeichnet durch ein Sichtreibenlassen ohne eigentlichen Beruf und ohne die Möglichkeit, dem Leben wirklich Sinn und Inhalt zu geben. B. handelte mit englischen Vollblütern, bestritt selbst in England Pferderennen und lernte das Pferd als den großen Lehrmeister in der Beherrschung der eigenen Persönlichkeit schätzen. In Kassel diente B. freiwillig und wurde Reserveoffizier eines sächsischen Husarenregiments. Dem von schwerer Krankheit Genesenden wurde 1907 in Florenz die Gabe dichterischer Aussage zuteil, die d'Annunzio auf Grund der Übersetzung eines seiner Gedichte durch B. bestätigte. Bestimmend für sein dichterisches Schaffen wurden eine 1909 nach Griechenland unternommene Reise mit dem Erlebnis des Hermes des Praxiteles und die im gleichen Jahr erfolgte Bekanntschaft mit „Joie“ (Eva Connstein geborene Annecke, 1877–1942), der „Freundin seines Lebens“. Schon seine ersten Dichtungen, Gedichte, Legenden (Coelestina, 1908, Keuschheitslegende, 1913) und die Novellen der Jahre 1910/11, unter ihnen die Meisternovelle „Opfergang“, geben in plastisch gemeißelter Sprache das Hauptanliegen des ganzen späteren Werkes des Dichters: die Darstellung des Menschen in seinem Wesen oder „Inbild“, wie B. es bezeichnet, frei von jeder metaphysischen Bindung in der Bewährung gegenüber der Umwelt und dem sich selbst geschaffenen Schicksal. So ist seine Lyrik herb; seine Novellen sind trotz aller in ihnen geschilderten tragischen Verstrickungen Bekenntnisse zur Fülle des Lebens gleichwie die Legenden, die der Verherrlichung des Irdischen dienen. B., der nach seiner Verheiratung zunächst in Falkenstein im Taunus bzw. im Winter in Frankfurt lebte, siedelte sich 1910 in der Villenkolonie Buchschlag in Hessen an, wo er auch das Amt des Bürgermeisters versah. Der erste Weltkrieg, den er als Kavallerie-Rittmeister im Westen mitmachte, brachte ihm die Bestätigung seiner Anschauung, daß erst im Äußersten der ganz auf sich allein gestellte Mensch zu einer ehrlichen Einstellung zu den Dingen und zu sich selbst gelange. Seinen Niederschlag fand das Kriegserlebnis in dem Tagebuch „Aus dem Kriege“ (1925, 1932 in englischer Sprache unter dem Titel “A Fatalist at War") wie auch in Novellen (Unsterblichkeit, 1921, Wir fordern Reims zur Übergabe auf, 1935). Seine Kriegslyrik „Stolz und Trauer“ (1922) gehört zum Bleibenden der Lyrik B.s. Sein im Krieg gehärtetes Ethos einer neuen Wahrhaftigkeit vertrat er in zahlreichen Reden und Aufsätzen. Er siedelte 1935 von Buchschlag nach Starnberg über. Sein dem Umfang nach schmales Gesamtwerk zeichnet sich durch eine leidenschaftslose und distanzierende Art der Darstellung (Ideal des Gentleman) in einer zuchtvoll beherrschten Sprache aus, ohne dabei völlig den Mangel metaphysischer Bezogenheiten verbergen zu können. B. erhielt für sein dichterisches Schaffen zahlreiche Ehrungen und Anerkennungen: 1927 Ehrendoktor der Universität Frankfurt/Main, 1928 silberne Medaille der Amsterdamer Olympiade für die 1924 erschienene „Reitvorschrift für eine Geliebte“, 1932 die Goethemedaille. Im gleichen Jahr konnte B. an verschiedenen englischen Universitäten lesen.

  • Werke

    Ges. Werke, 5 Bde., 1937;
    Gesamtausg. d. Gedichte, 1939;
    Rufe u. Reden, Neue Ausg., 1933;
    Die Perle u. a. Erzählungen, 1938;
    Natur u. Kunst, Führungen u. Betrachtungen, 1939;
    Ad se ipsum, Aphorismen, 1939;
    An eine Geliebte, Briefe f. Joie, 1950;
    Das Märchen v. Walfisch, 1951;
    Die Gesch. v. Zopf in Rothenburg, 1952;
    Kolbe, Vom Leben d. Plastik, o. J.

  • Literatur

    R. G. B. s Leben u. Werk, Zum 70. Geburtstag d. Dichters, 1937;
    T. Stenner, R. G. B., Leben u. Werk, 1938 (P);
    Dem Andenken R. G. B. s, 1938 (P);
    Ant. Meyer, Der Göttergleiche, Erinnerungen an R. G. B., 1939;
    H. Millotat, R. G. B. s erzählerisches Werk, Diss. Marburg 1939;
    D. H. Stolz, R. G. B. u. seine Lyrik, Diss. München 1942;
    G. Niederhofer-Dunker, Die Frauengestalten in R. G. B.s Leben u. Werk, Diss. Graz 1948 (ungedr.);
    H. Seeger, Die Frau im Werke R. G. B.s, Diss. Erlangen 1949 (ungedr.);
    H. J. Neumann. Stud. z. Prosastil R. G. B. s, Diss. Erlangen 1950 (ungedr.);
    K. Adel, R. G. B. u. d. Plastik, in: Euphorion, Folge 3, Bd. 45, 1950, S. 413-18;
    H. Rosenfeld, Das Hildebrandlied, die indogerman. Vater-Sohn-Kampf-Dichtungen u. d. Problem ihrer Verwandtschaft, in: DVjS 26, 1952, bes. S. 429-32;
    s. a. Körner, S. 515.

  • Portraits

    Ölgem. v. B. Berneis (Bern, Privatbesitz);
    Plastik v. R. Scheibe (Städelsches Kunstinst. Frankfurt a. M.);
    Totenmaske, abgenommen v. H. Wirsing, Abb. in: Dem Andenken R. G. B. s, 1938.

  • Autor/in

    Dieter Helmuth Stolz
  • Empfohlene Zitierweise

    Stolz, Dieter Helmuth, "Binding, Rudolf" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 245-246 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118663291.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA