Lebensdaten
1910 bis 1992
Geburtsort
(Bad) Godesberg bei Bonn
Sterbeort
(Bad) Godesberg bei Bonn
Beruf/Funktion
Historiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119142546 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schieffer, Theodor

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Zitierweise

Schieffer, Theodor, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119142546.html [17.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Heinrich (1878–1949), Volksschulrektor, Stadtschulrat in G.;
    M Gertrud Rieck (1883–1953);
    Berlin 1942 Annelise Schreibmayr (1915–81);
    1 S Rudolf (* 1947), 1980-94 o. Prof. d. ma. Gesch. in Bonn, seit 1994 in München, seit 1994 Präs. d. MGH (s. Kürschner, Gel.-Kal. 2003), 2 T Agnes (* 1948, Dr. iur. Bernhard Rengier, * 1946, RA), Elisabeth (* 1951), Dr. theol., Geistliche Rektorin d. Cusan us-Werks.

  • Leben

    Nach Besuch des humanistischen Gymnasiums in Godesberg studierte S. seit 1929 Geschichte, Französisch und Latein in Bonn, Paris und Berlin; 1934 wurde er als Schüler Wilhelm Levisons (1876–1947) mit einer Dissertation über „Die päpstlichen Legaten in Frankreich vom Vertrage von Meersen (870) bis zum Schisma von 1130“ promoviert. Die Einstellung als Mitarbeiter an den „Monumenta Germaniae Historica“ durch Paul Fridolin Kehr (1860–1944) prägte sein künftiges Wirken: Seit 1936 diesem zunächst bei der Ausgabe der Urkunden Karls III. und Arnolfs assistierend, setzte er später mit den von ihm herausgegebenen Diplomen Zwentibolds und Ludwigs des Kindes (1960), Lothars I. und II. (1966) und der burgund. Rudolfinger (1977) höchste editorische Maßstäbe und integrierte die klassische Diplomatik in die Allgemeingeschichte. Aufgrund seiner kath. Überzeugung stand er dem NS-Regime fern; eine frühe Studie zu Tocqueville als „Denker wider seine Zeit“ belegt dies wie auch sein Verhältnis zum jüd. Lehrer. Seit 1937 besuchte er neben seiner Tätigkeit bei Kehr die Archivschule des Geheimen Staatsarchivs in Berlin-Dahlem und wurde 1939 preuß. Staatsarchivassessor. Während des Kriegs war er bis 1942 im Archivschutz in Frankreich tätig und konnte dabei seine Forschungen an den Diplomen der Burgunderkönige|befördern, über deren Urkundenwesen er, mittlerweile Staatsarchivrat, sich 1942 in Berlin habilitierte. Nach kriegsbedingtem völligem Verlust des „Monumenta“-Materials der noch unedierten Karolinger- und Rudolfingerdiplome wie auch der eigenen Habilitationsschrift konzipierte S. 1946 die gesamte Urkundenarbeit neu, als er seine akademische Tätigkeit auf einer apl. Professur und, nach Ablehnung eines Münchner Rufs, 1951 als Ordinarius in Mainz aufnahm. In Fortführung der Studien des Lehrers wie mit Blick auf seinen Wirkungsort entstanden zudem Untersuchungen über „Bonifatius und Chrodegang“ und „Erzbischof Lul und die Anfänge des Mainzer Sprengels“ (1951) sowie jene thematisch weitausholende Darstellung des durch Angelsachsen herbeigeführten und für die Geschichte des Kontinents fortan prägenden Bunds von Karolingern und Papsttum: „Winfrid-Bonifatius und die christl. Grundlegung Europas“ (1954, 21972), die den Editor nunmehr auch als Meister der Wissenschaftsprosa mit der Gabe prägnanter Synthese bekannt machte. Diese ließ bereits sein Beitrag für Peter Rassows „Dt. Geschichte im Überblick“ über „Das Zeitalter der Salier 1024-1125“ – unter den Aspekten Kirchenreform und Investiturstreit ein weiterer Schwerpunkt seiner Forschungen – erkennen (1953, 31972); sie zeichnet neben zahlreichen, meist biographischen Artikeln für das „Lexikon für Theologie und Kirche“ (2. Aufl.) und die „Neue Deutsche Biographie“ ebenso seinen Überblick über „Die dt. Kaiserzeit 900-1250“ (1973, 21981). v. a. aber die Anlage des 1976 von ihm herausgegebenen und in zentralen Partien verfallen ersten Bands des „Handbuch(s) der Europ. Geschichte“ aus. Seit Studientagen Frankreich verbunden, publizierte S. auch in Französisch und machte sich um Gründung und Erfolg des Dt. Historischen Instituts in Paris verdient. Als Anwalt einer breit konzipierten politischen Historie und der prägenden Kraft der Persönlichkeit in der Geschichte stand er zwar der „Annales“-Historiographie skeptisch gegenüber, doch weist ihn die Darstellung etwa der wirtschaftlich-sozialen Grundlagen des frühmittelalterlichen Europa im Handbuch durchaus als „pragmatischen Strukturalisten“ aus. 1954 folgte er einem Ruf an die Univ. Köln, an der er fortan, unter Ablehnung eines Wiener Rufs, bis zu seiner Emeritierung 1975 wirkte. Den Vorsitz in den Gesellschaften für mittelrhein. Kirchengeschichte (1952–54) und für rhein. Geschichtskunde (1958–68), die Mitherausgabe der „Historische(n) Zeitschrift“ (1968-74) sowie v. a. die Mitgliedschaften in der Zentraldirektion der „Monumenta Germaniae Historica“ (1956), in der Historischen Kommission bei der Bayer. Akademie der Wissenschaften (1957), in der Rhein.-Westfäl. (1964) und der Göttinger Akademie (1969) verstand er primär als Arbeitsauftrag: Im Falle des von Kehr begründeten und an der Göttinger Akademie angesiedelten Papsturkundenwerks sicherte er, seit 1963 auch Sekretär der das Unternehmen tragenden Pius-Stiftung, sogar wesentlich dessen Fortbestand durch Mitarbeit am Band „Hamburg-Bremen“ (1981) und Übernahme zweier Bände zur Kirchenprovinz Köln innerhalb der „Germania Pontificia“, deren ersten (Erzdiözese) er 1986 vorlegte; der zweite (nördl. Suffragane) erschien postum 2003. Ohne im engeren Sinne schuldbildend zu wirken, zog er nicht zuletzt wegen seiner erfolgreichen Lehre in großen Überblicksvorlesungen und hilfswissenschaftlichen Kollegs wie in streng quellen- und insbesondere urkundenorientierten Seminaren zahlreiche Schüler heran, denen er ein seinerseits durch Levison vorgeprägtes, strikt an der Sache ausgerichtetes, von Disziplin, Distanz und Redlichkeit bestimmtes Wissenschaftsverständnis vermittelte.

  • Werke

    Weitere W Heinrich II. u. Konrad II., Die Umprägung d. Gesch.bildes durch d. Kirchenreform d. 11. Jh., in: DA 8, 1951, S. 384-437 (auch separat 1969);
    Die lothring. Kanzlei um 900, ebd. 14, 1958, S. 17-148 (auch separat 1958);
    Ks. Heinrich III., in: Die gr. Deutschen, 1956, S. 52-69;
    Die Krise d. karoling. Imperiums, in: FS Gerhard Kallen, 1957, S. 1-15;
    Cluny et la querelle des investitures, in: Revue Historique 225, 1961, S. 47-72 (dt. in: Cluny, Wege d. Forsch. 241, 1975, S. 226-53);
    Die rhein. Lande an d. Schwelle d. dt. Gesch., in: FS Peter Rassow, 1961, S. 17-31 (auch separat 1960);
    Krisenpunkte d. HochMA, 1976;
    Wilhelm Levison, in: Rhein. Vj.bll. 40, 1976, S. 225-12;
    Adnotationes z. Germania Pontificia u. z. Echtheitskritik überhaupt, in: AfD 32, 1986, S. 503-15, 34, 1988, S. 231-77.

  • Literatur

    T. S. 1910-1992, hg. v. d. MGH, 1992 (mit Btrr. v. C. Brühl, H. Fuhrmann, R. Hiestand u. H. Müller; W-Verz., P);
    J. Fleckenstein, in: Jb. d. Ak. d. Wiss. in Göttingen 1992, S. 253-63;
    H. Appelt, in: DA 48, 1992, S. 417-19;
    H. Müller, in: Gesch. in Köln 31, 1992, S. 117-27;
    ders., in: Archiv f. mittelrhein. KGesch. 44, 1992, S. 487-92;
    E. Meuthen, in: Jb. d. Rhein.-Westfäl. Ak. d. Wiss. 1992, S. 45-49 (P);
    ders., in: HZ 256, 1993, S. 241-48;
    Ph. Depreux, in: MA 99, 1993, S. 192;
    H. Jakobs, in: HJb. 113, 1993, S. 1-20;
    BBKL;
    Göttinger Gel. (P).

  • Autor/in

    Heribert Müller
  • Empfohlene Zitierweise

    Müller, Heribert, "Schieffer, Theodor" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 735-736 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119142546.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA