Lebensdaten
1876 bis 1947
Geburtsort
Düsseldorf
Sterbeort
Durham (England)
Beruf/Funktion
Historiker
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 118572377 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Levison, W.
  • Levison, Wilhelmus

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Zitierweise

Levison, Wilhelm, Indexeintrag in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118572377.html [28.08.2016].

CC0

Levison, Wilhelm

Historiker, * 27.5.1876 Düsseldorf, 17.1.1947 Durham (England). (israelitisch)

  • Genealogie

    Aus seit d. 17. Jh. in Siegburg nachweisbarer jüd. Fam., die zur Assimilation in d. dt. Kultur u. Nation gewillt war; V Hermann (1839–86), Textilkaufm. in Düsseldorf, S d. Levi Mendel (seit 1846 L., 1786-1852) u. d. Fanny May; M Josephine Goldschmidt (1845–1916); B Arthur (1881–1949), seit 1899 Kaufm. in London; Bonn 1917 Elsa (1888–1966), Dr. phil., T d. Arztes Josef Freundlich u. d. Rosa Gumbel; kinderlos.

  • Leben

    L. studierte seit 1894 in Bonn (ein Semester 1895 in Berlin) Geschichte und Klassische Philologie. 1898 zog er, eben mit einer althistorischen Arbeit promoviert, durch eine Studie über den Frankenkönig Chlodwig das Interesse Bruno Kruschs auf sich. Als dessen Mitarbeiter (1899–1900 in Hannover, 1900-03 in Breslau) widmete er sich im Dienste der Monumenta Germaniae Historica der editorischen Erschließung frühmittelalterlicher Heiligenviten für die Reihe der Scriptores rerum Merovingicarum. Die Bände IV-VII (1902–20), die ihn (ab V) als Mitherausgeber nennen, dazu umfangreiche, fast alljährlich erscheinende Begleitstudien und Rezensionen im „Neuen Archiv“ und die gesonderte Edition der Bonifatius-Viten in den Scriptores rerum Germanicarum (1905) erweisen ihn als Meister historisch-philologischer Quellenkritik; häufige Archiv- und Bibliotheksreisen führten ihn u. a. oft nach England.

    L. habilitierte sich 1903 in Bonn für Historische Hilfswissenschaften, die an dieser Universität jetzt erst ständige Pflege fanden; er wurde 1909 apl., 1912 ao., 1920 o. Professor. Seine hagiographischen Forschungen gipfelten, zeitlich und thematisch weit ausholend, in großen Abhandlungen (Konstantinische Schenkung und Silvester-Legende, 1924; Das Werden der Ursula-Legende, 1927). Er nahm die Neubearbeitung von Wattenbachs „Geschichtsquellen“ in Angriff und wandte sich in Lehre und Schriften (darunter in Sammelwerken: Geschichte des Rheinlandes, 1922; Gebhardts Handbuch, 1922 u. 1930; Dahlmann-Waitz, 1931) der rhein. und allgemeinen Reichs- und Kirchengeschichte sowie der engl. Verfassungsgeschichte zu. Für die Tausendjahrfeier der deutschen Rheinlande (1925) wirkte er durch Anregung und eigene Beiträge. Umfassende Gelehrsamkeit, gepaart mit Güte und Hilfsbereitschaft, trugen ihm hohes Ansehen und verehrende Sympathie ein. Er wurde 1925 in die Zentraldirektion der Monumenta und in den Vorstand der Gesellschaft für rhein. Geschichtskunde kooptiert und 1931 von der nordengl. Univ. Durham als D. Litt. h. c. geehrt. Ein Angebot (1929), die Nachfolge Albert Brackmanns in Berlin anzutreten, lehnte er ab. – Als bereits vor 1914 bestallter Beamter fiel L. nicht unter den „Arierparagraphen“ von 1933, aber nach den Nürnberger Gesetzen wurde er Ende 1935 in den Ruhestand versetzt. Von persönlichen Schikanen verschont und in der Forschungsarbeit vorerst unbehelligt, glaubte er noch lange an eine fortbestehende Rechtsstaatlichkeit. Erst die Exzesse vom Nov. 1938 ließen in ihm den Entschluß zur Auswanderung reifen. Er verließ Bonn im April 1939 und siedelte als Honorary Fellow der Universität nach Durham über. Unter erschwerten Bedingungen nahm er, jetzt vorwiegend an angelsächs. Stoffen orientiert, die Forschungsarbeit wieder auf. Aus seinen Ford Lectures in Oxford (Febr.-März 1943) erwuchs das hochgelehrte Buch „England and the Continent in the Eighth Century“ (1946), dessen Vorwort in vornehmster Weise der Univ. Bonn, der Monumenta, der Freunde, Kollegen und Schüler gedenkt.

  • Werke

    W. L. 1876-1947. A Bibliogr., 1948 (Privatdr., hrsg. v. Elsa Levison). Bibliogr. u. Liste d. Dissertationen auch in d. als Festgabe z 70. Geb.-tage gedachten Bd.: W. L., Aus rhein. u. fränk. Frühzeit, hrsg. v. W. Holtzmann, 1948 (enthält 33 Aufsätze aus d. Zeit 1898-1940 unter Ausschluß d. quellenkrit. Stud. u. Reiseberr. im NA, P)Postum erschienen: Gregorii Turonensis Opera, Editio altera, cur. B. Krusch et W. L. (= MGH SS rer. Mer. I, 1), 1951;  Die Siegburger Fam. L. u. verwandte Familien, 1952;  Wattenbach-L., Dtld.s Gesch.qu. im MA, Vorzeit u. Karolinger I, 1952, II, 1953 (bis 814 reichend);  Die ma. Lehre v. d. beiden Schwertern, in: DA 9, 1952, S. 14-42. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Bonn, Univ.archiv.

  • Literatur

    P. E. Hübinger, Das Hist. Seminar d. Rhein. Friedrich-Wilhelms-Univ. zu Bonn, Mit e. Btr. v. W. L., 1963 (P)ders., W. L., in: 150 J. Rhein. Friedrich-Wilhelms-Univ. zu Bonn, Bonner Gelehrte, Gesch.wiss., 1968, S. 311-31 (P), überarbeitet in: Rhein. Lb. 7, 1977, S. 227-52 (L. P);  In memoriam W. L., Reden u. Grußbotschaften b. d. Gedenkfeier d. Univ. Bonn zu s. 100. Geb.-tag, in: Alma Mater 40, 1976 (Btrr. v. Th. Schieffer [auch in: Rhein. Vj.bll. 40, 1976, S. 225-42], H. Fuhrmann, B. de Gaiffier u. H. Wieruszowski).

  • Autor

    Theodor Schieffer
  • Empfohlene Zitierweise

    Schieffer, Theodor, "Levison, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 401 [Onlinefassung]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118572377.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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