Lebensdaten
erwähnt um 1056 , gestorben 1088
Beruf/Funktion
deutscher Gegenkönig
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 137946554 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hermann
  • Hermann von Lützelburg
  • Salm, Hermann von
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Zitierweise

Hermann von Salm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137946554.html [16.06.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Hause Luxemburg;
    V Giselbert ( 1056/59), zuerst erw. 1030, seit 1036 als Gf. v. Salm|(Fluß u. Ort Salm in d. Eifel), seit 1047 Gf. v. Luxemburg, S d. Friedrich (†1019), Gf. im Moselgau;
    M N. N.;
    Ov u. a. Heinrich VII. ( 1047), Hzg. v. Bayern (s. NDB VIII), Friedrich II. ( 1065), Hzg. v. Niederlothringen (s. NDB V), Adalbero III. ( 1072), Bischof v. Metz (s. NDB I);
    B u. a. Konrad ( 1086), Gf. v. Luxemburg;
    Vt Balduin V. ( 1067), Gf. v. Flandern, Welf III. ( 1055), Hzg. v. Kärnten; Cousine Kunigunde od. Chuniza ( vor 1055, Azzo II. v. Este, 1097), Stammutter d. jüngeren Welfenlinie;
    - Sophia (Herkunft unbekannt; Spuren weisen auf eine dem österr. Kloster Göttweig nahestehende Familie; die Rechtmäßigkeit der Ehe wurde 1085 vom Kardinalbischof Odo v. Ostia wegen naher Verwandtschaft in Zweifel gezogen);
    2 S (Reihenfolge unbekannt) Hermann (zuletzt erw. 1135), Gf. v. Salm, Vogt v. Senones, Stammvater der späteren Linien des Hauses Salm, Otto ( 1150), Gf. v. Rheineck;
    N Welf IV. ( 1101), Hzg. v. Bayern.

  • Leben

    H. gehörte der weitverzweigten, begüterten und angesehenen luxemburgisch Grafenfamilie an, war also keineswegs eine unbedeutende Figur. Daß er Graf von Salm war, findet sich nirgends ausdrücklich bezeugt, ist aber mit Sicherheit daraus zu schließen, daß sowohl sein Vater als auch seine Söhne Inhaber des Salmer Landes waren. Nach längeren, im Juni 1081 einsetzenden Vorberatungen wurde H. Anfang August 1081 in Ochsenfurt von einer Gruppe sächsisch und schwäbisch Großer, unter denen der von Heinrich IV. abgesetzte Herzog Welf IV. von Bayern, H.s Seitenverwandter, die bedeutendste Rolle spielte, zum Nachfolger des 1080 gefallenen Gegenkönigs Rudolf ausgerufen.

    Warum die Wahl auf den bis dahin – soweit wir wissen – nicht hervorgetretenen H. fiel, ist nicht bekannt, so wie überhaupt die Nachrichten über ihn sehr lückenhaft sind. Er hatte keineswegs die gesamte Anhängerschaft seines Vorgängers hinter sich, von einer Unterstützung durch seine mächtige Familie ist nichts zu erkennen, auch fehlt es an jeder Spur von unmittelbaren Beziehungen zum Papst Gregor VII. Doch erzielte H. einige Anfangserfolge. Er schlug am 11.8.1081 den Herzog Friedrich von Schwaben bei Höchstädt an der Donau, belagerte dann freilich vergeblich Augsburg. Er begab sich nach Sachsen, der Hochburg des Gegenkönigtums, wo unter der Führung des einflußreichen Otto von Northeim die meisten Fürsten auf seine Seite traten. Einer späteren, aber glaubwürdigen Quelle zufolge fand eine formelle Nachwahl in Eisleben statt; wegen des in dieser Gegend gedeihenden Knoblauchs soll H. von seinen Feinden mit dem Spottnamen „Knoblauchkönig“ belegt worden sein (Heremanus cognomento allium; Annales Palidenses , XVI 70). Am 26.12.1081 wurde er in Goslar vom EB Siegfried von Mainz gekrönt. Im Laufe des Jahres 1082 festigte er weiter seine Stellung in Sachsen und zog im Herbst nach Süddeutschland, um eine Heerfahrt nach Italien vorzubereiten. Auf die Nachricht vom Tode Ottos von Northeim hin (11.1.1083) brach er das Unternehmen jedoch ab und kehrte nach Sachsen zurück.

    Damit war der Höhepunkt in H.s Leben schon überschritten. Seine Unterlegenheit gegenüber Heinrich IV. trat deutlich zutage; wir wissen seither kaum noch von markanten Ereignissen in seiner Geschichte. Er vermochte sich nur in Sachsen zu halten und scheint vornehmlich in Goslar residiert zu haben, wo auch seine beiden auf uns gekommenen Königsdiplome ausgestellt sind (vom 3.8.1082 für Corvey und Herford, vom 13.4.1083 für Halberstadt; VI 677 ff.), doch fiel seine Anhängerschaft auseinander. Vorwiegend aus kirchenpolitischen Gründen hielt eine Anzahl von Bischöfen, voran Hartwig von Magdeburg und Burchard II. von Halberstadt, am längsten zu ihm. Aber auch eine Synode, die im April 1085 in H.s Anwesenheit unter der Leitung des Kardinals Odo von Ostia in Quedlinburg versammelt war, trug kaum zur Festigung seiner Autorität bei. Im gleichen Jahre mußte H. sogar vor dem Kaiser zu den Dänen ausweichen, konnte freilich bald zurückkehren und sich 1086 an einem Zuge nach Franken und Schwaben beteiligen, der jedoch über militärische Augenblickserfolge – Besetzung von Würzburg nach dem Sieg über ein vom Kaiser angeführtes Entsatzheer bei Bleichfeld (11.8.1086) – nicht wesentlich hinaus kam. Jedenfalls war H. Weihnachten wieder in Sachsen. Als 1088 Burchard von Halberstadt starb und Hartwig von Magdeburg sich mit den meisten gregorianischen Bischöfen Sachsens dem Kaiser unterwarf, gab H. den Kampf auf. Er verzichtete vielleicht sogar formell auf die Königswürde und kehrte in seine lothringisch Heimat zurück, fand aber bald beim Sturm auf eine Burg (Cochem? Lintberg = Limburg a. d. Lahn?) durch einen Steinwurf den Tod.

    Nichts spricht dafür, daß er persönlich ein Versager oder eine unedle Erscheinung gewesen sei, aber es fehlte ihm an entschlossenen Anhängern; die Krise der salischen Monarchie und die geschichtliche Stunde des Gegenkönigtums war seit dem Untergang Rudolfs schon vorbei.

  • Literatur

    ADB XII;
    Hugo Müller, H. v. Luxemburg, Gegenkg. Heinrichs IV., Diss. Halle 1888;
    Jbb. d.|Dt. Gesch., Heinrich IV. u. Heinrich V.;
    H. Renn, Das erste Luxemburger Grafenhaus, 1941, bes. S. 154 ff.

  • Autor/in

    Theodor Schieffer
  • Empfohlene Zitierweise

    Schieffer, Theodor, "Hermann von Salm" in: Neue Deutsche Biographie 8 (1969), S. 628-630 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137946554.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hermann, deutscher Gegenkönig, am 28. Septbr. 1088, war der jüngere Sohn des Grafen Gisilbert von Luxemburg; während sein älterer Bruder Konrad, der allzeit treu zu Heinrich IV. hielt, die Grafschaft Luxemburg erbte, wird H. als der Stifter der salmischen Linie betrachtet. Wenn ihn die Chronik von Petershausen als „genere Francum de Glisberg“ bezeichnet, so verwechselt sie ihn wahrscheinlich mit dem Grafen H. von Gleiberg, welcher Heinrich IV. im Sachsenkriege tapferen Beistand leistete. Ueber Hermaun's frühere Schicksale wissen wir nichts und ebensowenig sind die Gründe bekannt, welche gerade auf ihn die Stimmen lenkten; wahrscheinlich verdankte er das der Empfehlung des Bischofs Hermann von Metz. Als Heinrich IV. nach Italien aufgebrochen war, drang im Juni 1081 ein sächsisches Heer nach Ostfranken vor und vereinigte sich in der Bamberger Gegend mit dem Herzoge Welf und den schwäbischen Gegnern des Königs. In den ersten Tagen des Augusts wurde in Ochsenfurt in der Nähe von Würzburg die Wahl Hermanns vollzogen. Außer Wels vermögen wir keinen anderen hervorragenden Fürsten als Theilnehmer an dem Acte zu nennen und trotz der prunkenden Aufzählung Bernold's sind ihrer gewitz nur wenige gewesen. Wahrscheinlich mag der Gewählte dem Papste den Eid der Treue und des Gehorsams geleistet haben, doch berichten die Quellen darüber nichts. Nachdem er am 11. August bei Höchstädt a. d. D. einen Sieg über den Herzog Friedrich von Schwaben errungen, aber darauf Ulm vergeblich belagert hatte, wandte er sich nach Sachsen, wo er, nachdem er am 26. December in Goslar|von dem Erzbischof Siegfried von Mainz gekrönt worden, allgemeine Anerkennung fand. In einzelnen Quellen wird er geradezu als rex saxonum bezeichnet. Nachdem er im folgenden Jahre einen Kriegszug nach Westfalen unternommen, wollte er über die Alpen dem Papste zur Hilfe ziehen, aber die Nachricht von dem Tode Ottos von Nordheim rief ihn von Schwaben nach Sachsen zurück. Dort blieb er die nächsten Jahre, persönlich völlig machtlos, ganz dem guten Willen seiner Anhänger, namentlich der Bischöfe, preisgegeben, während Heinrich IV. nach seiner Rückkehr aus Italien im Sommer 1084 große Erfolge, besonders in Lothringen, errang. Selbst in Sachsen regte sich jetzt der Abfall von H. Die Verhandlungen, welche im Januar 1085 von den Bischöfen beider Parteien in Gerstungen geführt wurden, scheiterten allerdings und die Synode von Quedlinburg Ostern 1085 verbreitete noch einmal einen gewissen Glanz über sein Königthum, aber im Sommer durchzog der Kaiser siegreich das sächsische Land, welches ihm scheinbar ganz unterworfen wurde. Der Gegenkönig mußte sogar zu den Dänen flüchten. Doch der Abfall Ekberts von Meißen nöthigte Heinrich zum Rückzuge, so daß H. zurückkehren konnte, und noch einmal am 11. August 1086 errang er mit Hilfe Welses und Ekbert's über den Kaiser einen Sieg bei Bleichfeld in der Nähe Würzburgs. Vielleicht gekränkt durch die nichtachtende Behandlung, welche ihm die sächsischen Herren zu Theil werden ließen, ging er nun nach Schwaben und hielt sich einige Zeit in Constanz auf und besuchte auch Petershausen, aber da er hier zur Unthätigkeit verurtheilt war, kehrte er vor Ende des Jahres wieder nach Sachsen zurück. Noch über ein Jahr führte er den leeren Titel eines Königs und mußte erleben, wie Ekbert wieder zu Heinrich trat, wie sein getreuester Anhänger, Bischof Burchard von Halberstadt, von den Goslarer Bürgern erschlagen wurde, wie die Bischöfe sich dem Kaiser unterwarfen; daher kehrte er nun endlich in die Heimath zurück. Daß er, wie einzelne Quellen berichten, auf die königliche Würde verzichtet und dadurch von Heinrich die Erlaubniß zur Rückkehr erhalten habe, scheint nicht richtig zu sein. Bald ereilte ihn der Tod, am 28. September 1088 wurde er bei der Erstürmung einer Burg durch einen Steinwurf getödtet. Seine Leiche wurde in Metz beigesetzt. — Ueber seine Persönlichkeit und seinen Charakter wissen wir nichts näheres; seine Rolle als Gegenkönig war kläglich und das Urtheil Ekkehard's über ihn scheint nicht zu hart zu sein: „Er, dem in seiner Heimath Niemand an Tapferkeit und Reichthum verglichen werden konnte, wurde, nachdem er den königlichen Titel angenommen, in kurzer Zeit von den Seinen, wie von den Gegnern verachtet.“ Die spätere Ueberlieferung hat für ihn den noch unerklärten Spottnamen „König Knoblauch“.

  • Autor/in

    Th. Lindner.
  • Empfohlene Zitierweise

    Lindner, Theodor, "Hermann von Salm" in: Allgemeine Deutsche Biographie 12 (1880), S. 147-148 unter Hermann von Lützelburg [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137946554.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA