Lebensdaten
1907 bis 1944
Geburtsort
Jettingen (Kreis Günzburg)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Offizier ; Widerstandskämpfer
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118642537 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schenk von Stauffenberg, Claus Philipp Maria Graf
  • Stauffenberg, Claus Graf von
  • Schenk von Stauffenberg, Claus Graf
  • mehr

Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Schenk von Stauffenberg, Claus Graf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118642537.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Alfred (1860–1936), auf Lautlingen mit Ochsenberg u. Wildenthierberg, württ. Oberhofmarschall, Major z. D., Kapitular-Komtur d. bayer. St. Georg-Ordens, S d. Klemens (1826–86), Fideikommißherr, bayer. Kammerherr, Oberst à la suite, Rr. d. bayer. St. Georg-Ordens, u. d. Leopoldine Gfn. v. Oberndorff (1831–1919), Sternkreuzordensdame;
    M Caroline (1875–1956), Hofdame d. württ. Kgn., T d. Alfred Gf. v. Uxkull-Gyllenband (1838–77), k. u. k. Kammerherr, Oberstlt., u. d. Valerie Gfn. v. Hohenthal (1841–78);
    Ur-Gvv Franz (1801–81, bayer. Gf. 1874), Präs. d. Kammer d. Reichsräte Bayerns (s. Gen. 1);
    Ov Berthold (1859–1944), auf Amerdingen, Greiffenstein usw., erbl. Rr. d. Krone Bayern, bayer. Kammerherr, Oberstlt. à la suite, Gr.kanzler d. bayer. St. Georg-Ordens;
    3 B Alexander (1905–64, 1] Melitta Schiller, s. 2), Prof. f. Alte Gesch. in Würzburg u. München (s. Gen. 2), Berthold (1905–44, hingerichtet), Dr. iur., Abt.leiter am KWI f. ausländ.-öff. Recht u. Völkerrecht, Marineoberstabsrichter, Philipp (1864–1945), württ. Kammerherr, Major, Groß-Komtur d. bayer. St. Georg-Ordens;
    Vt Klemens (1885–1949), auf Jettingen u. Eberstall, Baisingen u. Eutingerthal, Kapitular-Gr.komtur d. bayer. St.-Georg-Ordens;
    Bamberg 1933 Nina (* 1913, s. L), T d. Gustav Frhr. v. Lerchenfeld (1871–1944), bayer. Kämmerer, dt. Gen.konsul (s. NDB 14 Fam.art), u. d. Anna Freiin v. Stackelberg (1880–1945);
    3 S Berthold (* 1934), Gen.major, Heimeran (* 1936), Ind.kaufm., Franz Ludwig (* 1938), RA, CSU-Pol., 1987-93 Vizepräs. d. Europa-Union Dtld., 1972-84 MdB, 1984-92 MdEP, BVK 1982, Gr. Goldenes Ehrenzeichen f. Verdienste um d. Rep. Österr. 1983, bayer. Verdienstorden 1984 (s. Munzinger; Biogr. Hdb. MdB; FAZ v. 2.5.1998, P), 2 T Valerie (1940–66, Heino v. L'Estocq, * 1935, Dr. rer. pol., Land- u. Forstwirt), Konstanze (* 1945, Dieter v. Schulthess Rechberg, * 1937, Dr. iur., RA).

  • Leben

    S. wuchs auf Schloß Lautlingen bei Ehingen und in Stuttgart auf. Dort besuchte er seit 1913 eine private Elementarschule, seit 1916 das Eberhard-Ludwigs-Gymnasium. Mitglieder der „Neupfadfinder“, einer Spielart der Jugendbewegung, wurden S. und sein Bruder durch den Kreis um Stefan George (1868–1933) stark geprägt. Nach dem Tod des „Meisters“ betreuten sie seinen Nachlaß und fühlten sich zeitlebens seinem Vermächtnis verpflichtet. Zur Überraschung seiner Umgebung entschloß sich der lange Zeit kränkelnde S., Offizier zu werden. 1926 trat er in das Bamberger Reiter-Rgt. 17 ein (1930 Lt., 1933 Oberstlt.) und wechselte 1934 als Bereiteroffizier an die Kavallerie-Schule Hannover, wo er zusammen mit den späteren Teilnehmern der Olympiade trainierte. 1936 zur Kriegsakademie versetzt, qualifizierte er sich bis 1938 für den Generalstabsdienst (1937 Rittmeister). Wie viele andere wurde auch S. von der nationalen Aufbruchstimmung des Jahres 1933 erfaßt, doch führten die Prägung durch sein konservatives, monarchisch gesinntes Elternhaus, die Armee, seine weitgespannten geistigen und musischen Interessen sowie sein elitäres Selbstverständnis zu einer zunehmenden Entfremdung gegenüber den neuen Machthabern. Seit Aug. 1938 2. Generalstabsoffizier (I b) der 1. leichten Division in Wuppertal (Div.-kdr.: Gen.lt. Erich Hoepner, 1886–1944), erlebte er 1939 den Polenfeldzug und 1940 den Westfeldzug. Ende Mai 1940 in die Organisationsabteilung des OKH versetzt, erwies sich S. auch hier als glänzender Organisator. So gelang es dem Major, trotz anders lautender Intentionen Hitlers, die Freiwilligenbewegung in der besetzten Sowjetunion wenigstens in Teilen in die Wehrmacht zu integrieren. Allerdings verschaffte ihm dieser Posten auch Einblick sowohl in eine strategische Gesamtlage, die für das Dt. Reich immer aussichtsloser erschien, als auch in die beispiellosen dt. Verbrechen. Der entscheidende Anstoß zur Abwendung vom Regime erwuchs aus seinem Fronteinsatz in Nordafrika. Seit Febr. 1943 1. Generalstabsoffizier (I a) der 10. Panzerdivision, wurde S. am 7. April so schwer verwundet, daß jede weitere militärische Verwendung aussichtslos erschien (Verlust d. linken Auges u. d. rechten Hand sowie von zwei Fingern d. linken Hand). Während der Rekonvaleszenzzeit faßte er Pläne zur Rettung des Reichs. Mit seiner Ernennung zum Chef des Stabes beim Allgemeinen Heeresamt (AHA) gelangte Oberstleutnant S. in eine Spitzenstellung und gleichzeitig in das Zentrum der militärischen Verschwörung gegen Hitler. Der Chef des AHA, General Friedrich Olbricht (1888–1944), war eine ihrer Schlüsselfiguren. Aber erst S. konnte die Bedenken und Rivalitäten der divergierenden militärischen und zivilen Gruppen überwinden und in ein schlagkräftiges Konzept einbinden, das nicht allein eine Beseitigung Hitlers und anderer NS-Größen garantieren sollte: Auch die neue Ordnung, welche die Verschwörer errichten wollten, mußte sich in der Situation des Krieges politisch und militärisch als tragfähig erweisen. Wenn in den kommenden Monaten eine ganze Reihe von Attentatsplänen des militärischen Widerstands schon im Vorfeld scheiterten, so war dies weniger Folge mangelnder Entschlossenheit, sondern der Macht und Omnipräsenz des NS-Repressionsapparats. S.s Beförderung zum Oberst und seine Ernennung zum Chef des Stabes des Befehlshabers des Ersatzheeres Friedrich Fromm (1888–1945) am 1.7.1944 brachten ihn noch stärker ins Zentrum der Macht, so daß er sich nun entschloß, eine Doppelfunktion beim Staatsstreich zu übernehmen: die Funktion des Attentäters und die des Stabschefs. Am 20. Juli 1944 konnte S. im Führerhauptquartier „Wolfsschanze“ eine Aktentasche mit Sprengstoff in Hitlers Nähe postieren. Nach der Detonation, die S. außerhalb der Lagerbaracke erlebte, flog er von Ostpreußen nach Berlin, um dort die Operation „Walküre“ auszulösen. Der Staatsstreich sollte damit als Abwehr innerer Unruhen gegen das NS-Regime getarnt werden. Hitlers Überleben, das schwankende, teilweise auch dilettantische Verhalten einiger Mitverschworener, Hitlers Prestige in der Wehrmacht und v. a. die fehlende Massenbasis des Unternehmens ließen es jedoch am Abend desselben Tages zusammenbrechen. Noch in derselben Nacht verurteilte Fromm S. zusammen mit seinen Kameraden Olbricht, Albrecht Mertz v. Quirnheim (1905–44) und Werner v. Haeften (1908–44) zum Tode. Dieses Schicksal traf wenige Wochen später auch seinen Bruder Berthold. Die Familie wurde im Rahmen der „Sippenhaft“ gefangengenommen.

    In der Wehrmacht war S. eine Ausnahmeerscheinung. In seiner Person hat das ‚andere Deutschland' in seinem Widerstand gegen den Nationalsozialismus eine besonders eindrucksvolle Verkörperung gefunden. Zu viele haben ihn daher für sich reklamiert, doch läßt sich eine Persönlichkeit dieses Formats nicht für eine einzige Gruppe oder Idee in Anspruch nehmen.|

  • Auszeichnungen

    E. K. I. (1940); Dt. Kreuz in Gold (1943); An d. Stauffenbergstr. in Berlin liegt d. Gedenkstätte Dt. Widerstand.

  • Werke

    Gedanken z. Abwehr feindl. Fallschirmeinheiten im Heimatgebiet, in: Wissen u. Wehr 19, 1938, S. 459-76.

  • Literatur

    E. Zeller, Geist d. Freiheit, Der zwanzigste Juli, 1952;
    A. Leber, Das Gewissen steht auf, 1954 (P);
    P. Hoffmann, Zu d. Attentat im Führerhauptquartier ‚Wolfsschanze' am 20. Juli 1944, in: VfZ 12, 1964, S. 254-84;
    ders., Warum mißlang d. Attentat v. 20. Juli 1944, ebd. 32, 1984, S. 441-62;
    ders., Widerstand, Staatsstreich, Attentat, Der Kampf d. Opposition gegen Hitler, 1969;
    ders., Die Sicherheit d. Diktators, Hitlers Leibwachen, Schutzmaßnahmen, Residenzen, Hauptquartiere, 1975;
    ders., C. S. Gf. v. S. u. seine Brüder, 1992;
    ders., Stauffenberg u. d. 20. Juli 1944, 1998;
    B. Scheurig, C. Gf. S. v. S., 1964;
    J. Kramarz, C. Gf. Stauffenberg, 15. Nov. 1907-20. Juli 1944, Das Leben e. Offiziers, 1965;
    W. Schmitthenner u. H. Buchheim (Hg.), Der dt. Widerstand gegen Hitler, Vier hist.-krit. Studien, 1966;
    K. Finker u. A. Busse, Staufenberg u. d. 20. Juli 1944, 1967;
    Ch. Müller, Oberst i. G. Stauffenberg, 1970, 22003 (P);
    Mil.geschichtl. Forschungsamt (Hg.), Aufstand d. Gewissens, Der mil. Widerstand gegen Hitler u. d. NS-Regime 1933-1945, 1984;
    W. Venohr, Stauffenberg, Symbol d. dt. Einheit, 1986;
    H. Steffahn, C. S. Gf. v. S., 1994 (P);
    E. Zeller, Oberst C. S. Gf. v. S., 1994 (P);
    C. Gf. v. Krokkow, Eine Frage d. Ehre, Stauffenberg u. d. Hitler-Attentat v. 20. Juli 1944, 2002 (P);
    Th. S. Hamerow, Die Attentäter, Der 20. Juli, von d. Kollaboration z. Widerstand, 2004 (P);
    G. R. Ueberschär, Stauffenberg, Der 20. Juli 1944, 2004 (P);
    M. Lohre, in: Das Parl. v. 21.6.2004 (P);
    Isaac Wolf, Stauffenbergs Tat aus Sicht d. DDR, ebd. v. 28.6.2004;
    Lex. Widerstand;
    Munzinger;
    Teilnachlaß:
    StA Sigmaringen;
    Filme
    u. a. F. Harnack, Der 20. Juli, 1955 (mit Wolfgang Preiss als S.);
    Jo Baier, Stauffenberg, 2004 (mit Sebastian Koch als S.);
    M. Ph. Remy. Offiziere gegen Hitler, 2004;
    Roman:
    S. Dalager, Zwei Tage im Juli, 2004;
    Theaterstück:
    D. Sternbach, Stauffenberg, Die Tragödie d. 20. Juli 1944, 2004;
    zu Nina:
    D. v. Meding, Mit d. Mut d. Herzens, Die Frauen d. 20. Juli, 1992 (P).

  • Portraits

    Marmorbüste v. F. Leschinger, 1999 (München, Ruhmeshalle an d. Theresienwiese).

  • Autor/in

    Christian Hartmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Hartmann, Christian, "Schenk von Stauffenberg, Claus Graf" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 679-680 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118642537.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA