Lebensdaten
1908 – 1944
Geburtsort
Innsbruck
Sterbeort
Berlin-Plötzensee
Beruf/Funktion
Offizier ; Widerstandskämpfer ; Widerstandskämpfer ; Oberstleutnant
Konfession
evangelisch-lutherisch
Normdaten
GND: 119312379 | OGND | VIAF: 59891598
Namensvarianten
  • Bernardis, Robert Johann
  • Bernardis, Robert
  • Bernardis, Robert Johann

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Zitierweise

Bernardis, Robert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119312379.html [27.01.2023].

CC0

  • Robert Bernardis stieß 1942 im Allgemeinen Heeresamt in Berlin zum militärischen Widerstand gegen das NS-Regime. An der Planung des 20. Juli 1944 als Vertrauter Claus Schenk Graf von Stauffenbergs (1907–1944) umfassend beteiligt, war er am Tag des Attentats auf Hitler einer der Offiziere, die im Bendlerblock die Führung des Aufstands übernahmen.

    Robert Bernardis, BSB / Bildarchiv / Fotoarchiv Hoffmann (InC)
    Robert Bernardis, BSB / Bildarchiv / Fotoarchiv Hoffmann (InC)
  • Lebensdaten

    Geboren am 7. August 1908 in Innsbruck
    Gestorben am 8. August 1944 (hingerichtet) in Berlin-Plötzensee
    Grabstätte keine
    Konfession evangelisch-lutherisch
  • Lebenslauf

    7.·August 1908 - Innsbruck

    1909 - Linz

    Übersiedlung der Familie

    1918 - 1925 - Traiskirchen (Niederösterreich); Wiener Neustadt (Niederösterreich)

    Schulbesuch (Abschluss: Matura)

    Staatsstiftungsrealschule; Staatserziehungsanstalt für Knaben

    1925 - 1927 - Mödling (Niederösterreich)

    Gewerbefachschule (Abschluss: Gesellendiplom)

    Technisch-gewerbliche Bundeslehranstalt

    1928 - 1932 - Enns (Oberösterreich); Klosterneuburg (Niederösterreich)

    Offiziersausbildung

    Oberösterreichisches Alpenjägerregiment Nr. 7, Offiziersakademie an der Heeresschule Enns, Pionierfachschule in Klosterneuburg

    1932 - 1936 - Linz

    Militärdienst (1936 Oberleutnant)

    Pionierbataillon Nr. 4

    1936 - 1938 - Wien; Berlin

    Höhere Offiziersausbildung (1938 Hauptmann i. G.)

    Heereskommando; Kriegsakademie

    1939 - 1942 - Polen; Frankreich; Belgien; Ukraine

    Kriegsdienst (1942 Major i. G.)

    10. Infanteriedivision, 294. Infanteriedivision, LI. Armeekorps

    1942 - 1944 - Berlin

    Referent; Gruppenleiter für Personalwesen (1943 Oberstleutnant i. G.)

    Allgemeines Heeresamt des Oberkommandos der Wehrmacht

    1943 - 1944 - Berlin

    Vorbereitung des Unternehmens „Walküre“

    1944 - Berlin

    Festnahme, Schauprozess und Hinrichtung

    Volksgerichtshof

    8.·August 1944 (hingerichtet) - Berlin-Plötzensee
  • Genealogie

    Vater Nicolo (Nikolaus) Bernardis geb. 1862 aus Rovigno (heute Rovinj, Kroatien); katholisch, seit 1898 evangelisch; gelernter Tischler; Bauingenieur, zuletzt Technischer Oberrat der k.u.k. Militärbauverwaltung, bekannt für Festungsbauten an der österreichisch-italienischen Grenze; 1914 Meldung als Kriegsfreiwilliger, Hauptmann im Ersten Weltkrieg; 1919 Ruhestand
    Großvater väterlicherseits Pietro (Peter) Bernardis aus Rovigno
    Großmutter väterlicherseits Francesca (Franziska) Bernardis, geb. Devescovi
    Mutter Antonia Bernardis, geb. Kropik geb. 1873 aus Horn (Niederösterreich); katholisch, seit 1889 evangelisch
    Großvater mütterlicherseits Johann Kropik aus Rottenschachen in Böhmen (heute Rapšach, Tschechien); Gerichtsdiener; später Betreiber einer Gemischtwarenhandlung
    Großmutter mütterlicherseits Anna Kropik, geb. Mayer aus Wien
    Bruder Friedrich (Fritz) Peter Bernardis
    Heirat 10.6.1933 in Linz
    Ehefrau Hermine Bernardis, geb. Feichtinger 1909–2009 Geografie- und Sportstudentin; Hausfrau
    Schwiegervater N. N. Bauunternehmer in Linz
    Kinder ein Sohn, eine Tochter
  • Biografie

    Als Sohn eines arrivierten militärischen Bauingenieurs, der als Konstrukteur mehrerer Festungsanlagen an der österreichisch-italienischen Grenze bekannt wurde, wuchs Bernardis in Linz auf, wo er die Volksschule besuchte. Nach seiner Matura an der Staatserziehungsanstalt für Knaben in Wiener Neustadt absolvierte er von 1925 bis 1927 eine Ausbildung an der Technisch-gewerblichen Bundeslehranstalt (Abteilung für Hochbau) im niederösterreichischen Mödling.

    1928 trat Bernardis in das Österreichische Bundesheer ein. Als Leutnant (1932) war er während des autoritären österreichischen Ständestaats (1933–1938) an der Bekämpfung sozialdemokratischer Unruhen und der Zerschlagung des nationalsozialistischen „Juliputsches“ von 1934 beteiligt. Seit Oktober 1936 wurde er beim Heeresministerium in Wien zum Generalstabsoffizier ausgebildet („Höherer Offizierskurs“). Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 in die deutsche Wehrmacht übernommen, schloss Bernardis seine Ausbildung im Oktober 1938 an der Kriegsakademie in Berlin ab. Über seine persönliche Haltung zum „Anschluss“ ist nichts bekannt.

    Während des Zweiten Weltkriegs diente Bernardis in mehreren Generalstabsverwendungen auf Divisions- und Korpsebene, zuletzt als Dritter Generalstabsoffizier (I c) im LI. Armeekorps an der Ostfront, wo er u. a. für die Sicherung des rückwärtigen Korpsgebiets zuständig war. Dabei wurde er mit nationalsozialistischen Kriegsverbrechen, v. a. durch Einsatzgruppen der SS, konfrontiert, darunter das Massaker an der jüdischen Bevölkerung in Schytomyr (Ukraine) Anfang Juli 1941.

    Davon tief erschüttert, distanzierte sich Bernardis von seiner anfänglichen Befürwortung des Kriegs. Aufgrund einer schweren Erkrankung wurde er im März 1942 aus der Front gelöst und im Juni desselben Jahres in das Allgemeine Heeresamt (AHA) nach Berlin versetzt, wo er als Gruppenleiter für Personalwesen detaillierte Kenntnis der horrenden Verlustzahlen sowie mangelnden personellen Ressourcen des Reichs für eine Fortführung des Kriegs erhielt. Mit Ulrich de Maizière (1912–2006) stellte er im Sommer 1942 für den Befehlshaber des Ersatzheeres Friedrich Fromm (1888–1945) in einer Studie die Zahlen zusammen, aus denen sich ergab, dass „es nicht mehr möglich sei, zu einem militärischen Erfolg in diesem Kriege zu kommen.“ Unter dem Titel „Auf der Höhe der Macht“ legte Fromm die Studie Adolf Hitler (1889–1945) vor, der sie brüsk zurückwies.

    Seit September 1943 unterstand Bernardis dem Chef des Stabs im AHA, Claus Schenk Graf von Stauffenberg (1907–1944), mit dem ihn eine Freundschaft verband. Zuständig für die Zuführung des Personalersatzes zur Front, hatte Bernardis den Überblick über die jeweils aktuellen Stärken des Ersatzheeres – eine für den Staatsstreich wichtige Information. Im Sinne der Planung Stauffenbergs hielt er Verbindung zum militärischen Widerstand im Wehrkreiskommando XVII (Wien), dort v. a. zu Carl Szokoll (1915–2004). Als am 15. Juli 1944 erstmals „Walküre“-Alarm ausgelöst wurde, wies Bernardis den Stadtkommandanten von Berlin, Generalleutnant Paul von Hase (1885–1944), in seine Aufgaben ein.

    Am 20. Juli 1944 beteiligte sich Bernardis im Berliner Bendlerblock an der Führung des Militärputsches, indem er telefonisch Befehle an die dem Wehrkreiskommando III (Berlin) unterstehenden Schulen der Wehrmacht sowie die Ersatzbrigade „Großdeutschland“ in Cottbus herausgab. Am selben Abend wurde er im Bendlerblock von dem SS-Offizier Otto Skorzeny (1908–1975) verhaftet und anschließend mehrfach in der Gestapo-Zentrale vernommen. Seine Ausführungen im Verhör sind eine wichtige Quelle zu den Motiven und Überzeugungen Stauffenbergs. Soweit bekannt, belastete Bernardis keine noch lebenden Mitverschwörer. Dass Karl Pridun (1910–1987) vom Höheren Offizierskurs in Wien aufgrund seiner Angaben verhaftet worden sei, wie gelegentlich unterstellt wird, trifft nicht zu.

    Bernardis wurde im ersten Prozess gegen die Verschwörer am 7./8. August 1944 vor dem Volksgerichtshof angeklagt, zum Tode verurteilt und unmittelbar darauf in Berlin-Plötzensee gehenkt. Obgleich er einer der wenigen österreichischen Offiziere in der Verschwörung des 20. Juli war, blieb er in der Erinnerungskultur des österreichischen Bundesheers lange unbeachtet, das v. a. Widerstandsformen zur Wiederherstellung eines eigenständigen österreichischen Staats würdigte. Dies war bei Bernardis nicht der Fall. Erst 2004 wurde in der Heeresunteroffiziersakademie in Enns ein Denkmal für ihn errichtet; seit Anfang 2020 trägt die Wiener Kaserne, in der das österreichische Ministerium für Landesverteidigung untergebracht ist, seinen Namen.

  • Auszeichnungen

    1934 Silbernes Verdienstzeichen der Republik Österreich
    1939 Eisernes Kreuz II. Klasse
    1941 Eisernes Kreuz I. Klasse
    1941 Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse
    1945 Robert-Bernardis-Straße, Düsseldorf
    1985 Gedenktafel für Österreichische Generalstabsoffiziere, u. a. mit Nennung von Robert Bernardis, Jakob-Kern-Haus der Militärpfarre Wien, Fasangartengasse 101
    1985 Bernardis-Straße, Hannover
    1994 Bernardisstraße, Linz
    2004 Denkmal in der österreichischen Heeresunteroffiziersakademie in Enns
    2008 Festakt anlässlich des 100. Geburtsjubiläums von Bernardis an der Heeresunteroffiziersakademie in Enns (Laudatio von Karl-Reinhart Trauner)
    2020 Benennung des Hauptsitzes des österreichischen Bundesministeriums für Landesverteidigung u. a. nach Bernardis
    • Quellen

      Nachlass:

      nicht bekannt.

      Weitere Archivmaterialien:

      Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, Wien, 51173. (Bernardis-Sammlung von Joseph Toch, 1908–1983)

      Österreichischen Staatsarchiv/Archiv der Republik, Wien, Abtlg. 05/BMfLV/GBBl; Offizierskarteiblatt (OK) Robert Bernardis; Dienstbeschreibung (DB) Robert Bernardis.

      Bundesarchiv-Militärarchiv, Freiburg im Breisgau, RH 24-51/54. (Robert Bernardis, Beurteilung der strategischen Lage v. 12.7.1941)

    • Literatur

      Peter Hoffmann, Zum Ablauf des Staatsstreichversuches des 20. Juli in den Wehrkreisen, in: Wehrwissenschaftliche Rundschau 14 (1964), S. 377–397.

      Peter Steinbach/Johannes Tuchel, Art. „Bernardis, Robert“, in: dies. (Hg.), Lexikon des Widerstandes 1933–1945, 2. überarb. u. erw. Aufl. 1998, S. 26.

      Karl-Reinhart Trauner, Mit Stauffenberg gegen Hitler. Oberstleutnant i. G. Robert Bernardis (1908–1944), 2008.

      Winfried Heinemann, Unternehmen „Walküre“. Eine Militärgeschichte des 20. Juli 1944, 2019.

    • Onlineressourcen

  • Autor/in

    Winfried Heinemann (Cottbus)

  • Zitierweise

    Heinemann, Winfried, „Bernardis, Robert“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.10.2022, URL: https://www.deutsche-biographie.de/119312379.html#dbocontent.

    CC-BY-NC-SA