Lebensdaten
1905 – 1944
Geburtsort
Charlottenburg (heute Berlin-Charlottenburg)
Sterbeort
Berlin-Plötzensee
Beruf/Funktion
Diplomat ; Widerstandskämpfer ; Widerstandskämpfer
Konfession
evangelisch-lutherisch
Normdaten
GND: 119501325 | OGND | VIAF: 8199365
Namensvarianten
  • Haeften, Hans Bernd August Gustav von
  • Haeften, Hans Bernd von
  • Haeften, Hans Bernd August Gustav von
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Haeften, Hans Bernd von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119501325.html [28.02.2024].

CC0

  • Als Mitglied der Bekennenden Kirche war der Diplomat Hans Bernd von Haeften ein konsequenter Gegner des Nationalsozialismus. Er beteiligte sich seit 1941 am Kreisauer Kreis und an den Umsturzplanungen der Militäropposition, lehnte aber ein Attentat auf Adolf Hitler (1889–1945) aus religiösen Motiven ab. Wegen Mitwisserschaft wurde er nach dem 20. Juli 1944 zum Tode verurteilt und hingerichtet.

    Lebensdaten

    Geboren am 18. Dezember 1905 in Charlottenburg (heute Berlin-Charlottenburg)
    Gestorben am 15. August 1944 (hingerichtet) in Berlin-Plötzensee
    Grabstätte Kenotaph in St. Annen-Kirchhof, Berlin-Dahlem
    Konfession evangelisch-lutherisch
    Hans Bernd von Haeften (rechts), BSB / Bildarchiv / Fotoarchiv Hoffmann (InC)
    Hans Bernd von Haeften (rechts), BSB / Bildarchiv / Fotoarchiv Hoffmann (InC)
  • Lebenslauf

    18. Dezember 1905 - Charlottenburg (heute Berlin-Charlottenburg)

    1915 - 1924 - Berlin-Wilmersdorf

    Schulbesuch (Abschluss: Abitur)

    Bismarck-Gymnasium

    1924 - 1928 - Berlin; München

    Jurastudium (Abschluss: erstes Staatsexamen)

    Universität

    1928 - 1929 - Cambridge (Großbritannien)

    Austauschstudent

    Trinity College

    1930 - 1930 - Genf

    Hilfsangestellter

    Deutsches Konsulat

    1931 - 1933 - Berlin

    Rechtsreferendar

    Kammergericht

    1933 - 1934 - Berlin

    Ausbildung zum Attaché

    Auswärtiges Amt

    April 1934 - April 1935 - Kopenhagen

    Kulturattaché

    Deutsche Gesandtschaft

    1935 - Berlin

    diplomatisch-konsularische Prüfung

    Auswärtiges Amt

    November 1935 - November 1937 - Wien

    Kulturattaché

    Deutsche Botschaft

    November 1937 - Juli 1940 - Bukarest

    Legationssekretär

    Deutsche Gesandtschaft

    Oktober 1940 - Juni 1943 - Berlin

    stellvertretender Leiter

    Informationsabteilung des Auswärtigen Amts

    1941 - 1944

    Mitwirkung am Kreisauer Kreis

    Juni 1943 - 1944 - Berlin

    stellvertretender Leiter

    Informationsabteilung des Auswärtigen Amts

    1944 - Berlin; Berlin-Plötzensee

    Prozess, Todesurteil und Hinrichtung

    Volksgerichtshof; Strafgefängnis

    15. August 1944 (hingerichtet) - Berlin-Plötzensee
  • Genealogie

    Vater Johannes (Hans) Maximilian Gustav von Haeften 1870–1937 Kriegshistoriker; Generalmajor; Archivar; 1916–1918 in der Nachrichtenabteilung des Auswärtigen Amts tätig; 1920–1931 Direktor der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des Generalstabs, 1931–1935 Präsident des Reichsarchivs
    Großvater väterlicherseits August Karl von Haeften 1832–1871 Archivar; Historiker
    Großmutter väterlicherseits Elisabeth (Elise) Digna Pauline von Haeften, geb. von Hochwächter 1840–1916
    Mutter Agnes Charlotte Clara von Haeften, geb. von Brauchitsch 1869–1945
    Großvater mütterlicherseits Bernhard Eduard Adolf von Brauchitsch 1833–1910 aus Berlin; preußischer General der Kavallerie; Direktor der Kriegsakademie
    Großmutter mütterlicherseits Charlotte Sophie Auguste Bertha von Brauchitsch, geb. von Gordon 1844–1906 aus Stettin
    Schwester Elisabeth Charlotte Agnes Harmsen, geb. von Haeften 1903–1980 verh. mit dem Arzt Hans Ludwig Friedrich Harmsen (1899–1989)
    Bruder Werner Karl Otto Theodor von Haeften 1908–1944 Oberleutnant; Widerstandskämpfer, nach Beteiligung am Attentat auf Adolf Hitler (1889–1945) am 20. Juli 1944 hingerichtet
    Heirat 2.9.1930
    Ehefrau Barbara von Haeften , geb. Curtius 1908–2006 aus Duisburg
    Schwiegervater Julius Curtius 1877–1948 Jurist; Politiker (DVP); 1920–1932 Mitglied des Reichstags; 1926–1929 Reichswirtschaftsminister; 1929–1931 Reichsminister des Auswärtigen; 1931–1945 Rechtsanwalt und Gutsbesitzer in Mecklenburg
    Schwiegermutter Adda Curtius, geb. Carp 1883–1967
    Sohn Jan von Haeften 1931–2017 Unternehmer; u. a. Aufsichtsratsvorsitzender der Franz Haniel & Cie. und der Metro AG
    Sohn Dirk Julius Angelus Verena Georg von Haeften 1934–2006
    Kinder zwei Töchter
    Diese Grafik wurde automatisch erzeugt und bietet nur einen Ausschnitt der Angaben zur Genealogie.

    Haeften, Hans Bernd von (1905 – 1944)

    • Vater

      Johannes (Hans) Maximilian Gustav von Haeften

      1870–1937

      Kriegshistoriker; Generalmajor; Archivar; 1916–1918 in der Nachrichtenabteilung des Auswärtigen Amts tätig; 1920–1931 Direktor der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des Generalstabs, 1931–1935 Präsident des Reichsarchivs

      • Großvater väterlicherseits

        August Karl von Haeften

        1832–1871

        Archivar; Historiker

      • Großmutter väterlicherseits

        Elise von Haeften

        1840–1916

    • Mutter

      Agnes Charlotte Clara von Haeften

      1869–1945

      • Großvater mütterlicherseits

        Bernhard Eduard Adolf von Brauchitsch

        1833–1910

        aus Berlin; preußischer General der Kavallerie; Direktor der Kriegsakademie

      • Großmutter mütterlicherseits

        Charlotte von Brauchitsch

        1844–1906

        aus Stettin

    • Schwester

      Elisabeth Charlotte Agnes Harmsen

      1903–1980

      verh. mit dem Arzt Hans Ludwig Friedrich Harmsen (1899–1989)

    • Bruder

      Werner Karl Otto Theodor von Haeften

      1908–1944

      Oberleutnant; Widerstandskämpfer, nach Beteiligung am Attentat auf Adolf Hitler (1889–1945) am 20.·Juli 1944 hingerichtet

    • Heirat

  • Biografie

    Haeftens Erziehung wurde auf Betreiben des Vaters, der im Ersten Weltkrieg in der Nachrichtenabteilung des Auswärtigen Amts (AA) gedient hatte, früh auf eine diplomatische Laufbahn ausgerichtet. Nach dem Abitur am humanistischen Bismarck-Gymnasium in Berlin-Wilmersdorf studierte er von 1924 bis 1928 Jura in Berlin und München. Nach seinem ersten Staatsexamen war er 1928/29 Austauschstudent des Deutschen Akademischen Austauschdienstes am Trinity College in Cambridge. Seit 1931 Referendar im Berliner Kammergericht, begleitete Haeften den Völkerrechtler Erich Kaufmann (1880–1972) zu Verhandlungen am Internationalen Gerichtshof in Den Haag und begann 1933 eine Ausbildung zum Attaché im AA. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme schloss er sich mit seiner Familie der „Bekennenden Kirche“ an, mit deren zentralen Vertretern Dietrich Bonhoeffer (1906–1945) und Martin Niemöller (1892–1984) ihn langjährige Freundschaften verbanden.

    Nach seinem Eintritt in den Auswärtigen Dienst durchlief Haeften von 1934 bis 1940 Verwendungen in Kopenhagen, Wien und Bukarest. Beeinflusst unter anderem von Martin Luthers (1483–1546) Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“, positionierte er sich im „Kirchenkampf“ des „Dritten Reichs“ gegen die Gruppierung der „Deutschen Christen“. Am 18. September 1940 nach Berlin zurückbeordert, wurde er zum stellvertretenden Leiter der Informationsabteilung (Öffentlichkeitsarbeit) des AA unter Günther Altenburg (1894–1984) befördert, der kurz darauf von SS-Offizier Walter Stahlecker (1900–1942) abgelöst wurde. In dieser Funktion baute sich Haeften, der sich als einer der wenigen Diplomaten weigerte, in die NSDAP einzutreten, ein breit gefächertes Netzwerk im Reich und in den besetzten Gebiete auf; er diente zugleich als Verbindungsmann zum Ministerium für Volksaufklärung und Propaganda unter Joseph Goebbels (1897–1945).

    Im AA traf von Haeften erneut auf den ihm seit 1933 bekannten Diplomaten Adam von Trott zu Solz (1909–1944), über den er in Kontakt mit Peter Graf Yorck von Wartenburg (1904–1944) und Helmuth James Graf Moltke (1907–1945) trat, den führenden Köpfen des „Kreisauer Kreises“. Seit dem Frühjahr 1941 nahm er an der Arbeit der Widerstandsgruppe teil, war jedoch nicht eng genug eingebunden, um an den großen Treffen im Mai und Oktober 1942 sowie im Juni 1943 beteiligt zu sein. Haeften, der auch in engem Austausch mit Ulrich von Hassel (1881–1944) stand, verfasste im April 1942 mit Trott zu Solz und Eugen Gerstenmaier (1906–1986) ein „Memorandum für die englische Regierung“, das jedoch in London ablehnend aufgenommen wurde. Über die von deutschen Truppen in den besetzten Gebieten, v. a. in Polen und der Sowjetunion, begangenen Kriegsverbrechen einschließlich des Genozids an den europäischen Juden, war er gut informiert.

    Haeften war als geschickter Netzwerker eine zentrale Persönlichkeit des Widerstands gegen den Nationalsozialismus. Wie andere Mitglieder des „Kreisauer Kreises“ forderte er eine gerechtere Verteilung des Wohlstands als wesentlichen Teil einer neuen Nachkriegsordnung. Aus religiösen Gründen sprach er sich konsequent gegen eine Ermordung Adolf Hitlers (1889–1945) aus, zumal in Form eines Bombenattentats, das auch Unbeteiligte gefährden würde. Im Januar 1944 überzeugte er seinen Bruder Werner von dieser Haltung, als dieser überlegte, Hitler zu erschießen, konnte jedoch nicht verhindern, dass sich Werner von Haeften am 20. Juli 1944 als Adjutant Claus Schenk Graf von Stauffenbergs (1907–1944) an dessen Sprengstoffattentat beteiligte und in der folgenden Nacht im Bendlerblock erschossen wurde.

    Obgleich die Gestapo nach dem gescheiterten Umsturzversuch bei ihren Ermittlungen Haeftens breit gefächerte Kontakte nicht aufklären konnte, wurde er am 23. Juli verhaftet. Während seines Prozesses vor dem Volksgerichtshof bezeichnete er Hitler gegenüber dem Vorsitzenden Richter, Roland Freisler (1893–1945), als „großen Vollstrecker des Bösen“. Wegen Mitwisserschaft an der Verschwörung wurde Haeften am 15. August 1944 zum Tode verurteilt und am selben Tag in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

  • Auszeichnungen

    1937 Ritterkreuz 1. Klasse des Österreichischen Verdienstordens
    1995 Von-Haeften-Straße, Hamburg-Bergehof (auch zu Ehren des Bruders Werner von Haeften)
    2021 Stolperstein vor dem ehemaligen deutschen Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten, Berlin, Wilhelmstraße 92
  • Quellen

    Nachlass:

    nicht bekannt.

    Gedruckte Quellen:

    Helmuth James von Moltke, Briefe an Freya, 1988.

    Widerstand als „Hochverrat“ 1933–1945. Die Verfahren gegen deutsche Reichsangehörige vor dem Reichsgericht, dem Volksgerichtshof und dem Reichskriegsgericht, 2 Bde., hg. v. Jürgen Zarusky/Hartmut Mehringer, 1994–1998, Fiche 0441.

    Barbara von Haeften, „Nichts Schriftliches von Politik“. Hans Bernd von Haeften. Ein Lebensbericht, 1997.

  • Literatur

    Peter Hoffmann, Widerstand, Staatsstreich, Attentat. Der Kampf der Opposition gegen Hitler, 41985.

    Ralf Retter, Theological-political Resistance. The Role of Dietrich Bonhoeffer and Hans-Bernd von Haeften in the German Resistance against Hitler, 2008.

    Eckart Conze/Norbert Frei/Peter Hayes/Moshe Zimmermann (Hg.), Das Amt und die Vergangenheit. Die deutschen Diplomaten im Dritten Reich und in der Bundesrepublik, 2010, bes. S. 306–309.

    Günter Brakelmann, Tod als Opfer für eine bessere Zeit. Hans Bernd von Haeften im Widerstand, in: Jan Erik Schulte (Hg.), Widerstand und Auswärtiges Amt. Diplomaten gegen Hitler, 2013, S. 151–167. (P)

    Linda von Keyserlingk-Rehbein, Nur eine „ganz kleine Clique?“ Die NS-Ermittlungen über das Netzwerk vom 20. Juli 1944, 22019.

  • Onlineressourcen

  • Porträts

    Fotografien, Bildarchiv der Bayerischen Staatsbibliothek München, Sammlung Heinrich Hoffmann.

  • Autor/in

    Winfried Heinemann (Cottbus)

  • Zitierweise

    Heinemann, Winfried, „Haeften, Hans Bernd von“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.01.2023, URL: https://www.deutsche-biographie.de/119501325.html#dbocontent

    CC-BY-NC-SA