Lebensdaten
1888 – 1945
Geburtsort
Berlin-Charlottenburg
Sterbeort
Brandenburg an der Havel
Beruf/Funktion
Chef der Heeresrüstung ; Befehlshaber des Ersatzheeres ; Generaloberst
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118843338 | OGND | VIAF: 35253644
Namensvarianten
  • Fromm, Friedrich Wilhelm Waldemar
  • Fromm, Friedrich
  • Fromm, Friedrich Wilhelm Waldemar
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Zitierweise

Fromm, Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118843338.html [21.02.2024].

CC0

  • Friedrich Fromm verantwortete als militärischer Organisationsfachmann seit 1930 die Aufrüstung des Heeres. Seit 1941 forderte er angesichts hoher Verluste ein Ende des Krieges und schloss sich, teilweise entmachtet, 1943 dem militärischen Widerstand an. Verantwortlich für die Erschießung der Hauptbeteiligten des 20. Juli 1944, wurde er selbst durch das NS-Regime hingerichtet.

    Lebensdaten

    Geboren am 8.  Oktober 1888 in Berlin-Charlottenburg
    Gestorben am 12.  März 1945 (hingerichtet) in Brandenburg an der Havel
    Grabstätte keine (Gedenkstein Friedhof Zernien) in Zernien (Niedersachsen)
    Konfession evangelisch
    Friedrich Fromm, BArch / Bildarchiv (InC)
    Friedrich Fromm, BArch / Bildarchiv (InC)
  • Lebenslauf

    8.  Oktober 1888 - Berlin-Charlottenburg

    1897 - 1906 - Berlin-Schöneberg; Straßburg

    Schulbesuch

    Prinz-Heinrich-Gymnasium (neuhumanistisch); Gymnasium

    1906 - 1914 - Naumburg an der Saale

    Militärdienst (1914 Oberleutnant)

    2. Thüringisches Feldartillerie-Regiment Nr. 55

    1914 - 1918 - West- und Ostfront; Rumänien; Mazedonien

    Kriegsdienst (1918 Hauptmann im Generalstab)

    FAR 55, FAR 58, 76. Artilleriebrigade, Gen.Kdo. I. Res. Korps, 76. Res. Div. Gen. Kdo. zbV 61, Div. Kdo. 302, Gen. Kdo. zbV 64, 30. I.D.

    1919 - 1927 - Frankfurt an der Oder; Ludwigslust; Berlin

    Reichswehroffizier (1927 Major)

    Grenzschutz Ost, Art. Rgt. 5, Art. Rgt. 3, Reiterregiment 14, Wehrkreiskommando III

    1927 - 1932 - Berlin

    Haushaltsreferent (1931 Oberstleutnant)

    Wehramt des Reichswehrministeriums

    1932 - Genf

    Sachverständiger

    Abrüstungskonferenz des Völkerbunds

    1932 - 1933 - Potsdam

    Kommandeur

    IV. Abt., Artillerieregiment 3

    1933 - 1940 - Berlin

    Chef des Wehramtes (Oberst); Chef des Allgemeinen Heeresamtes (1939 General der Artillerie)

    Oberkommando des Heeres

    1939 - 1944 - Berlin

    Chef der Heeresrüstung und Befehlshaber des Ersatzheeres (1940 Generaloberst)

    Oberkommando des Heeres

    1944 - 1945 - Berlin

    Inhaftierung und Schauprozess

    Volksgerichtshof

    12.  März 1945 (hingerichtet) - Brandenburg an der Havel
  • Genealogie

    Vater Johannes Richard Fromm 1851–1914 aus Heiligenstadt (Eichsfeld); preußischer Generalleutnant z. D., Inspekteur der technischen Institute der Artillerie
    Großvater väterlicherseits Louis (Ludwig) Fromm 1818–1889 Oberzollinspektor; Königlich-Preußischer Ober-Steuerrat
    Großmutter väterlicherseits Therese Fromm, geb. Conradi 1825–1894
    Mutter Hedwig Elise Clara Fromm, geb. Fromm 1854–1923
    Großvater mütterlicherseits Theodor Gustav Helmut Fromm 1823–1888 Königlich-Preußischer Ober-Steuerrat
    Großmutter mütterlicherseits Karoline Sophie Friederike Fromm, geb. Giese 1823–1891
    Bruder Erich Fromm 1886–1886
    Schwester Barbara Fromm 1887–1890
    Schwester Hildegard Fromm 1890–1971 Lehrerin
    Schwester Edith Fromm 1895–1948
    Heirat 29.6.1912 in Naumburg an der Saale
    Ehefrau Frieda Fromm, geb. Oemler 1892–1974
    Schwiegervater Hermann Oemler 1855–1905 Major a. D.
    Schwiegermutter Helene Oemler 1855–1934
    Tochter Helga Heinke, geb. Fromm 1913–2004
    Sohn Harald Fromm 1917–1942 Hauptmann, postum Major
    Onkel väterlicherseits Hubert Reinhold Fromm 1853–1902 aus Aschersleben; Gymnasialprofessor für Mathematik
    Cousin Hans Walter Fromm 1892–1952 Techniker; 1934–1945 Ordinarius für Mechanik und Werkstoffkunde an der TH Danzig
    Cousin Willi Fromm 1893–1945 Direktor des Werkes Reinsdorf der Westfälisch-Anhaltischen Sprengstoff-Actien-Gesellschaft (WASAG)
    Diese Grafik wurde automatisch erzeugt und bietet nur einen Ausschnitt der Angaben zur Genealogie.

    Fromm, Friedrich (1888-1945)

    • Vater

      Richard Fromm

      1851–1914

      aus Heiligenstadt (Eichsfeld); preußischer Generalleutnant z. D., Inspekteur der technischen Institute der Artillerie

      • Großvater väterlicherseits

        Louis Fromm

        1818–1889

        Oberzollinspektor; Königlich-Preußischer Ober-Steuerrat

      • Großmutter väterlicherseits

        Therese Fromm

        1825–1894

    • Mutter

      Clara Fromm

      1854–1923

      • Großvater mütterlicherseits

        Theodor Fromm

        1823–1888

        Königlich-Preußischer Ober-Steuerrat

      • Großmutter mütterlicherseits

        Fromm

        1823–1891

    • Schwester

      Barbara Fromm

      1887–1890

    • Schwester

      Hildegard Fromm

      1890–1971

      Lehrerin

    • Schwester

      Edith Fromm

      1895–1948

    • Heirat

      in

      Naumburg an der Saale

  • Biografie

    alternativer text
    Friedrich Fromm (links), BArch / Bildarchiv (InC)

    Aus einer Offiziersfamilie stammend, trat Fromm im Januar 1907 in das 2. Thüringische Feldartillerieregiment Nr. 55 in Naumburg an der Saale ein. Bis 1914 und während des Ersten Weltkriegs wurde er als Adjutant in verschiedenen Dienststellungen an der Südost- und Westfront verwendet. Nach Abschluss des 9. Generalstabskursus in Sedan diente er seit 1919 im Grenzschutz Ost und wurde im Mai 1919 als Hauptmann in die vorläufige Reichswehr übernommen. Aufgrund seiner organisatorischen Fähigkeiten im Sommer 1927 vom Wehrkreiskommando III in das Wehramt des Reichswehrministeriums nach Berlin abkommandiert, war Fromm hier bis Januar 1933 als Haushaltsreferent tätig. In dieser Funktion wurde er auch mit Aufgaben der personellen Rüstung betraut, etwa mit Maßnahmen der durch den Versailler Vertrag verbotenen Mobilmachungsvorbereitungen und mit der Federführung der Verhandlungen zum offenen und geheimen Wehrhaushalt. Als nationalkonservativ orientierter „Vernunftrepublikaner“ unterstützte er im Rahmen seiner Aufgaben loyal die Reichsregierung.

    Infolge der NS-Rüstungspolitik wurde das Wehramt im April 1934 in Allgemeines Heeresamt (AHA) umbenannt und personell erheblich erweitert. Von Werner von Blomberg (1878–1946) zum Chef des AHA befördert, verantwortete Fromm die personelle und materielle Ausstattung des Heeres. Dabei geriet er in Gegensatz zum Chef des Generalstabs des Heeres, Ludwig Beck (1880–1944), dessen Planungen für eine „Risikowehrmacht“ ihm zu überhastet und wirtschaftlich problematisch erschienen. In einer Denkschrift vom August 1936 warnte er den Oberbefehlshaber des Heeres (ObdH), Werner Freiherr von Fritsch (1880–1939), vor den Folgen, die zu einem Kollaps der Volkswirtschaft oder einem verfrühten Einsatz der Wehrmacht führen müssten.

    Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs zum Chef der Heeresrüstung und Befehlshaber des Ersatzheeres ernannt, leitete Fromm mit dem AHA, dem Heereswaffenamt und dem Heeresverwaltungsamt wesentliche kriegsministerielle Bereiche. Während des Kriegs steuerte er den personellen und materiellen Ersatz des Heeres und als Vorgesetzter der Wehrkreisbefehlshaber die Einziehungspraxis der gesamten Wehrmacht. Im Sommer 1940 sicherte er Adolf Hitler (1889–1945) die Aufrüstung des Heeres für einen räumlich und zeitlich begrenzten Feldzug gegen die Sowjetunion zu.

    Angesichts rapide steigender Verluste und erheblichen materiellen Verschleißes ließ Fromm im August 1941 für den ObdH, Walther von Brauchitsch (1881–1948), eine Denkschrift erarbeiten, in der er einen baldigen Friedensschluss vorschlug. Im Sommer 1942 erneuerte er seine Ansicht mit Nachdruck gegenüber Hitler. Diese Denkschrift und entsprechende Demarchen von Joseph Goebbels (1897–1945) sowie dem Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, Wilhelm Keitel (1882–1946), führten dazu, dass Fromm seit Ende 1942 Teilbereiche seines Aufgabengebiets entzogen und seine Ablösung ins Auge gefasst wurde.

    Diese schrittweise Entmachtung, die Überzeugung, dass der Krieg nicht mehr zu gewinnen sei, und der Tod seines einzigen Sohns führten seit Frühjahr 1943 zu einer Annäherung Fromms an den militärischen Widerstand. Es waren weniger moralisch-ethische als militärisch-fachliche Erwägungen, die ihn zu diesem Schritt bewogen. Mit seiner Billigung wurden durch General Friedrich Olbricht (1888–1944) die Planungen für einen Einsatz des Ersatzheeres im Innern (Operation „Walküre“) aktualisiert. Fromm akzeptierte den Plan zur Tötung Hitlers, war jedoch angesichts der schwankenden Haltung vieler Wehrkreisbefehlshaber uneins mit den Verschwörern über den Zeitpunkt des Umsturzes. Als er diesen nicht mehr verhindern konnte, stand für ihn der Tod Hitlers und damit die Lösung der Eidbindung als zwingende Voraussetzung einer möglichen Abwendung des Militärs vom NS-Regime im Vordergrund.

    Während Claus Schenk Graf von Stauffenberg (1907–1944) und Werner von Haeften (1908–1944) davon ausgingen, dass das Attentat vom 20. Juli 1944 geglückt sei, hatte Fromm verlässliche Aussagen von Keitels Adjutanten, Ernst John von Freyend (1909–1980), dass Hitler überlebt hatte. Um die Mitglieder des Widerstands in seinem Befehlsbereich zu schützen, verlangte er von den beiden, dem Regime inzwischen bekannten Attentätern, sich zu töten. Im Gegenzug wurde er von den Verschworenen in seiner Dienstwohnung unter Hausarrest gestellt. Nach seiner Befreiung durch Offiziere des AHA lieferte er Stauffenberg und von Haeften sowie Olbricht und Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim (1905–1944) nicht dem Regime aus, sondern ließ sie erschießen. Dieses Verhalten machte Fromm in den Augen seiner Gegner so verdächtig, dass ihn Goebbels als Reichsverteidigungskommissar von Berlin mit Zustimmung Heinrich Himmlers (1900–1945) als Befehlshaber des Ersatzheeres in der Nacht des 21. Juli inhaftieren ließ und er am 12. März 1945 nach einem Schauprozess vor dem Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde.

    Unmittelbar nach Kriegsende attestierten Hinterbliebene der Opfer, dass Fromm ihren Angehörigen bewusst ein schlimmeres Schicksal erspart habe. Dennoch wurde er, nachdem der militärische Widerstand gegen das NS-Regime zum Identifikationsnarrativ der Bundesrepublik geworden war, in der öffentlichen Wahrnehmung zur undurchsichtigen Hintergrundfigur, deren Motive nicht genau entschlüsselt werden müssten.

  • Auszeichnungen

    1914 Österreichisches Militärverdienstkreuz III. Klasse
    1915 Eisernes Kreuz II. Klasse
    1915 Hanseatenkreuz Hamburg
    1916 Eisernes Kreuz I. Klasse
    1935 Königlich Ungarisches Verdienstkreuz II. Klasse
    1939 Königlich Jugoslawischer St. Sava Orden 1. Klasse
    1940 Großkreuz des Ordens von der Krone von Italien
    1940 Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes
    1941 Großkreuz des Schwedischen Schwertordens
    1942 Kaiserlich Japanischer Orden des Heiligen Schatzes
  • Quellen

    Nachlass:

    Bundesarchiv-Militärarchiv, Freiburg im Breisgau, N 830.

    Weitere Archivmaterialien:

    Bundesarchiv-Militärarchiv, Freiburg im Breisgau, RH 14 (Chef der Heeresrüstung und Befehlshaber des Ersatzheeres); RH 15 (Allgemeines Heeresamt).

    Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung, Berlin, Nachlass Helga Heinke, geb. Fromm

    Gedruckte Quellen:

    Edition des Diensttagesbuches des Chefs des Stabes beim Chef der Heeresrüstung und Befehlshaber des Ersatzheeres (1938–1943) – in Vorbereitung, erscheint voraussichtlich 2024.

  • Literatur

    Gene Mueller, Generaloberst Friedrich Fromm, in: Gerd R. Ueberschär (Hg.), Hitlers militärische Elite, Bd. 1, 1998, S. 71–78.

    Bernhard R. Kroener, Zwischen Blitzsieg und Verhandlungsfrieden. Der Chef der Heeresrüstung und Befehlshaber des Ersatzheeres fordert im Herbst 1941 die Beendigung des Krieges, in: Wolfgang Elz (Hg.), Internationale Beziehungen im 19. und 20. Jahrhundert. Festschrift für Winfried Baumgart zum 65. Geburtstag, 2003, S. 341–360.

    Bernhard R. Kroener, Generaloberst Friedrich Fromm. Der starke Mann im Heimatkriegsgebiet. Eine Biographie, 2004. (P)

    Monika Deniffel, Art. „Fromm, Fritz“, in: Hermann Weiß (Hg.), Biographisches Lexikon zum Dritten Reich, überarb. Neuausg., 22011, S. 136 f.

    Bernhard R. Kroener, Friedrich Fromm – „Unser Verräter“. Hinterbliebenenversorgung im Kampf um Deutungshoheit, in: Haus der Geschichte Baden-Württemberg (Hg.), Verräter? Vorbilder? Verbrecher? Kontroverse Deutungen des 20. Juli 1944 seit 1945, 2016, S. 73–96.

  • Onlineressourcen

  • Porträts

    zahlreiche Fotografien, Digitales Bildarchiv des Bundesarchivs.

    zahlreiche Fotografien, Bildarchiv der Bayerischen Staatsbibliothek München, Sammlung Heinrich Hoffmann.

  • Autor/in

    Bernhard R. Kroener (Schallstadt-Mengen)

  • Zitierweise

    Kroener, Bernhard R., „Fromm, Friedrich“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.07.2022, URL: https://www.deutsche-biographie.de/118843338.html#dbocontent

    CC-BY-NC-SA