Lebensdaten
1915 – 1944
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Offizier ; Widerstandskämpfer ; Widerstandskämpfer
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 130187151 | OGND | VIAF: 72492762
Namensvarianten
  • Oertzen, Hans-Ulrich von
  • Oertzen, Hans-Ulrich
  • Oertzen, Hans Ulrich von

Verknüpfungen

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Oertzen, Hans-Ulrich von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd130187151.html [09.02.2023].

CC0

  • Hans-Ulrich von Oertzen arbeitete im Herbst 1943 mit Claus Schenk Graf von Stauffenberg (1907–1944) an der Planung des Unternehmens „Walküre“ und gehörte zum Kern der Verschwörer des 20. Juli 1944. Am Tag des Attentats auf Adolf Hitler (1889–1945) agierte er als Verbindungsoffizier für den Wehrkreis Berlin und sorgte für die Umsetzung der vorbereiteten Befehle für den Staatsstreich. Um Verhören und einer möglichen Preisgabe von Mitverschwörern zu entgehen, nahm er sich am Folgetag das Leben.

    Hans-Ulrich von Oertzen, Privatbesitz (InC)
    Hans-Ulrich von Oertzen, Privatbesitz (InC)
  • Lebensdaten

    Geboren am 6. März 1915 in Berlin
    Gestorben am 21. Juli 1944 (Suizid) in Berlin
    Grabstätte Begräbnisstätte der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft in Berlin-Wilmersdorf
    Konfession evangelisch
  • Lebenslauf

    6.·März 1915 - Berlin

    1928 - 1933 - Berlin; Spetzgart am Bodensee

    Schulbesuch (Abschluss: Abitur)

    Friedenauer Gymnasium; Internatsschule Schloss Salem

    1933 - Hannover

    Eintritt in die Reichswehr (Fahnenjunker)

    6. (Preußische) Nachrichtenabteilung

    1933 - 1937 - Hannover

    Offiziersausbildung; Erzieher (Fähnrichsvater); Zugführer

    Nachrichtenabteilung 19

    1937 - 1938 - Hannover

    Adjutant eines Kompaniechefs im Range eines Leutnants

    Nachrichtenabteilung 19

    1938 - 1939 - Wien

    Adjutant eines Obersten im Range eines Oberleutnants

    Heeresgruppenkommando 5

    1939 - 1940 - Eifel; Frankreich

    Oberleutnant, Kompaniechef

    Hauptquartier Armee-Oberkommando 12; Oberkommando Heeresgruppe C

    1940 - 1940 - Halle an der Saale

    Lehroffizier

    Heeresnachrichtenschule

    1941 - 1942 - Balkan; Bulgarien; Ostfront; Ukraine

    Oberleutnant

    Panzergruppe 1, später Panzerarmee-Nachrichten-Regiment 1

    1942 - 1942 - Berlin

    Generalstabslehrgang

    Kriegsakademie

    1942 - 1943 - Ostfront

    Zweiter Generalstabsoffizier, Versorgungsoffizier (I b)

    Infanteriedivision

    1943 - 1944 - Ostfront

    Major im Generalstab, 5. Generalstabsoffizier (Qu 2), als 2. Quartiermeister zuständig für längerfristigen Nachschub

    Heeresgruppe Mitte

    1943 - 1944 - Berlin; Ostfront

    Beteiligung an der Vorbereitung des Unternehmens „Walküre“

    1944 - 1944 - Ostfront; Weißrussland

    Erster Generalstabsoffizier (I a)

    2. Armee, Korps-Abteilung E

    21.7.1944 - Berlin

    Suizid nach dem gescheiterten Attentat auf Adolf Hitler (1889–1945)

    21.·Juli 1944 (Suizid) - Berlin
  • Genealogie

    Vater Ulrich von Oertzen 1881–1916 aus dem Hause Lübbersdorf-Teschow; Offizier; gefallen am 27.2.1916 in der Champagne
    Großvater väterlicherseits Friedrich von Oertzen 1838–1892 Gutsbesitzer in Teschow (Mecklenburg)
    Großmutter väterlicherseits Gustava von Hennings 1842–1929
    Mutter Elisabeth von Oertzen, geb. von Oertzen 1887–1938 Malerin und Grafikerin
    Großvater mütterlicherseits Karl von Oertzen 1836–1890 Großherzoglich mecklenburg-strelitzscher Kammerherr und Drost zu Mirow, Herr auf Rattey
    Großmutter mütterlicherseits Louise von Oertzen, geb. von Oertzen a. d. H. Lübbersdorf 1848–1922
    Heirat 26.3.1944 in Bellin (Neumark)
    Ehefrau Ingrid von Oertzen, geb. von Langenn-Steinkeller 1922–2015 in 2. Ehe 1947 verh. mit Martin Simonsen (1906–1999)
    Schwiegervater Franz-Helmut von Langenn-Steinkeller 1889–1983 Rittmeister und Rittergutspächter
    Schwiegermutter Charlotte von Langenn-Steinkeller, geb. von Amme 1901–1942
    Kinder keine
    Tante mütterlicherseits Augusta von Oertzen 1881–1954 Dr. phil.; Kunsthistorikerin und Schriftstellerin; 1933–1943 Herausgeberin der Zeitschrift „Korrespondenz für Kunst und Wissenschaft“
    Cousin Jaspar Sigismund Albrecht von Oertzen 1912–2008 Schauspieler; Mitbegründer der Partei Bündnis 90/Die Grünen, bis 2008 Ehrenvorsitzender der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP); verh. mit der Tänzerin und Choreografin Ellen Petz-Cleve (1899–1970)
  • Biografie

    alternativer text
    Hans-Ulrich von Oertzen, Privatbesitz (InC)

    Aus einem alten, mecklenburgischen Adelsgeschlecht stammend, wuchs von Oertzen nach dem Tod seines Vaters im Ersten Weltkrieg bei seiner Mutter in Berlin auf, die es ohne eigenes Gut oder nennenswertes Vermögen schwer hatte, die Familie zu versorgen. Er lebte seit 1922 mehrere Jahre auf dem Gut seines Onkels Henning von Oertzen im mecklenburgischen Rattey und besuchte seit 1928 das humanistische Friedenauer Gymnasium in Berlin, anschließend als Stipendiat die Internatsschule Schloss Salem am Bodensee.

    Nach dem Abitur im April 1933 trat von Oertzen in Hannover der Reichswehr bei. Er sah in der parlamentarischen Demokratie kein zukunftsfähiges politisches Modell für Deutschland und zeigte sich in Gesprächen mit seinem väterlichen Freund Edgar Röhricht (1892–1967) zunächst als begeisterter Anhänger des Nationalsozialismus. Die 1934 im Rahmen des „Röhm-Putsches“ begangenen Morde empörten den 19-Jährigen, letztendlich aber akzeptierte er sie. Von Oertzen absolvierte seit 1933 eine Ausbildung als Nachrichtenoffizier in Hannover, wo er zuletzt als Adjutant eines Kompaniechefs tätig war.

    Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich diente von Oertzen 1938/39 als Adjutant beim Heeresgruppenkommando in Wien. Dort störte er sich am harschen Auftreten von Militär und SS, hielt dieses jedoch noch für vertretbar. Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde er als Kompaniechef im Hauptquartier des Armee-Oberkommando 12 im Frankreichfeldzug eingesetzt, diente 1940 als Lehroffizier an der Heeresnachrichtenschule in Halle an der Saale, wurde im Januar 1941 als Nachrichtenoffizier zur auf dem Balkan stationierten Panzergruppe 1 versetzt und stieß nach dem Angriff der Wehrmacht auf die Sowjetunion zum Panzerarmee-Nachrichten-Regiment 1.

    1942 absolvierte von Oertzen einen Generalstabslehrgang in Berlin. Im Februar 1943 in den Generalstab der Heeresgruppe Mitte versetzt, diente er als Zweiter Quartiermeister unter Henning von Tresckow (1901–1944), einem zentralen Akteur des militärischen Widerstands, dessen Persönlichkeit ihn tief beeindruckte. Von Oertzen nahm Tresckow durch seine militärischen und organisatorischen Fähigkeiten für sich ein und zählte u. a. mit Rudolf-Christoph Freiherr von Gersdorff (1905–1980) und Fabian von Schlabrendorff (1907–1980) zu dessen engsten Vertrauten. Zudem erhielt er Kenntnis von Tresckows Plänen, Adolf Hitler (1889–1945) zu töten. Briefe an seine Frau zeigen, dass für von Oertzens Wandlung zum Widerstandskämpfer zudem Berichte aus dem kriegsgeplagten Deutschland und eine als zunehmend unerträglich empfundene NS-Propaganda entscheidend waren.

    Im Herbst 1943 wurde von Oertzen auf Initiative Tresckows in das Allgemeine Heeresamt im Berliner Bendlerblock kommandiert, wo er mit Claus Schenk Graf von Stauffenberg (1907–1944) die komplexen Pläne und Befehle für den Staatsstreich ausarbeitete. Zudem war er in die v. a. von Wessel Freytag von Loringhoven (1899–1944) verantwortete Sprengstoffbeschaffung involviert. Anfang Juli 1944 wurde er unter einem Vorwand nach Berlin abkommandiert, wo er u. a. die für den Staatsstreich vorgesehenen Truppen inspizierte. Am 20. Juli 1944 agierte von Oertzen auf sich allein gestellt im Wehrkreiskommando Berlin und gab als Verbindungsoffizier des Wehrkreises Berlin die ersten „Walküre“-Befehle weiter.

    Nach dem Scheitern des Attentats auf Hitler verhielt sich von Oertzen zunächst unauffällig. In einer ersten Vernehmung durch Generalleutnant Karl Freiherr von Thüngen (1893–1944), den Inspekteur des Heerersatzwesens, im Auftrag von General Joachim von Kortzfleisch (1890–1945), dem Befehlshaber im Wehrkreis III in Berlin, stritt er am 21. Juli ab, mit Stauffenberg bekannt zu sein, eine Sekretärin erinnerte sich jedoch an ein Treffen der beiden Männer im Herbst 1943. Um Mitwisser zu schützen und einem Verhör durch die Gestapo zu entgehen, entschloss sich von Oertzen am selben Tag zum Suizid.

  • Auszeichnungen

    1939 Kriegsverdienstkreuz 1. Klasse mit Schwertern
    1939–1944 Verwundetenabzeichen 1939 (Stufe Schwarz); Eisernes Kreuz 1939 2. Klasse; Kriegsverdienstkreuz 2. Klasse mit Schwertern; Medaille Winterschlacht im Osten; Wehrmacht Dienstauszeichnung 4. Klasse; Bulgarien – Militärorden für Tapferkeit, 4. Klasse, 1. Stufe
    1961 Justus-von-Liebig-Preis für Welternährung der Alfred Toepfer Stiftung F. V. S.
    1992 Gedenktafel und Gedenkstele, Dorfkirche von Rattey, eingeweiht im Beisein von Richard von Weizsäcker (1920–2015) und Axel von dem Bussche (1919–1993).
    2019 Gedenkveranstaltung der Familie von Oertzen in Rattey
    2020 Stolperstein auf Schloss Spetzgart, verlegt von dem Künstler Gunter Demnig (geb. 1947).
    • Quellen

      Nachlass:

      Privatbesitz.

      Tagebuch von Ingrid Simonsen (verw. von Oertzen):

      Privatbesitz.

      Gedruckte Quellen:

      20. Juli 1944. Ein Drama des Gewissens und der Geschichte. Dokumente und Berichte, hg. v. d. Bundeszentrale für Heimatdienst Bonn, 1961.

      Edgar Röhricht, Pflicht und Gewissen. Erinnerungen eines deutschen Generals 1932 bis 1944, 1965.

      Hans-Adolf Jacobsen (Hg.), Spiegelbild einer Verschwörung. Die Opposition gegen Hitler und der Staatsstreich vom 20. Juli 1944 in der SD-Berichterstattung, Bd. 2, 1989.

      Philipp Freiherr von Boeselager, Der Widerstand in der Heeresgruppe Mitte, in: Beiträge zum Widerstand 1933–1945, H. 40, 1990.

      Horst Mühleisen, Patrioten im Widerstand. Carl-Hans Graf Hardenbergs Erlebnisbericht, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 41 (1993), H. 3, S. 419–477, bes. S. 461–464. (Onlineressource)

      Reinhild Gräfin von Hardenberg, Auf immer neuen Wegen. Erinnerungen an Neuhardenberg und den Widerstand gegen den Nationalsozialismus, 2002, 22005.

      Philipp Freiherr von Boeselager, Wir wollten Hitler töten. Ein letzter Zeuge des 20. Juli erinnert sich, 2011.

    • Literatur

      Monografien:

      Peter Hoffmann, Widerstand – Staatsstreich – Attentat. Der Kampf der Opposition gegen Hitler, 1969, 41985.

      Gerd R. Ueberschär, Das Dilemma der deutschen Militäropposition, 1988. (Onlineressource)

      Klaus-Jürgen Müller, 20. Juli 1944. Der Entschluß zum Staatsstreich, 1989. (Onlineressource)

      Lars-Broder Keil, Hans-Ulrich von Oertzen. Offizier und Widerstandskämpfer. Ein Lebensbild in Briefen und Erinnerungen, 2005. (P)

      Gerhard Ringshausen, Hans-Alexander von Voß. Generalstabsoffizier im Widerstand, 2008.

      Linda von Keyserlingk-Rehbein, Nur eine „ganz kleine Clique“? Die NS-Ermittlungen über das Netzwerk vom 20. Juli 1944, 2018.

      Winfried Heinemann, Unternehmen „Walküre“. Eine Militärgeschichte des 20. Juli 1944, 2019.

      Henning von Buchwaldt (Hg.), Hans-Ulrich von Oertzen (1915–1944), 2020.

      Aufsätze und Artikel:

      Peter Steinbach/Johannes Tuchel, Art. „Oertzen, Hans-Ulrich von“, in: dies. (Hg.), Lexikon des Widerstandes 1933–1945, 2. überarb. u. erw. Aufl. 1998, S. 150.

      Gerhard Ringshausen, Hans-Alexander von Voß (1907–1944). Offizier im Widerstand, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 52 (2004), H. 3, S. 361–407. (Onlineressource)

      Peter Helms, Die Gedenktafel für Hans-Ulrich von Oertzen (1915–1944) in der Kirche zu Rattey, in: Mecklenburgia sacra. Jahrbuch für Mecklenburgische Kirchengeschichte 7 (2004), S. 108–111.

      Peter Hoffmann, Oberst i. G. Henning von Tresckow und die Staatsstreichspläne im Jahr 1943, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 55 (2007), H. 2, S. 331–364. (Onlineressource)

      Lars-Broder Keil, Art. „Oertzen, Hans-Ulrich von“, in: Harald Schultze/Andreas Kurschat (Hg.), „Ihr Ende schaut an...“. Evangelische Märtyrer des 20. Jahrhunderts, 2. erw. u. verb. Aufl. 2008, S. 400–402. (P)

      Peter Hoffmann, Kuriergepäck und Pistolen. Neue Quellen zu den Attentatsplänen in der Heeresgruppe Mitte im März 1943, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 56 (2008), H. 3, S. 415–430. (Onlineressource)

      Antje Vollmer/Lars-Broder Keil, Hans-Ulrich von Oertzen (1915–1944). „Aber reiten muss ich selber“, in: dies. (Hg.), Stauffenbergs Gefährten. Das Schicksal der unbekannten Verschwörer, 2013, S. 117–134.

    • Onlineressourcen

    • Porträts

      Gemälde (Öl/Leinwand) des jungen von Oertzen als Soldat v. Elisabeth von Oertzen (1887–1938), ca. 1936. Das Gemälde wurde vom Reichsministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung aufgekauft, Verbleib unbekannt.

      Gemälde (Öl/Leinwand) v. Klaus Maertens (1915–1988), 1963 (nach einer Fotografie), im Besitz der Schule Schloss Salem.

      Gemälde (Öl/Leinwand) v. Peggy Steike (geb. 1975), 2019 (nach einer Fotografie), im Besitz der Familie von Oertzen.

  • Autor/in

    Lars-Broder Keil (Berlin)

  • Zitierweise

    Keil, Lars-Broder, „Oertzen, Hans-Ulrich von“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.03.2022, zuletzt geändert am 23.05.2022, URL: https://www.deutsche-biographie.de/130187151.html#dbocontent.

    CC-BY-NC-SA