Lebensdaten
1880 bis 1958
Geburtsort
Sternberg (Mähren)
Sterbeort
Hechendorf bei Murnau (Oberbayern)
Beruf/Funktion
Schriftsteller
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118734601 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Molo, Walter von

Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Molo, Walter Ritter von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118734601.html [24.09.2017].

CC0

  • Genealogie

    Aus lombard. Nobilifam.; V Carl (1849–1923), kaiserl. Rat, Textilkaufm. in Wien, S d. Joseph (1815–91), Dr. med., Bez.arzt in Kempten, u. d. Josepha Sophia Reichel (1823–79); M Bertha (1850–1928), T d. Reg.rats Martin Gehring in Augsburg u. d. Helene Louise Schäffer (illeg. T d. Prinzen Emil v. Hessen u. b. Rhein, 1790–1856, s. NDB IV); B Hans (Ps. Hans Hart, 1878–1941), Bibliothekar u. Schriftst. (s. Kosch, Lit.-Lex.3); – 1) Wien 1906 ( 1925) Rosa (1882–1970), T d. Oberbaurats Ludwig Richter in Wien u. d. Maria Streschmude, 2) Berlin 1930|Annemarie (1903–83), T d. Albert Mummenhoff (1863–1939), Dr. iur., Justizrat in Bochum, 1916-19 Mitgl. d. Westfäl. Provinziallandtags (s. L), u. d. Agnes Frielinghaus; 1 S, 1 T aus 1), Conrad (Kurt) (* 1906, Beate Moissi, * 1906, Tänzerin u. Regisseurin, s. NDB 17*), Regisseur, Trude de Ribon (* 1906), Filmschausp.

  • Leben

    M. wuchs in Wien auf. Nach dem Abitur an einer Oberrealschule studierte er 1898-1902 an der TH Wien Maschinenbau und Elektrotechnik. Nach der 2. Staatsprüfung trat er bei Siemens und Halske in Wien als Prüffeldingenieur ein. 1903-14 k.u.k. Beamter, war er zuletzt als Oberingenieur in der Patentabteilung des Ministeriums für öffentliche Arbeiten tätig. Gleichzeitig redigierte er eine Zeitschrift für Bautechnik, die „Österr. Wochenschrift für den öffentlichen Baudienst“ und die „Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen“. In der Fachwelt wurde er bekannt als Autor bzw. Mitautor der Schriften „Geschwindigkeitsmesser an Automobilen“ (1907) und „Wie mache ich eine Patentanmeldung?“ (1905).

    Seit 1904 schrieb M. Erzählungen und Romane, die sich mit seiner Studentenzeit als Burschenschafter sowie mit sozialen und gesellschaftlichen Fragen beschäftigen. Von diesen Arbeiten ließ er später nur vier Romane gelten, die er 1924 unter dem Titel „Liebessymphonie“ neu herausgab. Seit 1908 war M. literarisch anerkannt. Freundschaft verband ihn vor allem mit Stefan Zweig (der langjährige Briefwechsel wurde nach 1933 vernichtet), Arthur Schnitzler und Richard Dehmel. Als Dramatiker konnte er sich trotz Uraufführungen in Berlin, Leipzig, Jena und am Hoftheater Gera nicht durchsetzen („Die Mutter“, 1914; „Der Infant der Menschheit“, 1916; „Die Erlösung der Ethel“, 1917; „Friedrich Staps“, 1918; „Der Hauch im All“, 1918; „Die helle Nacht“, 1919; „Till Lausebums“, 1921). Seinen ersten großen Erfolg errang M. mit dem vierteiligen Roman über Friedrich Schiller („Ums Menschentum“, 1912; „Im Titanenkampf“, 1913; „Die Freiheit“, 1914; „Den Sternen zu“, 1916). 1914 gab er seine Beamtenstellung in Wien auf und übersiedelte nach Berlin, da ihn Preußen und Ostdeutschland besonders anzogen. Wegen einer Krankheit nicht wehrtauglich, war er in den Kriegsjahren ehrenamtlicher Mitarbeiter für soziale Fragen am k. u. k. Generalkonsulat in Berlin. Getragen von einer christlich-kosmopolitischen Weltanschauung, in der er eine „Menschenbruderschaft“ anstrebte, verfaßte er Biographien großer Deutscher (u. a. Friedrich d. Gr., Luther, Friedrich List, Prinz Eugen, Kleist), die seinen Namen durch große Auflagen und durch Übersetzungen auch im Ausland sehr bekannt machten und nach 1933 teilweise verboten wurden (Friedrich d. Gr., Luther). Gestützt auf sorgfältige historische Studien, beraten von den Historikern Friedrich Meinecke, Heinrich v. Srbik und Julius Petersen, verdichtete er Leben und Leiden seiner „entheroisierten“ Helden zu einer durch inneren und äußeren Dialog gekennzeichneten dramatischen Epik, die Theodor Heuss „Balladen in Prosa“ nannte. Die Sprache ist in den ersten Biographien noch stark vom Expressionismus geprägt.

    Mit Hilfe des mit ihm befreundeten Gustav Stresemann erlangte M. 1920 die deutsche Staatsangehörigkeit. In Reden und Schriften engagierte er sich leidenschaftlich für die Weimarer Republik, gegen Radikalismus und Antisemitismus. Aktiv in Berufsverbänden tätig, wirkte er u. a. als langjähriger Vorsitzender des Schutzverbandes der deutschen Schriftsteller und des Bühnenschriftstellerverbandes. Er begründete die deutsche Gruppe des Internationalen PEN-Zentrums mit und war 1928-30 Präsident der Sektion Dichtkunst der Preuß. Akademie der Künste. In enger Verbindung stand er zu den Politikern Otto Braun, Paul Löbe und Carl Severing, zu den Dichtern Heinrich Mann, Alfred Döblin und Gottfried Benn, den Architekten Walter Gropius und Hans Poelzig, zu den Malern Lyonel Feininger und Emil Orlik. Nach 1933 verstärkten sich die Angriffe der NS-Presse, vor allem des „Schwarzen Korps“ und des völkischen Literaturhistorikers Adolf Bartels, gegen M. Als „abservierte Systemgröße“, „Judenfreund“ und „Pazifist“ erhielt er Rundfunkverbot. Seine Bücher waren nicht mehr „herausstellungswürdig“ und fanden nur schwer Verleger. Soweit sie ihm nicht schon genommen worden waren, legte er alle Ehrenämter nieder und blieb nur im Vorstand der Goethe-Gesellschaft in Weimar, in dem er sich mit seinem Freund Eduard Spranger sowie mit Max Planck und Carl Jacob Burckhardt traf. Obwohl Tochter und Sohn – dieser kehrte 1940 zurück – 1933 emigrierten, lehnte M. es ab, Deutschland zu verlassen. 1934 übersiedelte er von Berlin auf seinen kleinen Bauernhof in Hechendorf bei Murnau und bewirtschaftete ihn unter schweren Bedingungen mit seiner zweiten Frau.

    Nach Kriegsende erregte M. Aufsehen durch seinen offenen Brief an Thomas Mann, den er in der „Münchner Zeitung“ vom 18.8.1945 zur baldigen Rückkehr aufforderte. Am 12.10. antwortete Thomas Mann im „Augsburger Anzeiger“ in der Sache scharf ablehnend An dieser Korrespondenz entzündete sich die Diskussion um die „innere Emigration“, deren Wortführer Frank Thieß wurde. 1948/49 war M. Mitarbeiter an der von Alfred Kantorowicz in Berlin (Ost) herausgegebenen Zeitschrift „Ost und West“, die der Trennung Deutschlands entgegenwirken wollte. Auch sein soziales Engagement für die Berufskollegen setzte er fort, so in einem Artikel in der „Neuen Zeitung“ Nr. 99/1952 („Zur Lage des Schriftstellers“) und in einem Briefwechsel mit Bundespräsident Theodor Heuss. 1949 gehörte M. mit Alfred Döblin zu den Gründern der „Akademie der Wissenschaften und der Literatur“ in Mainz. Anläßlich seines 70. Geburtstages wurden die meisten seiner Romane neu aufgelegt, sein List-Roman erschien 1956 auch in der DDR. Aus dem Nachlaß wurde 1959 „Wo ich Frieden fand, Erlebnisse und Erinnerungen“, lyrische Bilder aus der Murnauer Zeit, herausgegeben.|

  • Auszeichnungen

    Ehrenbürger d. TH Danzig (1930); Goethe-Medaille f. Kunst u. Wiss. (1932); Mitgl. d. Sektion Dichtkunst d. Preuß. Ak. d. Künste (1926–33), Mitgl. d. Ak. d. Wiss. u. d. Lit. in Mainz (1949).

  • Werke

    u. a. Ausgg.: W. v. M., Der Mensch u. d. Werk, 1923; Ges. Werke, 3 Bde., 1924; Zw. Tag u. Traum, Ges. Reden u. Aufsätze, 1930, erweitert 1950; Erkenntnis f. uns, 1940. – Briefwechsel mit Th. Mann: Th. Mann, F. Thieß, W. v. M., Ein Streitgespräch üb. d. äußere u. innere Emigration, 1946; Die große Kontroverse, Ein Briefwechsel um Dtld., hrsg. u. bearb. v. J. F. G. Grosser, 1963. – Autobiogr. Schrr.: Zu neuem Tag, Ein Lebensber., 1950; So wunderbar ist d. Leben, Erinnerungen u. Begegnungen, 1957 (W, P); Wo ich Frieden fand, 1959. – W-Verz.: G. Künzel, in: Jb. d. Ak. d. Wiss. u. d. Lit. in Mainz, 1959, S. 47-72. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Berlin, Ak. d. Künste (Molo-Archiv); Archiv Haus Laer, Bochum (Privatnachlaß).

  • Literatur

    G. Brand, in: Literar. Echo 21, 1918; H. M. Elster, W. v. M. u. sein Schaffen, e. krit. Würdigung, 1920 (W, P); F. C. Munck, W. v. M., d. Dichter u. d. Leben, 1930; Ostdt. Mhh., hrsg. v. C. Lange, 1930 (P); G. Ch. Rasse, W. v. M., 1936; H. Langenbucher, in: Nat.soz. Mhh. 79, 1936; W. v. M., Erinnerungen, Würdigungen, Wünsche, Zum 70. Geb.tag, 1950 (mit Btrr. v. H. Hartung, G. Benn, H. H. Borcherdt, M. Boucher, E. Diesel, A. Döblin, P. Dörfler, Th. Heuss, A. Kantorowicz, H. Kasack, P. Löbe, E. Redslob, W. v. Scholz, R. A. Schröder, C. Severing, E. Spranger, A. Winnig); H. v. Srbik, in: Neues Abendland 5, 1950; H. R. Leber, Ein Meister d. hist. Romans, in: Salzburger Nachrr. 134, 1950; I. Jens, Dichter zw. rechts u. links – d. Gesch. d. Sektion f. Dichtkunst d. Preuß. Ak. d. Künste, 1979; H. Kasack, Nachruf auf W. v. M., in: Jb. d. Dt. Ak. d. Wiss. u. d. Lit. in Mainz 10, 1959, S. 46 f.; D. Lattmann, Reden an d. Deutschen, in: Die Lit. d. Bundesrepublik Dtld., hrsg. v. dems., 1973, S. 34-45 (P); R. Pozorny, W. v. M. z. Gedenken, in: Soldatenjb. 28, 1980, S. 254-56; E. Horn, Seine Menschen sind große Einsame, W. v. M., in: dies., Geehrt, geliebt, vergessen, 1985, S. 118-23; Kunisch2; Internat. Bibliogr. z. Gesch. d. Dt. Lit., II/2, 1972; Kosch, Lit.-Lex.3; Biographisches Lexikon Böhmen; Killy. – Zu Albert Mummenhoff: F. Pudor, Nekr. aus d. rhein.-westfäl. Industriegebiet 1939-1951, 1955, S. 18.

  • Portraits

    Gem. v. W. v. Websky, 1957, Abb. in: SZ 224, 1980; Der photographierte Dichter, Marbacher Magazin 51, 1989.

  • Autor

    Rudolf Gnauk
  • Empfohlene Zitierweise

    Gnauk, Rudolf, "Molo, Walter Ritter von" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 7-9 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118734601.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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