Lebensdaten
1890 bis 1977
Geburtsort
Eluisenstein bei Uexküll (Livland)
Sterbeort
Darmstadt
Beruf/Funktion
Romancier ; Essayist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118757075 | OGND | VIAF: 109404632
Namensvarianten
  • Thiess, Theodor Frank
  • Thieß, Frank
  • Thiess, Frank
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Zitierweise

Thiess, Frank, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118757075.html [20.04.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Franz (1851–1939), Ing., Baumeister, seit 1893 in Berlin, S e. Buchhändlers aus Riga;
    M Sophie v. Eschenbach (1849–1921), aus schwed. Fam.;
    2 B Paul (1879?–1932), Pfarrer in Zeuthen b. Berlin, Karl (* 1880), Chemiker in Frankfurt/M. (s. Pogg. VI–VII a), 3 Schw (früh †);
    1) 1915 1920 N. N., 2) 1922 Florence Losey (* 1899), aus St. Paul (Minnesota, USA), Opern-, Lieder- u. Oratoriensängerin, Sopran, Engagements an d. Städt. Bühnen in Hannover u. am Dt. Opernhaus in Charlottenburg b. Berlin, Sopranistin (s. Ill. Musiklex., hg. v. H. Abert, 1927), T d. Carl Behrendt (* um 1870) u. d. Josephine Losey (um 1870–1948), 3) Yvonne de Yugo, aus Frankr.

  • Leben

    T.s Familie, die der dt.-balt. Oberschicht in Livland entstammte, zog 1893 nach Berlin. Nachdem er dort und in Aschersleben das Gymnasium besucht hatte, studierte er seit 1910 an den Universitäten Berlin und Tübingen Germanistik und Philosophie und wurde 1913 in Tübingen bei Hermann v. Fischer (1851–1920) mit einer Arbeit über „Die Stellung der Schwaben zu Goethe“ zum Dr. phil. promoviert. 1915 nach kurzem Einsatz an der Ostfront kriegsdienstuntauglich geschrieben, widmete er sich dem Journalismus und der Schriftstellerei. In den 1920er und 1930er Jahren fanden seine zahlreichen Romane, die meist nuanciert gestaltete Gefühlsverwicklungen thematisieren, eine solche Resonanz, daß T. in Berlin und am Steinhuder Meer als freier Autor leben konnte. Neben den Romanen verfaßte er Novellen und Essays zu kulturellen und weltanschaulichen Fragen, in der NS-Zeit auch mehrere Drehbücher. Beeinflußt von Lebensphilosophie und Reformpädagogik, widmete er den Erfahrungen und Identitätskrisen junger Menschen besondere Aufmerksamkeit, etwa in dem epischen Zyklus „Jugend“ (Der Leibhaftige, 1924; Das Tor zur Welt, 1926; Abschied vom Paradies, 1927; Der Zentaur, 1931).

    Elitäre, geistesaristokratische Vorstellungen und die Ablehnung der Demokratie wie der modernen Massengesellschaft machten T. zum Verfechter einer „konservativen Revolution“ und zum Kritiker der Weimarer Republik, während er zugleich Abstand zur NSDAP wahrte. Nach 1933 blieb T. in Deutschland, vermied offene politische Stellungnahmen und konnte trotz einiger Anfeindungen weiterhin publizieren. Sein Interesse galt nun verstärkt historischen Stoffen. 1936 erzielte er mit „Tsushima“, einem Roman über den russ.-japan. Krieg 1904/05, der dokumentarische Qualitäten mit soldatischem Heldenkult und Geschichtsfatalismus verbindet, seinen größten Erfolg. Ein weiteres Hauptwerk, „Das Reich der Dämonen“ (1941), das ein Jahrtausend antiker Geschichte nachzeichnet, läßt sich aufgrund seiner Schilderung verschiedener Formen von Gewaltherrschaft als verhüllte Kritik am NS-Regime deuten. T.s Verhältnis zum Faschismus im Spannungsfeld von vorsichtiger Distanz und unterschwelliger ideologischer Nähe ist bis heute umstritten.

    Nach Kriegsende polemisierte T., der zunächst in Bremen, dann in Darmstadt lebte, gegen Thomas Mann und andere Exilautoren, während er für sich selbst eine „Innere Emigration“ im Dritten Reich in Anspruch nahm (Thomas Mann, F. T., Walter v. Molo, Ein Streitgespräch über d. äußere u. d. innere Emigration, 1946). Aber trotz fortdauernder reger Publikationstätigkeit, die auch einige apologetisch gefärbte autobiographische Darstellungen einschloß, und einer Reihe von Ehrungen schwand seine Popularität allmählich. Die Rolle eines konservativen Meinungsführers, die T. auch als Vizepräsident der Dt. Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt (1950–52) und als Vizepräsident der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz (1955–64) in der bundesrepublikanischen Öffentlichkeit anstrebte, blieb ihm verwehrt.

  • Auszeichnungen

    A Gr. BVK (1955); Johann-Heinrich-Merck-Ehrenurk. (1955); Silberne Verdienstplakette d. Stadt Darmstadt (1960); Gr. silbernes Ehrenzeichen d. Rep. Österr. (1961); Goethe-Plakette d. Landes Hessen (1968); Konrad-Adenauer-Preis (1968); Andreas-Gryphius-Preis (1975); Mitgl. d. Österr. PEN-Clubs.

  • Werke

    Weitere W Der Tod v. Falern, 1921;
    Angelika ten Swaart, 1923;
    Die Verdammten, 1923;
    Die Zeit ist reif, Reden u. Vortrr., 1932;
    Der Weg zu Isabelle, 1934;
    Neapolitan. Legende, 1942;
    Caruso in Sorrent, 1946;
    Die Straßen d. Labyrinths, 1951;
    Geister werfen keine Schatten, 1955;
    Die griech. Ks., Die Geburt Europas, 1959;
    Sturz nach oben, 1961; Verbrannte Erde, Selbstbiogr., 1963; Freiheit bis Mitternacht, Lebensgesch., 1965; Jahre d. Unheils, Fragmente erlebter Gesch., 1972; – Nachlaß: Hess. Landes- u. Hochschulbibl. Darmstadt.

  • Literatur

    L F. T., Werk u. Dichter, 32 Btrr. z. Problematik unserer Zeit, hg. v. R. Italiaander, 1950 (P);
    F. T. z. 75. Geb.tag, mit Btrr. v. E. Alker, W. Heynen u. H. Zand, 1965 (W, P);
    G. Renner, F. T., Ein „freier“ Schriftst. im NS, in: Buchhandelsgesch. 1990, S. B41–B50;
    U. Knes, F. T., Ein Autor zw. Realität u. Selbststilisierung, in: Lit. d. ‚Inneren Emigration‘ aus Österr., hg. v. J. Holzner u. K. Müller, 1998, S. 47–72;
    E. Schütz, Lebensführer z. Gott-Tier, F. T., Skizze e. nat.revolutionären Erfolgsautors, in: Zs. f. Germanistik NF 8, 1998, S. 65–82;
    Y. Wolf, F. T. u. d. NS, Ein kons. Revolutionär als Dissident, 2003 (W, L);
    Ostdt. Gedenktage 1990, S. 43–46 (P);
    M. Seifert, Berühmte Persönlichkeiten im Ausseerland, 2003, S. 131–42 (P);
    Doppelleben, Literar. Szenen aus Nachkriegsdtld., 2 Bde., Ausst.kat. Lit.haus Berlin, 2009;
    Stadtlex. Darmstadt;
    Hann. Biogr. Lex.;
    Kulturlex. Drittes Reich;
    Kunisch;
    KLL;
    BBKL XI;
    Kosch, Lit.-Lex. 3 (W);
    Killy;
    Munzinger; Lex. Lit. Baltikum

  • Autor/in

    Ulrich Kittstein
  • Empfohlene Zitierweise

    Kittstein, Ulrich, "Thiess, Frank" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 140-141 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118757075.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA