Lebensdaten
1862 bis 1915
Geburtsort
Kandau bei Tukkum (Kurland)
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Psychologe ; Philosoph
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119142139 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Külpe, Oswald
  • Kjulʹpe, O.
  • Kuelpe, Oswald
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Zitierweise

Külpe, Oswald, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119142139.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Joh. Oswald (1812–88), Notar in Frauenburg (Kurland), S d. Joh. Dietrich aus Riga, Gemeindeschreiber im Amt K., u. d. Therese N. N.;
    M Natalie (1833- n. 1897), T d. Drechslermeisters Jakob Wittke in Talsen (Kurland) u. d. Christine Minkelde; 9 Geschw.; ledig.

  • Leben

    Nach dem Abitur 1879 in Libau (Kurland) war K. eineinhalb Jahre als Hauslehrer tätig. 1881 studierte er Geschichte und Philologie in Leipzig, unter dem Einfluß Wilh. Wundts experimentelle Psychologie und Philosophie, nach einem Semester in Berlin (1882/83) zwei Jahre lang experimentelle Psychologie bei G. E. Müller in Göttingen. 1886 legte K. die Lehramtsprüfung für Geschichte in Dorpat ab und kehrte zu Wundt nach Leipzig zurück, wo er mit einer Arbeit „Zur Theorie der sinnlichen Gefühle“ 1887 promoviert wurde und sich ein Jahr später mit „Die Lehre vom Willen in der neueren Philosophie“ habilitierte; 1887-94 war er Assistent an Wundts Institut für experimentelle Psychologie. Im „Grundriß der Psychologie auf experimenteller Grundlage“ (1893) hielt er sich noch weitgehend an Wundts Lehren. Eigenen Forschungsinteressen folgte er, nachdem er 1894 als Nachfolger J. Volkelts auf den Lehrstuhl für Philosophie und Ästhetik nach Würzburg berufen worden war, wo er bis 1909 blieb. 1896 gründete er nach dem Vorbild von Wundt ein Psychologisches Institut (wie später auch in Bonn und München), das sich unter seiner Leitung zur „Würzburger Schule“ entwickelte. Diese erwarb sich durch experimentelle Untersuchungen zur Denkpsychologie internationales Ansehen, wurde aber von seiten der experimentellen Psychologie kritisiert, weil sie die Methode der Introspektion verwendete. Ihre wichtigsten Vertreter waren K. Marbe, N. Ach und K. Bühler. 1909 nahm K. einen Ruf nach Bonn als Nachfolger von B. Erdmann, 1914 als Nachfolger von Th. Lipps nach München an.

    Das Hauptarbeitsgebiet K.s war die Erkenntnistheorie, in der er einen „kritischen Realismus“ vertrat. Außer in einer Reihe von Aufsätzen fand die Beschäftigung mit ihr ihren Niederschlag in seinem Lebenswerk „Die Realisierung, Ein Beitrag zur Grundlegung der Realwissenschaften“ (Bd. 1, 1912, Bd. 2-3 aus d. Nachlaß, hrsg. v. A. Messer, 1920–23). Realität als Grundproblem der Philosophie wird in vier Fragen systematisch erörtert: Ist eine Setzung von Realem zulässig? Wie ist sie möglich? Ist eine Bestimmung (des Wesens) von Realem zulässig? Diese Fragen zielen auf eine kritisch-ontologisch fundierte Theorie der Natur- und Geisteswissenschaften ab. Über die Einzelwissenschaften hinausgehend, wollte K., wie vor ihm Fechner und Wundt, mittels Wahrscheinlichkeitsüberlegungen eine „induktive Metaphysik“ als einheitliche, dem Fortschritt der Wissenschaften entsprechende Weltanschauung aufbauen, die zugleich die ethischen und religiösen Fragen zu beantworten vermöchte.|

  • Auszeichnungen

    Dr. med. h. c. (Gießen 1907); Mitgl. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (ao. 1914, o. 1915).

  • Werke

    Weitere W u. a. Einl. in d. Philos., 1895, 71915;
    Über d. assoziativen Faktor d. ästhet. Eindrucks, in: Vjschr. f. wiss. Philos. 23, 1899, S. 145-83;
    Die Philos. d. Gegenwart in Dtld., 1902, 61914;
    Der gegenwärtige Stand d. experimentellen Ästhetik, in: Ber. üb. d. 2. Kongreß f. experimentelle Psychol., 1907, S. 1-57;
    Immanuel Kant, 1907, 31912;
    Erkenntnistheorie u. Naturwiss., 1910;
    Über d. moderne Psychol. d. Denkens, in: Internat. Mschr. 6, 1912;
    Zur Kategorienlehre, in: SB d. Bayer. Ak. d. Wiss., phil.-hist. Kl., 1915.

  • Literatur

    C. Baeumker, in: Jb. d. Bayer. Ak. d. Wiss., 1916, S. 73-107 (W-Verz.);
    K. Bühler, in: Ll. aus Franken II, 1922, S. 244-55 (W, P);
    M. Grabmann, Der krit. Realismus O. K.s u. d. Standpunkt d. aristotel.-scholast. Philos., in: Philos. Jb. d. Görresges. 29, 1916, S. 333-69;
    R. M. Odgen, O. K. and the Würzburg School, in: American Journal of Psychology 64, 1951, S. 4-19 (P);
    DBJ I (Tl., L);
    Ziegenfuß;
    Überweg IV.

  • Portraits

    Büste v. H. K. Burgeff (Würzburg, Psycholog. Inst. d. Univ.).

  • Autor/in

    Wolfhart Henckmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Henckmann, Wolfhart, "Külpe, Oswald" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 209-210 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119142139.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA