Lebensdaten
1883 bis 1975
Geburtsort
Gunzenhausen (Mittelfranken)
Sterbeort
Prien/Chiemsee
Beruf/Funktion
lutherischer Theologe ; Religionspsychologe ; Bischof von Oldenburg
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118752510 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Stählin, Ernst Wilhelm
  • Stählin, Wilhelm
  • Stählin, Ernst Wilhelm
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Zitierweise

Stählin, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118752510.html [20.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Memminger Zweig d. Fam.;
    V Wilhelm (1831–86, Missionar in Trankebar (Indien), Pfarrer in Reutti/Donau, 1874 zweiter Pfarrer in G., S d. Martin (1781–1855, 1813 Subrektor d. Lateinschule in Memmingen, seit 1821 Pfarrer in Schmähingen b. Nördlingen, 1825 Westheim b. Oettingen, u. d. Ida (Juditha) Brack (1796–1885);
    M Sophie|(1838–1905), T d. Johannes Hauser (1808–63, Bes. d. Doferhofes, seit 1855 Kaufm. u. Fabr. in Augsburg, u. d. Rosine Katherine (1807–61, Kleidermacherin;
    Ov Adolf v. S. (1823–97, Präs. d. bayer. Oberkonsistoriums in München, D. theol. h. c. (Erlangen 1880) (s. ADB 54; Ll. Franken II; BBKL X; Rieser Biogrr.);
    Tante-m Therese (1839–1928, Oberin d. Diakonissenanstalt Neuendettelsau (s. Pantzer/Plößl, Bavarias Töchter, 1997, S. 24–28; BBKL 23); 10 ältere Geschw u. a. Adolf (1863–90, Reg.funktionär, Otto (1868–1949, klass. Philol. (s. Gen. 4; L) ;– 1) Schloß Weiherhaus 1910 Emmy (1886–1945, T d. Gottlieb Rr. v. Thäter (1846–1912, bayer. Gen.major, 2) 1946 Liselotte (1900–76, T d. Robert Künne, Fabr. in Elberfeld, u. d. Adele Hueck;
    2 S aus 1) Rudolf (1911–2006, ⚭ Lieselotte Pfahler, 1917–2001, aus Nürnberg), Dr. theol., Pfarrer, Psychotherapeut, 1947–56 ao. Prof. f. NT u. Alte KGesch. an d. Augustana-Hochschule in Neuendettelsau (s. W), Hans Martin (1923–42 ⚔), 4 T aus 1) Maria (1913–90, ⚭ Helmut Graeber, * 1911, Vikar), Kranken- u. Säuglingspflegerin, kirchl. Gde.helferin, Gertraud (1915–2005, Wilhelm Hörr, 1905–85, Architekt d. Stadtbauamts in Lörrach), Angest. in d. Paramentik d. Elisabethenstiftes in Darmstadt, Hildegart (* 1918, Reinhard Mumm, 1916–86, Dr. theol., Pfarrer in Nürnberg), Sekr., Gutsgärtnerin, Liselotte (* 1922, Wilhelm Schmidt, * 1914, Pfarrer), Germanistin; Ur-Gv d. 1. Ehefrau Friedrich v. Roth (1780–1852, Präs. d. bayer. Oberkonsistoriums in München (s. NDB 22);
    N Adolf (s. 4).

  • Leben

    S. besuchte seit 1881 die Volksschule Jakober Vorstadt und seit 1892 das humanistische Gymnasium St. Anna in Augsburg. 1901–03 studierte er ev. Theologie in Erlangen, danach in Rostock und Berlin. Nach Abschluß des Studiums 1905 war er Pfarrer in Nürnberg, wo Friedrich Rittelmeyer (1872–1938) sein Interesse an der Religionspsychologie weckte. Beobachtungen ekstatischer Frömmigkeitserfahrungen in einer baptistischen Gemeinde während einer Reise nach England 1908 befruchteten S.s religionspsychologische Arbeit. Auf Rittelmeyers Empfehlung kam 1906 ein Kontakt zu dem Würzburger Psychologen Oswald Külpe (1862–1915) zustande. Seit 1909 studierte S. Psychologie in Würzburg, wo er 1913 bei Karl Marbe (1869–1953) zum Dr. phil. promoviert wurde, der seine Dissertation „Zur Psychologie und Statistik der Metaphern, Eine methodologische Untersuchung“ (1913) nach Külpes Weggang betreut hatte.

    S. zählt neben Külpe, Marbe, Karl Bühler, Karl Girgensohn und Werner Gruehn zu jenen Forschern, die die experimentelle Religionspsychologie, angeregt von amerik. Vorbildern, auf dem europ. Kontinent bekannt machten. Um die anfangs fast völlig unabhängig voneinander arbeitenden Religionspsychologen in engere Verbindung zu bringen, gründete er 1914 in Nürnberg die „Gesellschaft für Religionspsychologie“ und gab seit demselben Jahr mit dem Gestaltpsychologen Kurt Koffka (1886–1941) das heute der Internationalen Gesellschaft für Religionspsychologie als Organ dienende „Archiv für Religionspsychologie“ heraus. Damit schuf S. für die Religionspsychologie als wissenschaftliche Disziplin eine institutionelle Basis im dt.sprachigen Bereich.

    1910 wurde S. Pfarrer in Egloffstein. Am 1. Weltkrieg nahm er 1914–16 freiwillig als Feldgeistlicher teil. 1917–26 wirkte er als Gemeindepfarrer an St. Lorenz in Nürnberg. Die Begegnung mit dem Wandervogel 1914 wurde für ihn zu einem prägenden Erlebnis (Vors. d. Gaues Bayern 1918 /19) und bewirkte sein weiteres Engagement in der Jugendbewegung. 1922–32 leitete er den Bund Dt. Jugendvereine (BDJ). S. war neben Hermann Schafft (1883–1959) und Leopold Cordier (1887–1939) einer der bedeutendsten Leiter der bündischen Jugend und wirkte sowohl durch die persönliche Begegnung als auch durch zahlreiche Vorträge und Veröffentlichungen.

    Als Mitbegründer des „Berneuchener Kreises“ 1923 setzte sich S. für eine liturgische und geistliche Erneuerung der Kirche ein. 1926 übernahm er eine Professur für Praktische Theologie in Münster. 1931 gründete er die ev. Michaelsbruderschaft mit. 1934–41 war er Mitglied der Bekennenden Kirche, die er nach theol. Auseinandersetzungen wieder verließ. 1945–52 fungierte er als ev.-luth. Bischof in Oldenburg. Als solcher beteiligte er sich 1946 an der Gründung des „Ökumenischen Arbeitskreises ev. und kath. Theologen“ und engagierte sich in der „Luth. Liturgischen Konferenz“. S. zählte 1949 auch zu den Mitbegründern des Theol. Konvents Augsburg. Bekenntnisses und war durch Radio- und Fernsehpredigten vielen Menschen bekannt. Seine gedruckten Predigthilfen begleiten Pfarrer bis in die Gegenwart bei der Gottesdienstvorbereitung. Seit 1952 lebte S. im Ruhestand in Rimsting/Chiemsee.

    S.s Name ist v. a. durch die von ihm mitgegründeten wissenschaftlichen und religiösen Institutionen dauerhaft gesellschaftlich präsent, im Falle der Religionspsychologie auch international. Eine wissenschaftliche Rezeption seines umfangreichen Werkes steht dagegen bisher noch weitgehend aus. Gerade seine Beiträge zur Religionspsychologie und zur Theorie der Metaphern verdienen größere Aufmerksamkeit.

  • Auszeichnungen

    A EK II. Kl.; bayer. Mil.verdienstorden IV. Kl.; D. theol. h. c. (Kiel 1926); Dr. of Divinity (DD) (Wartburg Theological Seminary in Dubuque, Iowa,|USA, 1958); Ehrenpräs. d. Internat. Ges. f. Rel.psychol. (seit 1963).

  • Werke

    Experimentelle Unterss. über Sprachpsychol. u. Rel.psychol., in: Archiv f. Rel.psychol. 1, 1914, S. 117–93;
    Der neue Lebensstil, Ideale dt. Jugend, 1918;
    Fieber u. Heil in d. Jugendbewegung, 1922;
    Berneuchener Konferenz (Hg.), Das Berneuchener Buch, Vom Anspruch d. Evangeliums auf d. Kirchen d. Reformation, 1926 (Mithg. mit L. Heitmann u. K. B. Ritter);
    Jugend u. Gde., Stud. z. Ev. Jugendkde., 8 Bde., 1927–30 (Mithg. mit H. Frick u. L. Cordier);
    Ev. Jugendführung, Vjschr. f. d. Praxis d. ev. Jugendarb., 1929–33 (Mithg. mit L. Cordier u. H. Schafft);
    Ev. J.briefe (seit 1952 u. d. T. Quatember), 1931–42, 1947–52 (Mithg.);
    Um was geht es b. d. liturg. Erneuerung?, 1950;
    Wie d. christl. Konfessionen voneinander reden sollten, Ein Btr. z. konfessionellen Sprachgebrauch, 1956;
    Via vitae, Lebenserinnerungen, 1968 (P);
    Nachlaß:
    Theol. Fak. d. Univ. Münster;
    Archiv d. Michaelsbruderschaft, Berneuchener Haus, Kloster Kirchberg, Sulz/Neckar;
    Landeskirchl. Archiv, Nürnberg;
    Bibliogr.:
    Rudolf Stählin, in: Kosmos u. Ekklesia (s. L),S. 263–77;
    A. Köberle (Hg.), Symbolon, II. F., Erkenntnisse u. Betrachtungen, 1963, S. 350–61.

  • Literatur

    M. Wahn, in: Die Treue, 1932, S. 121 f.;
    Kosmos u. Ekklesia, FS f. S., hg. v. H.-D. Wendland, 1953 (W);
    A. Köberle, in: Quatember, 1976, S. 67–73;
    ders., W. S. als Ausleger d. Hl. Schr., ebd. 1983, S. 149–55;
    W. Schmidt, Ansprache im Gedenkgottesdienst z. 100. Geb.tag v. W. S., in: Quatember 1983, S. 219–22;
    Otto Stählin, Die Fam. S. aus Memmingen, hg. v. Friedrich Stählin, in: Dt. Fam. archiv 11, 1959;
    E. Schlink u. H. Volk (Hg.), Pro veritate, Ein theol. Dialog, Festgabe f. Ebf. Dr. h. c. Lorenz Jaeger u. Bf. Prof. D. Dr. W. S. DD, 1963 (P);
    D. H. Toboll, Ev. Jugendbewegung 1919–1933, Diss. Bonn 1971;
    E. Nestler, Der Btr. W. S.s z. Jugendbewegung, Diss. Bayreuth 1986 (W, L);
    ders., in: Ch. Henning u. E. Nestler (Hg.), Rel. u. Religiosität zw. Theol. u. Psychol., 1998, S. 263–79;
    H. HülzerVogt, Karl Bühler (1879–1963 u. W. S. (1883–1975, Psychol. Fundamente d. Metapherntheorie im ersten Drittel d. 20. Jh., 1989;
    H. E. Kellner, Das theol. Denken W. S.s, 1991 (W, L);
    U. Schwab, Ev. Jugendarb. in Bayern 1800–1933, 1992;
    M. MeyerBlanck, Leben, Leib u. Liturgie, Die prakt. Theol. W. S.s, 1994 (W, L);
    B. v. Plato, Anthroposophie im 20. Jh., 2003 (P);
    BBKL X (W, L);
    LThK3;
    RGG2–4;
    Kosch, Lit.-Lex.3 (W, L);
    Stadtlex. Nürnberg;
    Lex. d. Konservatismus (W, L);
    Biogr. Hdb. Oldenburg (P);
    Munzinger.

  • Autor/in

    Erich Nestler
  • Empfohlene Zitierweise

    Nestler, Erich, "Stählin, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 24-26 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118752510.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA