Lebensdaten
1882 bis 1936
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Philosoph
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118608193 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schlick, Friedrich Albert Moritz

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Zitierweise

Schlick, Moritz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/gnd118608193.html [19.11.2017].

CC0

  • Genealogie

    V Albert (1846–1918), Kaufm., Fabr. in B., S d. Friedrich (1817–77), aus Sankt Andreasberg (Harz), Kaufm., Fabr. in B., u. d. Luise Wichard (1818–57), aus Melle;
    M Agnes (1849–1915), aus Ranzow (Rügen), T d. Karl Friedrich Arndt (1802–68), aus Ranzow (Rügen), Landwirt, u. d. Juliane Wilhelmine Krohss (1811–61), aus Bisdamitz (Rügen);
    Ashburnham (Massachusetts, USA) 1907 Blanche Guy (1879-1964), aus Moultonville (New Hampshire, USA), Dt.lehrerin, T d. George Henry Hardy (1849–1920), aus Brookline (New Hampshire, USA), Pfarrer, Hist., u. d. Frances Emma Guy (1852–1917), aus Middletown (Ct., USA); 1|S Albert (1909–99), Elektroing., 1 T Barbara van de Velde-Schlick (1914–88, s. W);
    E Hardy (* 1948), Kunstlehrer in Chicago, George Moritz Hendrik van de Velde-Schlick (* 1939), Univ.doz. f. Chemie in Enschede (Niederlande), Elisabeth Blanche Barbara van der Wolk (* 1947), in Medan (Indonesien), Monika Clibourn (* 1952), Innenarchitektin in Boxford (Mass., USA).

  • Leben

    Nach dem Schulbesuch in Berlin (Abitur 1900) studierte S. Physik in Heidelberg, Lausanne und Berlin, wo er 1904 bei Max Planck mit der Arbeit „Über die Reflexion des Lichtes in einer inhomogenen Schicht“ zum Dr. phil. promoviert wurde. Nach kurzen Aufenthalten in Göttingen und Heidelberg ging er Ende 1907 nach Zürich, studierte zwei Semester lang Psychologie und verfaßte sein erstes philosophisches Buch (Lebensweisheit, Versuch e. Glückseligkeitslehre, 1908). Wichtige Impulse für seine späteren erkenntnis- und wissenschaftstheoretischen Ansichten empfing er von dem Psychologen und Philosophen Gustav Störring (1860–1946). Nach kurzem Aufenthalt in Berlin (1910) habilitierte sich S. 1911 an der Univ. Rostock mit der Schrift „Das Wesen der Wahrheit nach der modernen Logik“. Anschließend war er als Privatdozent tätig und leistete | Kriegsdienst. 1917 folgte die Ernennung zum ao. Professor (mit Lehrauftrag f. Ethik u. Naturphilos.). Im selben Jahr erschien S.s Beitrag „Raum und Zeit in der gegenwärtigen Physik“ (41922; engl., frz., ital., span. Übers.), in welchem er die Relativitätstheorie Albert Einsteins (1879–1955) einer fundierten (auch von Einstein hochgeschätzten) philosophischen Analyse unterzog. 1918 brachte S. sein philosophisches Hauptwerk, die „Allgemeine Erkenntnislehre“ heraus (2., veränderte Aufl. 1925, Neuausg. 1979; engl.| Übers.), in dem er ein sowohl zeichentheoretisch als auch anti-intuitionistisch ausgerichtetes Konzept von Wirklichkeitserkenntnis begründete, das in der Tradition des u. a. von Alois Riehl (1844–1924) und Oswald Külpe (1862–1915) vertretenen „kritischen Realismus“ steht, von S. in späteren Jahren aber z. T. wieder aufgegeben wurde. 1921 folgte S. einem Ruf als o. Professor an die Univ. Kiel, 1922 wechselte er nach Vermittlung durch den Mathematiker Hans Hahn (1879–1934) nach Wien auf den Lehrstuhl für „Philosophie der induktiven Wissenschaften“. Hier organisierte S. seit 1924 einen regelmäßigen Diskussionszirkel, der als „Wiener Kreis“ in die Philosophiegeschichte einging. Nach ersten Briefen (1924) schloß er 1927 engere Bekanntschaft mit Ludwig Wittgenstein (1889–1951), der die Ansichten S.s und anderer Mitglieder des Kreises maßgeblich beeinflußte. In den Folgejahren veröffentlichte er eine Reihe von Aufsätzen und seine „Fragen der Ethik“ (1930, Neuausg. 1984, 22002, hg. u. eingel. v. R. Hegselmann; engl., ital. Übers.), in denen er die für den Wiener Kreis charakteristische Position des logischen Empirismus bezog. Neben seiner umfangreichen Forschungs- und Lehrtätigkeit war S. in der Volksbildung engagiert, Mitglied der „Ethischen Gesellschaft“ und Vorsitzender des „Vereins Ernst Mach“. Gastprofessuren führten ihn in die USA (1929 Stanford, 1931/32 Berkeley) und nach Großbritannien (1932 London). 1936 wurde er in der Wiener Universität von einem ehemaligen Studenten erschossen.

    S. gilt neben Rudolf Carnap (1891–1970) und Hans Reichenbach (1891–1953) als wichtigster Repräsentant des logischen Empirismus. In der jüngeren Forschung zu S. haben sich zwei Schwerpunkte herauskristallisiert: einerseits die Frage nach dem erkenntnis- und wissenschaftstheoretischen Status seiner Deutung der Einsteinschen Relativitätstheorie, v. a. in Abgrenzung zum Positivismus und Neukantianismus; andererseits seine Rolle in der sog. Protokollsatz-Debatte, die innerhalb des Wiener Kreises zwischen S., Carnap und Otto Neurath (1882–1945) geführt wurde. Dagegen wird S.s Ethik in der Forschung eher marginal behandelt; auch sein Nachlaß ist noch über weite Strecken unerforscht. Als S.s wichtigster Schüler gilt Herbert Feigl (1902–88), der insbesondere in den USA die Tradition des Wiener Kreises bekannt gemacht und z. T. auch fortgeführt hat.

  • Werke

    Weitere W Die Grenze d. naturwiss. u. phil. Begriffsbildung, in: Vj.schr. f. wiss. Philos. u. Psychol. 34, 1910, S. 121-42;
    Die phil. Bedeutung d. Relativitätsprinzips, in: Zs. f. Philos. u. phil. Kritik 159, 1915, S. 129-75;
    Naturphil. Betrachtungen über d. Kausalprinzip, in: Die Naturwiss. 8, 1920, S. 461-74;
    Naturphilos.,. in: Max Dessoir (Hg.), Die Philos. in ihren Einzelgebieten, 1925, S. 393-492;
    Ges. Aufss. 1926-1936, Vorwort v. F. Waismann, 1938;
    Meaning and Verification, in: The Philosophical Review 45, 1936, S. 339-69;
    Gmndzüge d. Naturphilos., hg. v. W. Hollitscher u. J. Rauscher, 1948, engl. Übers.;
    Natur u. Kultur, hg. v. J. Rauscher, 1952;
    Philosophical Papers, 2 Bde., hg. v. H. L. Mulder u. Barbara van de Velde-Schlick, 1979; – Mithg.:
    Schrr. z. wiss. Weltauffassung, 1929-37; – Bibliogr.:
    F. Stadler, The Vienna Circle, Studies in the Origins, Development, and Influence of Logical Empiricism, 2001, S. 723-26 (P;
    Dok. z. Ermordung S.s, S. 866-909);
    |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Wiener Kreis-Archiv/Vienna Circle Foundation, Amsterdam/Haarlem; – Krit. Ges.ausg. d. Schrr. u. Briefe M. S.s, hg. v. F. Stadler u. H. J. Wendel (in Vorbereitung).

  • Literatur

    H. Feigl, in: Erkenntnis 7, 1937/38, S. 393-419;
    E. T. Gadol (Hg.), Rationality and Science, A Memorial Volume for M. S., 1982 (P);
    R. Haller (Hg.), S. u. Neurath, Ein Symposion, 1982;
    D. Howard, Realism and Conventionalism in Einstein's Philosophy of Science, The Einstein-S. Corr., in: Philosophia Naturalis 21, 1984, S. 616-29;
    B. McGuinness (Hg.), Zurück zu S., Eine Neubewertung v. Werk u. Wirkung, 1985 (P);
    Th. Ryckman, Conditio sine qua non? Zuordnung in the early epistemologies of Cassirer and S., in: Synthese 88, 1991, S. 57-95;
    D. Bell u. W. Vossenkuhl, Wiss. u. Subjektivität/Science and subjeetivity, Der Wiener Kreis u. d. Philos. d. 20. Jh., 1992;
    J. Lewis Turner, Conceptual Knowledge and Intuitive Experience, S.s Dilemma, in: R. N. Giere u. a. (Hg.), Origins of Logical Empiricism, 1996, S. 292-308;
    M. Friedman, M. S.s Philosophical Papers, in: ders., Reconsidering Logical Positivism, 1999, S. 17-43;
    B. Gower, Cassirer, S. and „Structural“ Realism, The Philosophy of the Exact Sciences in the Background to Early Logical Positivism, in: British Journal for the Hist. of Philosophy 8, 2000, S. 71-106;
    M. Ferrari, An Unknown Side of M. S.s Intellectual Biogr., The Reviews for the „Vj.schr. f. wiss. Philos. u. Soziol.“ (1911-1916), in: F. Stadler (Hg.), The Vienna Circle and Logical Empiricism, Re-evaluation and Future Perspectives, 2003, S. 63-77;
    Wi. 1935;
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    Killy;
    Hdb. österr. Autoren jüd. Herkunft;
    BBKL;
    Metzler Philosophenlex. (P);
    NÖB 19 (P);
    ÖBL;
    Killy;
    Hist. Lex. Wien (P);
    Pogg. VI, VII a.

  • Autor

    Matthias Neuber
  • Empfohlene Zitierweise

    Neuber, Matthias, "Schlick, Moritz" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 78-80 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118608193.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

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