Lebensdaten
1876 bis 1960
Geburtsort
Guben (Mark Brandenburg)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Politiker
Konfession
evangelisch?
Normdaten
GND: 118594273 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Pieck, Wilhelm Friedrich Reinhold
  • Pieck, Wilhelm
  • Pieck, Wilhelm Friedrich Reinhold
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Zitierweise

Pieck, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118594273.html [21.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich (1850–1931), Kutscher in G.;
    M Auguste Mixdorf ( 1878), Wäscherin;
    Stief-M Wilhelmine Bahro ( 1929);
    Bremen 1898 Christine (1870–1936), Schneiderin, T d. Zigarrenmachers Johann Christian Häfker in Bremen;
    1 S Arthur (1899–1970), 1961-65 stellv. Min. f. Verkehr d. DDR, Gen.dir. d. Interflug (s. BHdE I; Biogr. Hdb. SBZ/DDR), 2 T Elly (1898–1987), Leiterin d. W.-P.-Archivs (s. BHdE I; Biogr. Hdb. SBZ/DDR), Eleonore (1906–98, 1945-55 Richard Staimer, 1907–82, stellv. Min. f. Verkehr d. DDR, s. BHdE I; Biogr. Hdb. SBZ/DDR), 1953-57 stellv. Min. f. Außer- u. Innerdt. Handel d. DDR, Botschafterin in Jugoslawien (s. BHdE I; Biogr. Hdb. SBZ/DDR).

  • Leben

    Nach einer Tischlerlehre 1890-94 in seiner Vaterstadt ging P. auf Wanderschaft. 1894 wurde er Mitglied der Gewerkschaft, im folgenden Jahr der SPD. 1896-1910 in Bremen, anschließend in Berlin wohnhaft, arbeitete er bis 1906 als Tischler, danach hauptamtlich als Parteisekretär. 1910-14 unterhielt er als Sekretär des SPD-Bildungsausschusses enge Verbindungen zu Friedrich Ebert. Bei Kriegsausbruch schloß sich P. als Kriegsgegner der Gruppe Internationale, der späteren Spartakusgruppe an, weshalb er vom SPD-Parteivorstand seines Postens enthoben wurde. Von Mai bis Okt. 1915 inhaftiert, wurde P. anschließend zum Militär eingezogen und kam 1916 an die Front. Nach einem Lazarettaufenthalt 1917 desertierte er und flüchtete im Februar 1918 nach Holland. Im Oktober 1918 kehrte er nach Berlin zurück und wurde enger Mitarbeiter Karl Liebknechts.

    Vom Gründungsparteitag der KPD wurde P. Ende 1918 in die Parteizentrale gewählt. Hier konnte er sich bis 1933 halten, weil er sich (eher dem rechten Parteiflügel zugehörig) immer der jeweiligen Führung anpaßte, was ihm den Ruf eines Opportunisten eintrug. 1921-28 und seit 1932 war er Abgeordneter des Preuß. Landtags, 1928-33 auch des Deutschen Reichstags. In der KPD arbeitete P. bis 1924 im zentralen Organisationsbüro. 1926-29 leitete er den stärksten KPD-Bezirk Berlin-Brandenburg. Er wurde nach dem ultralinken Kurswechsel 1929 von Walter Ulbricht abgelöst, nicht zuletzt weil er bei der vorübergehenden Absetzung des KPD-Führers Ernst Thälmann („Wittorf-Affäre“) keine klare Position bezogen hatte. Von Nov. 1930 bis Mai 1932 vertrat P. die KPD bei der Kominternführung in Moskau. Der VI. Kongreß der Komintern 1928 hatte ihn zum Mitglied des Führungsorgans EKKI gewählt, in dessen Präsidium er 1931 gelangte. Im Mai 1932 kehrte P. nach Berlin zurück, wo er als „Kandidat“ des Sekretariats des ZK der KPD in deren Führung berufen wurde. Inzwischen hatte er sich völlig der Politik Stalins unterworfen. Ein Blatt der kommunistischen Opposition bemängelte damals: „Der Generalsekretär P. von 1932 ist nicht der Revolutionär von 1918 und 1920, sondern ein ausgestopfter Papagei.“

    Im Mai 1933 emigrierte P. nach Paris, wo er bis Januar 1935 blieb. Im Politbüro gehörte er mit Ulbricht zunächst der Minderheit an, die eine Änderung des ultralinken Kurses der KPD forderte. Nachdem der VII. Weltkongreß der Komintern 1935 die neue Linie der „Einheits- und Volksfront“ festgelegt hatte, wurde P. als Nachfolger des in Deutschland inhaftierten Thälmann zum Parteivorsitzenden gewählt. In Moskau war er während der blutigen Stalinschen „Säuberungen“, der zwei Drittel der emigrierten deutschen Kommunisten zum Opfer fielen, Mitglied der KPD-Führung. 1943 wurde er Mitbegründer des „Nationalkomitees Freies Deutschland“. Der Auflösungsbeschluß der Komintern im Mai 1943 trug auch P.s Unterschrift. 1944/45 beriet er in Moskau über den Wiederaufbau der KPD nach dem Krieg und die Möglichkeit der Regierungsübernahme nach der „Vernichtung“ der Sozialdemokratie.

    Am 1.7.1945 kehrte P. nach Berlin zurück. Hier war inzwischen durch Ulbricht – mit Billigung und Unterstützung der Sowjet. Besatzungsmacht (SMAD) – die KPD gegründet worden. Als KPD-Vorsitzender verstand es P. mit seiner verbindlichen Art gegenüber den Führern der anderen Parteien (SPD, CDU, LDP), die Kommunisten koalitionsfähig zu machen. Es gelang ihm, vor allem Otto Grotewohl vom Zentralausschuß der SPD zu beeindrucken. Offensiv vertrat P. die neue strategische Linie der KPD, in Deutschland ein parlamentarisches, demokratisches Regime aufzubauen („antifaschistisch-demokratische Ordnung“) und die stalinistische Zielsetzung zunächst zu verbergen. So vermochte die KPD mit Betrug und Zwang (Einschaltung der SMAD gegen sozialdemokratische Gegner der „Einheitspartei“) im April 1946 in der SBZ die SPD in die SED einzuschmelzen. P. wurde Vorsitzender der SED (neben Grotewohl) und Mitglied des Zentralsekretariats bzw. seit 1949 des Politbüros. Obwohl er an mehreren Verhandlungen der SED mit Stalin teilnahm, ging P.s Einfluß zunehmend zurück. Am 11.10.1949 wählte ihn die Provisorische Volkskammer zum ersten Präsidenten der neugegründeten DDR und schob ihn damit auf einen eher repräsentativen Posten ab. Mit seinem jovialen Auftreten entsprach der 73jährige dem erwünschten Typus eines „Landesvaters“. An der politischen Weichenstellung in der SED und der DDR war er kaum noch beteiligt, die politischen Ziele wurden immer eindeutiger von Ulbricht bestimmt. In seinen letzten Lebensjahren konnte P. wegen schwerer Krankheit seine Amtspflichten nicht mehr wahrnehmen. Nach seinem Tod 1960 wurde das Amt des Präsidenten abgeschafft und durch den Staatsrat ersetzt.

  • Werke

    Reden u. Aufss., 4 Bde. 1954-56;
    Ges. Reden u. Schrr., 6 Bde., 1959-79;
    Aufzeichnungen z. Dtld.pol. 1945-1953, hg. v. R. Badstübner u. W. Loth, 1994 (P).

  • Literatur

    F. Erpenbeck, W. P. Ein Lb., 1956;
    H. Voßke, W. P., 1876-1960, Bilder u. Dok. aus seinem Leben, 1975 (P);
    H. Voßke u. G. Nitzsche, W. P., 1975;
    A. Malycha, Die SED, 2000 (hierzu M. Wilke, in: SZ v. 28.8.2000, P);
    Brem. Biogr., 1969;
    H. Weber, Die Wandlung d. dt. Kommunismus, II, 1909, S. 245-47 (P);
    Gesch. d. dt. Arbeiterbewegung, Biogr. Lex., 1970;
    BHdE I;
    Schumacher, M. d. R.;
    Biogr. Hdb. SBZ/DDR. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: SAPMOBA Berlin-Lichterfelde (NY 4036).

  • Autor/in

    Hermann Weber
  • Empfohlene Zitierweise

    Weber, Hermann, "Pieck, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 421-422 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118594273.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA