Lebensdaten
1895 – 1998
Geburtsort
Heidelberg
Sterbeort
Riedlingen (Württemberg)
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; Offizier ; Philosoph ; Entomologe
Konfession
evangelisch-lutherisch,seit 26.9.1996 römisch-katholisch
Normdaten
GND: 118558587 | OGND | VIAF: 12310323
Namensvarianten
  • Jünger, Ernst
  • Jünger, Ernst
  • En si te Yun ge er
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Zitierweise

Jünger, Ernst, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118558587.html [24.05.2024].

CC0

  • Ernst Jünger machte sich in den 1920er Jahren einen Namen als Verfasser von Kriegsbüchern und politischen Schriften nationalistischer Ausrichtung. Vom Nationalsozialismus distanzierte er sich vor und nach 1933 öffentlich. Seit 1929 entstand ein umfangreiches Werk aus zeitgeschichtlichen Essays, Erzählungen und Romanen sowie Tagebüchern und Reiseberichten, das bis heute internationale Beachtung und Anerkennung findet.

    Lebensdaten

    Geboren am 29. März 1895 in Heidelberg
    Gestorben am 17. Februar 1998 in Riedlingen (Württemberg)
    Grabstätte Friedhof Wilflingen in Wilflingen (Württemberg)
    Konfession evangelisch-lutherisch; seit 26.9.1996 römisch-katholisch
    Ernst Jünger, BSB / Bildarchiv / Fotoarchiv Timpe (InC)
    Ernst Jünger, BSB / Bildarchiv / Fotoarchiv Timpe (InC)
  • Lebenslauf

    29. März 1895 - Heidelberg

    1901 - 1905 - Hannover

    Schulbesuch

    Lyceum II (heute Goethe-Gymnasium)

    1905 - 1905 - Schwarzenberg; Schneeberg (beide Erzgebirge)

    Übersiedlung der Familie; mehrfacher Schulwechsel

    1905 - 1907 - Hannover; Braunschweig

    Übersiedlung der Familie nach Hannover; Schulbesuch

    Internate

    1907 - 1911 - Wunstorf

    Übersiedlung der Familie nach Rehburg am Steinhuder Meer; Schulbesuch

    Scharnhorst-Realschule

    September 1909 - Oktober 1909 - Buironfosse bei Saint-Quentin (Département Aisne, Frankreich)

    Austauschschüler

    1911 - Wunstorf

    Mitglied

    Wandervogel

    1912 - Hameln

    Schulbesuch; einjährig-freiwillige Schulprüfung

    Reformschule (Gymnasium und Oberrealschule)

    1913 - Verdun; Marseille; Sidi-bel-Abbès (Algerien); Hannover

    Flucht in die Fremdenlegion; Rückführung

    1914 - Hannover

    Schulbesuch (Abschluss: Kriegsabitur nach Meldung als Kriegsfreiwilliger); Grundausbildung

    Gildemeisters Institut; Hannoversch’sches Füsilier-Regiment 73; Oberrealschule an der Lutherkirche; Bultkaserne

    27.12.1914 - 1918 - Champagne; Nordfrankreich

    Kriegsdienst; vierzehnmalige Verwundung (zuletzt Leutnant)

    Deutsches Heer

    1919 - 21.8.1923 - Hannover; Berlin

    Militärdienst

    Reichswehr

    Oktober 1923 - 1927 - Leipzig

    Studium der Zoologie (ohne Abschluss); freier Publizist

    Universität; (Die) Standarte. Zeitschrift des neuen Nationalsozialismus; Arminius; Widerstand. Zeitschrift für nationalrevolutionäre Politik; Der Vormarsch. Blätter der nationalistischen Jugend; Die Kommenden. Unabhängige Zeitschrift für freies Geistesleben

    Februar 1925 - April 1925 - Neapel

    Auslandsstudium

    Universität

    1927 - 1933 - Berlin

    Übersiedlung; freier politischer Publizist

    Deutsches Volkstum. Monatsschrift für das deutsche Geistesleben; Widerstand. Zeitschrift für nationalrevolutionäre Politik

    1931 - 1933 - Sizilien; Balearen; Dalmatien

    letzte Zeitschriftenartikel; Reisen

    1933 - Berlin

    Ablehnung eines Reichstagsmandats für die NSDAP und der Wahl in die nationale Dichterakademie

    Dezember 1933 - Goslar

    Übersiedlung

    Juli 1935 - August 1935 - Norwegen

    Reise

    Oktober 1936 - Dezember 1936 - Brasilien

    Reise

    Dezember 1936 - Überlingen am Bodensee

    Übersiedlung

    1937 - Paris

    Reise; Treffen u. a. mit Joseph Breitbach (1903–1980)

    1938 - Rhodos

    Reise

    1939 - Kirchhorst bei Hannover; Westfront

    Übersiedlung; Ablehnung eines angebotenen diplomatisch-journalistischen Auslandspostens; 30.8.1939 Einberufung als Hauptmann; seit November 1939 Kriegsdienst

    1941 - 1944 - Paris

    Kriegsdienst

    Wachregiment Paris; seit 1.7.1941 Kommandostab des Oberbefehlshabers, zuständig u. a. für Postzensur

    15.10.1942 - 9.1.1943 - Ostfront

    Sondierungsreise

    13.8.1944 - 27.10.1945 - Paris; Kirchhorst

    Abzug aus Paris; Freistellung nach Kirchhorst; Entlassung aus dem Heeresdienst

    1948 - Ravensburg (Württemberg)

    Übersiedlung

    Juli 1950 - 1998 - Wilflingen (Württemberg); Mittelmeer; Frankreich; USA; Zentralafrika; Ostasien

    Übersiedlung in das Stauffenberg’sche Schloss, im Frühjahr 1951 in die Oberförsterei; zahlreiche Reisen

    22.9.1984 - Verdun

    Teilnehmer an der deutsch-französischen Versöhnungsfeier mit Bundeskanzler Helmut Kohl (1930–2017) und Staatspräsident François Mitterrand (1916–1996)

    21.11.1984 - Paris

    Frühstück mit Mitterrand

    17. Februar 1998 - Riedlingen (Württemberg)
  • Genealogie

    Vater Ernst Georg Jünger 1868–1943 evangelisch-lutherisch; Dr. phil.; Chemiker; Besitzer von Apotheken in Schwarzenberg (Erzgebirge), seit 1907 in Rehburg (Steinhuder Meer) und nach 1918 in Leisnig (Sachsen)
    Großvater väterlicherseits Christian Jakob Friedrich (Fritz) Clamor Jünger 1840–1903 aus Hannover; Gymnasiallehrer in Bramsche bei Osnabrück, Vegesack bei Bremen und am Lyceum II (später Goethe-Gymnasium) in Hannover
    Großmutter väterlicherseits Anna Hermine Margarete Jünger, geb. Wolters 1839–ca. 1920 Tochter eines Gastwirts
    Mutter Karoline (Lily) Jünger, geb. Lampl 1873–20.12. 1950 aus München; römisch-katholisch
    Bruder Friedrich Georg Jünger 1.9.1898–20.7.1977 Jurist und Schriftsteller, zuletzt in Überlingen am Bodensee
    Schwester Johanna Hermine Deventer-Jünger , geb. Jünger 1899–1984
    Bruder Hans Otto Jünger 1907–1976 Physiker; gest. in Leisnig
    Bruder Wolfgang Jünger 1908–1975 Mathematiker
    1. Heirat 3. 8.1925 in Leipzig
    Ehefrau Lidy Toni Margarete (Gretha) Anni Jünger, geb. von Jeinssen 14.3.1906–20.11.1960 Schriftstellerin
    Sohn Ernst (Ernstel) Jünger 1926–29.11.1944 1944 wegen abfälliger Äußerungen über Hitler verhaftet; nach der Haftentlassung und zum Kriegsdienst einberufen; gefallen bei Carrara (Italien)
    Sohn Carl Alexander Jünger 1934–1993 Dr. med.; Arzt; Suizid; verh. mit Mechthild Jünger, geb. Beyerle, Dr. med., Ärztin in Berlin
    2. Heirat 3.3.1962 in Heiligkreuztal
    Ehefrau Liselotte Jünger, verw. Lohrer, geb. Bäuerle 20.5.1917–31.8.2010 Dr. phil.; Germanistin, Archivarin am Deutschen Literaturarchiv, Marbach am Neckar; in 1. Ehe verh. mit Wolf Lohrer (gest. 1941), als Soldat im Zweiten Weltkrieg gefallen
    Diese Grafik wurde automatisch erzeugt und bietet nur einen Ausschnitt der Angaben zur Genealogie.

    Jünger, Ernst (1895 – 1998)

  • Biografie

    alternativer text
    Ernst Jünger, Imago Images (InC)

    Schule, Fremdenlegion, Krieg

    Wegen mangelhafter Leistungen musste Jünger mehrfach die Schulen und Internate wechseln. Im Herbst 1913 setzte er sich nach Frankreich ab und verpflichtete sich bei der Fremdenlegion, um in Afrika ein Leben als Abenteurer und Großwildjäger zu führen. Mit diplomatischer Hilfe vom Vater ausgelöst und nach Hannover zurückgeführt, meldete sich Jünger am 1. August 1914 beim Hannover’schen Füsilierregiment Nr. 73 als Kriegsfreiwilliger und erhielt am 21. August das Kriegsabitur. Nach der Grundausbildung wurde er am 27. Dezember 1914 an die Westfront verlegt, wo er bis zu seiner letzten Verwundung am 25. August 1918 Dienst leistete. Jünger stieg rasch zum Leutnant und Kompanieführer auf und wurde als Patrouillen- und Stoßtruppführer mehrfach hoch dekoriert, zuletzt mit dem Orden Pour le Mérite als einer von nur elf Infanteristen überhaupt.

    Dem bis zuletzt kriegsüberzeugten Jünger machten die deutsche Niederlage und die revolutionären Nachkriegswirren psychisch zu schaffen, weswegen er auf Anraten seines Vater seine 14 Tagebuchhefte, in denen er seinen Kriegsdienst detailliert dokumentiert hatte, in ein Erinnerungsbuch überführte: „In Stahlgewittern. Aus dem Tagebuch eines Stoßtruppführers“ erschien im Oktober 1920 und erlangte im folgenden Jahrzehnt aufgrund seiner eindringlichen, präzisen und trotz einer Vielzahl ästhetisierender Metaphern schonungslosen Darstellung des Geschehens an der Front im In- und Ausland den Ruf eines der eindrucksvollsten und aufschlussreichsten Kriegsbücher. Wegen seiner heroisierenden Tendenz wurde es einerseits von Kritikern als kriegstreiberisch verurteilt; andererseits attestierten ihm Leser – darunter Erich Maria Remarque (1898–1970), der sich für seinen kriegskritischen Roman „Im Westen nichts Neues“ (1928/29) an Jüngers Kriegsdarstellung geschult hatte – den „Stahlgewittern“ 1929 eine „pazifistische“ Wirkung. Das Auseinanderdriften der Urteile wurde charakteristisch für die Rezeption fast aller weiteren Bücher Jüngers und resultierte aus einer oft provokativ vorgetragenen Weltsicht, die mit den Axiomen eines dezidiert humanitären, sozialen und demokratischen Denkens kollidierte. Der dritten „Fassung“ der „Stahlgewitter“, die 1923 im Krisenjahr der Weimarer Republik entstand und 1924 erschien, fügte der bis dahin unpolitische Jünger nationalistische Parolen an, die er bei einer weiteren Überarbeitung 1933 für die vierte „Fassung“ 1934 wieder tilgte, um die Nutzbarmachung des Buchs für die nationalsozialistische Ideologie zu reduzieren: ein Vorgang, der symptomatisch für Jüngers politische Entwicklung war.

    Politische Publizistik und Verhältnis zum Nationalsozialismus

    Nachdem Jünger 1923 aus der Reichswehr ausgeschieden war und sich an der Universität Leipzig als Student der Zoologie eingeschrieben hatte, entfaltete er – an einem regulären Studium und Abschluss nicht interessiert – eine rege politische Publizistik, die ihn zum Exponenten einer diffusen Gruppe politisch agierender Frontsoldaten werden ließ. Obwohl er in seiner Ablehnung der Weimarer Republik und im Verlangen nach einem „sozialen“, „wehrhaften“ und „autoritativ gegliederten“ Staat (Jünger, in: Standarte v. 3.6.1926) mit nationalsozialistischen Ideologemen übereinstimmte, distanzierte er sich in der Frage des politischen Vorgehens um 1929/30 vom Kurs der NSDAP. Im Kreis um Jünger galt Adolf Hitler (1889–1945) – nach einem Wort von Ernst Niekisch (1889–1967) – als „Verhängnis“ für Deutschland.

    Jüngers Zeit- und Epochendiagnose „Der Arbeiter. Herrschaft und Gestalt“ (1932) war daher auch keine „Magna Charta des Dritten Reichs“, wie u. a. von Lothar Baier (1942–2004) behauptet, sondern eine Mobilisierungsschrift im Sinne der „heroischen Moderne“ (Heinz Dieter Kittsteiner), die mit rigorosen kollektiven Mitteln auf die technische Perfektionierung und Nutzung der Welt zugunsten eines allgemeinen Wohlstands abzielte. Diesem Ziel widersprach Jüngers Bruder Friedrich Georg Jünger (1898–1977) 1939 mit seinem technik- und wirtschaftskritischen Buch „Die Perfektion der Technik“ (publiziert 1946), das Ernst Jünger auf einen ökologischen Kurs brachte; in den Tagebüchern der folgenden Jahre und Jahrzehnte, in „Strahlungen“ (1949) und „Siebzig verweht“ (5 Bde., 1980–1997) spielt der Umgang des Menschen mit der Natur eine große Rolle. In seinen Werken aus der NS-Zeit vor Kriegsbeginn, der zweiten „Fassung“ des „Abenteuerlichen Herzens“ (1938) und zumal der Erzählung „Auf den Marmorklippen“ (1939), bekundete er in mutiger Form seinen Dissens zum Regime; allerdings nahm er 1938 auch von dem an ihn herangetragenen Ansinnen Abstand, sich einer Widerstandsorganisation anzuschließen.

    Jünger entzog sich allen Vereinnahmungsversuchen des NS-Regimes, so auch im Frühjahr 1939 dem Angebot von Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop (1893–1946), ihn für einen diplomatisch-journalistischen Posten im Ausland zu gewinnen. Er verlagerte seinen Wohnsitz im Dezember 1933 aus Berlin in das abgelegene Goslar und im Dezember 1936 nach Überlingen am Bodensee.

    Im Zweiten Weltkrieg: Besatzungsoffizier in Paris

    Im April 1939 übersiedelte er nach Kirchhorst bei Hannover, um für den Kriegsfall im Zuständigkeitsbereich seines alten Regiments zu sein. Am 30. August wurde Jünger als Hauptmann einberufen und im November 1939 an den Westwall kommandiert. Im Juni/Juli 1940 nahm er am Vormarsch Richtung Paris teil, vom 1. Juli bis zum 13. August 1944 gehörte er dem Stab des Militärbefehlshabers Frankreich mit Sitz in Paris an.

    Seine Stellung erlaubte es Jünger, Kontakte zu französischen Intellektuellen und Künstlern zu pflegen, u. a. zu Louis-Ferdinand Céline (1894–1961), Jean Cocteau (1889–1963), Sascha Guitry (1885–1957), Henry de Montherlant (1895–1972), Paul Morand (1888–1976), Pierre Drieu la Rochelle (1893–1945), Georges Braque (1882–1963) und Pablo Picasso (1881–1973); vermutlich unterhielt er auch Beziehungen zur Résistance. Die Tagebuchaufzeichnungen aus dieser Zeit, die 1949 u. d. T. „Strahlungen“ publiziert wurden, sind ein bedrückendes, weltweit beachtetes und wiederum sehr unterschiedlich beurteiltes Dokument des Lebens und Überlebens in einem politischen und ethischen Ausnahmezustand. In den ihnen zugehörigen „Kaukasischen Aufzeichnungen“ über eine von Oktober 1942 bis Januar 1943 unternommene Erkundungsfahrt an die Ostfront äußern sich Empörung und Scham über die dort verübten Massenmorde. In den „Strahlungen“ sprach Jünger von einem Verbrechen, das vom gegenwärtigen Menschengeschlecht nicht wieder gesühnt werden könne.

    Umstrittener Autor der Nachkriegszeit

    Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Jünger von der britischen Besatzungsmacht mit Publikationsverbot belegt, das nach seiner Übersiedlung von Kirchhorst in das von Frankreich besetzte württembergische Ravensburg 1948 aufgehoben wurde. 1949 erschien neben „Strahlungen“ der Roman „Heliopolis“, ein theologisch grundiertes Werk, das die Zeit des Staatsterrors und der Judenverfolgung (im Roman sind es Parsen) reflektiert. Wurde das Buch beim Erscheinen mit Thomas Manns (1875–1955) „Doktor Faustus“ (1947) gleichgestellt, so nahm die Kritik an Jünger allmählich zu. Sie entzündete sich an seinen Kriegsbüchern und politischen Schriften aus den 1920er Jahren, aber auch an seiner reservierten Haltung gegenüber der Demokratie, die sich in dem Essay „Der Waldgang“ (1951) zeigte.

    Mit zeitkritischen und geschichtsphilosophischen Essays, Reisetagebüchern und einem Buch über Erfahrungen mit Drogen („Annäherungen“, 1970), mit seinen seit 1965 entstandenen Tagebuchreflexionen „Siebzig verweht“ (5 Bde., 1980–1997) und zivilisationskritischen Erzählungen und Romanen wie „Gläserne Bienen“ (1957) und „Eumeswil“ (1977) gewann Jünger eine kleine, aber treue Leserschaft vorwiegend konservativer Einstellung, doch wurde er auch von Linksintellektuellen mit Faszination rezipiert. Bundeskanzler Helmut Kohl (1930–2017) und Staatspräsident François Mitterrand (1916–1996) erkannten in ihm einen herausragenden Repräsentanten der deutsch-französischen Kriegs- und Versöhnungsgeschichte. Bei seiner Beerdigung wurde bekannt, dass Jünger im September 1996 zum katholischen Glauben konvertiert war.

    Zu Weihnachten 1908 hatte Jünger von seinem Vater einen Käferkasten samt Fangausrüstung und Bestimmungsbuch geschenkt bekommen und war von da an zeitlebens, auch in den Kriegsjahren, als Käfersammler tätig, worüber sein Buch „Subtile Jagden“ (1967) handelt. Sein beträchtliches Fachwissen wurde von Entomologen durch die Benennung mehrerer neu entdeckter Insektenarten nach Jünger (z. B. Trachydora juengeri und Cleptes juengeri) gewürdigt.

    Jüngers Bücher wurden in viele Sprachen übersetzt und fanden v. a. in Frankreich und Italien schon früh große Wertschätzung. Zwischen 1956 und 1967 wurde er sieben Mal für den Literaturnobelpreis vorgeschlagen. Indessen blieb er in dem von Autoren der „Gruppe 47“ dominierten Literaturbetrieb der Bundesrepublik ein Außenseiter. Auch im universitären Literaturunterricht wurde er lange Zeit abwertend als Kriegsschriftsteller behandelt. Erst in den 1980er Jahren begann im akademischen und feuilletonistischen Bereich eine breitere und offenere Rezeption, die nicht von allen Vorbehalten abrückte, aber allmählich begann, die epochale Repräsentanz und die unverwechselbare literarische Qualität von Jüngers Werk anzuerkennen, analytisch zu nutzen und literaturgeschichtlich zu würdigen.

  • Auszeichnungen

    1914 Eisernes Kreuz II. Klasse (1916 I. Klasse)
    1917 Preußischer Hausorden von Hohenzollern Ritterkreuz mit Schwertern
    1918 Verwundetenabzeichen in Gold
    1918 Pour le Mérite (militärische Klasse)
    1956 Literaturpreis der Stadt Bremen für „Am Sarazenenturm“
    1956 Kulturpreis der Stadt Goslar
    1959 Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland (1977 mit Stern, 1985 mit Stern und Schulterband)
    1960 Ehrenbürger der Gemeinde Wilflingen (Württemberg)
    1960 Ehrengabe des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft im BDI e. V.
    1965 Ehrenbürger der Stadt Rehburg (Niedersachsen)
    1965 Immermann-Preis der Stadt Düsseldorf
    1970 Freiherr-vom-Stein-Medaille in Gold der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S.
    1973 Literaturpreis der Akademie Amriswil (Kanton Thurgau)
    1974 Schiller-Gedächtnispreis des Landes Baden-Württemberg
    1977 Aigle d’Or der Stadt Nizza
    1979 Médaille de la Paix (Friedensmedaille) der Stadt Verdun
    1980 Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg
    1981 Prix Europa-Littérature der Fondation Internationale pour le Rayonnement des Arts et des Lettres
    1981 Prix Mondial der Fondation Simone et Cino del Duca, Paris
    1981 Goldmedaille der Humboldt-Gesellschaft
    1982 Goethe-Preis der Stadt Frankfurt
    1983 Ehrenbürger der Stadt Montpellier
    1983 Premio Circeo der Associazione Amicizia Italo-Germanica
    1986 Premio Mediterraneo
    1986 Bayerischer Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst
    seit 1986 Ernst-Jünger-Preis für Entomologie des Landes Baden-Württemberg (dreijährlich)
    1987 Premio di Tevere, Rom
    1989 Dr. h. c., Universität des Baskenlandes, Bilbao
    1990 Oberschwäbischer Kunstpreis
    1991 Ritter des Ordens Alexander der Große, Paris
    1993 Großer Preis der Jury der Kunstbiennale, Venedig
    1993 Robert-Schuman-Preis der Alfred-Toepfer-Stiftung F.V.S.
    1995 Dr. h. c., Universität Complutense Madrid
    1995 Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für allgemeine und angewandte Entomologie
    1997 Ernst-Jünger-Stiftung der Kreissparkasse Biberach (weiterführende Informationen)
    1999 Jünger-Haus, Wilfingen (weiterführende Informationen)
    2016 Hieracium juengeri (Habichtskraut)
  • Quellen

    Nachlass:

    Deutsches Literaturarchiv, Marbach am Neckar. (Manuskripte, Korrespondenzen, Dokumente) (weiterführende Informationen)

    Weitere Archivmaterialien:

    Jünger-Haus, Wilfingen (Württemberg). (Wohn- u. Arbeitsräume, Bibliothek, Käfersammlung) (weiterführende Informationen)

  • Werke

    Romane und Erzählungen:

    Sturm, 1923.

    Afrikanische Spiele, 1936.

    Auf den Marmorklippen, 1939, Mit Materialien zu Entstehung, Rezeption und Debatte, hg. v. Helmuth Kiesel, 2017.

    Heliopolis. Rückblick auf eine Stadt, 1949.

    Die Eberjagd, 1952.

    Besuch auf Godenholm, 1952

    Gläserne Bienen, 1957.

    Die Zwille, 1973.

    Eumeswil, 1977.

    Aladins Problem, 1983.

    Eine gefährliche Begegnung, 1985.

    Tagebücher:

    In Stahlgewittern. Aus dem Tagebuch eines Stoßtruppführers, 1920, 482012, Historisch-kritische Ausgabe der gedruckten Fassungen, hg. v. Helmuth Kiesel, 2 Bde., 2013.

    Kriegstagebuch 1914–1918, hg. v. Helmuth Kiesel, 2010.

    Das Wäldchen 125. Eine Chronik aus den Grabenkämpfen, 1925.

    Feuer und Blut, 1925.

    Gärten und Straßen, 1942.

    Myrdun. Briefe aus Norwegen, 1943.

    Atlantische Fahrt, 1947, Neuaufl. 2013.

    Ein Inselfrühling, 1948.

    Strahlungen, 1949, Historisch-kritische Ausgabe, hg. v. Johanna van de Löcht/Helmuth Kiesel, 3 Bde., 2022.

    Am Sarazenenturm, 1955.

    Jahre der Okkupation, 1958.

    Siebzig verweht, 5 Bde., 1980–1997.

    Essaybände:

    Der Kampf als inneres Erlebnis, 1922.

    Das abenteuerliche Herz. Aufzeichnungen bei Tag und Nacht, 1929.

    Der Kampf um das Reich, 1929.

    Die totale Mobilmachung, 1930.

    Der Arbeiter. Herrschaft und Gestalt, 1932.

    Blätter und Steine, 1934.

    Das abenteuerliche Herz. Figuren und Capriccios, 1938.

    Der Friede. Ein Wort an die Jugend Europas und an die Jugend der Welt, 1945.

    Sprache und Körperbau, 1947.

    Über die Linie, 1950.

    Am Kieselstrand, 1951.

    Der Waldgang, 1951.

    Der gordische Knoten, 1953.

    Das Sanduhrbuch, 1954.

    Rivarol, 1956.

    An der Zeitmauer, 1959.

    Der Weltstaat, 1960.

    Sgraffiti, 1960.

    Typus, Name, Gestalt, 1963.

    Dezember. Bois de Noël, 1964.

    Grenzgänge. Essays. Reden. Träume, 1966.

    Subtile Jagden, 1967.

    Ad hoc, 1970.

    Annäherungen. Drogen und Rausch, 1970.

    Träume. Nocturnes, 1970.

    Zahlen und Götter. Philemon und Baucis. Zwei Essays, 1974.

    Maxima–Minima, Adnoten zum „Arbeiter“, 1983.

    Autor und Autorschaft, 1984.

    Zwei Mal Halley, 1987.

    Die Schere, 1990.

    Serpentara, 1991.

    Prognosen, 1993.

    Weiße Nächte, 1997.

    Zur Geiselfrage. Schilderung der Fälle und ihre Auswirkungen, hg. v. Sven Olaf Berggötz, 2011.

    Gespräche im Weltstaat. Interviews und Dialoge 1929–1997, hg. v. Rainer Barbey/Thomas Petraschka, 2019.

    Werkausgabe:

    Sämtliche Werke in 18 Bänden und 4 Supplementbänden, 1978–2003, Taschenbuchausg. 2015.

    Briefe:

    Ernst Jünger/Stefan Andres. Briefe 1937–1970, hg. u. komm. u. mit einem Nachw. v. Günther Nicolin, 2007.

    Alfred Baeumler/Ernst Jünger. Mit einem Anhang der überlieferten Korrespondenz und weiterem Material, hg. v. Ulrich Fröschle/Thomas Kuzias, 2008.

    Gottfried Benn/Ernst Jünger. Briefwechsel 1949–1956, hg., komm. u. mit einem Nachw. v. Holger Hof, 2006.

    Ernst Jünger/Martin Heidegger. Briefwechsel 1949–1975, hg., komm. u. mit einem Nachw. vers. v. Günter Figal, 2008.

    Ernst Jünger/Friedrich Hielscher. Briefe 1927–1985, hg., komm. u. mit einem Nachw. v. Ina Schmidt/Stefan Breuer, 2005.

    Ernst Jünger/Gerhard Nebel. Briefe 1938–1974, hg., komm. u. mit einem Nachw. v. Ulrich Fröschle/Michael Neumann, 2003.

    Briefe an Sophie Dorothee und Clemens Podewils, in: Sinn und Form (2006), S. 43–59.

    Ernst Jünger/Albert Renger-Patzsch, Briefwechsel 1943–1966 und weitere Dokumente, hg. v. Matthias Schöning/Bernd Stiegler/Ann Wilde/Jürgen Wilde, 2010.

    Luise Rinser/Ernst Jünger. Briefwechsel 1939–1944. Mit einem einleitenden Essay v. Benedikt Maria Trappen, 2016.

    Ernst Jünger/Rudolf Schlichter, Briefe 1935–1955, hg., komm. u. mit einem Nachw. v. Dirk Heißerer, 1997.

    Ernst Jünger/Carl Schmitt, Briefe 1930–1983, hg., komm. u. mit einem Nachw. v. Helmuth Kiesel, 1999.

    Ernst Jünger/Gershom Scholem, Briefwechsel 1975–1981. Mit einem Essay v. Detlev Schöttker „Vielleicht kommen wir ohne Wunder nicht aus.“ Zum Briefwechsel Jünger–Scholem, in: Sinn und Form (2009), H. 3, S. 293–308.

    Ernst Jünger/Dolf Sternberger, Briefwechsel 1941–1942 und 1973–1980. Mit Kommentaren v. Detlev Schöttker/Anja S. Hübner, in: Sinn und Form (2011), H. 4, S. 448–473.

    Ernst Jünger/Joseph Wulf, Der Briefwechsel 1962–1974, hg. v. Anja Keith/Detlev Schöttker, 2019.

    Gretha Jünger/Ernst Jünger, Einer der Spiegel des Anderen. Briefwechsel 1922–1960, hg. v. Anja Keith/Detlev Schöttker, 2021.

    Bibliografien:

    Bibliographie der Werke Ernst Jüngers, begr. v. Hans Peter des Coudres, erw. Neuausg. 1996.

    Nicolai Riedel, Ernst-Jünger-Bibliographie. Wissenschaftliche und essayistische Beiträge zu seinem Werk, 2 Bde., 2003/16.

    Tobias Wimbauer, Personenregister der Tagebücher Ernst Jüngers, 32010.

  • Literatur

    Lothar Baier, Ernst Jünger und Weimar, in: Streit-Zeit-Schrift, Heft VI,1 v. September 1968, S. 33 f.

    Heinz Ludwig Arnold (Hg.), edition text+kritik 105/106: Ernst Jünger, 1990.

    Martin Meyer, Ernst Jünger, 1990.

    Peter Koslowski, Der Mythos der Moderne. Die dichterische Philosophie Ernst Jüngers, 1991.

    Lutz Hagestedt (Hg.), Ernst Jünger. Politik – Mythos – Kunst, 2004.

    Helmuth Kiesel, Ernst Jünger. Die Biographie, 2007. (P)

    Heimo Schwilk, Ernst Jünger. Ein Jahrhundertleben, 2007.

    Peter Trawny, Die Autorität des Zeugen. Ernst Jüngers politisches Werk, 2009.

    Heimo Schwilk, Ernst Jünger. Leben und Werk in Bildern und Texten, 2010. (P)

    Thomas Amos, Ernst Jünger, 2011.

    Jörg Magenau, Brüder unterm Sternenzelt. Friedrich Georg und Ernst Jünger. Eine Biographie, 2012.

    Albert C. Eibl, Der Waldgang des „Abenteuerlichen Herzens“. Zu Ernst Jüngers Ästhetik des Widerstands im Schatten des Hakenkreuzes, 2020.

    Ingeborg Villinger, Gretha Jünger. Die unsichtbare Frau, 2020.

    Norbert Dietka, Ernst Jünger. Vom Weltkrieg zum Weltfrieden. Die Genese eines Sinneswandels, 2021.

    Norbert Dietka, Ernst Jünger und Carl Schmitt. Eine ambivalente Beziehung, 2023.

    Dokumentarfilm:

    In den Gräben der Geschichte. Der Schriftsteller Ernst Jünger, KR.Film/rbb/arte 2019, Buch u. Regie: Falko Korth.

  • Onlineressourcen

  • Porträts

    Lithografie v. Emil Stumpp (1886–1941), 1929, Deutsches Historisches Museum, Berlin. (Onlineressource)

    Gemälde (Öl/Leinwand) v. Rudolf Schlichter (1890–1955), um 1929/30, Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie. (Onlineressource)

    Gemälde (Öl/Leinwand) v. A. Paul Weber (1893–1980), um 1936, A.-Paul-Weber-Haus, Ratzeburg.

    Gemälde (Öl/Leinwand) v. Rudolf Schlichter (1890–1955), 1937, Privatbesitz.

    Büste v. Arno Breker (1900–1991), 1981, Jünger-Haus, Wilflingen.

    110-Pfennig-Sonderbriefmarke der Deutschen Post, 1998, Entwurf v. Antonia Graschberger (geb. 1958).

    Büste v. Wolf Ritz (1920–2008), Deutsches Literaturarchiv, Marbach am Neckar.

    Fotografien, 1986–1993, Digitales Bildarchiv des Bundesarchivs.

  • Autor/in

    Helmuth Kiesel (Heidelberg)

  • Zitierweise

    Kiesel, Helmuth, „Jünger, Ernst“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.03.2024, URL: https://www.deutsche-biographie.de/118558587.html#dbocontent

    CC-BY-NC-SA