Lebensdaten
1893 – 1980
Geburtsort
Arnstadt (Thüringen)
Sterbeort
Groß-Schretstaken (Kreis Herzogtum Lauenburg, Schleswig-Holstein)
Beruf/Funktion
Graphiker ; Maler ; Künstler ; Zeichner ; Grafiker ; Illustrator
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118643223 | OGND | VIAF: 73867105
Namensvarianten
  • Weber, Andreas Paul
  • Weber, Heinrich Andreas Paul
  • Weber, A. Paul (seit 1916)
  • mehr

Porträt(nachweise)

Verknüpfungen

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Weitere Erwähnungen in der NDB-online/NDB/ADB

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Weber, A. Paul (seit 1916), Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118643223.html [12.06.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Robert (1854–1933), 1870–85 b. d. Marine, danach Eisenbahnassistent in A., S d. Adolph Wilhelm Reinhold (* 1824), Seilermeister, u. d. Friederike Auguste Amalie Fischer (* 1830);
    M Marie (1866–1935), T d. Christian Kortmann (1819–1905), Fabr., u. d. Elisabeth Rosette Henriette Reuse (1832–1902);
    B Max (1888–1915 ⚔), Johannes (Hans) (1890–1971), lebte nach e. kaufmänn. Ausbildung 1918 / 19 in d. Türkei, betrieb danach e. Teppichwirkerei in Bad Teinach (Schwarzwald), 1927–45 u. 1953–58 erneut in d. Türkei, zuletzt Hausmeister in Damüls (Vorarlberg), Schw Käthe (1891–1981, Alfred Schempp, Ing.), Krankenschwester;
    Nikolausberg b. Göttingen 1920 Toni (1894–1968), aus Duderstadt, T d. Carl Klander (1851–1928), Vermessungsrat;
    2 S Christian (1921–2002), Drucker, seit 1948 Zus.arb. mit W., Hartmut (* 1929), Dipl.-Ing., zuletzt Reg.baudir. in Tübingen, 3 T Ulrike (* 1924, Gerhard Hohmann, * 1922, Postsekr.), Gertrud (1927–2015, Hans-Werner Thiele, Schlossermeister in Werdohl, Sauerland), Toni (* 1939, Wilhelm Wolter).

  • Biographie

    Nach der Bürger- (1898–1902) und Realschule (1902–11) in Arnstadt besuchte W. die Kunstgewerbeschule in Erfurt mit dem Ziel, Maler zu werden; in Abendkursen des Druckermeisters Otto Frielingsdorf erlernte er zudem die Technik der Lithographie. 1913 brach er das Studium ab und begann als selbständiger Gebrauchsgraphiker in Arnstadt zu arbeiten. Entscheidend geprägt wurde W. durch die Jugendbewegung: Seit 1908 war er Mitglied im Wandervogel (seit 1910 im Jung-Wandervogel) und steuerte für deren Periodika v. a. Federzeichnungen bei. Als Kriegsfreiwilliger (5. 8. 1914) bei der Eisenbahn-Betriebskompagnie 28 arbeitete er zeitweise in der Kunstabteilung der Zeitung der 10. Armee (1916 / 17); daneben entstanden erste Mappenwerke, Buchillustrationen und Exlibris. 57 Zeichnungen erschienen in einer Sondernummer der Leipziger „Illustrirten Zeitung“ (21. 11. 1918) über „Unsere Eisenbahntruppen“. Für den Verleger Erich Matthes (1888–1970) schuf W. seit 1917 mehrfach Buchillustrationen. Die Federzeichnungen zeigen unterschiedliche Stilmodi: Sie können den Holzschnitt der Dürer-Zeit nachbilden, der ornamentalen Linienkunst des Jugendstil bzw. Symbolismus folgen oder auch schon Ansätze des für den reifen W. charakteristischen (an Francisco de Goya, Honoré Daumier u. a. anknüpfenden) freien Federstrichs aufweisen. 1925 entstanden erstmals Holzschnitt-Illustrationen; in demselben Jahr gründete W. die eigene „Ellena-Presse“ (seit 1928 „Clan-Presse“) für Holzschnitte und Lithographien. Seit 1919 übernahm er vielfältige Aufträge für den Deutschnationalen Handlungsgehilfenverband (DHV): Illustrationen für Zeitschriften („Der fahrende Gesell“ u. a.),|Entwürfe für Wertpapiere, die Ausgestaltung von Räumen der Jugendburg Lobeda u. a.; stilistisch orientieren sich seine Gemälde und Zeichnungen z. T. stark an Ferdinand Hodlers (1853–1918) heroischer Formensprache.

    1922 übersiedelte W. von Arnstadt in das Johannesstift in Berlin-Spandau, 1925 nach Oberellen (nahe Eisenach), 1928 nach Nikolausberg (bei Göttingen), 1930 nach Reinhausen (bei Göttingen). Der bündischen Jugend und nationalkonservativen Kreisen nahestehend, übernahm er Aufträge für deren Zeitschriften und Bücher. 1927 / 28 entstanden über 60 Illustrationen für die von Ernst Jünger (1895–1998) und Werner Laß (1902–99) herausgegebene Zeitschrift „Der Vormarsch“. 1928–37 arbeitete W. mit Ernst Niekisch (1889–1967) zusammen; er gestaltete und illustrierte die Monatsschrift „Widerstand“ (Mithg. 1930–34), die Wochenzeitschrift „Entscheidung“ und die Bücher des Widerstands-Verlags, 1932 Niekischs Broschüre „Hitler – ein deutsches Verhängnis“. In seinen politischen Zeichnungen für den „Widerstand“ gelangte W. zu einem eigenen Stil als satirischer Graphiker. Daneben findet sich weiterhin ein konträr anderer, am altdt. Holzschnitt orientierter affirmativer Gestaltungsmodus, besonders für nationale bzw. heroische Motive. Für den Hamburger Großkaufmann Alfred C. Toepfer (1894–1993) übernahm er 1931–33 die künstlerische Ausgestaltung von drei Jugendherbergen in Nordschleswig, Thüringen und im Burgenland mit über 70 Ölgemälden (nur z. T. erhalten). 1933 zog er auf den Brümmerhof bei Soltau, 1936 endgültig nach Groß-Schretstaken bei Mölln. Aufgrund seiner Zugehörigkeit zu Niekischs Widerstandskreis war W. in der 2. Jahreshälfte 1937 in Polizeigefängnissen in Hamburg, Berlin und Nürnberg inhaftiert; am 4. 11. 1939 wurde das Verfahren gegen ihn eingestellt. Während des 2. Weltkriegs entstanden als Hauptwerke zwei Zyklen von Federzeichnungen: die gegen England, als Kriegsgegner, gerichteten „Britischen Bilder“ (1939 / 40), die W. aus eigener Initiative konzipierte, doch mit ersten Blättern bereits im Nov. 1939 dem Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda (RMVP) präsentierte (in Buchform erschienen im Nibelungen-Verlag Berlin 1941 bzw. 1943); zudem die antisowjet. „Leviathan“-Reihe (1941 / 42), die – als „Zersetzungspropaganda“ (Brief v. 15. 2. 1942) gedacht – ihrerseits vom RMVP vielfältig genutzt wurde. Der offizielle Auftrag des RMVP für eine Reihe von antiamerik. Zeichnungen (Dez. 1941) kam anscheinend nicht zur Ausführung. Seit 1939 arbeitete W. mit der Griffelkunst-Vereinigung in Hamburg zusammen. Im Auftrag des Reichsarbeitsdienstes (RAD) reiste er 1941 als Kriegszeichner in die Ukraine. 1942–44 lieferte er Zeichnungen zum Dt. Volkskalender Nordschleswig; 1944 / 45 leistete er „Wehr“dienst, vornehmlich als Kartenzeichner, v. a. im Emsland.

    Nach 1945 war W. zunächst sowohl als Gebrauchsgraphiker wie als freier Künstler tätig, weiterhin auch als Buchillustrator. In der brit. Besatzungszone konnte 1947 eine erste Nachkriegs-Ausstellung im Lübecker Behnhaus stattfinden. Mit der eigenen Lithographie-Presse schuf er nun verstärkt Steindrucke. Die Mitarbeit bereits 1942 / 43 bei der Satire-Zeitschrift „Simplicissimus“ wurde 1954–67 fortgesetzt; auch in zahlreichen anderen Zeitschriften, Almanachen und Kalendern erschienen seine Graphiken („Littera“, „Erasmus“, „Stimme und Weg“, „Der Spiegel“, „Lichtwark-Kalender“ u. a.). Als einer der ersten Künstler thematisierte W. die Umweltzerstörung („Der sterbende Hecht“, Lithogr., 1957); ein eigenes publizistisches Forum eröffnete er sich mit dem „Kritischen Kalender“ (23 Jgg., 1959–81).

    Zunächst eher unpolitisch, nach dem 1. Weltkrieg im nationalkonservativen Lager, entwickelte W. sich erst in der Zusammenarbeit mit Niekisch zu einem (noch unselbständigen) politischen Künstler, der während des 2. Weltkriegs – nach eigenem Verständnis als Deutscher – mit dem herrschenden Regime kooperierte; dabei war er nicht Mitglied der NSDAP und auch nicht der Reichskammer der bildenden Künste.

    Vor 1945 entstand eine Reihe von antisemitischen Zeichnungen; als Komplement von deutschnationalen, heroischen Motiven resultierten auch sie aus W.s konservativer, antiliberaler und antikapitalistischer Position.

    Nach 1945 wurde W. – der stilistisch im 19. Jh. verwurzelt blieb – einer der profiliertesten Zeichner und Kritiker seiner Zeit. Seit 1977 (Ausst. d. Elefanten Press-Gal., Berlin) wird W.s politischer Standort in der Weimarer Republik und im „Dritten Reich“ kontrovers und vielfach unsachlich diskutiert.

  • Auszeichnungen

    |2. Preis b. d. Auszeichnung d. besten dt. Karikaturisten durch d. Reichsministerium f. Volksaufklärung u. Propaganda (1940);
    Kunstpreis d. Landes Schleswig-Holstein (1955);
    Hans-Thoma-Medaille (1963);
    Ehrenmitgl. d. Wilhelm-Busch-Ges. (1964);
    Joseph-Drexel-Preis (1966);
    Prof. h. c. (Univ. Kiel 1971);
    Gr. BVK (1971);
    Mus.: A. Paul Weber-Haus (seit etwa 1993 / 94: A. Paul Weber-Mus.) in Ratzeburg (1974);
    A. Paul Weber-Ges., Ratzeburg (1974);
    – Retrospektive zum 85. Geb.tag im Rhein. Landesmus. Bonn u. im Westfäl. Landesmus. f. Kunst u. Kulturgesch. (1978 / 79).

  • Werke

    |u. a. Einzelblätter: Federzeichnungen: Das Gerücht (II), 1943, Lith. 1953;
    Die Verstockten – Deutschland erwache!, 1944 / 45;
    Zwischen Ost u. West, 1946;
    Lithographien: Rückgrat raus!, 1951, 1960;
    Zwischen den Stühlen, 1951, 1963;
    Der Nachkomme, 1957;
    Am 21. August 1968, 1968;
    Die Angst regiert, 1971;
    Numerus clausus, 1975;
    Bildfolgen, Mappen u. Bücher: Grenzland-Mappe, 9 Holzschnitte, veröff. 1932;
    Schachspieler, Federzeichnung u. Lith., begonnen 1937;
    Hoppla Kultur, 1954;
    Gefangene, Lith., begonnen 1964;
    Tierbilderbuch, 1974;
    Buchill. (Federzeichnungen): Zehn Fastnachtsspiele v. H. Sachs, 1919 / 20;
    H. Kutzleb, Der Zeitgenosse, 1921;
    ders., Mord an d. Zukunft, 1929;
    W. Stapel, Literatenwäsche, 1930;
    F. Villon, Balladen, 1939;
    L. Weissauer (Hg.), Soldatengeist, 1941;
    G. A. Bürger, Münchhausen, 1955;
    G. Anders, Der Blick vom Turm, 1968;
    H. Ch. v. Grimmelshausen, Simplicissimus, 1971;
    J. W. Goethe, Reineke Fuchs, 1924, 1977;
    Gebrauchsgraphik, Entwürfe f. Inneneinrichtung u. kunstgewerbl. Objekte, v. a. für Alfred C. Toepfer, 1933–36;
    Ölgemälde, v. a. Landschaften, Porträts;
    W-Verz.: H. Schumacher, A. P. W., Das ill. Werk 1911–1980, 1984 (P);
    ders., A. P. W., Werkverz. d. Exlibris, 1987 (P);
    ders., A. P. W., Werkverz. d. Gebrauchsgraphik, 1990 (P);
    K. J. Dorsch, A. P. W., Werkverz. d. Lithographien, 1991 (P);
    Nachlaß: A. Paul Weber-Mus., Ratzeburg.

  • Literatur

    |A. P. W., Das graph. Werk 1930–1978, Handzeichnungen u. Lithographien, hg. v. G. Reinhardt, 1980 (P);
    B. Bornemann, A. P. W., Seine zeitkrit. u. humorist. Druckgraphik (1945–1976) u. ihr Verhältnis z. Karikatur, 1982;
    G. Wolandt, A. P. W., Künstler u. Werk, 1983;
    H. Isermeyer (Hg.), Schrr.reihe d. „Privaten A. P. W.-Archivs“, 5 Hh., 1983–90;
    A. P. W. 1893–1980, Krit. Graphik u. Brit. Bilder, Retrospektive d. Griffelkunst, hg. v. E. Arp, 1985 (P);
    Th. Noll, „Zwischen den Stühlen“, A. P. W., Brit. Bilder u. „Leviathan“-Reihe, Studien z. Werk d. Künstlers im Dritten Reich, 2 Bde., 1993;
    ders., [A. P. W.] „Das Verhängnis“ – Die zweifelhafte Vision, in: G. Paul (Hg.), Das Jh. d. Bilder, Bd. 1, 2009, S. 396–403;
    A. P. W. 1893–1980, Handzeichnungen u. Lithographien, Ausst.kat. Wilhelm-Busch-Mus., 1993 / 94, konzipiert v. K. J. Dorsch, 1993 (P);
    H. Schumacher u. K. J. Dorsch, A. P. W., Leben u. Werk in Texten u. Bildern, 2003 (P);
    Die A. P. W.-Ges. 1974 bis 2014, FS. z. 40j. Bestehen, hg. v. H. Schumacher, 2014 (P);
    H. Schumacher, in: Biogr. Lex. Schleswig-Holstein XI, 2000, S. 376–80;
    ThB;
    Vollmer;
    Qu BA Koblenz/ Berlin;
    HStA München;
    StadtA Nürnberg.

  • Porträts

    |zahlr. Photogrr., Abb. in: H.-J. Wohlfahrt, A. P. W., foto – grafisch, 1987, u. in: Schumacher/ Dorsch, 2003 (s. L).

  • Autor/in

    Thomas Noll
  • Zitierweise

    Noll, Thomas, "Weber, A. Paul" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 481-483 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118643223.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA