Lebensdaten
1898 bis 1970
Geburtsort
Osnabrück
Sterbeort
Locarno
Beruf/Funktion
Schriftsteller
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118599631 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Remark, Erich
  • Remarque, Erich Maria
  • Remark, Erich

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Zitierweise

Remarque, Erich Maria, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118599631.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus ursprüngl. franz. Fam. Remacle (Remarck);
    V Peter Remark (1867–1954), aus Kaiserswerth/Rhein, Buchbinder- u. Masch.meister, 1894-1935 in O., zuletzt in Bad Rothenfelde b. O., S d. Alois (1840–79), um 1862-68 Nagelschmied in Kaiserswerth, dann Handelsmann in Viersen, u. d. Adelheid Bäumer (Beumer) (1829–79, 1] Gottlieb Wolf, 1838–61, Zigarrenmacher), Näherin in Kaiserswerth;
    M Anna Maria (1871–1917), T d. Gottfried Stallknecht (1851–90), aus Kaisersesch b. Mayen (Eifel), Bergmann in Essen, u. d. Maria Elisabeth Pöppinghaus(en) (1849–98);
    Schw Elfriede (1903–43, Heinz Scholz, * 1907, Musiker), wurde nach e. Denunziation wegen „Wehrkraftzersetzung“ durch d. Volksgerichtshof z. Tod verurteilt u. in Berlin hingerichtet (s. Schrr. d. E. M. R.-Archivs 11, 1997);
    1) Berlin 1925 ( 1930) Ilse Jutta Zambona, 2) 1938 ( 1951) dies., 3) 1958 Paulette Goddard (eigtl. Pauline Marion Goddard Levee, 1911–90, 2) Sir Charles Chaplin, 1889–1977, engl. Adel 1975, Schausp., Dr. h. c, s. Munzinger, 3] Burgess Meredith, Schausp.), Schausp. (s. Munzinger); kinderlos.

  • Leben

    R. besuchte 1912-15 die schulgeldfreie Kath. Präparande und anschließend bis zum Notexamen 1916 das Kath. Lehrerbildungsseminar in Osnabrück. Künstlerische Früherlebnisse sammelte er im Freundeskreis des Malers Fritz Hörstemeier (1882–1918), dessen romantisch-dekadentes Weltbild ihn beeinflußte und sich in seinem ersten, unbeachtet gebliebenen autobiographischen Künstlerroman „Die Traumbude“ (1920) widerspiegelt. Im Nov. 1916 zum Kriegsdienst eingezogen, war R. seit Juni 1917 Schanzsoldat an der Westfront. Bald darauf schwer verwundet, verbrachte er die Zeit bis Nov. 1918 in einem Lazarett in Duisburg, wo er mit der ersten nur wenige Seiten umfassenden und rasch abgebrochenen Niederschrift seines zehn Jahre später vollendeten Romans „Im Westen nichts Neues“ begann. Nach Osnabrück zurückgekehrt, absolvierte R. im Sept. 1919 seine Lehramtsprüfung für Volksschulen und wurde Aushilfslehrer in der ländlichen Umgebung seiner Heimatstadt. Bereits im Nov. 1919 quittierte R. den Schuldienst und arbeitete u. a. als Grabsteinverkäufer (Der schwarze Obelisk, Gesch. e. verspäteten Jugend, 1956). Nach der Annahme seines Pseudonyms in Verehrung für Rainer Maria Rilke und im Rückgriff auf die eigenen franz. Vorfahren versuchte sich R. 1921 erfolglos mit Gedichten, Erzählungen und Romanen. Ein Jahr später übersiedelte er als Werbetexter und Redakteur nach Hannover, wo er die Leitung der Werkszeitung des Reifenherstellers „Continental“ übernahm und für verschiedene Zeitschriften Gedichte und Kurzgeschichten schrieb. Ende 1924 zog R. nach Berlin und wurde Redaktionsmitglied von „Sport und Bild, Das Blatt für die gute Gesellschaft im Scherl-Verlag Alfred Hugenbergs. Hier veröffentlichte er neben vielen Mode- und Sportartikeln den Zeitungs- und Rennfahrerroman „Station am Horizont“ (1926).

    Am 10.11.1928 begann in der „Vossischen Zeitung“ der Vorabdruck seines Romans „Im Westen nichts Neues“, in der R. die Geschichte einer Generation erzählt, „die vom Krieg zerstört wurde“; die erste dt. Buchausgabe erschien Anfang 1929 im Ullstein-Verlag, die Auflage überschritt bereits im Juni 1930 die Millionengrenze. Durch seinen in mehr als 20 Sprachen übersetzten Roman, der die Fronterlebnisse des 1. Weltkriegs literarisch verarbeitete, wurde R. über Nacht zu einem der berühmtesten, umstrittensten und reichsten dt.sprachigen Autoren seiner Zeit. Ebenfalls ein Welterfolg wurde der 1930 unter der Regie von Lewis Milestone in Hollywood gedrehte gleichnamige Film, dessen Vorführungen in Berlin Ende 1930 von den Nationalsozialisten massiv gestört wurden. Von der Filmprüfstelle bald zeitweise verboten und vom Reichstag in einer Debatte mehrheitlich scharf kritisiert, wurde er erst wieder nach 1952 in einer gekürzten Fassung in bundesdt. Kinos gebracht.

    Die Folgen des plötzlichen Ruhms, politische Angriffe sowie Auseinandersetzungen mit der Steuerbehörde führten im April 1932 zur Übersiedelung R.s nach Porto Ronco am Lago Maggiore; hier behielt er – mit Ausnahme längerer Reiseaufenthalte in Paris in den 30er Jahren und seines Exils in New York und Hollywood 1939-48 – bis zu seinem Tod seinen Wohnsitz. 1938 von den Nationalsozialisten ausgebürgert, wurde er 1948 amerik. Staatsbürger. R., dessen Schwester Elfriede Scholz 1943 von den Nationalsozialisten hingerichtet wurde, blieb ein scharfer, in den 40er Jahren sich auch öffentlich äußernder Gegner des Dritten Reiches. Ebenso lehnte er später das kommunistische Regime in der DDR ab und kritisierte in einigen Romanen und Theaterstücken die verweigerte Vergangenheitsbewältigung in der Bundesrepublik (Der letzte Akt, 1955 [Filmdrehbuch], Die letzte Station, 1956 [Schauspiel]). Mit „Der Funke Leben“ (1952) schrieb R. eines der bewegendsten fiktiven Bücher über das Schicksal der Menschen in den Konzentrationslagern des Dritten Reiches. Bereits 1954 thematisierte er in dem Roman „Zeit zu leben und Zeit zu sterben“ (verfilmt 1957, Regie: Douglas Sirk) die Verbrechen der deutschen Wehrmacht im Osten.

    R. gab sich in der Öffentlichkeit als dandyhafter Erfolgsautor. Der gut aussehende Schriftsteller und kenntnisreiche Kunstsammler hatte in Berlin und später in den USA zahlreiche Affären mit berühmten Schauspielerinnen. Das Ende der langjährigen Beziehung mit Marlene Dietrich 1943 führte zu einer schweren Lebenskrise. Hinter der Maske des Lebemannes verbarg sich jedoch ein überaus sensibler, von schweren Depressionen heimgesuchter und um jedes neue Werk ringender Autor. R. ist als Schriftsteller von der dt. Literaturwissenschaft und -kritik – im Gegensatz zur angelsächs. Germanistik – seit seinen künstlerischen Anfängen unterschätzt und in Zusammenhang mit Kolportage, Unterhaltungsprosa oder Trivialliteratur gebracht worden. Seine Kritiker übersahen die bedeutende politische und humanistische Dimension seines Werks, von der nicht nur „Im Westen nichts Neues“ zeugt, sondern die sich u. a. auch in seinen Emigrantenromanen „Liebe Deinen Nächsten“ (1941; verfilmt 1941, Regie: John Cromwell), „Die Nacht von Lissabon“ (1962), „Schatten im Paradies“ (1971) und seinem zweiten Welterfolg „Arc de Triomphe“ (1945, verfilmt 1948, Regie: Lewis Milestone) findet. – Justus-Möser-Medaille d. Stadt Osnabrück (1964); Gr. BVK (1967); Mitgl. d. Dt. Ak. f. Sprache u. Dichtung (1968); E.-M.-R.-Ges., Osnabrück (seit 1991); E.-M.-R.-Friedenpreis d. Stadt Osnabrück (seit 1991).

  • Werke

    Weitere W Der Weg zurück, 1931 (verfilmt 1937, Regie: J. Whale);
    Drei Kameraden, 1936 (verfilmt 1938, Regie: F. Borzage);
    Der Himmel kennt keine Günstlinge, 1961;
    Der Feind, 1998 (Erzz.);
    Ein militanter Pazifist, Texte u. Interviews 1929-1966, 1998;
    Das unbek. Werk, hg. v. Thomas F. Schneider u. T. Westphalen, 5 Bde., 1998. – Bibliogrr.: C. R. Owen, E. M. R., A critical bio-bibliography, 1984;
    T. Westphalen u. a., E. M. R., Bibliogr., Qu., Materialien, Dok., 2 Bde. 1988, 21989;
    R.-Jb., seit 1991 (mit jährl. erg. Bibliogr.).|

  • Nachlaß

    Nachlaß: E.-M.-R.-Archiv, Univ. Osnabrück.

  • Literatur

    F. Baumer, E. M. R., 1976;
    A. Antkowiak, E. M. R., 1977;
    H. Rüter, R., Im Westen nichts Neues, Ein Bestseller d. Kriegslit. im Kontext, 1980;
    H. U. Taylor, E. M. R., A Literary and Film Biography, 1989;
    Thomas F. Schneider, E. M. R., Ein Chronist d. 20. Jh., Eine Biogr. in Bildern u. Dok., 1991 (P);
    ders. (Hg.), E. M. R., Leben, Werk u. weltweite Wirkung, 1998;
    B. Schrader (Hg.), Der Fall R., Im Westen nichts Neues, Eine Dok., 1992;
    W. v. Sternburg, „Als wäre alles d. letzte Mal“, E. M. R., Eine Biogr., 1998 (Auswahlbibliogr., P);
    Dt. Exillit. seit 1933, I, 1976, T. 1, S. 591-605, T. 2, 115-18, IV, 1994 (W, L);
    BHdE II;
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    Metzler, Autorenlex. (P);
    Killy (P); – zur Fam.:
    H.-G. Rabe, R. u. Osnabrück, in: Mitt. d. Hist. Ver. Osnabrück 77, 1970, S. 196-246;
    W. Huschke, Vorfahren d. Schriftst. E. M. R. vorwiegend im Rheinland, in: Geneal. 15, 29./30. Jg. 1980/81, S. 337-56 (P).

  • Autor/in

    Wilhelm von Sternburg
  • Empfohlene Zitierweise

    Sternburg, Wilhelm von, "Remarque, Erich Maria" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 414-415 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118599631.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA