Zimmermann, Friedrich
- Lebensdaten
- 1898 – 1967
- Geburtsort
- (Bad) Freienwalde/Oder
- Sterbeort
- Cuxhaven
- Beruf/Funktion
- Wirtschaftspublizist
- Konfession
- evangelisch
- Namensvarianten
-
- Zimmermann, Ferdinand Friedrich
- Fried, Ferdinand( Pseudonym)
- Zimmermann, Friedrich
- Zimmermann, Ferdinand Friedrich
- Fried, Ferdinand( Pseudonym)
- fried, ferdinand
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Zimmermann, Ferdinand Friedrich (Pseudonym Ferdinand Fried)
| Wirtschaftspublizist, * 14.8.1898 (Bad) Freienwalde/Oder, † 9.7.1967 Cuxhaven, ⚰ Törwang bei Rosenheim. (evangelisch)
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Genealogie
Aus brandenburg. Kaufm.- u. Handwerkerfam.;
V →Friedrich (1864–1909), Bankkaufm. in Berlin, S d. →Friedrich (* 1839), Oberbrauer in Werder/Havel, u. d. Caroline Thomann (* 1840);
M →Gertrud (1878–1916), T d. →Ferdinand Delonge (* 1831) u. d. →Elisabeth Rode (* 1848);
⚭ Berlin 1923 →Charlotte Kaeker gen. Nerlich (* 1899);
1 S. -
Biographie
Nach dem Tod des →Vaters kam dessen Arbeitgeber, die Berliner Privatbank Mendelssohn, für Z.s Erziehung auf. Z. besuchte die Volksschule in Bottrop, 1908/09 das Ks.-Wilhelm-Realgymnasium in Berlin, bis 1911 die Realschule Oberursel, 1911–14 die Friedrichswerdersche Oberrealschule Berlin, anschließend wieder die Realschule Oberursel. Nach dem Notabitur im Jan. 1917 leistete er Kriegsdienst. 1919–23 studierte er an der Univ. Berlin Nationalökonomie, u. a. bei →Werner Sombart (1863–1941) und →Max Sering (1857–1939). 1923 brach Z. sein Studium aus finanziellen Gründen ab und arbeitete als Wirtschaftsjournalist bei der liberalen „Vossischen Zeitung“ und der „Berliner Morgenpost“. Seit 1929 verfaßte er unter Pseudonym wirtschaftspolitische Beiträge für die einflußreiche, jungkonservative Monatsschrift „Die Tat“.
Mit seinen vielfach übersetzten Bestsellern prägte Z. in der Weltwirtschaftskrise den antikapitalistischen Diskurs im Dt. Reich: In „Das Ende des Kapitalismus“ (1931) beklagte er den Abstieg der Mittelschicht und forderte die Unterordnung der Wirtschaft unter einen autoritären Staat. Das „gefährliche Buch“, so →Walter Dirks (1901–1991) 1931, habe „die faschistischen Gedankengänge in unserer Zeit gerade für die bürgerliche Jugend und die bürgerlichen Intellektuellen überaus verführerisch“ gemacht. In seinem zweiten großen Werk, „Autarkie“ (1932), machte Z. Planwirtschaft und dt. Vorherrschaft über Südosteuropa als Rettung Deutschlands in einem vermeintlich durch den Westen aufgezwungenen Wirtschaftskrieg aus. 1931 engagierte Z.s Freund →Hans Zehrer (1899–1966) ihn fest für „Die Tat“. Der „Tat-Kreis“, bestehend aus Z. und den Redakteuren Zehrer, →Ernst Wilhelm Eschmann (1904–1987) und →Giselher Wirsing (1907–1975), sehnte eine „konservative Revolution“ herbei und formte aus der ursprünglich lebensreformerischen und bildungsbürgerlichen Zeitschrift einen republikfeindlichen Wegbereiter des Nationalsozialismus. Z. propagierte einen „nationalen Sozialismus“ und unterhielt Kontakte zum Strasser-Flügel der NSDAP sowie zu →Kurt v. Schleicher (1882–1934), der „Die Tat“ zu instrumentalisieren suchte, um die Nationalsozialisten zu spalten. Hierüber informierte Z. insgeheim laufend →Heinrich Himmler (1900–1945). 1933 wurde Z. im Auftrag der Gestapo als Nachfolger Zehrers Chefredakteur der „Täglichen Rundschau“, anschließend – auf Geheiß Himmlers – der „Münchner Neuesten Nachrichten“ und bis 1934 Redakteur der „Deutschen Zeitung“.
Zum 1.3.1934 stellte →Richard Walther Darré (1895–1953) Z. als Stabsleiter beim „Reichsbauernführer“ ein. Im Sept. 1934 wurde er als Obersturmführer in die SS aufgenommen und in deren Rasse-und Siedlungshauptamt versetzt (1935 Mitgl. d. NSV, 1936 SS-Sturmbannführer). 1937 veröffentlichte er das anti|semitische Werk „Der Aufstieg der Juden“ im „Blut und Boden Verlag“, in dem er über den „zersetzenden“ Einfluß „semitischer Parasiten“ schrieb. Seit 1940 NSDAP-Mitglied, war Z. 1941–45 Honorarprofessor für Volkswirtschaftspolitik an der Reichsuniv. Prag; den Professorentitel führte er nach 1945 weiter.
Seit 1948 wirkte Z. wieder als Wirtschaftsredakteur, zunächst des ev. „Sonntagsblatts“. 1953 wechselte er als Leiter des Wirtschaftsressorts unter Chefredakteur Zehrer zu der Tageszeitung „Die Welt“.
Z. zählt zu jenen Journalisten, die mit ihren publizistischen Angriffen auf die Weimarer Demokratie dem Nationalsozialismus publizistisch den Weg bahnten. Nach 1933 wirkte er als Stütze des NS-Regimes; in der frühen Bundesrepublik etablierte er sich als Kritiker der Wirtschaftspolitik →Ludwig Erhards (1897–1977).
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Werke
Weitere W Wende d. Weltwirtsch., 1939;
Soz. Rev., 1942;
Die geistigen Grundlagen d. weltwirtschaftl. Strukturwandlung, 1944;
Abenteuer d. Abendlandes, 1950;
Umsturz d. Ges., 1950;
Wandlungen d. Weltwirtsch., 1950;
Krupp, 1957;
Fundament unserer Zukunft, 1964 (mit P. Sethe u. H. Schwab-Felisch);
– Qu BA Berlin, BArch R 16-I/178 (Personalakte Dt. Reichsbauernrat);
– Nachlaß: BA Koblenz, BArch N 1208. -
Literatur
|W. Dirks, in: Rhein-Main. Volksztg. v. 31.12.1931;
K. L. Gerstorff, F. Fried u. d. „Tat“, in: Die Weltbühne 21, 1931, S. 751–56;
A. Mohler, Die Kons. Rev. in Dtld. 1918–1932, 1950;
K. Sontheimer, Der Tatkreis, in: VfZ 7, 1959, H. 3, S. 229–60;
L. Poliakov u. J. Wulf, Das Dritte Reich u. seine Denker, 1959, S. 368–70;
L. Schwarzschild, Die letzten J. vor Hitler, 1966, S. 143–48;
W. Lichey, Abschied v. e. Freund, in: Die Welt, Nr. 158 v. 11.7.1967 (P);
H. Lebovics, Social Conservatism and the Middle Class, 1969, S. 178–204;
E. Demant, Von Schleicher zu Springer,1971;
W. Struve, Elites against Democracy, 1973, S. 353–76;
K. Fritzsche, Pol. Romantik u. Gegenrev., 1976;
St. Breuer, Anatomie d. Kons. Rev., 1993;
O. Köhler, Unheiml. Publizisten, 1995, S. 328–39;
G. Hübinger, Verslg.ort moderner Geister, Der Eugen Diederichs Verlag, Aufbruch ins Jh. d. Extreme, 1996;
ders., Die Tat u. d. Tat-Kreis, in: M. Grunewald u. U. Puscher (Hg.), Le milieu intellectuel conservateur en Allemagne, sa presse et ses réseaux (1890–1960), 2003, S. 407–26;
Kulturlex. Drittes Reich;
Kosch, Lit.-Lex.³. -
Autor/in
Niels Weise -
Zitierweise
Weise, Niels, "Zimmermann, Ferdinand Friedrich (Pseudonym Ferdinand Fried)" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 708-709 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz143041.html#ndbcontent