Lebensdaten
1905 bis 1981
Geburtsort
Bielefeld
Sterbeort
Kronberg-Schönberg (Taunus)
Beruf/Funktion
Wirtschaftswissenschaftler ; Soziologe
Konfession
-
Normdaten
GND: 11860581X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Sauermann, Heinz

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Zitierweise

Sauermann, Heinz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11860581X.html [18.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus Kaufmannsfam. in B.;
    V Michael, Teilh. e. Textilgroßhandlung;
    M Else Stufen;
    1) 1931 Edith Salberg, 2) Ingeborg Hörle;
    1 S aus 1) Michael, 1 T aus 1) Gabriele Preusker.

  • Leben

    S. absolvierte das Gymnasium in Bielefeld (Abitur 1924), studierte anschließend in Freiburg (Br.) Musik, Philosophie und Nationalökonomie, seit 1925 auch in Wien, wo er 1927 bei Othmar Spann und Hans Kelsen über „Kunst und Mode“ zum Dr. rer. pol. promoviert wurde. Er setzte sein nun vorwiegend soziologisches Studium in Wien, Paris und Berlin fort. Hier 1929 Assistent am Institut für angewandte Soziologie bei Karl Dunkmann, wurde er nach dessen Tod 1932 kommissarischer Leiter bis zur Auflösung des Instituts 1935, zugleich Schriftleiter des „Archivs für angewandte Soziologie“. Nach der Habilitation 1937 mit der von Joseph Schumpeter und Werner Sombart beeinflußten Monographie „Die Gestalt des Unternehmers“ (1937) wurde er 1939 zum Dozenten für Soziologie und Volkswirtschaftslehre in Frankfurt/M. ernannt. Er nahm Vertretungen für Volkswirtschaftslehre und Volkswirtschaftspolitik in Göttingen (1940), Heidelberg (1942/42) und Gießen (1943) wahr; zwischenzeitlich wurde er 1940/41 zur Wehrmacht einberufen. Politisch unbelastet, wurde S. 1946 o. Professor für Wirtschaftliche Staatswissenschaften in Frankfurt (kommissarischer, später erster gewählter Dekan 1946/47). Seine definitive Hinwendung zur Nationalökonomie erfolgte gleichzeitig mit seiner Stellung eines „economic advisor“ für die amerik. Besatzungsmacht in Berlin (OM-GUS) zur Vorbereitung der Währungsreform 1948. Er beriet auch die „Sonderstelle Geld und Kredit“ und war 1948-50 und 1965-70 Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der „Verwaltung des Vereinigten Wirtschaftsgebietes“ bzw. des Bundesministeriums für Wirtschaft. In einem Austauschprogramm mit der Univ. Chicago lernte er 1949/50 den neuesten Stand der ökonomischen Theorie kennen, brachte ihn an der Univ. Frankfurt ein und beschleunigte die Ablösung der Historischen Schule. Durch seine soziologischen Bindungen wirkte S. noch lange vermittelnd zwischen Nationalökonomie und Soziologie, so als Mitherausgeber der „Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft“, die er 1966-77 überwiegend allein redigierte. S.s Stellung als Ordinarius machte ihn zur Zielscheibe der 1968 einsetzenden Studentenrevolte. Er wurde 1970 Mitbegründer des „Bundes Freiheit der Wissenschaft“, 1972 wurde er emeritiert.

    S. war vornehmlich Anreger, Lehrer, Politikberater und Herausgeber. Er leistete in den Aufbaujahren Pionierdienste für die Fakultät und beförderte die Rückholung emigrierter Ökonomen und Sozialwissenschaftler (u. a. Fritz Neumark, Max Horkheimer, Theodor W. Adorno). Einer seiner Schüler war der erste dt. Nobelpreisträger in Wirtschaftswissenschaft, Reinhard Selten (* 1930). S. begründete mit ihm die „experimentelle Wirtschaftsforschung“ (Die experimentelle Wirtsch.forsch. an d. Univ. Frankfurt a. M., 1968), für die er 1967 die Schriftenreihe „Beiträge zur experimentellen Wirtschaftsforschung“ gründete.|

  • Auszeichnungen

    Dr. rer. pol. h. c. (Heidelberg 1981); Heinz-Sauermann-Preis d. Ges. f. experimentelle Wirtsch.forsch. (seit 1990).

  • Werke

    Weitere W Bevölkerung u. Berufsstruktur im hess. Wirtsch.raum, 1942;
    Karl Dunkmann, in: Archiv f. angewandte Soziol. 5, V. Jg. 1932/33, S. 77-84;
    Das Problem d. Politischen in d. Soziol., ebd., S. 208-29;
    The Consequences of the Currency Reform in Western Germany, in: Review of Politics 12, 1950, S. 175-96;
    Kapitalbildung u. Kapitalverwendung im volkswirtschaftl. Wachstumsprozeß, 1953;
    Der amerik. Plan f. d. dt. Währungsreform, in: ZStW 111, 1955, S. 193-203;
    On the Economic|and Financial Rehabilitation of Western Germany (1945–1949), ebd. 135, 1979, S. 301-19;
    Einf. in d. Volkswirtsch.lehre, 2 Bde., 1960-64;
    Was erwartet d. Wirtsch.wiss. v. d. Soziol.?, 1964;
    Über drei Probleme d. zeitgenöss. Wirtsch.theorie, Präferenzen, Marktverhalten, Gewinnaufteilung, 1981.

  • Literatur

    K. Häuser, H. S. gewidmet, in: ZStW 121, 1965, S. 193-95;
    R. Richter, ebd. 137, 1981, S. 161 f.;
    Dynam. Wirtsch.analyse, H. S. z. 70. Geb., hg. v. O. Becker u. R. Richter, 1975 (W-Verz. in Ausw. S. 273-77);
    J. Schumann (Hg.), H. S., Wirtsch.theoretiker u. Sozialwiss., 1983;
    Aspiration-Oriented Decision Making, In Memoriam H. S., in: Aspiration Levels in Bargaining and Economic Decision Making, hg. v. R. Tietz, 1983;
    Die Hochschullehrer d. Wirtsch.wiss., 1959;
    Nassau. Biogr.;
    Frankfurter Biogr.

  • Autor/in

    Karl Häuser, Rudolf Richter
  • Empfohlene Zitierweise

    Häuser, Karl; Richter, Rudolf, "Sauermann, Heinz" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 463-464 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11860581X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA