Lebensdaten
1860 bis 1940
Geburtsort
Swinemünde
Sterbeort
Herrsching/Ammersee
Beruf/Funktion
Rassenhygieniker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116246197 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ploetz, Alfred Julius
  • Ploetz, Alfred
  • Ploetz, Alfred Julius
  • mehr

Porträt(nachweise)

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie
Personen im NDB Artikel
Personen in der GND - familiäre Beziehungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Ploetz, Alfred, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116246197.html [16.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Ferdinand, Seifenfabr.;
    M Josephine Born;
    1) 1890 Pauline (1866–1942), Ärztin, T d. Konrad Rüdin, Reallehrer in St. Gallen, später Kaufm., u. d. Dorothea Schalch, 2) 1898 Anna (* 1868), T d. Konsuls F. Nordenholz u. d. Anastasia Nikolaides;
    2 S, 1 T; Schwager Ernst Rüdin (1874–1952), Psychiater, seit 1931 Geschäftsführender Dir. d. Dt. Forschungsanstalt f. Psychiatrie in München, Prof. f. Psychiatrie in Basel u. München, 1905 Mitbegr. d. Ges. f. Rassenhygiene in Berlin, seit 1933 Vors. d. Dt. Ges. f. Rassenhygiene.

  • Leben

    Nach dem Besuch des Gymnasiums in Breslau studierte P. Volkswirtschaft und Medizin in Breslau, Zürich, Berlin und Basel. 1890 wurde er in Zürich zum Dr. med. promoviert. Während seiner Studentenzeit wurde er von den sozialistischen Ideen Karl Kautskys, aber auch durch das völkische Gedankengut Felix Dahns beeinflußt. In Breslau gehörte er zum Freundeskreis um Gerhart und Carl Hauptmann. Erfahrungen, die er während eines USA-Aufenthaltes in einer utopisch-sozialistischen Ikarier-Gemeinschaft gewonnen hatte, ließen ihn zu der Überzeugung kommen, daß es zur Erreichung eines idealen Gesellschaftszustandes vorzüglich der physischen und geistigen Verbesserung des Menschen bedürfe.

    Nach Abschluß seiner Studien arbeitete P. eine Zeitlang als Arzt in den USA. Nach Deutschland zurückgekehrt, veröffentlichte er 1895 seinen „Versuch über Rassenhygiene“, der als Gründungsschrift der deutschen eugenischen Bewegung gilt. P.s Grundproblem war die Frage, wie sich die inhumanen Folgen eines konsequent auf den Menschen angewandten Darwinismus mit den humanen Idealen, vorzüglich dem Sozialismus, vereinbaren ließen. Eine Lösung sah P. in der wissenschaftlichen Beherrschung der Variation und Verlegung der Selektion auf die Ebene der Keimzellen. Solange dieses Ziel nicht erreicht sei, sollte die „Aufartung“ der Menschheit mittels der praktischen Rassenhygiene, d. h. vor allem durch entsprechende sexuelle Partnerwahl und durch Vermeidung einer „Negativauslese“ angestrebt werden. Der von P. geprägte Terminus „Rassenhygiene“ sah zunächst nicht die Pflege einer bestimmten anthropologischen Rasse, sondern die Hygiene der Vitalrasse, letztlich der gesamten menschlichen Art vor. In diesem Sinne entsprach die Bezeichnung „Rassenhygiene“ dem von Francis Galton (1822–1911) geprägten Terminus „Eugenik“. Für P. fiel allerdings die Hygiene der menschlichen Gattung mit derjenigen der „arischen“ Rasse zusammen, die er als „Kulturrasse par excellence“ bezeichnete. Dadurch hat er die rassenideologische Wende mit vorbereitet, die ein Teil der deutschen eugenischen Bewegung in den 20er Jahren vollzogen hat.

    Durch seine zweite Heirat wirtschaftlich unabhängig geworden, gründete P. in Herrsching ein privates Forschungsinstitut, aus dem aber keine nennenswerten wissenschaftlichen Entdeckungen hervorgingen. 1904 gründete er das „Archiv für Rassen- und Gesellschaftsbiologie“ und 1905 die „Deutsche Gesellschaft für Rassenhygiene“. Von den Nationalsozialisten ließ sich P. als Vorkämpfer des „wissenschaftlichen Rassegedankens“ feiern und mit dem „Adlerschild des Deutschen Reiches“ auszeichnen.|

  • Auszeichnungen

    Dr. phil. h. c; Pettenkofer-Preis.

  • Werke

    u. a. Die Tüchtigkeit unserer Rasse u. d. Schutz d. Schwachen, Ein Versuch über Rassenhygiene u. ihr Verhältnis zu d. humanen Idealen, bes. z. Socialismus, 1895.

  • Literatur

    Archiv f. Rassen- u. Ges.biologie 24, 1930 (FS z. 70. Geb.tag P.s, P);
    W. Doeleke, A. P, Sozialdarwinist u. Ges.biologe, Diss. Frankfurt/M. 1975 (P);
    P. Weindling, Health, Race and German Politics between Nat. Unification and Nazism, 1870–1945, 1989.

  • Autor/in

    Hans-Peter Kröner
  • Empfohlene Zitierweise

    Kröner, Hans-Peter, "Ploetz, Alfred" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 549 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116246197.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA