Lebensdaten
1877 bis 1962
Geburtsort
Bückeburg (Schaumburg-Lippe)
Sterbeort
Berlin-Frohnau
Beruf/Funktion
Eugeniker ; katholischer Theologe
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119371448 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Muckermann, Hermann

Porträt(nachweise)

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen im NDB Artikel
Personen in der GND - familiäre Beziehungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Muckermann, Hermann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119371448.html [23.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Hermann (1851–1922). Feldwebel in B., Schuhmachermeister u. Kaufm., S e. Bauern in Ostenfelde b. Ölde (Westfalen);
    M Anna Rüther (1856–1944) aus Wormeln b. Warburg (Westfalen), T e. Kettenschmieds; 10 Geschw, u. a. Friedrich (s. 2), Marie-Therese (1889–1967), bis 1936 Lehrerin, Schriftst. in Rom, Richard (1891–1981), Journalist, seit 1946 Chefredakteur d. Rhein-Ruhr-Ztg., 1949-61 Mitgl. d. Dt. Bundestages (CDU), seit 1952 Mitgl. d. Landtags v. Nordrhein-Westfalen (s. Kosch, Biogr. Staatshdb.), Ludwig (1899–1976), Schuhgroßhändler in B., mußte wegen seiner engen Beziehungen zu seinem Bruder Friedrich 1940 d. Geschäft aufgeben u. emigrierte 1941 nach Italien, seit 1952 im Auswärtigen Dienst d. Bundesrep. Dtld. (s. BHdE I).

  • Leben

    M. trat 1896 nach Absolvierung des Gymnasiums als Novize in den Jesuitenorden in Blijenbeck (Niederlande) ein und studierte dort und in Wisconsin (USA) Theologie, Philosophie und Naturwissenschaften. 1902 wurde er zum Dr. phil. promoviert und unterrichtete anschließend bis 1907 Mathematik und Naturwissenschaften an verschiedenen Ordenshochschulen. 1909 empfing er die Priesterweihe. 1910-13 widmete er sich einem Studium der Zoologie in Löwen (Belgien). Anschließend war er Herausgeber und Leiter der jesuitischen Zeitschrift „Stimmen der Zeit“. Nachdem sein Interesse schon seit seiner Studienzeit der Biologie und Erbforschung gegolten hatte, begann er unter dem Einfluß von Alfred Ploetz und unter dem Eindruck des 1. Weltkriegs seit 1917 Aufsätze über Bevölkerungsfragen und Rassenhygiene zu schreiben. Mit seinem Werk „Kind und Volk“ (1919, 101922) wurde er einer breiten Öffentlichkeit bekannt. In den folgenden Jahren warb er in populären Schriften und mit Vorträgen, die oftmals über tausend Zuhörer anlockten, für die eugenische Bewegung, vor allem in kath. Bevölkerungskreisen. 1921-34 war er Schriftleiter und Mitherausgeber der neuen Zeitschrift „Das kommende Geschlecht“. Um seinen wissenschaftlichen und publizistischen Interessen möglichst uneingeschränkt nachgehen zu können, bat er um die Entbindung von seinen Ordensgelübden, die ihm 1926 gewährt wurde. Sein Priesteramt behielt M. jedoch bei. 1927 übernahm er am Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik in Berlin, dessen Gründung er angeregt hatte, die Leitung der Abteilung für Eugenik. Die Nationalsozialisten entließen ihn im Juli 1933 aus dieser Stellung. Auch mußte er wie die anderen Vorstandsmitglieder der Deutschen Gesellschaft für Rassenhygiene sein Amt zur Verfügung stellen. Schließlich erhielt er Rede- und Publikationsverbot. Nach dem Krieg konnte M. seine Tätigkeit auf dem Gebiet der Anthropologie und Eugenik wieder aufnehmen. 1948 folgte er einem Ruf auf den Lehrstuhl für Angewandte Anthropologie und Sozialethik an der TH Berlin. Ein|Jahr darauf wurde unter seinem Direktorat das Max-Planck-Institut für natur- und geisteswissenschaftliche Anthropologie errichtet, das er nach seiner Emeritierung 1954 noch weitere sieben Jahre leitete.

    M. versuchte, die Eugenik mit der christlichkath. Moralauffassung zu vereinbaren. Kristallisationspunkt dieser Bestrebungen war die Familie, die für ihn nicht nur eine sittliche Institution darstellt, sondern auch für die Weitergabe körperlicher und geistiger Erbmerkmale verantwortlich ist. Die mit den biologischen und ethischen Gesetzen in Einklang stehende Familie galt ihm als Keimzelle des Volkes. M. glaubte jedoch die Familie durch die moderne Industriegesellschaft in ihrer Existenz bedroht. Die stärkere Fortpflanzung der Minderbegabten, die Vermischung mit Fremdrassigen, die Ausbreitung von Tuberkulose, Geschlechtskrankheiten und Alkoholismus betrachtete er als Folgen der Lebensweise in der Industriegesellschaft, die zur Entartung und damit zum Untergang von Familie und Volk führen müßten. Vor diesem Schicksal bewahre die Eugenik, sofern ihre Forderungen, die in der Verknüpfung biologischer und christlich-ethischer Weltordnung begründet seien, Beachtung fänden. M. nahm in der Eugenik zuerst eine sehr gemäßigte Position ein, rückte davon aber nach und nach ab. So trat er für die freiwillige Sterilisierung ein, nachdem er zuvor aus ethischen Gründen jede Unfruchtbarmachung abgelehnt hatte. In den Jahren 1932/33 ist eine Annäherung M.s an nationalsozialistisches Denken unverkennbar. Er akzeptierte ideologische Grundpositionen wie die nordische Rassentheorie und den Antisemitismus. Die nordische Rasse beschrieb M. als führendes Element im deutschen Volk und forderte die Abschottung der europiden Rassen gegen fremdrassige Einflüsse. Dieses Verlangen richtete sich zunächst gegen Farbige, seit 1933 aber hauptsächlich gegen die Juden. In Detailfragen äußerte M. Vorbehalte, so verfocht er den unbedingten Gehorsam gegenüber der Papstenzyklika „Casti Connubii“, die Zwangssterilisationen ablehnte, und wollte die Familien jüdischer Teilnehmer am 1. Weltkrieg von Verfolgungsmaßnahmen ausnehmen. Dies war indes nicht der Grund für die Vorgehensweise der Nationalsozialisten gegen ihn; diesen erschien vielmehr ein kath. Priester als Abteilungsleiter im einzigen nationalen Institut für Anthropologie und Eugenik als politisch untragbar. Daher selbst von den Nationalsozialisten bedrängt, half M. Verfolgten des Regimes bei der Flucht aus Deutschland. – Gr. BVK (1952).

  • Werke

    The Essential Difference between the Human and Animal Soul Proved from their Specific Activities, 1906;
    Biolog. Grundlagen d. Bevölkerungsfrage, in: Des dt. Volkes Wille z. Leben, hrsg. v. M. Faßbender, 1917, S. 101-38;
    Die Erblichkeitsforschung u. Wiedergeburt v. Fam. u. Volk, in: Stimmen d. Zeit 97, 1919, S. 115-32;
    Um d. Leben d. Ungeborenen, 1920, 41925;
    Rassenforschung u. Volk d. Zukunft, 1928, 31934;
    Vererbung, Biolog. Grundlagen d. Eugenik, 1931, 21932;
    Grundriß d. Rassenkde., 1934, 21935;
    Die Rel. u. d. Gegenwart, 1934;
    Vererbung u. Entwicklung, 1937, 21947;
    Der Sinn d. Ehe, biolog., eth., übernatürlich, 1938, 31952;
    Die Fam., 1946, 21952;
    Feiertag u. Feierabend, Ein religiöses Hausbuch im Anschluß an d. Kirchenj., 1952;
    Vom Sein u. Sollen des Menschen, 1954. – Hrsg.: Neues Leben 1-4, 1921-26;
    Die Fam. 1-6, 1927-30;
    Stud. aus d. Inst. f. natur- u. geisteswiss. Anthropol. 1-6, 1952-57;
    Humanismus u. Technik 1-8, 1953-61/63.

  • Literatur

    G. Wundrig, H. M., in: Niedersächs. Lb. VII, 1971, S. 157-66 (P);
    H. Ebert, H. M., Profil e. Theologen, Widerstandskämpfers u. Hochschullehrers d. TU Berlin, in: Humanismus u. Technik 20, 1976, S. 29-40 (P);
    D. Grosch-Obenauer, H. M. u. d. Eugenik, med. Diss. Mainz 1986;
    N. Frei (Hrsg.), Med. u. Gesundheitspol. in d. NS-Zeit, 1991;
    Kosch, Kath. Dtld.;
    Wi. 1935;
    Rhdb. (P);
    BBKL.

  • Autor/in

    Georg Lilienthal
  • Empfohlene Zitierweise

    Lilienthal, Georg, "Muckermann, Hermann" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 257-258 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119371448.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA