Lebensdaten
1844 bis 1898
Geburtsort
Potsdam
Sterbeort
Döllingen (Kreis Liebenwerda, Provinz Sachsen)
Beruf/Funktion
Landwirtschaftsfunktionär
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 133177432 | OGND | VIAF: 60263191
Namensvarianten
  • Ploetz, Friedrich August Berthold von
  • Ploetz, Berthold von
  • Ploetz, Friedrich August Berthold von
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Zitierweise

Ploetz, Berthold von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd133177432.html [10.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    Aus neumärk. Adel;
    V Hermann (1816–79), Rittergutsbes. u. preuß. Oberstlt., S d. August Ferdinand (1782–1837), auf Klücken u. Woitfick, Landschaftsrat, u. d. Sophie v. Maltzahn (1785–1852);
    M Bertha (1814–48), T d. Friedrich Frhr. v. der Rekke-Seegefeld u. d. Luise v. Werder;
    Stief-M (seit 1850) Amelie (1824–93), T d. preuß. Reg.- u. Forstrats Carl Philipp Wilhelm Frhr. d'Orville v. Löwenclau u. d. Caroline v. Thadden;
    Ov Albert (1809–62), anhalt. Staatsmin. u. WGR;
    - Braunschweig 1869 Anna (1846–1903), T d. Oberpredigers Adolph Lüders u. d. Auguste Boldt; Schwager Theodor Hermann Rimpau-Kunrau (1822–88), Begr. d. Moorkultur;
    1 S Hermann (1875–1961), fürstl. Waldeckscher Oberforstmeister u. Hofjägermeister, 2 T;
    E Hans (1904–93), Brigadegen., 1951-56 MdL Hessen (FDP);
    Ur-E Bernt (* 1931), Fabrikbes. in Hagen, Hans-Friedrich (* 1940), Dr. iur. Staatssekr. im AA.

  • Leben

    P. schlug den in ostelb. Adelsfamilien typischen Lebensweg ein: Auf der Kadettenanstalt (seit 1855) erzogen, war er einige Jahn Offizier (seit 1862, auch 1866 u. 1870/71), um 1864 das nur 185 ha große väterliche Gut Döllingen zu übernehmen, zu dem auch eine kleine Braunkohlengrube gehörte. Nach zwei Jahrzehnten als Landwirt trat P. 1885 erstmals hervor, als er zusammen mit Ferdinand Knauer (1824–89) den konservativ ausgerichteten „Deutschen Bauernbund“ begründete, in dem sich neben Gutsbesitzern bzw. Gutspächtern auch Groß- und Mittelbauern organisierten; während der Agrarkrise stieg die Mitgliederzahl von 8000 (1889) auf 40 000 (1892/93). Seit Knauers Tod Vorsitzender, entwickelte P. politische Ambitionen. Brieflich bot er Reichskanzler Caprivi 1890 an, das in den Wahlen kurz zuvor gescheiterte konservativ-nationalliberale (Bismarck-)Kartell durch die Stimmen der Bauern neu zu beleben: Thron, Altar, Staat und Landwirte sollten sich gegen Freisinn und Sozialdemokratie verbünden, der Staat den Bauern durch eine agrarfreundliche Politik, dem Bauernbund durch Finanzmittel helfen. Das Konzept der Sammlung der Grundbesitzer aller Größenklassen vertrat P. auch, als 1893 in Re aktion auf die Freihandelsverträge Caprivis der „Bund der Landwirte“ (BdL) gegründet wurde. P. leitete den Bauernbund in dieser über und wurde als populärer Organisator zum 1. Vorsitzenden gewählt. Er warb in Versammlungen für den Bund und baute dessen moderne Organisation mit auf. Der streng schutzzöllnerische BdL betrieb zwar einseitige Interessenpolitik mit agitatorischen Mitteln, P. vermied es jedoch – anders als Funktionäre wie Gustav Roesicke und Diederich Hahn – die Verbindung zur Regierung ganz abzubrechen. Vielmehr versuchte er bei mehreren Audienzen, Wilhelm II. für den BdL einzunehmen und neben den Konservativen auch die rechten Nationalliberalen auf Agrarprotektionismus (z. B. 1895/96 den sog. Antrag Kanitz) zu verpflichten. Obwohl 1896/97 von Skandalen (Spekulationsgeschäfte, Fehlschlag e. BdL-Hagelvers.) belastet, wurde „Vater Ploetz“, der in den 1890er Jahren zu den einflußreichsten Persönlichkeiten der agrarischen Rechten gehörte, auch von Gegnern taktisches Geschick und Jovialität bescheinigt, P. gehörte 1892/93-98 dem Reichstag und Preuß. Abgeordnetenhaus für die Deutschkonservativen an.

  • Werke

    Der Bund d. Landwirte, seine Freunde, seine Feinde, 1893 (mit H. Tollack);
    Reden im Dt. RT u. Preuß. Abg.haus 1892/93-1898.

  • Literatur

    Agrar. Hdb. d. BdL. 1898, 21903. O. v. Kiesenwetter. Fünfundzwanzig J. wirtsch.pol. Kampfes, 1918;
    H.-J. Puhle, Agrar. Interessenpol. u. preuß. Konservatismus im wilhelmin. Reich (1893–1914), 21975 (Bibliogr. u. Verz. d. BdL-Schrr.);
    E. Hartwig, Dt. Bauernbund (1885–93), in: D. Fricke (Hg.), Lex. z. dt. Parteiengesch., II, 1984, S. 29-32;
    E. Hartwig u. D. Fricke, Bund d. Landwirte (BdL) 1893-1920, ebd. I, S. 241-70. |

  • Quellen

    Qu BA Berlin-Lichterfelde (N 2228; N 2244 – Nachlässe Ploetz bzw. G. Roesicke; R 8034 II; Alte Reichskanzlei, Nr. 1105); GStA Preuß. Kulturbes. Berlin-Dahlem (I. HA Rep. 87B, Nr. 20559-20564 – Ztg.ausschnitte); Stenograph. Berr. üb. d. Verhh. d. RT, 28.4.1896, S. 1983-85 u. 5./6.6.1896, S. 2420–28, 2439-43 (private Spekulationsgeschäfte P.s).

  • Portraits

    LIZ 111, 1898, S. 204;
    J. Kürschner, Der neue RT, 1893, S. 54;
    Photo, v. E. Bieber, Berlin, in: BA Berlin-Lichterfelde (R 8034 II, Nr. 7120, Bl. 29).

  • Autor/in

    Hartwin Spenkuch
  • Empfohlene Zitierweise

    Spenkuch, Hartwin, "Ploetz, Berthold von" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 550 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd133177432.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA