Lebensdaten
1887 bis 1976
Geburtsort
Pflugrade (Pommern)
Sterbeort
Göttingen
Beruf/Funktion
Erbbiologe ; Rassenhygieniker ; Eugeniker ; Humangenetiker
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 118727478 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lenz, Fritz

Porträt(nachweise)

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Zitierweise

Lenz, Fritz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118727478.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Wilhelm (1846–1933), Gutsbes., S d. Gottlieb u. d. Maria Juliana Wilhelmine Ehlert;
    M Anna (1866–1927), T d. Karl Friedrich Wilhelm Krüger u. d. Henriette Lemke;
    Groß-Ov Friedrich (s. 1);
    - 1) 1915 Emmy ( 1928), T d. Karl Weitz (1851–1938), Dr. med., Badearzt in Bad Pyrmont, u. d. Sophie Müller; 2) Herford 1929 Kara (* 1901), Dr. rer. pol., T d. Franz v. Borries, Landrat, u. d. Martha Kamp; Schwäger Wilhelm Weitz (1881–1969), Prof. d. Inneren Medizin in Hamburg, Bodo v. Borries (1905–56), o. Prof. f. Elektronenoptik u. Feinmechanik TH Aachen;
    3 S aus 1), Hanfried (* 1916), o. Prof. f. Mathematik FU Berlin, Widukind (* 1919), Prof. f. Humangenetik in Münster, Friedrich (* 1922), Prof. f. Angew. Physik in Tübingen, 1 S, 1 T aus 2).

  • Leben

    L. studierte Medizin in Berlin, Breslau und Freiburg, wo er 1912 bei Ludwig Aschoff promoviert wurde. Hier weckten der Philosoph Heinrich Rickert sowie der Anthropologe Eugen Fischer seine Neigung, sich auch außerhalb der Medizin mit Existenzfragen des Menschen zu beschäftigen. Anschließend ging L. als Assistent Max v. Grubers nach München und habilitierte sich dort 1919 für Hygiene, nachdem er während des 1. Weltkriegs als Hygieniker tätig gewesen war. Sein eigentlicher Mentor war Alfred Ploetz, der ihn nach der ersten Begegnung 1909 für die rassenhygienische (eugenische) Idee gewann und ihm 1913 die Redaktion sowie 1922 die Mitherausgeberschaft des „Archivs für Rassen- und Gesellschaftsbiologie“ anvertraute. 1921 wurde L. durch seine Beiträge zum „Grundriß der menschlichen Erblichkeitslehre und Rassenhygiene“ als Erbbiologe und Rassenhygieniker bekannt, so daß er 1923 als ao. Professor den ersten Lehrstuhl Deutschlands für Rassenhygiene in München übernehmen konnte. Mit dem Handbuch, das er zusammen mit Erwin Baur und Eugen Fischer verfaßt hatte, wurde zum ersten Mal der Versuch unternommen, die Kenntnisse in der allgemeinen Erbbiologie und der speziellen des Menschen (Humangenetik) systematisch zusammenzufassen und ihre Anwendung als Rassenhygiene wissenschaftlich zu begründen. Die Schwerpunkte von L.s wissenschaftlicher Arbeit lagen auf erbpathologischem und methodologischem Gebiet (u. a. Verbesserung der Weinbergschen Geschwistermethode). In medizinischen Handbuchartikeln und in zahlreichen Zeitschriftenaufsätzen warb er unter Fachleuten und Laien für den rassenhygienischen Gedanken. Für L. bedeutete die Rassenhygiene nicht nur einen Wissenschaftszweig, sondern darüber hinaus lebensbejahende „Ethik der Rasse“ (Zur Erneuerung der Ethik, 1917). L. hielt es für gerechtfertigt, den Begriff der „Rasse“ nicht nur im wertfreien Sinn von Ploetz' „Vitalrasse“ zu verwenden, sondern mit ihm auch qualitativ wertend „Systemrassen“ zu bezeichnen, wobei die angeblich biologisch begründete Kulturleistung Maßstab der Beurteilung war. Indem damit Rassenhygiene als bevorzugte Behandlung einer bestimmten, qualitativ höher eingeschätzten Systemrasse, der arischnordischen, ausgelegt werden konnte, rückte sie von der im Prinzip neutral eingestellten Eugenik ab und näherte sich der in der Tradition Gobineaus stehenden Sozialanthropologie. L.s Verständnis der Rassenhygiene als Wissenschaft und Weltanschauung führte dazu, daß die Nationalsozialisten in ihm einen willkommenen Mitarbeiter sahen. Nach der Machtergreifung folgte er Hermann Muckermann als Abteilungsleiter im „Kaiser Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre und Eugenik“ in Berlin-Dahlem. Gleichzeitig wurde er 1933 auf den Berliner Lehrstuhl für Rassenhygiene berufen und zum Mitglied des „Sachverständigenbeirats für Bevölkerungs- und Rassenpolitik“ ernannt. Im Laufe der Jahre mußte er feststellen, daß dem NS-Regime die Verwirklichung der Rassenideologie wichtiger war als die Verfolgung rassenhygienischer Ziele (Gedanken zur Rassenhygiene [Eugenik], 1943/44). Als L. nach dem Krieg erkannte, daß er an die Rassenhygiene falsche Erwartungen geknüpft hatte, zog er sich von ihr zurück und betätigte sich nur noch als Humangenetiker. Seit 1946 war er ao., seit 1952 o. Professor der Univ. Göttingen und leitete dort das Institut für menschliche Erblehre bis zu seiner Emeritierung 1955. Sein wissenschaftliches Interesse galt auch der Methodik der erbbiologischen Vaterschaftsgutachten sowie der Physiologie und Genetik des Farbensehens.

  • Werke

    Weitere W u. a. Über d. krankhaften Erbanlagen d. Mannes u. d. Bestimmung d. Geschlechts beim Menschen, 1912;
    Zur Erneuerung d. Ethik, in: Dtld.s Erneuerung 1, 1917, S. 35-56;
    Grundriß d. menschl. Erblichkeitslehre u. Rassenhygiene, 1921, I: Menschl. Erblichkeitslehre (mit E. Baur u. E. Fischer), II: Menschl. Auslese u. Rassenhygiene, 41932-36, 5I, 2: Erbpathol., 1940 (mit J. Lange, O. Frhr. v. Verschuer u. W. Weitz;
    schwed. 1925, engl. 1931);
    Rassenhygiene, in: Hdb. d. Hygiene, hrsg. v. M. Rubner, M. v. Gruber u. M. Ficker, IV, 3, 1923, S. 1-115;
    Erblichkeitslehre u. Rassenhygiene (Eugenik), in: Biol. u. Pathol. d. Weibes, hrsg. v. J. Halban u. L. Seitz, I, 1924, S. 803-68;
    Erblichkeitslehre im allgemeinen u. beim Menschen im besonderen, in: Hdb. d. normalen u. patholog. Physiol., hrsg. v. Bethe, v. Bergmann, Embden u. Ellinger, Bd. 17, 1926, S. 901-90;
    Methoden d. menschl. Erblichkeitsforschung, in: Hdb. d. hygien. Unters.-methoden, hrsg. v. E. Gotschlich, III, 1929, S. 689-739;
    Gedanken z. Rassenhygiene (Eugenik), in: Archiv f. Rassen- u. Gesellschaftsbiol. 37, 1943/44, S. 84-109;
    Die soziolog. Bedeutung d. Selektion, in: 100 J. Evolutionsforschung, hrsg. v. G. Heberer u. F. Schwanitz, 1960, S. 368-96; W-Verz.
    in: Homo 3, 1952, S. 2-4 (P).

  • Literatur

    P. E. Becker, in: Anthropolog. Anz. 36, 1977, S. 78-83 (P);
    G. Lilienthal, Rassenhygiene im Dritten Reich, in: Med.hist. Journal 14, 1979, S. 114-34;
    R. Rissom, F. L. u. d. Rassenhygiene, 1983;
    Kürschner, Gel.-Kal. 1925 ff.;
    Wi. 1928 ff.;
    Rhdb. (P).

  • Autor/in

    Georg Lilienthal
  • Empfohlene Zitierweise

    Lilienthal, Georg, "Lenz, Fritz" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 223-225 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118727478.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA