Lebensdaten
1878 bis 1965
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Ruhpolding (Oberbayern)
Beruf/Funktion
Hygieniker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 116579277 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rodenwaldt, Ernst Robert Karl
  • Rodenwaldt, Ernst
  • Rodenwaldt, Ernst Robert Karl
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Zitierweise

Rodenwaldt, Ernst, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd116579277.html [17.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Robert, Dr. phil., Prof., Oberlehrer;
    M Katharina Luther;
    B Gerhart (s. 2);
    1906 Katharina Kabierske;
    1 S, 1 T.

  • Leben

    Nach dem Medizinstudium 1897-1903 an der Ks.-Wilhelm-Akademie für das militärärztliche Bildungswesen in Berlin begann R. eine Karriere als Militärarzt. Nach einer kolonialärztlichen Ausbildung und ersten eigenen Forschungen zu tropischen Fadenwurmkrankheiten am Institut für Schiffs- und Tropenkrankheiten in Hamburg verpflichtete er sich 1910-13 als Gouvernementsarzt in der dt. Kolonie Togo. Dort widmete sich R. der Bekämpfung der endemischen Infektionskrankheiten und der Erforschung parasitärer Tropenkrankheiten. 1915 zum Oberstabsarzt und beratenden Hygieniker der mit dem Dt. Reich verbündeten 5. Ksl.-osman. Armee ernannt, erzielte er an den Schauplätzen des 1. Weltkriegs in der Türkei und in Kleinasien beträchtliche Erfolge bei der Bekämpfung von Malaria, Fleckfieber, Cholera und Typhus. Mit seinen Malaria-Studien habilitierte R. sich 1919 in Heidelberg und ließ sich zwei Jahre später für den Kolonialdienst in Niederländ. Ostindien (heute Indonesien) anwerben, wo er sich Verdienste bei der Bekämpfung der Malaria auf dem ganzen Archipel und in der Erforschung der tropischen Formen der Anopheles-Mücke („Anopheles sundaicus Rodenwaldt“) erwarb. R.s epidemiologische Forschungen verbanden Geomorphologie und Epidemiologie zur Seuchengeographie, aus der er unter Einschluß der klimatischen Faktoren und historischer Entwicklungen das neue Forschungsgebiet „Geomedizin“ herausbildete. Als Inspektor des Volksgesundheitsdienstes für Ost-Java (seit 1928) baute R. ein Netz von Polikliniken und Krankenhäusern auf, seit 1932 untersuchte er als Direktor des „Geneeskundig Laboratorium“ in Batavia (Djakarta) eine neue Art der Filarienelefantiasis. 1934 wurde er Ordinarius für Hygiene in Kiel, 1935 in Heidelberg.

    R. war seit 1933 Mitherausgeber des „Archivs für Rassen- und Gesellschaftsbiologie“ von Alfred Ploetz (1860–1940) und bereits zuvor Vertreter Ostindiens in der „Internat. Vereinigung rassenhygienischer Organisationen“. Eugen Fischers (1874–1967) Untersuchungen regten ihn zu eigenen rassenanthropologischen Forschungen in Niederländ. Ostindien an. Seine diesbezüglichen Publikationen aus der Zeit des Nationalsozialismus weisen R. als Vertreter eines strikt biologistischen Kulturbegriffes aus, welcher ihn zum entschiedenen Gegner jeglicher Rassenmischung machte. R.s radikale Vorstellungen zur Rassentrennung (v. a. zw. Weißen u. Farbigen) zeigte Affinitäten zur nationalsozialistischen Rassengesetzgebung. Seine „Einführung in die Hygiene und Seuchenlehre (1936, mit H. Zeiss) enthielt in der 5. Auflage 1943 auch ein Kapitel zur NS-„Rassenhygiene“. R. war von März bis Dez. 1932 Mitglied der (Auslands-)NSDAP.

    1940 übernahm R. als Leiter des Tropenmedizinischen Instituts an der Militärärztlichen Akademie in Berlin die Organisation der tropenmedizinischen Seuchenbekämpfung der Wehrmacht im 2. Weltkrieg (1943 Generalarzt), setzte aber seine Lehr- und Forschungstätigkeit in Heidelberg fort. Nach Kriegsende wurde R. auf Erlaß der US-Militärregierung aus seinem Hochschulamt entlassen, jedoch 1948 von der Berufungskammer freigesprochen und wieder mit einem Lehrauftrag für Hygiene und der vertretungsweisen Leitung des Heidelberger Instituts betraut. In der Zwischenzeit hatte er die drei Hygienebände des „Field Information Agency, Technical“ Reports über die Naturwissenschaften im Dt. Reich 1939-46 erarbeitet. Nach der Emeritierung 1951 widmete sich R. der 1952 neu gegründeten „Geomedizinischen Forschungsstelle“ der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, der Abfassung und Herausgabe seines zweisprachigen Weltseuchenatlasses (3 Bde., 1952–61, seit 1957 mit H. Jusatz), der zu einem geomedizinischen Standardwerk wurde, sowie Forschungen zur Seuchengeschichte. Außerdem engagierte er sich in der Entwicklungshilfemedizin, als Beirat im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und für das Sanitäts- und Gesundheitswesen der Bundeswehr.|

  • Auszeichnungen

    Dr. phil. h. c. (Tübingen 1963), Mitgl. d. Heidelberger Ak. d. Wiss. (1938) u. d. Leopoldina; Ernst-Rodenwaldt-Inst. f. Wehrmed. u. Hygiene in Koblenz (1967–98); Ernst-Rodenwaldt-Inst. f. Hygiene d. Rep. Togo in Lomé (1967).

  • Werke

    Weitere W Aufnahmen d. geistigen Inventars Gesunder als Maßstab f. Defektprüfungen b. Kranken, Diss. Halle 1904;
    Studien z. Morphol. d. Mikrofilarien, in: Archiv f. Schiffs- u. Tropenhygiene 12, 1908, Beih., S. 406-18;
    Malariastudien im Wilajet Aidin (Kleinasien), ebd. 22, 1918, S. 97-128 (mit H. Zeiss);
    Zur Frage d. Chininresistenz d. Plasmodien d. menschl. Malaria, ebd. 23, 1919, S. 555-602 (Habil.schr.);
    Malaria u. Küstenform, ebd. 29, 1925, Beih. 1, S. 292-304;
    Unterss. über d. Malaria in Tandjong Priok, ebd. Beih. 4, S. 659-701 (mit W. F. R. Esser);
    Die Mestizen v. Kisar, 2 Bde., 1927/28;
    Die Indoeuropäer Niederl. Ostindiens, in: Archiv f. Rassen- u. Ges.biol. 24, 1930, S. 104-20;
    Die Rückwirkung d. Rassenmischung in d. Kolonialländern auf Europa, ebd. 32, 1938, S. 385-96;
    Die Anophelen v. Niederl.-Ostindien, 1932 (mit N. H. Swellengrebel);
    Vom Seelenkonflikt d. Mischlings, in: Zs. f. Morphol. u. Anthropol. 34, 1934, S. 364-75;
    Geomorphol. Analyse als Element d. Seuchenbekämpfung, in: Hippokrates 6, 1935, S. 375-81, 418-25;
    Das Rassenmischungsproblem, in: Reichs-Gesundheitsbl. Nr. 52, 1938, Beih. 4, S. 70-73;
    Die typ. geomorphol. Situationen Niederl.-Indiens in Bezug auf d. Malaria, in: Mededeel. v. d. Dienst d. Volksgezondheit in Nederlandsch-Indie 27, 1938, S. 98-109;
    Tropenhygiene, 1938, 61966 (mit H. J. Jusatz);
    Rassenbiol. Probleme in Kolonialländern, in: Dt. Med. Wschr. 65, 1939, S. 1029-32;
    Allg. Rassenbiol. d. Menschen, in: Hdb. d. Erbbiol. d. Menschen, hg. v. G. Just u. a., 1940, S. 645-78;
    Lehrb. d. Hygiene, 1951 (mit E. Bader);
    Pest in Venedig, 1575–1577, 1953;
    Unterss. über d. Biol. d. venezian. Adels, in: Homo 8, 1957, S. 1-26;
    Ein Tropenarzt erzählt sein Leben, 1957 (Autobiogr.); Hg.:
    Archiv f. Hygiene.

  • Literatur

    Zbl. f. Bakteriol. (Abt. 1, Orig.) 172, 1958, S. 189-96 (W-Verz.);
    G. B. Gruber, in: Nachrr.bl. d. dt. Ges. f. Gesch. d. Med., Naturwiss. u. Technik 22, 1963, S. 42-44;
    K. Boventer, ebd. 26, 1965, S. 82 f.;
    Drugs made in Germany 8, 1965, S. 110 (P);
    H. Jusatz, in: Heidelberger Jbb. 14, 1970, S. 23-51 (W-Verz., P), 21, 1977, S. 89-107 (P);
    M. Lengwiler, Zw. Klinik u. Kaserne, 2000, S. 209-12;
    M. Kiminus, E. R., Leben u. Werk, Diss. Heidelberg 2001;
    Kürschner, Gel.-Kal. 1931-66;
    Munzinger;
    Drüll, Heidelberger Gel.lex. I;
    W. U. Eckart u. Ch. Gradmann (Hg.), Ärztelex., 1995;
    W. U. Eckart, in: G. E. Ueberschär (Hg.), Hitlers militär. Elite, I, 1998.

  • Portraits

    Porträtrelief, 1978 (Nat. Hygiene-Inst. in Lomé, Togo).

  • Autor/in

    Michael Kutzer
  • Empfohlene Zitierweise

    Kutzer, Michael, "Rodenwaldt, Ernst" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 697-698 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd116579277.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA