Kreisky, Bruno

Lebensdaten
1911 – 1990
Geburtsort
Wien-Margareten
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Politiker ; österreichischer Bundeskanzler ; SPÖ-Parteivorsitzender ; Jurist
Konfession
jüdisch, seit 1931 Agnostiker
Normdaten
GND: 118566512 | OGND | VIAF: 31998484
Namensvarianten

  • Rainer / Deckname
  • Braun / Deckname
  • Brand / Deckname
  • Pichler / Deckname
  • Kreisky, Bruno
  • Rainer / Deckname
  • Braun / Deckname
  • Brand / Deckname
  • Pichler / Deckname

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Zitierweise

Kreisky, Bruno, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118566512.html [13.01.2026].

CC0

  • Kreisky, Bruno

    Decknamen: Rainer; Braun; Brand; Pichler

    1911 – 1990

    Politiker, österreichischer Bundeskanzler, österreichischer Außenminister, SPÖ-Parteivorsitzender

    Bruno Kreisky, während der NS-Zeit im schwedischen Exil, wurde 1959 österreichischer Außenminister. Er vertrat aktiv und selbstbewusst die österreichische Neutralität, seine Entspannungspolitik im Kalten Krieg war Teil einer österreichischen Identitätspolitik mit antikommunistischer Verortung und Einsatz für Opposition und Menschenrechtsaktivisten. Als Bundeskanzler setzte er ein tiefgreifendes Reformprogramm in allen Gesellschaftsbereichen, jedoch keine wirtschaftlichen Strukturreformen um. Das Ende seiner Regierungszeit war von hohen Staatsschulden und Korruptionsfällen in seinem Umfeld geprägt.

    Lebensdaten

    Geboren am 22. Januar 1911 in Wien-Margareten
    Gestorben am 29. Juli 1990 in Wien
    Grabstätte Zentralfriedhof (Ehrengrab) in Wien
    Konfession jüdisch, seit 1931 Agnostiker
    Bruno Kreisky, Imago Images (InC)
    Bruno Kreisky, Imago Images (InC)
  • 22. Januar 1911 - Wien-Margareten

    1916 - 1929 - Wien

    Schulbesuch (Abschluss: Matura)

    Volksschule; Bundesrealschule

    1927 - Wien

    Mitglied

    Sozialistische Arbeiterjugend (SAJ)

    1930 - 1935 - Wien

    Studium der Rechtswissenschaften

    Universität

    1933

    Obmann

    Reichsbildungsausschuss der SAJ

    Februar 1934 - Januar 1935 - Wien; Tschechoslowakische Republik

    Mitgründer im Untergrund; Reisen zu Konferenzen

    Revolutionäre Sozialistische Jugend; Revolutionäre Sozialisten

    Januar 1935 - Juni 1936 - Wien

    Verhaftung; Hochverratsprozess (sog. Großer Sozialistenprozess); Verurteilung zu einer Haftstrafe

    Landesgericht für Strafsachen

    Juni 1936 - 1938 - Wien

    Haftentlassung; Studienverbot; illegale politische Tätigkeit

    Revolutionäre Sozialisten

    1937 - 1937 - Hermagor (Kärnten)

    Hilfsarbeiter

    Weberei

    1938 - März 1938 - Wien

    Promotion (Dr. iur.)

    März 1938 - August 1938 - Wien

    "Schutzhaft"

    Gestapo; Landesgericht II; Notgefängnis Karajangasse; Gefangenenhaus Landesgericht I

    September 1938 - 1946 - Dänemark; Stockholm

    Emigration; Angestellter; politische Tätigkeit; 1940 Bekanntschaft mit Willy Brandt (1913–1992); Auslandskorrespondent

    Wissenschaftliches Sekretariat der Konsumgenossenschaft; Auslandssozialdemokratie; Kleine Sozialistische Internationale; ausländische und schwedische Zeitungen und Zeitschriften

    30. Juli 1939 - 2. August 1939 - Lille

    Teilnehmer; Redner unter dem Decknamen Pichler

    Kongress der Sozialistischen Jugendinternationale

    1941 - Stockholm

    Obmann

    Klub österreichischer Sozialisten in Schweden

    1944

    Obmann

    überparteiliche österreichische Vereinigung in Schweden

    1945 - Stockholm

    Organisation von Hilfslieferungen nach Österreich; Oktober 1945 offizieller Beauftragter

    schwedisches Innen- und Sozialministerium

    Mai 1946 - Juli 1946 - Wien

    Aufenthalt

    1946 - 1950 - Stockholm; Wien

    Eintritt in den Diplomatischen Dienst (Legationssekretär; 1947 Legationssekretär 1. Klasse); Rückkehr

    Österreichische Gesandtschaft

    1951 - 1953 - Wien

    Legationsrat 3. Klasse; Kabinettsvizedirektor; außenpolitischer Berater

    wirtschaftspolitische Abteilung des Bundeskanzleramts; Präsidentschaftskanzlei

    1953 - 1959 - Wien

    Staatssekretär für Auswärtige Angelegenheiten

    Bundeskanzleramt

    April 1955 - Moskau

    Mitglied

    Österreichische Verhandlungsdelegationen für den Staatsvertrag

    1955 - 1957 - Wien

    Mitglied

    Parteivorstand der SPÖ

    1956 - 1983 - Wien

    Abgeordneter der SPÖ

    Nationalrat

    1957 - 1967 - Wien

    stellvertretender Parteivorsitzender

    SPÖ

    1959 - 1966 - Wien

    Außenminister

    Bundesministerium für Auswärtige Angelegenheiten

    1962 - Wien

    Gründer

    Wiener Institut für Entwicklungsfragen

    1964 - Wien

    Gründer

    Diplomatische Akademie

    1966 - 1967 - St. Pölten

    Landesparteiobmann

    SPÖ Niederösterreich

    1967 - Oktober 1983 - Wien

    Parteivorsitzender

    SPÖ

    1970 - 1983 - Wien

    Klubobmann

    Sozialistische Abgeordnete und Bundesräte

    1970 - April 1983 - Wien

    Bundeskanzler

    Bundesregierung

    1986 - 1989

    Leiter

    Kommission für Beschäftigungsfragen in Europa

    29. Juli 1990 - Wien

    alternativer text
    Bruno Kreisky, Imago Images (InC)

    Ausbildung, frühes politisches Engagement und Exil bis 1945

    Kreisky besuchte seit 1916 die Volks-, dann die Mittelschule in Wien, die er 1929 mit der Matura abschloss. Kurzzeitig im Verband der Sozialistischen Mittelschüler aktiv, schloss er sich 1927 der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ) an, wo er aufgrund seiner bürgerlich-jüdischen Herkunft auf große Widerstände stieß. Nach einem kurzen Zwischenspiel als Obmann einer SAJ-Gruppe im Bezirk Wien wurde er 1930 Vorsitzender der Regionalorganisation der SAJ im christlichsozial dominierten Tullnerfeld (Niederösterreich), 1933 übernahm er als Obmann des Reichsbildungsausschusses der SAJ die Verantwortung für deren Bildungsarbeit. Nach den Februarkämpfen 1934 und dem Verbot der Sozialdemokratischen Partei gründete Kreisky u. a. mit Roman Felleis (1903–1944) im Untergrund die Revolutionären Sozialisten, wurde nach seiner Teilnahme als Hauptredner an einer Konferenz dieser Organisation in Mährisch-Trübau (Böhmen, heute Moravská Třebová, Tschechien) am 30. Januar 1935 verhaftet und 1936 in einem politischen Prozess (sog. Großer Sozialistenprozess) wegen Hochverrats zu einem Jahr Kerker verurteilt. Nach seiner Freilassung im Mai 1936 erhielt er Studienverbot, setzte seine illegale politische Tätigkeit fort und arbeitete zeitweise in einem kleinen Textilbetrieb bei Hermagor (Kärnten).

    Sein 1930 begonnenes Studium der Rechtswissenschaften schloss Kreisky kurz nach dem „Anschluß“ mit der Promotion zum Dr. iur. ab, wurde von der Gestapo Mitte März 1938 verhaftet und im August in das Exil nach Schweden gezwungen . Trotz des Verbots der schwedischen Behörden führte er seine politische Tätigkeit in einer österreichischen Exilorganisation fort, nahm 1939 unter dem Decknamen Pichler an einem Kongress der Sozialistischen Jugendinternationale in Lille teil, und setzte sich innerhalb der Auslandssozialdemokratie für die Beendigung des „Anschlusses“ an das Deutsche Reich und die Selbstständigkeit Österreichs ein. Kreisky arbeitete im wissenschaftlichen Sekretariat der Stockholmer Konsumgenossenschaft und als Auslandskorrespondent für Zeitungen. Auch in der Kleinen Sozialistischen Stockholmer Internationale war Kreisky aktiv und kooperierte seit 1940 mit Willy Brandt (1913–1992), mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband.

    Politiker der SPÖ seit 1945

    1946 kehrte Kreisky aus Schweden zurück, wurde aber von der Parteiführung um den SPÖ-Parteivorsitzenden und Vizekanzler Adolf Schärf (1890–1965) als ehemaliger Revolutionärer Sozialist und auch wegen seiner jüdischen Herkunft als Legationssekretär nach Schweden zurückgeschickt. Dort engagierte er sich bei Hilfslieferungen nach Österreich und kehrte 1950 nach Wien zurück. Nach einer kurzen Station in der wirtschaftspolitischen Abteilung des Bundeskanzleramts wurde Kreisky Kabinettsvizedirektor und außenpolitischer Berater des sozialistischen Bundespräsidenten Theodor Körner (1873–1957) sowie 1953 Staatssekretär für Auswärtige Angelegenheiten im Bundeskanzleramt. In dieser Funktion spielte er als Mitglied der österreichischen Delegationen 1955 eine wichtige Rolle bei den Staatsvertragsverhandlungen der Regierungsdelegation um ÖVP-Bundeskanzler Julius Raab (1891–1964) und setzte sich erfolgreich für die Akzeptanz einer österreichischen Neutralität bei den Sozialdemokraten ein, die eine prokommunistische Schlagseite für Österreich als neutralem Staat befürchteten.

    Kreisky wurde 1956 für den Wahlkreis St. Pölten in den Nationalrat gewählt, da sich in der Wiener SPÖ und im Österreichischen Gewerkschaftsbund Gegner Kreiskys wie Otto Probst (1911–1978) oder Anton Benya (1912–2001) durchgesetzt hatten.

    Außenminister

    1959 wurde Kreisky Außenminister, auf seine Initiative wurde das Bundesministerium für Auswärtige Angelegenheiten erstmals aus dem Bundeskanzleramt ausgegliedert. Er engagierte sich in Fragen der „Nord-Süd-Politik“ und gründete 1962 bei einer Konferenz für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Partnerschaft das Wiener Institut für Entwicklungsfragen als Diskussionsforum für entwicklungspolitische Ideen und Ziele. In Österreich und international erregte seine Politik zur Durchsetzung einer Autonomielösung für Südtirol große Aufmerksamkeit. Auch in der Entspannungspolitik im Kalten Krieg war Kreisky in der Berlin-Frage, während der Kuba-Raketenkrise und in der Nachbarschaftspolitik mit kommunistischen Staaten als Kommunikator aktiv.

    Nach der Wahlniederlage der SPÖ bei der Nationalratswahl 1966 und der Etablierung einer ÖVP-Alleinregierung übernahm Kreisky als Landesparteiobmann die SPÖ-Niederösterreich und wurde in einer Kampfabstimmung 1967 neuer SPÖ-Vorsitzender. Mit einem neuen Parteiprogramm und modernem Wahlkampf auf der Basis von Expertenstudien erzielte die SPÖ unter Kreisky bei der Nationalratswahl 1970 überraschend eine knappe Mehrheit. Mit Unterstützung der FPÖ erreichte Kreisky die Verabschiedung eines Staatshaushalts und setzte eine Minderheitsregierung unter seiner Führung als Bundeskanzler durch. Bei den vorgezogenen Nationalratswahlen 1971 erhielt er erstmals die absolute Mehrheit, die 1975 und 1979 weiter ausgebaut wurde. Trotz heftiger Auseinandersetzungen mit seinem politischen Ziehsohn Hannes Androsch (1938–2024), dem er Korruption vorwarf, blieb Kreisky bis 1983 die dominierende Persönlichkeit in der SPÖ, ohne einen starken Nachfolger aufzubauen, und wurde zunehmend isoliert.

    Bundeskanzler

    Die Regierungen Kreisky setzten rasch ein Reformprogramm um, das alle Gesellschaftsbereiche umfasste und einen tiefgreifenden Modernisierungsschub einleitete. Durchgesetzt wurden Reformen unter Justizminister Christian Broda (1916–1987) v. a. im Familienrecht, bei der Gleichberechtigung der Frauen, der Entkriminalisierung von Schwangerschaftsabbruch und Homosexualität sowie eine Strafrechtsreform. Mit der Einrichtung eines Bundesministeriums für Wissenschaft und Forschung 1970 unter Ministerin Hertha Firnberg (1909–1984) wurden Bildungs- und Universitätsreformen u. a. mit Drittelparitäten von Professoren, Mittelbau und Studierenden und Abschaffung der Studiengebühren eingeführt. Weitere Reformen wurden im Bereich Gesundheit und Soziales unternommen mit dem Ausbau des Wohlfahrtsstaats und der Arbeitszeitverkürzung von 43 auf 40 Wochenstunden 1975. Eine alle Bundesländer umfassende Finanzierung von Infrastruktur (z. B. Straßen- und Tunnelbau) half mit staatlichen Zuschüssen zu verstaatlichten Unternehmen die beiden Wirtschaftskrisen nach den Erdölpreiserhöhungen zu dämpfen und ein hohes Beschäftigungsniveau zu halten. Gleichzeitig gelang es Kreisky aber nicht, eine tiefgreifende Reform der verstaatlichten Industrie und der verstaatlichten Banken zu erreichen, sodass v. a. nach 1978/79 diese Politik, die fälschlich als „Austro-Keynesianismus“ bezeichnet wurde, die Staatsverschuldung steigen ließ und keine Strukturveränderungen nach sich zog.

    In der internationalen Politik engagierte sich Kreisky weiterhin in der Entspannungspolitik, z. B. in der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, und unterstützte Abrüstungsmaßnahmen der USA und UdSSR. Gleichzeitig setzte er sich für Oppositionelle in den kommunistischen Staaten ein, wie für Václav Havel (1936–2011) in der Tschechoslowakei und Andrej Sacharow (1921–1989) in der UdSSR, und arbeitete eng mit dem schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme (1927–1986) zusammen.

    Schon als Außenminister hatte Kreisky Kontakte in den arabischen Raum geknüpft, etwa nach Ägypten mit Präsident Gamal Abd El-Nasser (1918–1970). Von 1974 bis 1976 leitete er eine „Fact Finding Mission“ der Sozialistischen Internationale in den Nahen Osten in drei Etappen, um Lösungsmöglichkeiten für den Nahostkonflikt auszuloten. Er versuchte, die Palästinenser um den Vorsitzenden der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), Yassir Arafat (1929–2004), in eine Verhandlungslösung mit Israel einzubinden, das Kontakte mit der PLO vehement ablehnte und ihn in den 1970er und 1980er Jahren heftig kritisierte, und bereitete den politischen Boden für die Oslo-Abkommen (1993/95). Immer wieder versuchte er, den Nahost-Terror einzudämmen und den libyschen Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi (1942–2011) politisch in eine Friedenslösung einzubeziehen; im Fall Arafats und der PLO gelang diese Strategie.

    Ende der politischen Laufbahn

    Innenpolitische Niederlagen wie eine ablehnende Volksabstimmung über die Inbetriebnahme des Kernkraftwerks Zwentendorf 1978 verkraftete Kreisky politisch ebenso wie seine Auseinandersetzung mit Finanzminister und Vizekanzler Androsch über dessen Steuerberatungskanzlei, die letztlich in dessen Verurteilung wegen Steuerhinterziehung endete. Gleichzeitig eskalierten Korruptionsfälle im Umfeld der SPÖ wie beim Bau des Allgemeinen Krankenhauses in Wien.

    1983 verlor die SPÖ die absolute Mehrheit nach einem intensiven Wahlkampf, der von der Krise der verstaatlichten Industrie, einer geplanten Kapitalertragssteuer, Korruptionsfällen und Kreiskys Krankheit geprägt war. Kreisky formte eine Kleine Koalition mit der FPÖ, trat jedoch noch am Wahlabend zurück und führte heftige Debatten mit seinen Nachfolgern Fred Sinowatz (1929–2008) und Franz Vranitzky (geb. 1937) über Reformen und die Überlassung des Außenministeriums an die ÖVP in der neuen Großen Koalition. 1987 legte er den Ehrenvorsitz der SPÖ zurück, blieb aber Vizepräsident der Sozialistischen Internationale. Er publizierte stark rezipierte Memoiren und leitete eine internationale Kommission für Beschäftigungsfragen. Erst 1990 versöhnte sich der Altkanzler mit seiner Partei.

    Kreiskys Reformpolitik der 1970er Jahre prägte die österreichische Gesellschaft nicht nur in Wien, sondern auch in den Bundesländern tiefgreifend und hob das Niveau im Bildungs-, Sozial- und Beschäftigungsbereich deutlich. In der internationalen Politik steigerte Kreisky die Reputation des neutralen Österreich nachhaltig, was sich auch zeigte an der mehrfachen Wahl Kurt Waldheims (1918–2007) zum UNO-Generalsekretär und in der Errichtung des Dritten Amtssitzes der Vereinten Nationen sowie eines Konferenzzentrums – letzteres gegen ein von der ÖVP initiiertes Volksbegehren – in Wien. Wirtschaftlich konnte die Regierung Kreisky nach den beiden Erdölpreiserhöhungskrisen der 1970er Jahre keine Strukturreformen umsetzen, auch die hohe Staatsverschuldung und Korruptionsfälle führten zu ihrer Abwahl. In Fragen der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus setzte Kreisky die Politik seiner Vorgänger fort, die österreichische Gesellschaft als Opfer des deutschen Nationalsozialismus zu entschuldigen und verteidigte selbst Angehörige der Waffen-SS, wenn ihre individuelle Schuld nicht nachgewiesen werden konnte.

    1955 Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
    1957 Großes Silbernes Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik Österreich (in Gold 1964)
    1960 Bayerischer Verdienstorden
    1975 Freedom Award des International Rescue Committee
    1976 Ehrenbürger der Stadt Wien
    1976 Vizepräsident der Sozialistischen Internationale (bis 1989)
    1976 Bruno Kreisky Stiftung für Verdienste um die Menschenrechte
    1976 Bruno-Kreisky-Preis für Verdienste um die Menschenrechte der Bruno Kreisky Stiftung für Verdienste um die Menschenrechte (zweijährlich)
    1981 Politiker des Jahres 1980
    1983 Ehrenvorsitz der SPÖ (zurückgelegt 1987)
    1983 Nehru-Preis für Internationale Völkerverständigung, Indien
    1984 Großkreuz des portugiesischen Christusordens
    1991 Bruno-Kreisky-Gasse, Wien-Innere Stadt
    1991 Bruno-Kreisky-Platz, Wien-Kaisermühlen
    1991 Bruno Kreisky Forum für internationalen Dialog, Wien, Armbrustergasse 19
    1993 Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch der Bildungsorganisation der SPÖ und des Dr.-Karl-Renner-Instituts, Wien
    1995 Wohnhausanlage Bruno-Kreisky-Hof, Wien-Hernals, mit Gedenkstele von Leopold Grausam jun. (1946–2010)
    1998 Bruno-Kreisky-Schule, Wien-Simmering
    2005 Bruno-Kreisky-Park, Wien-Margareten

    Nachlass:

    Kreisky Archiv, Wien. (weiterführende Informationen)

    Reden, 2 Bde., 1981.

    Politik braucht Visionen. Aufsätze, Reden und Interviews zu aktuellen weltpolitischen Fragen, 1982.

    Das Nahostproblem. Reden, Interviews, Kommentare, mit einem Vorw. v. Olof Palme, 1985.

    Der junge Kreisky. Schriften, Reden, Dokumente. 1931–1945, mit einem Vorw. v. Willy Brandt, hg. v. Oliver Rathkolb/Irene Etzersdorfer, 1986.

    Johannes Kunz (Hg.), Bruno Kreisky. Ansichten des sozialdemokratischen Staatsmannes, 1993. (P)

    Memoiren in drei Teilen, Bd. 1: Zwischen den Zeiten, 1986, 41987, Bd. 2: Im Strom der Politik, 1988, Bd. 3: Der Mensch im Mittelpunkt, 1996, überarb. u. neu hg. v. Oliver Rathkolb/Johannes Kunz/Margit Schmidt, 2000. (P)

    The Struggle for a Democratic Austria. Bruno Kreisky on Peace and Social Justice, hg. v. Matthew Paul Berg/Jill Lewis/Oliver Rathkolb, 2000.

    Erinnerungen. Das Vermächtnis des Jahrhundertpolitikers, hg. v. Oliver Rathkolb, 2007, 22014. (P)

    Herausgeberschaft:

    Decolonization & After. The Future of the Third World, 1987.

    20 Millionen suchen Arbeit. Bericht der Kreisky-Kommission, 1989.

    Monografien und Sammelbände:

    Johannes Kunz (Hg.), Die Ära Kreisky. Stimmen zu einem Phänomen, 1975.

    Erich Bielka von Karltreu/Peter Jankowitsch/Hans Thalberg (Hg.), Die Ära Kreisky. Schwerpunkte der österreichischen Außenpolitik, 1983.

    Aktion kritische Wähler (Hg.), Brüche und Aufbrüche. Zum Wandel der Werte in der Politik, 1985.

    Erich Fröschl/Helge Zoitl (Hg.), Der österreichische Weg. 1970–1985. 15 Jahre, die Österreich verändert haben, 1985.

    Peter Pelinka/Gerhard Steger (Hg.). Auf dem Weg zur Staatspartei. Zur Geschichte und Politik der SPÖ seit 1945, 1988.

    Bruno Kreisky. Un homme per a la pau. Mallorca 1976–1990, hg. v. Maria Jose Corominas, 1991.

    Heinz Fischer, Die Kreisky-Jahre. 1967–1983, 1993.

    H. Pierre Secher, Bruno Kreisky. Chancellor of Austria. A Political Biographie, 1993. (P)

    Herwig Danzinger, Bruno Kreisky und die Zeitschrift „Profil“. Eine empirisch-inhaltliche Analyse, 1994.

    Günter Bischof/Anton Pelinka (Hg.), The Kreisky Era in Austria, 1994.

    Centre d’Études et de Recherches Autrichiennes, Université de Rouen (Hg.), Austriaca 40 (1995), Bruno Kreisky.

    Konrad R. Müller [Fotograf]/Werner A. Perger/Wolfgang Petritsch, Bruno Kreisky. Gegen die Zeit, 1995. (P)

    Gabriele Bernadette Waldner, Bruno Kreisky, Medienstar. Zur Bedeutung von Kalkül und Intuition in der politischen Kommunikation, 1995.

    Harald Pesendorfer, Bruno Kreisky. Transformation der SPÖ? Bruno Kreisky wird Parteiobmann, 1996.

    Andreas P. Pittler, Bruno Kreisky, 1996.

    Gerhard Schmid, Die Ära Kreisky 1970–1983. Ihre Auswirkungen auf das politische System Österreichs, 1996.

    Werner Gatty/Gerhard Schmid/Maria Steiner, Die Ära Kreisky. Österreich im Wandel 1970–1983, hg. v. Doris Wiesinger, 1997.

    Stiftung Bruno Kreisky Archiv/Historisches Museum der Stadt Wien (Hg.), Bruno Kreisky. Seine Zeit und mehr. Wissenschaftliche Begleitpublikation zur 240. Sonderausstellung des Historischen Museums der Stadt Wien, 1998.

    Gerhard Schmid, Österreich im Aufbruch. Die österreichische Sozialdemokratie in der Ära Kreisky (1970–1983), 1999.

    Wolfgang Petritsch, Bruno Kreisky. Ein biographischer Essay, 2000. (P)

    Christian Dickinger, Der Kreisky-Androsch Konflikt, 2000.

    Heinz Niederleitner, „Vergatterung der Patrioten“. Das Medienereignis Schönau-Krise 1973. Eine kommunikationsgeschichtliche Analyse, 2002.

    Barbara Liegl/Anton Pelinka, Chronos und Ödipus. Der Kreisky-Androsch-Konflikt, 2004. (P)

    Robert Kriechbaumer, Die Ära Kreisky. Österreich 1970–1983 in der historischen Analyse, im Urteil der politischen Kontrahenten und in Karikaturen von Ironimus, 2004.

    Elisabeth Röhrlich, Exilerfahrung und internationale Politik. Themen und Praxis der Außenpolitik Bruno Kreiskys (1970–1983), 2005.

    Beppo Mauhart, Ein Stück des Weges gemeinsam. Die Ära Kreisky/Androsch in Texten und Bildern, 2006. (P)

    Gerald Hinteregger, Im Auftrag Österreich. Gelebte Außenpolitik von Kreisky bis Mock, 2008. (P)

    Anton Pelinka/Hubert Sickinger/Karin Stögner, Kreisky – Haider. Bruchlinien österreichischer Identitäten, 2008.

    Ulrike Felber (Hg.), Auch schon eine Vergangenheit. Gefängnistagebuch und Korrespondenzen von Bruno Kreisky, 2009. (P)

    Elisabeth Röhrlich, Kreiskys Außenpolitik. Zwischen österreichischer Identität und internationalem Programm, 2009.

    Wolfgang Petritsch, Bruno Kreisky. Die Biografie, 2010. (P)

    Helene Maimann, Über Kreisky. Gespräche aus Distanz und Nähe, 2011. (P)

    Christoph Hirschmann, Ein Leben für die Sozialdemokratie. Bruno Kreisky. Sonnenkönig, Arbeiterführer und Einzelgänger, 2018.

    Christoph Kotanko, Kult-Kanzler Kreisky. Mensch und Mythos, 2020. (P)

    Ulrich Brunner, Lernen S' Geschichte, Herr Reporter! Bruno Kreisky. Episoden einer Ära, 2020. (P)

    Daniel Aschheim, Kreisky, Israel, and Jewish Identity, 2022. (P)

    Günter Bischof/Peter Ruggenthaler, Österreich und der Kalte Krieg. Ein Balanceakt zwischen Ost und West, 2022.

    Günter Bischof/Michael Burri (Hg.), Bruno Kreisky’s Foreign Policy, 2025.

    Aufsätze und Lexikonartikel:

    Félix Kreissler/Denise Kreissler, Bruno Kreisky, in: Daniel Galerne (Hg.), Les Grands Revolutionnaires, Bd. 2: Europe et socialisme, 1984, S. 99–188.

    Hans Eder, Die Politik in der Ära Kreisky, in: Reinhard Sieder/Heinz Steinert/Emmerich Tálos (Hg.), Österreich 1945–1995. Gesellschaft, Politik, Kultur, 1995, S. 186–199.

    Wolfgang C. Müller, Bruno Kreisky, in: Herbert Dachs/Peter Gerlich/Wolfgang C. Müller (Hg.), Die Politiker, 1995, S. 353–365.

    Oliver Rathkolb, Bruno Kreisky, in: Otfried Dankelmann (Hg.), Lebensbilder europäischer Sozialdemokraten des 20. Jahrhunderts, 1995, S. 249–272.

    Oliver Rathkolb, Die Kreisky-Ära 1970–1983, in: Rolf Steiniger/Michael Gehler (Hg.) Österreich im 20. Jahrhundert, Bd. 2.: Vom Zweiten Weltkrieg bis zur Gegenwart, 1997, S. 305–353.

    Günter Bischof, Art. "Bruno Kreisky", in: Bernard A. Cook (Hg.), Europe Since 1945. An Encyclopedia, 2001, Bd. 2, S. 747–750.

    Oliver Rathkolb, Sozialdemokratische Netzwerke in der europäischen Nahostpolitik. Brandt, Kreisky und Palme als politische Unternehmer, in: Michael Gehler/Wolfram Kaiser/Brigitte Leucht (Hg.), Netzwerke im europäischen Mehrebenensystem. Von 1945 bis zur Gegenwart, 2008, S. 121–137.

    Oliver Rathkolb, Bruno Kreisky (1911–1990), Der „beste zweite Mann“ als beliebtester Bundeskanzler der Zweiten Republik, in: Peter Brandt/Detlev Lehnert (Hg.), Sozialdemokratische Regierungschefs in Deutschland und Österreich 1918–1983, 2017, S. 247–281.

    Bildbände und Karikaturen:

    Irene Etzersdorfer, Kreiskys große Liebe, Inszenierungen eines Staatsmannes, 1987.

    Bruno Kreisky. Fotografiert v. Konrad R. Müller. Texte v. Gerhard Roth/Peter Turrini, 1981.

    Doris Fuchs, Bruno Kreisky in der Karikatur, 1995.

    Andreas Pittler, Das Bruno Kreisky Album, 2010.

    Hans Werner Scheidl, Der wahre Kreisky. Eine Biographie in Anekdoten und Karikaturen, mit Illustrationen v. Ironimus [Gustav Peichl], 2010.

    Margret Wenzel-Jelinek (Hg.), Kreisky und kein Nachfolger, 2017.

    Bibliografie, audiovisuelle Medien und Videos:

    Nachweise auf den Seiten des Kreisky-Archivs, Wien. (Onlineressource)

    Fotografien, Österreichische Nationalbibliothek, Wien, Bildarchiv und Grafiksammlung.

    Bronzebüsten v. Hubert Wilfan (1922–2007), 1995, Innenhof des Wien-Museums u. 2000, Wien 19, Armbrustergasse 8.

    Bronzebüste v. Christine Pillhofer (1954–2018), 2006, Bruno-Kreisky-Park, Wien-Margareten.

  • Autor/in

    Oliver Rathkolb (Wien)

  • Zitierweise

    Rathkolb, Oliver, „Kreisky, Bruno“ in: NDB-online, veröffentlicht am 01.01.2026, URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd118566512.html#dbocontent

    CC-BY-NC-SA