Lebensdaten
1873 bis 1957
Geburtsort
Komorn (Ungarn)
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
österreichischer Bundespräsident
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118713493 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Körner von Siegringen, Theodor (seit 1900)
  • Körner Edler von Siegringen, Theodor (seit 1900)
  • Siegringen, Theodor Edler von (seit 1900)
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Zitierweise

Körner, Theodor, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118713493.html [19.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Theodor (österr. Adel 1900, 1828-1917), k. u. k. Major, S d. Anton, Arzt in Kratzau/Böhmen, u. d. Theresia Weiß;
    M Karoline (1849–1929), T d. Gasthofbes. Leopold Fousek in Kratzau u. d. Karoline Keil;
    Ov Moritz (1820–76), Prof. d. Med. u. Landessanitätsrat in Graz (s. BLÄ; ÖBL); - ledig.

  • Leben

    K.s Vater hatte sich in der österreichischen Armee vom einfachen Soldaten zum Hauptmann hochgedient. Die beiden begabten Söhne der Familie machten eine schnelle Karriere als Generalstabsoffiziere in der kaiserlichen und königlichen Armee. Nach dem Besuch der Realschule in Reichenberg, der Oberrealschule in Wien (1887/88) und der technischen Militärakademie in Mährisch-Weißkirchen trat K. 1891 in die traditionsreiche technische Militärakademie in Wien ein, wo er zum Pionieroffizier ausgebildet wurde. 1897 begann er mit einem zweijährigen Lehrgang an der Kriegsschule, dessen erfolgreiche Absolvierung ihm die Laufbahn im Generalstab eröffnete. 1904 erfolgte die Aufnahme des mittlerweile zum Hauptmann beförderten K. in das Telegraphenbüro des Generalstabes. In dieser Position setzte er sich als Experte für die Modernisierung des Telegraphen- und Telephonwesens in der kaiserlichen und königlichen Armee ein. 1912 wurde er als Lehrer des operativen Generalstabsdienstes an die Kriegsschule berufen, wo er bis Kriegsausbruch wirkte. Unter den jüngeren Generalstabsoffizieren galt er als einer der begabtesten. Der an politischen und sozialen Fragen Interessierte dürfte sich vom Kreis um Franz Ferdinand angezogen gefühlt haben.

    Für K.s Sozialisation war der 1. Weltkrieg von entscheidender Bedeutung. Aus einem Selbstzeugnis wissen wir von seinem Gesinnungswandel zum Demokraten. Der Generalstabschef der 1. Isonzoarmee, zu dem er 1917 geworden war, trat nach dem Zusammenbruch Österreich-Ungarns im November 1918 in das neugeschaffene Heer der Republik Deutschösterreich ein. Auf sozialdemokratisches Betreiben wurde K. 1919 unter der Koalitionsregierung Renner Amtsleiter im Staatsamt für Heerwesen und hatte entscheidenden Anteil am Aufbau des Heerwesens der Republik. Die Idee einer republikanischen, demokratisierten Wehrmacht, die das sozialdemokratische Wehrkonzept realisieren wollte, war für K.s Arbeit ohne Zweifel stimulierend gewesen. Mit dem späteren christlichsozialen Heeresminister Vaugoin und dessen Absicht, das Heer unter Verdrängung der dominierenden Sozialdemokraten zu einem Instrument konservativer Politik zu machen, geriet K. in einen permanenten Konflikt. Sachfragen und solche der Politik, wie etwa antirepublikanische Tendenzen, waren für dieses krisenhafte Verhältnis ebenso ausschlaggebend, wie persönliche Motive. Auch sein Verhältnis zum Offizierskorps war von zunehmenden Spannungen gekennzeichnet. Im Zuge einer amtsinternen Reorganisation wurde er 1923 auf den Posten eines Heeresinspektors abgeschoben und 1924 als General pensioniert. Die Kritik, die K. während seiner Amtszeit in zahlreichen schriftlichen Stellungnahmen gegenüber der Wehrpolitik Vaugoins vorgebracht hatte, kulminierte in einer Anfang 1924 vorgelegten „Denkschrift über das Heerwesen der Republik“, die in der Öffentlichkeit zu einer breiten Diskussion führte.

    Mit dem Ausscheiden aus dem Heeresdienst vollzog K., der sich im Laufe der Jahre zum „linken“ Demokraten gewandelt hatte und dessen nationale Traditionen ihn für den „Anschluß“ eintreten ließen, den Eintritt in die Sozialdemokratische Partei. Erfahrungen während seiner Tätigkeit als Amtsleiter, persönliche Einflüsse, vor allem der schon aus der Zeit des Weltkrieges stammende Kontakt mit dem Anatomieprofessor und späteren Wiener Gesundheitsstadtrat Julius Tandler, aber auch die Auseinandersetzung mit dem sozialistischen Schriftgut, insbesondere den Schriften Engels', sind dafür bestimmend gewesen. Er wurde von der Sozialdemokratischen Partei in den Bundesrat delegiert (1924-34) und blieb als Mitglied der „Ständigen Parlamentskommission für Heeresangelegenheiten“, einem Kontrollorgan, 1924-32 ebenso mit Wehrfragen konfrontiert, wie als militärischer Berater des Republikanischen Schutzbundes, des Wehrverbandes der Sozialdemokraten, in dessen Zentralleitung er von 1924 bis zu seinem freiwilligen Rücktritt 1930 tätig war. Seit 1927 geriet K. in Gegensatz zur Schutzbundleitung und deren Konzept eines heeresähnlichen Ausbaus. Mit seinen Vorstellungen einer Guerillataktik und seiner Kritik an der Schutzbundpolitik drang er nicht durch. In der Konfliktsituation 1933/34 sprach er sich, von der Aussichtslosigkeit des Bestehens des Schutzbundes gegenüber den bewaffneten Kräften des Staates überzeugt, gegen eine Konfrontation aus und versuchte unmittelbar vor Ausbruch des Bürgerkrieges beim politischen Gegner zu vermitteln. Am 12.2.1934 wurde er verhaftet und wegen Hochverrats, später wegen Beihilfe zum Hochverrat angeklagt. Nach elfmonatiger Haft wurde er entlassen, doch wurde sein Verfahren, von der Justiz des Schuschnigg-Regimes nunmehr wegen Mitwisserschaft weitergeführt, erst Ende 1935 eingestellt. 1935-45 lebte K. in bescheidenen Verhältnissen als Privatmann und widmete sich militärwissenschaftlichen Studien, von denen jene über Clausewitz hervorzuheben sind (herausgegeben von I. Duczynska, 1977). Die nach dem 20. Juli 1944 einsetzende Verhaftungswelle brachte auch K. kurzfristig in Gestapohaft.

    Nach dem Zusammenbruch der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurde der 72jährige im April 1945 zum Bürgermeister von Wien bestellt. In dieser gerade in der Nachkriegszeit überaus schwierigen kommunalpolitischen Funktion verblieb er bis 1951. Als sozialistischer Kandidat für die Bundespräsidentenwahl 1951 wurde er im 2. Wahlgang, erstmals in einer Volkswahl, zum Staatsoberhaupt gewählt. Als Bundespräsident (bis zu seinem Tod) war er ein überzeugter Befürworter der großen Koalition, etwa bei den Regierungsverhandlungen 1953 setzte er sich, die politischen Möglichkeiten seines Amtes voll ausschöpfend, gegen eine Regierungsteilnahme des „Wahlverbandes der Unabhängigen“ (Vorläufer der FPÖ) und für eine Koalition ÖVP-SPÖ ein. In|außenpolitischen Funktionen eng begrenzt, wandte sich K. gegen eine einseitige Westorientierung Österreichs.

  • Werke

    Weitere W Auf Vorposten, Ausgew. Schrr. 1928–38, hrsg. u. kommentiert v. I. Duczynska, 1977.

  • Literatur

    L. Jedlicka, in: NÖB 18, 1972 (W, L, P);
    E. C. Kollmann, Th. K., 1973 (P);
    I. Duczynska, Der demokrat. Bolschewik, 1975.

  • Portraits

    Als Major d. Gen.stabes, 1912 (Wien, Österr. Staatsarchiv, Abt. Kriegsarchiv);
    Herbst 1951 (ebd., Nat.bibl.);
    Ölgem. v. K. M. May (ebd., Präsidentschaftskanzlei);
    Denkmal v. H. Uray, 1963 (ebd., Rathauspark).

  • Autor/in

    Karl Haas
  • Empfohlene Zitierweise

    Haas, Karl, "Körner, Theodor" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 389-391 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118713493.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA