Lebensdaten
1886 bis 1975
Geburtsort
Erfurt
Sterbeort
Marbach am Neckar
Beruf/Funktion
Publizist
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 118742647 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Potter, Paulus (Pseudonym)
  • Pinthus, Kurt
  • Potter, Paulus (Pseudonym)
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Pinthus, Kurt, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118742647.html [16.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Louis (1852–1912), Kaufm.;
    M Bertha Rosenthal (1864–1934); ledig.

  • Leben

    P. wuchs in Magdeburg und Erfurt auf, wo er das Gymnasium besuchte. 1905 begann er in Freiburg, dann in Berlin und Genf ein Studium der deutschen Literaturgeschichte, Philosophie und Geschichte, das er 1906 in Leipzig fortsetzte. Zu seinen Lehrern zählten Karl Lamprecht (1856–1915), Georg Witkowski (1863–1939) und Albert Köster (1862–1924), bei dem P. 1910 promovierte. Neben Franz Werfel (1890–1945) und Walter Hasenclever (1890–1940), mit denen ihn lebenslange Freundschaften verbanden, war er seit 1912 Lektor des neugegründeten Kurt Wolff-Verlags und lernte Franz Kafka, Georg Heym und Else Lasker-Schüler kennen. 1915 wurde P. zum Kasernendienst nach Magdeburg eingezogen, wo er 1918 als Soldatenrat politisch aktiv wurde. Nach seiner Übersiedelung nach Berlin kurzzeitig Dramaturg bei Max Reinhardt, arbeitete P. in den 20er Jahren als vielseitiger Theater-, Literatur- und Filmkritiker, vor allem für „Das Tagebuch“, „Die literarische Welt“ und das „8 Uhr Abendblatt“, er unterrichtete an der Lessing-Hochschule und hielt Rundfunkvorträge. Nach 1933 konnte P. zunächst noch für jüd. Zeitungen schreiben. 1937 emigrierte er in die USA, wo er verschiedene Tätigkeiten als Theaterwissenschaftler ausübte und ständiger Mitarbeiter der Wochenzeitung „Aufbau“ wurde. 1947-60 war P. Dozent für Theatergeschichte an der Columbia-Univ. New York. Forschungs- und Vortragsreisen führten ihn seit 1953 wieder regelmäßig nach Deutschland, u. a. zum Deutschen Literaturarchiv in Marbach, wo er sich 1967 niederließ.

    Anfangs selbst Literat, wurde P. als Herausgeber und Kritiker einer der wichtigsten Vermittler des literarischen Expressionismus. Bereits in seiner Studienzeit beriet er den Verleger Ernst Rowohlt, seit 1911 war er als|regelmäßiger Mitarbeiter für zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften tätig (u. a. „Die Schaubühne“, „Die Aktion“, „Die weißen Blätter“). Seine Besprechung des ital. Stummfilms „Quo vadis?“ (1912) gilt als die erste programmatische deutsche Filmkritik. Unter dem Titel „Das Kinobuch“ (1913 [vordatiert 1914], Neuausg. 1963, 21983) gab er eine Reihe unverfilmt gebliebener Filmszenarien junger Autoren heraus (u. a. Hasenclever, Lasker-Schüler, Albert Ehrenstein u. Ludwig Rubiner). Bekannt wurde P. durch seine literarhistorisch höchst einflußreiche Anthologie „Menschheitsdämmerung, Symphonie jüngster Dichtung“ (1919 [vordatiert 1920], 41922, erw. Neuausg. mit d. Untertitel „Ein Dokument des Expressionismus“, 1959, 281998, engl. 1994), die zur berühmtesten deutschen Gedichtsammlung des 20. Jh. wurde. Bis in die 70er Jahre beschäftigte sich P. in zahlreichen Artikeln, Vorträgen und Nachworten zu Werkausgaben mit dem Werk und Schicksal in der NS-Zeit verfolgter Autoren.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. dt. PEN (1966), Ehrenmitgl. d. Verbands d. dt. Kritiker; Gr. BVK (1966); Badenwürtt. Prof. (1966); Andreas-Gryphius-Preis (1971).

  • Werke

    Weitere W Die Romane Levin Schückings, Ein Btr. z. Gesch. u. Technik d. Romans, 1911;
    Der Zeitgenosse, Lit. Porträts u. Kritiken, ausgew. v. R. Tgahrt, 1971 (P). – Hg.: Neuer Leipziger Parnaß, 1912 (enth. Gedichte P.s);
    Kriegsabenteuer aus alter Zeit, 1914;
    Dt. Kriegsreden, 1916;
    G. Heym, Dichtungen, 1922;
    W. Hasenclever, Gedichte, Dramen, Prosa, 1963. – Mithg.: Genius, Zs. f. alte u. werdende Kunst, 1919-21;
    A. v. Droste-Hülshoff, Sämtl. Werke, 4 Bde., 1925-30;
    |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Dt. Lit.archiv, Marbach.

  • Literatur

    H. Denkier (Hg.), Gedichte d. „Menschheitsdämmerung“, Interpretationen expressionist. Lyrik, 1971 (Einl. v. P., P);
    ders., Zeugnisse e. Lebensfreundschaft, W. Hasenclevers Widmung f. K. P., in: R. Matzker (Hg.), Spiegelungen, FS f. H. Schumacher, 1991, S. 175-83;
    B. Zeller, in: Jb. d. Dt. Schiller-Ges. 19, 1975, S. 510-13 (P);
    W. B. Lewis, Starting Anew, The Exile Years of K. P., in German Life and Leiters 33, 1979/80, S. 234-44;
    ders., Escape from the Third Reich, The Efforts of K. P. to save A. Ehrenstein and A. Wolfenstein, ebd. 39, 1985/86, S. 210-19;
    ders., in: J. M. Spalek u. J. Strelka, Dt.sprachige Exillit. seit 1933, II, 1989, S. 1711–22, IV, 1994, S. 1422-40 (W-Verz.);
    K. Schuhmann (Hg.), K. P. in Leipzig (1906–19), 1996;
    W. Winterhagen, Symphonie? Anm. zu e. problemat. Metapher in K. P.s Essays z. „Menschheitsdämmerung“, in: Zs. f. Germanistik, NF 7, 1997, H. 1, S. 60-73;
    P. Raabe, Die Zss. u. Slgg. d. lit. Expressionismus, 1964;
    ders., Die Autoren u. Bücher d. lit. Expressionismus, 21992 (W-Verz.);
    BHdE II;
    Kunisch-Wiesner;
    KLL;
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    Killy;
    Dt.sprachige Exillit. seit 1933, IV/3, hg. v. J. M. Spalek, K. Feilchenfeldt u. S. H. Hawrylchak, 1994 (W-Verz.);
    J. M. Spalek, S. H. Hawrylchak, Guide to the Archival Materials of the German Speaking Emigration to the United States after 1933, I, 1997.

  • Autor/in

    Thomas Diecks
  • Empfohlene Zitierweise

    Diecks, Thomas, "Pinthus, Kurt" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 458 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118742647.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA