Lebensdaten
1818 – 1890
Geburtsort
Liegnitz (Niederschlesien)
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Gutsbesitzer ; Publizist ; Sozialreformer ; Schriftsteller ; Politiker
Konfession
mehrkonfessionell
Normdaten
GND: 118768948 | OGND | VIAF: 29591561
Namensvarianten
  • Vogelsang, Hermann Ludolf Carl Emil von
  • Vogelsang, Karl Freiherr von (seit 1859)
  • vogelsang, karl freiherr von
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Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Vogelsang, Karl Freiherr von (seit 1859), Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118768948.html [17.07.2024].

CC0

  • Genealogie

    Aus pomm. Adelsfam., d. seit 1270 erw. ist u. deren Stammreihe mit Hennekinus V. (erw. 1395–1423) beginnt;
    V Karl v. V. (1760–1820), preuß. Major d. Gendarmeriekr.brigade in L., S d. Adam Hardnack (1729–88), auf Vorwerk, u. d. Sophie v. Mellenthin a. d. H. Zansebuhr (1734–n. 1771);
    M Ida (1784–1841, 2] Gustav v. Vogelsang, 1768–1848, auf Gutendorf, preuß. Oberstlt.), wohl T d. Augustin Eckhard v. der Lühe (1752–1828), auf Zarnewanz u. Stormstorf, u. d. Agnes Sophie v. Kardorff (1754–1818);
    Ov Friedrich (1758–1821), auf Alt- u. Neu-Gutendorf, Gustav (s. o.), Ludolf (1771–1847), preuß. Major;
    2 B u. a. August v. V. (1810–91, meckl. Adel 1861, Juliane v. Ditfurth, 1839–1903), auf Neu-Gutendorf, preuß. Hptm., 2 Schw u. a. Agnes Julie Wilhelmine (1807–73, Stephan Georg Albert v. Bülow, 1873, ghzgl. meckl.-schwerin. Major);
    Dreyß b. Wittlich 1852 Bertha (1828–1902), T d. Justin(us) Timotheus Frhr. v. Linde (1797–1870, hess. Adel 1839, liechtenstein. Frhr. 1859, österr. Frhr. 1870), Prof. d. Rechte in Gießen, 1848 Abg. z. Frankfurter NV, Geh. Staatsrat (s. NDB 14), u. d. Dorothea Krüger (1800–79);
    5 S (1 früh †) u. a. Ludwig (1860–1918, Veronika Waibel, 1866–1900, T d. Konrad Waibel, Gutsbes., Kunstmaler), k. u. k. Oberstlt., Karl (1861–1923, Wilhelmine Freiin v. Gruben, 1870–1953, Künstlerin, T d. Franz Frhr. v. Gruben, 1829–88, fstl. Thurn u. Taxisscher dirigierender GR u. Kammerpräs., Chef d. fstl. Gesamtverw. in Regensburg), k. u. k. Oberst, Justin (* 1864), k. u. k. Hptm., Friedrich (1870–1937, Helene Lubowitsch, 1881–1957, T d. Leo Lubowitsch, RA), Dipl.-Landwirt, 7 T u. a. Maria (1853–1925), wichtigste Mitarb. V.s, Thekla (1855–1931, Friedrich Maaßen, Dr., Prof., HR), Ida-Louise (1856–1931), Augustine (1858– 1940), Klosterfrau im Kloster v. Hl. Herzen Jesu in Preßbaum b. W., Hildegarde (1859–1931), Justine Marie (1862–1934, Wiard v. Klopp, 1860–1948, österr. Adel 1910, Dr. iur., hann. Oberfinanzrat, Schriftst., geistiger Weggefährte u. Biogr. V.s, s. ÖBL, W, L, S d. Onno Klopp, 1822–1903, hann. HR, Hist., s. NDB XII; ÖBL), Sophie (1868–1941).

  • Biographie

    Nach erstem häuslichen Unterricht in einer Lehrerfamilie in Lübeck besuchte V. das Gymnasium in Halle/Saale und lernte nebenbei Buchbinden, Drechseln und Malen. Wegen eines Fußleidens für den Offiziersdienst untauglich, studierte er 1841–43 Rechts- und Staatswissenschaften in Bonn, 1843 / 44 in Rostock und 1844 in Berlin, wonach er in den preuß. Staatsdienst eintrat. Diesen quittierte er nach dem Tod des Stiefvaters 1848 und übernahm das Gut in Alt-Gutendorf. 1849 traf V. bei den Arbeiten zur Gründung der konservativen Zeitung „Norddeutscher Correspondent“ erstmals mit Franz v. Florencourt (1803–86) und Friedrich Maassen (1823–1900) zusammen, die später zum Katholizismus konvertierten. V. pflegte engen Kontakt mit dem Rittergutsbesitzer und späteren Jesuiten Emil v. Bülow (1817–1903) und trat 1850 in Innsbruck in die kath. Kirche ein. Nach Aufenthalten in Köln (1854 / 55) und Sigmaringen (1855) verkaufte er 1855 sein Gut, da Mecklenburg die Ausübung des kath. Kultus massiv behinderte. 1856 erwarb er|Gut Fußberg (Oberbayern). 1859 / 60 begleitete V. Fürst Johann II. von Liechtenstein auf einer Europareise. 1864 kaufte er den Magdalenenhof auf dem Bisamberg bei Wien, doch war das Gut inklusive einer Zementfabrik nicht gewinnbringend. Nach seiner Verpachtung übersiedelte V. 1872 nach Preßburg.

    1873 wurde V. Mitarbeiter am konservativen Tagblatt „Der Katholik“ (seit 1874 „Das Recht“) des Gf. Georg Apponyi (1808–99) in Preßburg. Damit begann eine reiche publizistische Tätigkeit. 1875 von Leo Gf. Thun (1811–88) in die Redaktion des konservativen „Vaterland“ nach Wien berufen, hatte V. hier enge Kontakte u. a. mit Bülow, Florencourt und Maassen sowie mit Max v. Gagern (1810–89). Daneben stand er im Mittelpunkt eines Diskussionskreises zur „sozialen Frage“, zu dem Friedrich Gf. Revertera, Franz und Julius Gf. v. Falkenhayn, Prinz Aloys Liechtenstein, Gustav Gf. Blome, Egbert Gf. Belcredi, Anton Gf. Pergen, Franz Gf. Kuefstein, Rudolph Meyer sowie später P. Albert M. Weiß OP zählten.

    1879 gründete V. die „Monatsschrift für Gesellschaftswissenschaft und Volkswirtschaft“ (seit 1883 Österr. Mschr. f. christl. Socialreform, Ges.-Wiss., volkswirtschaftl. u. verwandte Fragen). Sie enthielt erste grundlegende Untersuchungen zur Lage der Arbeiterschaft in der Habsburgermonarchie aus der Feder von sozialpolitisch engagierten Handwerkern wie Ernest Schneider und Geistlichen wie Anton Tschörner, Josef Deckert und Rudolf Eichhorn. V. forderte in zahlreichen eigenen Aufsätzen mit antirevolutionärer, antiliberaler, antikapitalistischer und antijüd. Tendenz eine Erneuerung des gesellschaftlichen Lebens aus dem Geist des Christentums. Verbot von Wucherzinsen und eine neue Grundentlastung, verpflichtende genossenschaftliche Bindungen, Begünstigung der gewerblichen Produktion gegen die industrielle Fabrikproduktion, stärkere Abkoppelung vom Weltmarkt, ein soziales Königtum und eine ständische Ordnung der Gesellschaft standen dabei im Mittelpunkt. V.s Bemühungen schlugen sich 1883 / 85 in den österr. Gewerbeordnungsnovellen nieder (Schutz des Kleingewerbes, Maximalarbeitszeit in Fabriken, Sonntagsruhe, Nachtarbeitsverbot für Frauen), ferner im Gesetzentwurf zur Einschränkung des bäuerlichen Erbrechts sowie zur Schaffung von obligatorischen landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaften (1893, Gesetz 1902). V. gilt als geistiger Vater der christlichsozialen Bewegung in Österreich, die sich unter Führung Karl Luegers (1844–1910) seit 1888 konstituierte. Die von V., Lueger und anderen ursprünglich zur Vorbereitung des 2. Österr. Katholikentags 1889 im Hotel „Zur Goldenen Ente“ eingerichteten, regelmäßigen „Enten-Abende“ wurden unter Leitung von Franz Martin Schindler (1847–1922) zu einer Kaderschmiede des Sozialkatholizismus.

  • Auszeichnungen

    |hzgl. nassau. Kammerherr;
    Ehren-Rr. d. souveränen Malteserordens;
    Commandeurkreuz d. päpstl. Gregor-Ordens;
    päpstl. Ehrenkreuz pro Ecclesia et Pontifice;
    Gedenktafel am Haus Wien 1., Schulerstr. 22;
    K.-V.-Bund (gegr. 1913 v. Anton Orel,);
    K. v. V.-Inst. z. Erforsch. d. Gesch. d. christl. Demokratie in Österr., Wien (seit 1980);
    K.-v.-V.-Staatspreis f. Gesch. d. Ges.wiss. (zweij. seit 1992);
    V.gasse, Wien V.;
    K. V.-Gasse, Stockerau (Niederösterr.);
    V.-Heim (Heim d. Pol. Ak. d. ÖVP, Wien).

  • Werke

    |Das Min. Lasser, gen. „Auersperg“, 1876 (anonym);
    Die Grundbelastung u. -entlastung, e. socialpol. These, 1879;
    Die Nothwendigkeit e. neuen Grundentlastung, 1880;
    Die Bauernbewegung in d. österr. Alpenländern, 1881;
    Zins u. Wucher, 1884;
    Ges. Aufss. über soz.pol. u. verwandte Themata, 1886;
    Die socialen Lehren d. Frhr. C. v. V., hg. v. W. Klopp, 1894, ²1938;
    Nachlaß: K.-v.-V.-Inst., Wien (Eigentum d. Kath.-theol. Fak. d. Univ. Wien).

  • Literatur

    |ADB 40;
    Vaterland v. 9. 11. 1890 (Nachruf, Lebenslauf, Todesanzeige);
    W. Klopp, Leben u. Wirken d. Soz.pol. K. Frhr. v. V., 1930 (P);
    J. Ch. Allmayer-Beck, V., Vom Feudalismus z. Volksbewegung, 1952;
    E. J. Görlich, K. V., Ein Mann kämpft f. d. Gerechtigkeit, 1968;
    R. Knoll, Zur Tradition d. christl.soz. Partei, Ihre Früh- u. Entwicklungsgesch. bis zu d. Reichsratswahlen 1907, 1973;
    E. Hanisch, Konservatives u. rev. Denken, 1975;
    L. Reichhold, K. v. V., Die Grundlegung d. österr. Soz.pol., 1987;
    E. Bader, K. v. V. (1818–1890), Die geistige Grundlegung d. christl. Soz.reform, 1990;
    H. Hesse, Personenlex. d. Wirtsch.gesch., ²2009;
    Personenlex. Österr. (P);
    Grewolls, Meckl.-Vorpommern;
    Hist. Lex. Wien(P);
    Kosch, Lit.-Lex.³ (W, L);
    Hdb. Antisemitismus II / 1;
    Lex. Konservatismus;
    LThK³;
    ÖBL.

  • Porträts

    |Lith. v. I. Eigner, um 1870, Abb. in: Hist. Lex. Wien.

  • Autor/in

    Ernst Bruckmüller
  • Zitierweise

    Bruckmüller, Ernst, "Vogelsang, Karl Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 37-38 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118768948.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Biographie

    Vogelsang: Karl Freiherr v. V., Schriftsteller, geboren am 3. September 1818 in Mecklenburg, am 8. November 1890 in Wien. Einer der ältesten protestantischen Familien Mecklenburgs angehörend, trat V. nach absolvirten rechtse und staatswissenschaftlichen Studien in den preußischen Staatsdienst, den er aber kurz nach dem Jahre 1848 aufgab, als er zur katholischen Kirche übergetreten war. V. verließ infolge von Mißhelligkeiten, die dadurch mit seiner Familie entstanden waren überhaupt Mecklenburg, wandte sich nach Süddeutschland und hierauf nach Oesterreich, wo er sich dauernd ansiedelte und bis zu seinem Tode verblieb. Schon im J. 1848 am öffentlichen Leben theilnehmend, bekämpfte er den Büreaukratismus und den Liberalismus. In Wien schloß er sich der conservativen und klerikalen Partei an, unternahm große Studienreisen mit dem regierenden Fürsten Liechtenstein und errang bald, von seinen Gönnern und Freunden in aristokratische Kreise eingeführt, durch seinen Geist, seine Kenntnisse und seinen energischen Charakter eine hervorragende Stellung. Er schrieb zahlreiche Artikel über socialwissenschaftliche und wirthschaftliche Fragen und wurde der Bahnbrecher für den Beginn einer groß angelegten Socialreform auf christlicher Grundlage in Oesterreich. Auf Antrag des Grafen Leo Thun trat er in die Redaction des „Vaterland“, des bedeutendsten conservativen publicistischen Organs. Im J. 1888 begründete V. die „Monatsschrift für christliche Socialreform“ und führte deren Redaction sowie die geistige Leitung des „Vaterland“ bis an sein Lebensende. Unerschütterlich an seinen Anschauungen festhaltend genoß er den Ruf eines überzeugungstreuen, rechtlichen Mannes.

  • Autor/in

    K. W.
  • Zitierweise

    W., K., "Vogelsang, Karl Freiherr von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 40 (1896), S. 156 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118768948.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA