Lebensdaten
1847 bis 1922
Geburtsort
Motzdorf (Nordböhmen)
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
katholischer Theologe ; Politiker ; Prälat
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118951637 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schindler, Franz Martin
  • Schindler, Franz
  • Schindler, Franz Martin
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Zitierweise

Schindler, Franz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118951637.html [20.06.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Franz, Bauer in M., S d. Bauern Franz Anton;
    M Josefa Walter;
    B Josef (1835–1911), o. Prof. f. KGesch. an d. Univ. Prag (s. ÖBL; Egerländer Biographisches Lexikon; Biogr. Lex. Böhmen).

  • Leben

    S. besuchte das bfl. Knabenseminar in Graupen-Mariaschein, trat 1865 ins Priesterseminar zu Leitmeritz ein und war nach dem Theologiestudium und der Priesterweihe 1869-74 in der Seelsorge (in Radonitz u. Dehlau) tätig. Nach ergänzenden Studien am Frintaneum in Wien (Dr. theol. 1877) und kurzer Kaplanszeit wurde er 1878 ao., 1879 o. Professor für Moraltheologie, 1885 zusätzlich für Kirchenrecht an der Theol. Hochschule Leitmeritz. 1887-1917 war S. o. Professor der Moraltheologie an der Univ. Wien (Rektor 1905/06). Hier bemühte er sich um die Berufung qualifizierter Professoren, wie des Neothomisten Ernst Commer (1847–1928) und des Reformtheologen Albert Ehrhard (1862–1940), mit dem ihn lebenslange Freundschaft verband.

    Neben seiner Lehrtätigkeit befaßte sich S. publizistisch mit Fragen der Wirtschaftsethik und Sozialreform und trat in Kontakt mit der Gruppe um den konservativen Reformer Carl Frhr. v. Vogelsang (1818–90). Nach dessen Tod setzte sich S. von Vogelsangs konservativem Programm ab und übernahm als Programmatiker, Wissenschaftsorganisator und Kulturpolitiker mit Karl Lueger (1844–1910) und Joseph Scheicher (1842–1924), deren Antisemitismus er sich nicht zu eigen machte, eine führende Rolle in der christlich-sozialen Bewegung Österreichs. 1892 konstituierte sich die von ihm mitbegründete Leo-Gesellschaft zur Pflege „christl. Wissenschaft“ und „kath. Wahrheit“, deren Programm er entworfen hatte und an deren Aktivitäten und Publikationen, z. B. den Zeitschriften „Die Kultur“ (seit 1899) und „Anthropos“ (seit 1906), er sich maßgeblich beteiligte (Gen.sekretär bis 1913). Bereits 1891 entwarf S. auch das Programm der Christlichsozialen Partei und hatte wesentlichen Anteil an ihrem raschen Erfolg. Auch aufgrund seiner Bemühungen in Rom erwarb die Partei 1895/96 die Sympathie des Kurienkardinals Mariano Rampolla (1843–1913) und überflügelte so die Kath.-Konservativen trotz deren Rückhalts in Kaiserhaus und Episkopat. Hierzu trugen auch seine zahlreichen sozialpolitischen Stellungnahmen, v. a. „Die sociale Frage der Gegenwart vom Standpunkt des Christentums aus“ (1905, 41908), sowie die von ihm 1892 mitbegründete und bis zu seinem Tod mitgestaltete „Reichspost“ bei, die das Musterbeispiel eines „modernen“ Parteiorgans darstellte. S. stand der dt. „Mönchen-Gladbacher Richtung“ nahe, die sich im sog. „Gewerkschaftsstreit“ von der Gängelung durch den höheren Klerus absetzte. Allerdings ging es ihm nicht um die Emanzipation der Arbeiterklasse, sondern im Sinne der Enzyklika „Rerum Novarum“ um soziale Gerechtigkeit in einer berufsständisch gegliederten Gesellschaft, wie sie sein Schüler und akademischer Nachfolger Ignaz Seipel (1876–1932) später zu verwirklichen suchte. Wie das sozial-konservative Konzept des Ständestaats stand auch sein „Lehrbuch der Moraltheologie“ (3 Bde., 1907–11, 21913) – im Kern ein Musterbeispiel einer legalistischen Ethik – in der kath.-scholastischen Tradition.

    S.s Berufung zum Bischof von Linz scheiterte 1907, weil er während der Modernismuskrise als zu fortschrittlich galt. Auch die 1910 vielfach gewünschte Ernennung S.s zum Bischof von Leitmeritz kam nicht zustande. Schon Zeitgenossen sahen darin eine späte Rache der 1896 in Rom unterlegenen monarchistischen Kath.-Konservativen.|

  • Auszeichnungen

    päpstl. Hausprälat (1893); Hofrat (1898); Mitgl. d. Ersten Kammer auf Lebenszeit (1907); Apostol. Protonotar (1913); Konsulent f. kirchl. Angelegenheiten im Unterr.-min. (1918).

  • Werke

    Weitere W Die bes. Aufgaben d. christl. Charitas in d. Jetztzeit, 1895;
    Das Kapitalzinsproblem, 1903;
    Die Stellung d. theol. Fak. im Organismus d. Univ., 1904;
    Empor die Herzen!, 1910;
    Leo XIII., d. soz. Papst, 1910;
    Die Gaben d. hl. Geistes nach Thomas v. Aquin, 1915;
    Begriff u. Wesen d. Liebe b. Thomas v. Aquin, 1922.

  • Literatur

    F. Funder, Aufbruch z. christl. Soz.reform, 1953;
    ders., Vom Gestern ins Heute, Aus d. Ks.reich z. Rep., 31971;
    R. Knoll, Zur Tradition d. christl.soz. Partei, 1973;
    L. Mayr. Der Moraltheol. F. S. (1847-1922), Diss. Wien 1979;
    K. A. Huber, in: Königsteiner Stud. 25, 1979, S. 161-84;
    L. Reichhold, F. M. S., Von d. Soz.reform z. Soz.pol., Wien 1989;
    L. Ovečka, Die Moraltheol. F. M. S.S., 1995 (W, L);
    ÖBL;
    BBKL;
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    LThK3.

  • Portraits

    Porträtrelief (Univ. Wien, Arkadenhof).

  • Autor/in

    Otto Weiß
  • Empfohlene Zitierweise

    Weiß, Otto, "Schindler, Franz" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 790 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118951637.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA