Lebensdaten
1864 bis 1932
Geburtsort
Landskron (Mähren)
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Erzbischof von Wien ; Kardinal
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118846116 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Piffl, Gustav (Taufname)
  • Piffl, Friedrich
  • Piffl, Gustav (Taufname)
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Zitierweise

Piffl, Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118846116.html [11.12.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Rudolf (1826–96), Buchbindermeister in L.;
    M Maria Magdalena Piro ( 1868);
    Stief-M (seit 1868) Flora Bibus;
    6 Geschw, u. a. Rudolf (* 1861), Hofrat, 3 Stief-Geschw;
    Vt Otto (1866–1926), aus L., Hals-Nasen-Ohren-Arzt (s. ÖBL).

  • Leben

    Nach der Reifeprüfung am Gymnasium in Landskron 1882 und dem Militärdienst in Wien wurde P. 1883 im Augustiner-Chorherrenstift Klosterneuburg eingekleidet und nahm den Klosternamen Friedrich an. 1887 wurde er im Wiener Stephansdom zum Priester geweiht. Als Diakon bereits in Stoitzendorf bei Eggenburg in der Seelsorge eingesetzt, wurde er 1889 zum Kooperator in der großen Wiener Arbeiterpfarre St. Jakob in Floridsdorf bestellt. Sein besonderes seelsorgliches Interesse galt den kath. Gesellen und Arbeitern. Durch sie kam er mit den Gründern der jungen Christlichsozialen Partei, Karl v. Vogelsang (1818–90) und Prälat Franz Schindler (1847–1922), in Kontakt. Für seine Weiterbildung wurde P. Anfang 1892 in die ruhigere Stiftspfarre Heiligenstadt versetzt (provisor. Prof. f. Moraltheologie an der theol. Lehranstalt d. Stiftes, Prof. 1893). 1894/95 studierte er am Deutschen Kolleg am Campo Santo in Rom. 1896 ernannte ihn der Klosterneuburger Propst Ubald Kostersitz zu seinem Sekretär. 1901 wurde er Inspektor der verwahrlosten Güter des Stiftes in Ungarn mit dem Amtssitz Sur (Komitat Vészprém). 1906 als Kanzleidirektor nach Klosterneuburg zurückberufen, wurde er Anfang 1907 einstimmig zum Nachfolger des Propstes Bernhard Johannes Peitl (1847–1906) gewählt. Noch im selben Jahr erreichte P. daß sich die österr. Chorherrenstifte zu einer Kongregation zusammenschlossen.

    Nach dem Tod von Ebf. Franz Xaver Nagl 1913 wurde P. auf Vorschlag des Thronfolgers Franz Ferdinand am 1.4.1913 von Kaiser Franz Joseph zum Erzbischof von Wien ernannt. Pius X. bestätigte die Ernennung am 2.5. (Weihe 1.6.1913 in Klosterneuburg, Inthronisation 6.6. in St. Stephan, 25.5.1914 Kardinal mit d. Titelkirche d. hl. Markus). Mit der Christlichsozialen Partei verbunden, war P. ein überzeugter Monarchist. Nachdem Kaiser Karl am 11.11.1918 auf die Ausübung seines Amtes verzichtet hatte und die Republik Deutschösterreich am folgenden Tag mit den Stimmen der Christlichsozialen ausgerufen worden war, erließ P. noch am selben Tag ein Hirtenwort, daß der Rücktritt des Kaisers rechtmäßig zustandegekommen und es daher die unbedingte Pflicht der Christen sei, dem Vaterland in jeder Form zu dienen. 1922 erfolgte die Neuregelung der kirchlichen Verwaltung des Burgenlandes, das nun zu Österreich gehörte und staatlich von den bisher zuständigen ungar. Bistümern getrennt worden war. P. wurde trotz des Protestes des Fürstprimas von Ungarn am 18.5.1922 vom Papst zum Apostolischen Administrator des Burgenlandes ernannt.

    Kath. Sozialreform und Sozialpolitik waren die Hauptanliegen P.s. Von der Tagespolitik hielt sich der „Volksbischof“ P., der ein Mann der praktischen Seelsorge war, trotz seines beträchtlichen Einflusses in der Christlichsozialen Partei fern. Unmittelbar nach Antritt seines Bischofsamtes unterband er allerdings die Tätigkeit eines einflußreichen antimodernistischen Kreises und ließ Reformen wie die der Liturgischen Bewegung von Pius Parsch (1884–1954) zu.|

  • Auszeichnungen

    Dr. theol. h. c. (Wien 1913).

  • Literatur

    R. Hellmer, Ebf. Kard. P., Der Fürst d. fürstlosen Zeit, 1931;
    M. Hussarek-Heinlein, in: Jb. d. österr. Leo-Ges. 1932, S. 3-14;
    J. A. Tzöbl, Kard. P., Ein Lb. d. gr. Wiener Volksbf., 1932;
    A. M. Knoll, Kard. F. G. P. u. d. österr. Episkopat zu soz. u. kulturellen Fragen 1913 bis 1932, 1932;
    K. Werkmann, Die Rolle Kard. P.s in d. Umsturztagen, in: Neues Wiener Journal v. 24.4.1932;
    A. Loris (S. Ghinapoulo), Der Volksbf. Kard. Dr. F. G. P, 1933;
    B. Černik. Das Augustiner-Chorherrenstift Klosterneuburg, 1936;
    F. Funder, Vom Gestern ins Heute, 1952;
    R. Kiszling, Ehzg. Franz Ferdinand v. Österr.-Este. 1953;
    E. Weinzierl-Fischer, in: NÖB IX, 1956, S. 175-87;
    M. Liebmann, Die Rolle Kard. P.s in d. österr. Kirchenpol. seiner Zeit, Diss. Graz 1960 (ungedr.);
    J. Wodka, Kirche in Österr., 1959;
    F. Klostermann, H. Kriegl, O. Mauer u. E. Weinzierl (Hg.), Kirche in Österr. 1918-65, 2 Bde., 1966/67;
    F. Loidl, Gesch. d. Erzbistums Wien, 1983;
    M. Krexner;
    Hirte an d. Zeitenwende, Kard. F. G. P. u. seine Zeit, 1987;
    Gatz I (P).

  • Autor/in

    Erika Weinzierl
  • Empfohlene Zitierweise

    Weinzierl, Erika, "Piffl, Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 435 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118846116.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA