Lebensdaten
1844 bis 1910
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Bürgermeister von Wien ; Politiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118729578 | OGND | VIAF: 27866379
Namensvarianten
  • Lueger, Karl
  • Lueger, Karl Leopold
  • Lueger, Carl
  • mehr

Orte

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Zitierweise

Lueger, Karl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118729578.html [14.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Leopold (1806–66), Berufssoldat, dann Saaldiener am Polytechn. Inst. in W., S d. Josef, Bauer u. Steinmetz in Neustadtl (Niederösterreich), u. d. Anna Maria Birker;
    M Juliane Schuhmayer (1811–88), Tischlermeisters-T aus Wien-Lichtental.

  • Leben

    L. besuchte als Externist die Theresianische Ritterakademie in Wien und wandte sich dann dem Rechtsstudium zu (Dr. iur. 1870). 1874-96 führte er eine Rechtsanwaltskanzlei in Wien. Seine politische Tätigkeit begann er im Wiener Bezirk Landstraße, zunächst in den Honoratiorenzirkeln des liberalen Bürgertums, dann bei den Demokraten. 1875 wurde L. in den Wiener Gemeinderat gewählt, dem er 1875/76 und 1878-1910 angehörte. Im Kampf gegen das liberale Großbürgertum übte er scharfe Kritik an der Gemeindeverwaltung und an den Bürgermeistern C. v. Felder und Joh. Prix. Sein Auftreten wurde vielfach als demagogisch empfunden, zumal er auch antisemitische Strömungen im Kleinbürgertum wohl zu nützen verstand. Im ganzen blieb aber diese Richtung damals noch gemäßigt und hob sich deutlich von der extremen Politik des Deutschnationalen Gg. v. Schönerer ab, den L. bekämpfte. Für ihn war der Antisemitismus bloß ein Mittel, die Massenbewegung, die er auf die Beine brachte, zu stimulieren. L. gelang es, heterogene Wählerschichten zu integrieren und ihnen durch das Aufgreifen des sozialreformerischen Gedankenguts des Freiherrn von Vogelsang ein wirkungsvolles Programm zu geben. In der Agitation und Propaganda bevorzugte L. – von stattlicher Gestalt und|ein faszinierender Redner – das gesprochene Wort. Immer mehr entwickelte er sich zum Berufspolitiker, ja geradezu zu einem Volkstribun. Er trat für die Einführung des allgemeinen Wahlrechtes ein. Nach dem Sturz der liberalen Herrschaft im Wiener Rathaus schien er sein Lebensziel, Bürgermeister seiner Vaterstadt zu werden, erreicht zu haben. Fünfmal wurde er dazu gewählt, doch versagte der Kaiser auf Antrag der Staatsregierung immer wieder die Bestätigung. 1895 kam schließlich ein Kompromiß zustande: L. begnügte sich auf persönlich ausgesprochenen Wunsch des Kaisers für zwei Jahre mit der Stelle eines Vizebürgermeisters. Doch 1897 hatte er sein Ziel erreicht. Er wurde am 8. April erneut zum Bürgermeister gewählt; acht Tage später folgte die kaiserliche Bestätigung. Die folgenden 13 Jahre gehörten fast ausschließlich der Kommunalpolitik. Damals galt es, für Groß-Wien, das jetzt auch über die Donau ausgriff, die Strukturen einer Weltstadt zu schaffen. L. ist dies in weitgehendem Maße gelungen. Er nahm dafür auch eine Verschuldung der Stadt in Kauf. Seine Politik der Kommunalisierung der Versorgungsbetriebe und der Verkehrsmittel hatte Erfolg und wirkt sich bis in die Gegenwart vorteilhaft aus. L. schuf eine leistunsfähige Gas- und Stromversorgung sowie eine zweite Hochquellen-Wasserleitung, ließ umfangreiche Grüngürtel anlegen und baute die soziale Fürsorge aus.

    In der von ihm geschaffenen Christlichsozialen Partei fand L. eine treu ergebene Anhängerschaft, was zu einem kritiklosen Luegerkult führte, der bis in die Jahre der Republik ausstrahlte. Als Parteifunktionär hatte L. nicht immer eine glückliche Hand, auch als Stadtoberhaupt war er nicht frei von Einseitigkeiten, vor allem im Kampf gegen die aufstrebende Sozialdemokratie. In der Staatspolitik – seit 1885 gehörte L. dem Abgeordnetenhaus, seit 1890 auch dem Niederösterreichischen Landtag an – führte er einen lebhaften Streit gegen das Vormachtsstreben der Magyaren. Seine Partei verlegte allmählich ihren Schwerpunkt in die Alpenländer, L. aber ist stets Repräsentant des Wienertums geblieben. Auch in der Staatspolitik, auf die die Christlichsozialen über die politischen Zirkel um den Thronfolger Franz Ferdinand immer mehr Einfluß gewannen, blieb er Pragmatiker. In seinen letzten Lebensjahren gab er noch die Parole zur Eroberung der Hochschulen durch die christliche Volksbewegung aus. Sein Wirken und seine Ausstrahlung als Volkstribun, die L. zu einer nicht unumstrittenen Persönlichkeit machten, werden indes überragt durch das Große und Bleibende, das er für seine Vaterstadt Wien als Kommunalpolitiker geschaffen hat.

  • Literatur

    L. Tomola, Unser Bgm. Dr. K. L., 1904;
    F. Stauracz, Dr. K. L., 1907;
    M. Beskiba, Aus meinen Erinnerungen an Dr. K. L., 1911;
    R. Kralik, K. L. u. d. christl. Sozialismus I, 1923;
    R. Kuppe, Festschr. z. Enthüllung d. Dr. K. L.-Denkmals, 1926 (P);
    R. Kuppe, Dr. K. L. u. s. Zeit, 1933 (P);
    M. Harden, Köpfe II, 1911;
    S. Münz, Österr. Profile, 1913;
    R. Sieghart, Die letzten J.zehnte e. Großmacht, 1932;
    F. Funder, Vom Gestern ins Heute, 1952;
    K. Skalnik, Dr. K. L., 1954;
    ders., in: NÖB XII (P);
    H. Schnee, K. L., 1960;
    F. Czeike, Liberale, christl.-soziale u. soz.demokrat. Kommunalpol. (1861–1934), 1962;
    ders., Wien u. seine Bürgermeister, 1974;
    N. Miko, Einige Dokumente z. Frage d. Bestätigung Dr. K. L.s als Bgm. v. Wien, in: Perennitas, 1963;
    E. Gf. Kielmansegg, Kaiserhaus, Staatsmänner u. Politiker, 1966 (P);
    R. Knoll, Zur Tradition d. christl. soz. Partei, 1973;
    J. W. Boyer, Political radicalism in late imperial Vienna, 1981;
    ders., K. L. and the Viennese jews, in: Leo Baeck Inst. Year Book, 1981;
    C. E. Schorske, Wien, Geist u. Ges. im Fin de siècle, 1982;
    Ch. Sehnal, Die Bgm.wahlen in Wien 1900-18 im Spiegel d. öffentl. Meinung, 1984;
    M. Seliger u. K. Ucekar, Wien, Pol. Gesch. 1740-1934, 1985;
    J. Hawlik, Der Bürgerkaiser, 1985 (P);
    H. Andics, Luegerzeit, 1985;
    P. Csendes, Dr. K. L. u. d. christl.-soz. Partei, in: Traum u. Wirklichkeit, Wien 1870-1930, 1985 (P);
    BJ 15;
    ÖBL;
    LThK VI;
    Kath. Soz.lex., 1980;
    L. Gratz, K. L., in: Österr. Porträts I, 1985.

  • Portraits

    Gem. v. A. Mayerhofer, 1902 (Hist. Mus. d. Stadt Wien);
    Bronzestandbild v. J. Müllner, 1926 (Wien, Luegerplatz).

  • Autor/in

    Walter Goldinger
  • Empfohlene Zitierweise

    Goldinger, Walter, "Lueger, Karl" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 464-465 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118729578.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA