Lebensdaten
1842 bis 1924
Geburtsort
Lichtenhof bei Sankt Stefan ob Stainz (Steiermark)
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
katholischer Moraltheologe ; Sozialpolitiker
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 120645777 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Scheucher, Josef (bis 1853)
  • Scheicher von Lichtenhof, Josef (Pseudonym)
  • Scheicher, Josef
  • mehr

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Zitierweise

Scheicher, Josef, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd120645777.html [15.11.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Karl Scheucher, gen. Geidl, Bergbauer;
    M Maria Höller, aus L.

  • Leben

    Nachdem S. wegen Krankheit das Noviziat der Jesuiten in St. Andrä im Lavanttal (Kärnten) 1864 nach einem Jahr verlassen hatte, studierte er seit 1865 am Priesterseminar in St. Pölten Theologie und war im Anschluß an die Priesterweihe 1869 in Waidhofen an der Ybbs (Niederösterr.) als Kooperator tätig. Nach Fortsetzung seiner theol. Ausbildung am „Frintaneum“ der Univ. Wien (seit 1872) 1874 zum Doktor der Theologie promoviert, war er 1878-1904 Professor für Moraltheologie am St. Pöltener Priesterseminar. Bereits in Waidhofen politisch aktiv, schrieb der Lieblingsschüler des „österr. Görres“ Sebastian Brunner (1814–93) für zahlreiche kath. Zeitungen und Zeitschriften, wobei er für den antiliberalen „St. Pöltner Boten“ (seit 1875), die „Monatsschrift für christliche Sozialreform“ (seit 1893) und das „Correspondenzblatt für den kath. Clerus Österreichs“ als Schriftleiter fungierte. Hierdurch konnte S. die Christlichsoziale Partei mitgestalten und mit Unterstützung des Bischofs von St. Pölten, Matthäus Josef Binder (1822–93), fast den gesamten jüngeren Klerus Österreichs im Sinne der Lehren Karl v. Vogelsangs (1818–90) sozialpolitisch beeinflussen. 1890-1919 gehörte der energische Kämpfer gegen Staatskirchentum dem niederösterr. Landtag bzw. der Provisorischen Landesversammlung, 1891-98 dem St. Pöltener Gemeindeausschuß, 1894-1918 dem Reichsrat, anschließend der Provisorischen Nationalversammlung und 1897-1909 dem niederösterr. Landesausschuß an. Durch seine Offenheit und volkstümliche Eloquenz, gepaart mit derbem und nicht selten sarkastischem Humor, zählte S. zu den wirkungsvollsten, aber auch umstrittensten Parlamentsrednern Österreichs in seiner Zeit.

    Seine besondere Sorge galt der Organisation der ländlichen Bevölkerung. Auf zahllosen, von ihm eingeführten Bürgermeistertagen unterwies er die Gemeindevorsteher im Gebrauch ihrer Rechte und in der Erfüllung ihrer Pflichten, um die Bevölkerung auf diese Weise für die Selbstverwaltung zu erziehen. Mit politischem Weitblick erkannte S. als einer der ersten die Unhaltbarkeit des Dualismus der österr.-ungar. Monarchie und verlangte einen föderativen Aufbau Österreichs in einem „Bund der Vereinigten Oststaaten“. Als Wegbereiter des politischen Katholizismus und Vorkämpfer der christlich-sozialen Bewegung in Österreich kommt dem überzeugten Demokraten bleibende Bedeutung zu. Auf religiösem Gebiet trat der vom Wiener Dogmatiker Ernst Commer (1847–1928) 1908 des Modernismus bezichtigte S. u. a. für eine Reform in der Kirchendisziplin und die Änderung des theol. Studienplans ein.

  • Werke

    u. a. Der Klerus u. d. sociale Frage, 1884, 21896 (übers. in 5 Sprachen);
    Allg. Moraltheol., Systematisch dargest. u. mit zeitgemäß prakt. Beispielen, 1885;
    Sebastian Brunner, Ein Lb., zugleich e. Stück Zeit- u. KCesch., 1888, 21890;
    Compendium repetitorium theologiae moralis, 1890, 31904;
    Erlebnisse u. Erinnerungen, 6 Bde., 1907-12 (Autobiogr.);
    Interessantes Priesterleben, 1-31923.

  • Literatur

    J. Wagner, in: Hochland 24/2, 1926/27, S. 406-16;
    H. David, J. S. als Sozialpol., Diss. Wien 1946 (ungedr.);
    J. Kendl, J. S., Priester u. Pol. an d. Schwelle e. neuen Zeit, Diss. Salzburg 1967 (ungedr.; W, L);
    G. Lewis, Kirche u. Partei im Pol. Katholizismus, Klerus u. Christlichsoziale in Niederösterr. 1885-1907, 1977, bes. S. 69-75, 207 f.;
    F. Schragl, Gesch. d. Diözese St. Pölten, 1985, S. 150, 155, 157, 159 f., 168 (P nach S. 144);
    F. Freund, Das österr. Abg.haus, Ein biogr.-statist. Hdb., 1907-13 (P);
    ders., Das österr. Abg.haus 1911-17 (P);
    LThK1-3;
    Staatslex.5;
    Kosch, Biogr. Staatshdb.;
    Giebisch-Gugitz;
    Kath. Soziallex., hg. v. A. Klose, 1964;
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    ÖBL;
    BBKL (W, L).

  • Autor/in

    Manfred Eder
  • Empfohlene Zitierweise

    Eder, Manfred, "Scheicher, Josef" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 630 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd120645777.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA