Lebensdaten
1840 bis 1929
Geburtsort
Schloß Eisgrub (Mähren)
Sterbeort
Feldsberg (Mähren)
Beruf/Funktion
Mäzen
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 117003360 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Liechtenstein, Johannes II. Fürst von und zu

Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Liechtenstein, Johannes II. Fürst von und zu, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117003360.html [10.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Fürst Alois II. (1796–1858), regiert seit 1836, S d. Johann I. (s. 5);
    M Franziska (1813–81), T d. Franz de Paula Joseph Gf. Kinsky (1784–1823) u. d. Therese Gfn. v. Wrbna u. Freudenthal;
    Ov Prinz Friedrich (1807–85), Gen.;
    B Fürst Franz I. (1853–1938), regiert seit 1929, österr. Botschafter in Rußland;
    Vt Alois (s. 7).

  • Leben

    Erzogen in erster Linie von dem Anglisten J. Hopfner und dem Historiker Jacob v. Falke, setzte L. seine Studien in Bonn und Karlsruhe fort. Ausgedehnte Auslandsreisen in Begleitung des Sozialreformers Karl Frhr. v. Vogelsang vertieften sein Verständnis für künstlerische, wissenschaftliche, sozialethische und wirtschaftliche Probleme. 1858 übernahm er die Leitung des Hauses und des Fürstentums, dem er 1862 eine konstitutionelle Verfassung, 1921 die noch heute geltende Verfassung auf parlamentarisch-demokratischer Grundlage gab. In seine Regierungszeit fallen grundlegende Reformen auf dem Gebiet des Rechts-, Steuer- und Schulwesens; der Abschluß eines Zollvertrages mit der Schweiz sowie die Übernahme der Schweizer Franken-Währung 1924 begünstigten die wirtschaftliche Entwicklung Liechtensteins nach dem 1. Weltkrieg. In außenpolitischen Fragen wahrte der Fürst strenge Neutralität. – L. genoß den Ruf eines hervorragenden Kunstkenners und Mäzens. Er veranlaßte die Neuordnung der liechtenstein. Gemäldegalerie in Wien, die zum Teil unter Mitwirkung des Malers Friedrich v. Amerling erfolgte, und tätigte umfangreiche Ankäufe von qualitativ hochwertigen Bildern, Plastiken und Erzeugnissen des Kunsthandwerks; 1883 erwarb er den Bestand der Hauslabschen Kuriositätensammlung. Daneben förderte er zahlreiche Museen durch großzügige Schenkungen, etwa die Galerie der Wiener Akademie der bildenden Künste, das Museum der Stadt Wien und das Österr. Museum für angewandte Kunst, dessen Protektor er war. Das Kunstverständnis L.s dokumentierte sich auch auf architektonischem Gebiet: Er betrieb die historisch getreue Restaurierung der Burgen Liechtenstein b.|Mödling (Niederösterreich) und Fischhorn (Salzburg) sowie der Schlösser Vaduz und Sternberg (Mähren) und veranlaßte den Neubau eines Palais im IX. Wiener Gemeindebezirk durch Heinrich v. Ferstl sowie die Errichtung zahlreicher Kirchen und Profanbauten. Unter seiner Leitung erfolgte die Zusammenlegung der Gärten von Eisgrub und Feldsberg zu einer der größten Parkanlagen der Monarchie. Als Förderer wissenschaftlicher Bestrebungen unterstützte L. u. a. das Pharmakologische Institut der Universität sowie die Akademie der Wissenschaften in Wien, deren Ehrenmitglied er seit 1889 war. Die Errichtung der Höheren Obst- und Gartenbauschule (1895), der ältesten Anstalt dieser Art im Kaiserreich, und des Pflanzenzüchtungsinstituts (1912) in Eisgrub sowie mehrerer Schulgärten geht auf seine Initiative zurück. Seiner finanziellen Unterstützung ist das Entstehen namhafter historischer und kunstgeschichtlicher Publikationen zu verdanken, vorab der dreibändigen Geschichte des fürstl. Hauses von J. v. Falke. Um 1900 gab er den Auftrag zur Sichtung der liechtensteinischen Familien- und Herrschaftsarchivalien und Zusammenfassung derselben in einem Zentralarchiv. Bemerkenswert war auch sein Einsatz auf sozialem und humanitärem Gebiet: Neben der Einführung fortschrittlicher Sozialleistungen für sein Personal gab L. bedeutende Spenden an zahlreiche Einzelpersonen, Wohlfahrtsanstalten und gemeinnützige Vereine und errichtete aus eigenen Mitteln 1884 das Pfründnerhaus in Mistelbach, 1892 das Spital der Barmherzigen Brüder und 1908 ein Frauenkrankenhaus in Feldsberg.|

  • Auszeichnungen

    Goldenes Vlies (1862); Bailli- u. Ehrengroßkreuz d. souveränen Malteser-Ritterordens.

  • Literatur

    K. Höß, Fürst J. II. v. L. u. d. bildende Kunst, 1908;
    K. In der Mauer, J. II. Fürst v. L., Ein Gedenkbl. z. 50j. Regierungsjubiläum, in: Jb. d. hist. Ver. f. d. Fürstentum Liechtenstein 8, 1908, S. VII ff. (P);
    A. Feger, ebd. 28, 1928, S. 5-119 (P);
    ders., ebd. 29, 1929, S. 13-42) (P);
    W. Lauche, Die Bedeutung d. dahingeschiedenen reg. Fürsten J. II. v. L. f. d. Kunst, d. Wiss., d. Landwirtsch. u. d. Gartenbau, 1929;
    E. Reichel, J. II. Fürst v. u. z. L., Sein Leben u. Wirken, 1932;
    NÖB VII;
    ÖBL.

  • Portraits

    Gem. v. P. J. Qu. Adams, 1908 (Vaduz, Fürst Liechtenstein. Slgg.);
    Marmorbüste v. G. De Loye, 1898 (ebd.).

  • Autor/in

    Evelin Oberhammer
  • Empfohlene Zitierweise

    Oberhammer, Evelin, "Liechtenstein, Johannes II. Fürst von und zu" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 520 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117003360.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA